Montag, 14. Juli 2014

Die "goldene Generation" holt den Pott!



Unser Team hat es tatsächlich geschafft! Acht Jahre, nachdem Jogi Löw seine Aufgabe als Chef-Bundestrainer begann, hat er die DFB-elf tatsächlich zum Titel geführt. Wie titelte so ziemlich jede Zeitung heute morgen: Wir sind Weltmeister!

Ich freu mich wahnsinnig für die Jungs, die es sich wirklich über die letzten Jahre so verdient haben. Eine tolle, eingeschworene Truppe, nicht mit einem definierenden Einzelspieler wie in anderen Mannschaften (Portugals Ronaldo, Brasiliens Neymar, Argentiniens Messi, Hollands Robben), sondern im viel zitierten "Kollektiv" erfolgreich. Eine Mannschaft, bei der selbst die auf der Bank sitzenden Spieler nie murrten sondern ganz im Gegenteil für gute Stimmung sorgten und die anderen immer voll unterstützten. Vielleicht freuten sich gerade deshalb Leute wie Kevin Großkreutz oder Lukas Podolski, die gar nicht bzw. nur kurz gespielt hatten, ganz besonders über den Titel. Vielleicht konnten sie es aber auch einfach nur schneller realisieren als die Spieler auf dem Feld. Nicht wie Sebastian Schweinsteiger, der nach einem Foul noch benommen am Spielfeldrand saß; oder Mats Hummels, der so platt war, dass er nur beseelt lächeln konnte; oder Thomas Müller, der irgendwo auf dem Spielfeld stand und den Kopf schüttelte. 

Was war das für ein spannendes Spiel gegen Argentinienen, einen harten, würdigen Gegner. Klar, dass das nicht so ein Durchmarsch wie gegen die völlig kopflosen Brasilianer zum nächsten hirstorischen 7:1-Sieg werden würde, wussten alle in der Mannschaft. Aber am 13.07.2014 im Stadion Maracana in Rio de Janeiro, wollte der Mall einfach mit wieder nicht ins Tor. Schürrle, Klose, Höwedes noch mit der größten Chance kurz vor der Halbzeit. Dazu ein paar bange Szenen, als ein bis dahin souveräner Tony Kroos den Ball mal flott ind en Lauf eines Argentiniers köpfte und dieser glücklicherweise im Angesicht Manuel Neuers, unserer Torhüter-Wand, die Nerven verlore und vorbei schoss. Oder ein sowieso ganz plötzlich in die Startelf gerückter Christoph Kramer (für den beim Aufwärmen verletzten Khedira) einen Schultercheck an den Kopf bekam und mit Verdacht auf Gehirnerschütterung schon nach ca. 30 min wieder ausgewechselt werden musste. Von den ganzen Attacken auf Bastian Schweinsteiger, der sich gegen Ende sogar noch eine Platzwunde unterm rechten Auge einfing und nach kurzem Tackern wieder auf dem Feld stand (soll mal einer sagen, dass wären alles Weicheier *g*), ganz zu schweigen. 

Und weil es so ein Kampf war und die beiden Mannschaften sich wirklich nichts schenkten, war das vielzitierte "Joker-Tor" in der 113. Minute der elenden Nachspielzeit durch Mario Götze die Erlösung. Ausgerechnet Götze, der bis dahin nicht unbedingt überzeugt hatte. Er rettet die Mannschaft zusammen mit Schürrle nach einem tollen Sprint und macht ein wunderbares Tor. Da war die argentinische Mannschaft schon platt, oder zumindest platter als wir (naja, zugegeben, Mats Hummels kroch da auch schon eher auf dem zahnfleisch daher, aber egal).

So hat's das deutsche Team nach 24 Jahren endlich wieder geschafft und hat den Pott geholt. Besondere Gratulation als Miroslav Klose, den "ewigen Miro", schon 2002 beim WM-Finale dabei, der jetzt seine Karriere so schön krönen konnte (plus natürlich sein 16. WM-Tor, womit er die Torjäger-Statistik nun einsam anführt). An Manuel Neuer, der der Mannschaft so oft den Hintern gerettet hat. ich hoffe sie haben ihm ein paar extra ausgegeben danach. An Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira, die sich nach langwierigen Verletzungen für Löws Vertrauen mit tollen Leistungen bedankten. An Thomas Müller für seine immense Laufarbeit und seine feixende Lockerheit. An Philipp Lahm, der außen einfach doch so viel besser ist als auf der 6. Und an all die anderen tollen Spieler, die das möglich gemacht haben. 

Diese WM wird sicherlich auch als eine WM der Überraschungen in Erinnerung bleiben, in der die vermeintlich Kleinen gar nicht mehr so klein waren (Gruß and Kolumbien, Algerien, Mexiko, Belgien), manch großer Favorit bereits in der Vorrunde nach Hause fahren "durfte" (Gruß an 2010-Weltmeister Spanien, England, Italien, Portugal), die Schiedsrichter in so manchem Spiel auch gar nicht hätten auflaufen brauchen, so wenig wie sie gepfiffen haben, und das Singend er Hymne zu einem Statement sondergleichen ausartete.

Aber was solls. Wie sagt Gary Lineker so schön: "Und am Ende - muss ich es wirklich sagen? - gewinnt wie
immer Deutschland."



Donnerstag, 29. Mai 2014

"Sherlock" (BBC): Auch die 3. Staffel überzeugt und bietet einige Überraschungen



Ziemlich genau zwei Jahre mussten Fans auf die 3. Staffel der BBC-Serie „Sherlock“ warten, bis im Januar 2014 endlich die drei neuen Folgen im britischen TV starteten. Nach Staffel 2 war der Hype um die Serie nur noch gewachsen und die Dreharbeiten zur neuen Staffel waren von Fans belagert worden, die teilweise auch als Statisten in einigen Szenen agieren durften. Benedict Cumberbatchs und Martin Freemans Karrieren stiegen in ungeahnte Höhen auf. Cumberbatch nahm so ziemlich jedes ihn interessierende Projekt an und arbeitete beinahe nonstop, wobei er stets mit seiner Leistung selbst in durchschnittlichen Filmen glänzte (u. a. war er in „Star Trek Into Darkness“ als Bösewicht sowie im Oscar-prämierten „12 Years a Slave“ zu sehen, und überzeugte als WikiLeaks-Erfinder Julian Assange in „The Fifth Estate“). Freeman hielt sich da schon etwas mehr zurück und war sicherlich auch durch die „The Hobbit“-Verpflichtungen recht gut eingespannt. Er spielte im Oscar-nominierten Kurzfilm „The Voorman Project“, außerdem im finalen Akt der „Cornetto“-Trilogie „The World’s End“, und ist seit diesem Frühjahr in der auf dem gleichnamigen Coen-Film basierenden Serie „Fargo“ zusehen.

Die Erwartungen an die 3. Staffel waren gerade bei den Fans extrem hoch. Zwei Jahren hatten sie Zeit, wild über die Auflösung von Sherlocks „Fall“, dem Sturz vom Dach des St. Bart’s Krankenhauses, zu spekulieren. Hinzu kam die Aufregung über die Nachricht, dass Mary Morstan eine wichtige Rolle in der neuen Staffel spielen würde. Da Mary in den Romanen John Watson heiratet, sahen viele dieser Neuerung mit gemischten Gefühlen entgegen; sie wollten nichts am geliebten Status Quo von „Sherlock und John leben in 221B und lösen Fälle“ geändert sehen und einzelne schlugen mit ihren Kritikäußerungen leider auch über die Stränge.  

Aber wie das so ist, all die Spekulationen und Aufregung können einen doch nicht auf die reale Serie vorbereiten, die natürlich teils doch ganz andere Wege eingeschlagen hat als zunächst vermutet. Dieses Mal wird das Ganze eher aus der Sicht von Sherlock erzählt (während die vorangegangenen Staffeln eher John als Identifikationsfigur nutzten), und man legt in den drei Folgen „The Empty Hearse“, „The Sign of Three“ und „His Last Vow“ den Fokus nicht mehr ganz so stark auf die Fälle, sondern mehr auf die zwischenmenschlichen Aspekte.


 In „The Empty Hearse“ (dt. „Der leere Sarg“) kehrt Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) zwei Jahre nach seinem inszenierten Suizid wieder nach London zurück. Während Sherlocks Fans sich in seiner Abwesenheit die wildesten Theorien darüber ausgedacht haben, was sich wirklich auf dem Dach von St. Barts zugetragen hat, hat sein früherer Mitbewohner John Watson (Martin Freeman) es halbwegs geschafft über ihn hinwegzukommen. An dem Abend, an dem John seiner Freundin Mary (Amanda Abbington) einen Heiratsantrag machen will, steht plötzlich der totgeglaubte Sherlock vor ihm und bereitet ihm den Schock seines Lebens. John ist nicht bereit, Sherlock seine Täuschung so einfach zu verzeihen, aber schnell zeigt sich, dass die beiden Freunde sich zusammenraufen müssen: John wird entführt und es gibt Hinweise auf einen geplanten terroristischen Anschlag.

„The Sign of Three“ („Im Zeichen der drei“) handelt von John und Marys Hochzeit. Sherlock hat die Planung mehr oder weniger komplett übernommen und ist beinahe schon obsessiv in der Ausarbeitung der Details, sicherlich auch, weil besonders Mrs. Hudson (Una Stubbs) nicht müde wird zu betonen, wie sehr eine Heirat doch alte Freundschaften belasten kann. Beim Empfang nach der Trauung hält Sherlock eine Rede (zur Beängstigung aller Gäste, die ihn kennen), in der er u. a. den ziemlich chaotischen Junggesellenabschied und einen bisher ungelösten Fall erwähnt. Noch während der Rede wird ihm jedoch bewusst, dass der Fall gar nicht so unlösbar ist, und v. a. auf einen geplanten Mord während der Hochzeitsfeier hindeutet. Doch wer ist das Opfer?  

Im Staffelfinale „His Last Vow“ („Sein letzter Schwur“) trifft Sherlock auf seinen bisher sicherlich abstoßendsten Gegner, Medienmogul Charles Augustus Magnussen (Lars Mikkelsen). Dieser macht sich einen Spaß daraus, in der Öffentlichkeit stehende Personen mit begangenen „Indiskretionen“ zu erpressen. Sherlock soll für eine betroffene Klientin die kompromittierenden Briefe beschaffen, aber die Unterredung mit Magnussen scheitert. Zusammen mit John, der bereits einen Monat nach der Heirat beginnt unzufrieden im geregelten Eheleben zu sein, will Sherlock nun die Briefe aus Magnussens Büro stehlen – doch sie sind an dem Abend nicht die einzigen Einbrecher und die Situation eskaliert.  


Aufgrund der lange Pause zwischen Staffel 2 und 3 hatten Gatiss und Moffat es nicht leicht, eine überzeugende Auflösung für Sherlocks inszenierten Selbstmord zu bieten. Im Internet wurde wild spekuliert und Mark Gatiss, der „The Empty Hearse“ geschrieben hat (und nach wie vor als Mycroft Holmes mit von der Partie ist), spielt augenzwinkernd darauf an. Die wirkliche Auflösung (ist sie es überhaupt?) mag gefallen oder auch nicht. Ich selbst bin zwar nicht so ganz glücklich damit, aber wenn man ehrlich ist, konnte die Auflösung es einfach nie allen recht machen. Irgendeiner wird immer meckern.
Was jedoch allgemein beim Staffeleinstieg auffällt: Die Folge wirkt irgendwie nicht „rund“. Manche Schnitte sind wie gewohnt sehr inspiriert (sehr schön z. B., wie Sherlock Mrs. Hudson vom ersten Wiedersehen mit John erzählt), andere eher hölzern, es wird teilweise recht hektisch und etwas zusammenhanglos zwischen den Charakteren gesprungen. Dies bessert sich zum Glück deutlich in den nächsten Folgen, aber das Fehlen von Regisseur Paul McGuigan (für einige der besten Folgen wie „A Scandal in Belgravia“ verantwortlich) macht sich leider bemerkbar.
Der Humor sitzt zum Glück immer noch, auch an den schauspielerischen Leistungen gibt es nichts zu meckern, sie sind wie gewohnt absolut überzeugend. Neuzugang Amanda Abbington fügt sich ebenfalls sehr gut ein. Ihre Mary ist eine fröhliche, zugängliche Person und zieht die Sympathie der Zuschauer sofort auf sich. Mit ihrer sehr guten Leistung straft Abbington auch gleich all jene Lügen, die ihr vorwarfen, die Rolle nur bekommen zu haben, weil sie die Lebensgefährtin von Martin Freeman ist. Erfreulich auch, dass die gesamte Besetzung wieder mit dabei ist. Louise Brealey bekommt einige schöne Szenen als Molly Hooper, Jonathan Aris als Philipp Anderson hat eine unerwartete Wandlung durchgemacht und Rupert Graves ist als resignierter DI Greg Lestrade ebenfalls wieder mit von der Partie.  

„The Sign of Three“ benutzt Sherlocks Rede als zentrales Element. Benedict Cumberbatch jammerte in diversen Interviews immer wieder darüber, wie viel Text er für die Rede lernen musste und wie lange der Dreh dafür gedauert hat. Die Handlung alterniert zwischen der Hochzeitsgesellschaft und den Momenten, die Sherlock in seiner Rede aufgreift. Dabei findet sich auch die ein oder andere Anspielung auf Fälle aus dem Doyle-Kanon. In dieser Folge menschelt es außerdem ganz schön – die Freundschaft zwischen John und Sherlock wird unterstrichen, es gibt einige emotionale Momente, die man so vielleicht nicht erwartet hätte, und Sherlock hadert mit der Veränderung, die Johns Heirat auch für sein eigenes Leben bedeuten muss. Als Drehbuchautoren fungierten Moffat, Gatiss und „The Reichenbach Fall“-Autor Stephen Thompson, die sich die Folge mehr oder weniger gerecht aufteilten (so ist Gatiss wohl für die Fälle verantwortlich, Moffat hat Sherlocks Rede verfasst, und Thompson den Junggesellenabschied). Der Humor legt in dieser Folge noch einmal eine Schippe zu, allgemein wirkt „The Sign of Three“ auch etwas fröhlicher, endet aber eher auf einer bittersüßen Note.  

Im von Steven Moffat geschriebenen Staffelfinale „His Las Vow“ (der Titel wird am Ende der 2. Folge klar) lernen wir Magnussen kennen, der natürlich auf dem Buchcharakter Charles Augustus Milverton basiert. Allzu viel wurde an ihm nicht geändert, außer dass sein Hintergrund in die moderne Zeit übertragen wurde. Charakterlich ist er immer noch ein widerwärtiges Schwein und man wünscht ihm die Pest an den Hals. Mikkelsen spielt das ganz hervorragend, allein die Art, wie er manchmal den Kopf bewegt, hat etwas Schlangenhaftes an sich. Ein bisschen schade ist es, dass Moffat es mal wieder nicht lassen kann, einen weiteren superklugen Charakter zu schreiben. Bei der Masse an Superintelligenten in „Sherlock“ fragt man sich langsam dann doch, warum wir die Hauptfigur als so besonders wahrnehmen sollen, wenn auch jeder Hauptbösewicht mindestens genauso clever wenn nicht sogar noch besser ist.
Die Folge bietet auf jeden Fall das größte Drama und die größte Spannung, ist dadurch nach der doch eher leichten Vorgängerfolge schon beinahe ein Schlag ins Gesicht, und hält dazu noch einige unerwartete Wendungen parat. Hier können die Schauspieler, allen voran natürlich das Hauptdarsteller-Duo, aber gerade auch Abbington oder Gatiss wieder zeigen, was in ihnen steckt. Wir erhalten außerdem einen ausführlicheren Einblick in Sherlocks „Gedächtnispalast“, in welchem wir auch Moriarty (Andrew Scott) wiedertreffen, und der die Dramatik der zugrundeliegenden Szene sehr gut unterstreicht. Das Ende ist dieses Mal kein hochspannender Cliffhanger sondern eher ein Fragen aufwerfender Teaser, dennoch wird das Warten auf die vierte Staffel wieder schwer fallen.


Insgesamt erscheint mir Staffel 3 v. a. wie eine Art Übergang, eine Hinleitung auf den in Staffel 4 zu erwartenden Showdown (die Handlung für Staffeln 4 und 5 ist laut Moffat auch schon grob geplant). Damit kann ich natürlich total falsch liegen, es wäre nicht das erste Mal, dass ich bestimmte Hintergründe der Show anders verstanden habe, als die Autoren sie gedacht hatten. *g* Das Ende von „His Last Vow“ lässt mich (und auch viele andere Fans, wenn man den Diskussionen im Internet folgt) jedenfalls mit einigen ganz großen Fragezeichen zurück, die sich nicht auf den offensichtlichen Cliffhanger beziehen. Der ist mir relativ... naja, nicht egal, aber nicht so wichtig wie ein anderer Punkt. *g* Als Übergang funktioniert diese Staffel allerdings ganz gut, hoffen wir also, dass es so gedacht ist. Für einen abgeschlossenen Erzählstrang hängt mir jedoch vieles noch zu sehr in der Luft, manche v. a. auch emotional einschneidenden Erlebnisse der Charaktere sind für mich nicht komplett abgeschlossen.

Dieser Eindruck wird natürlich auch dadurch verstärkt, dass die Staffel sich sehr stark auf Sherlock konzentriert und auch zum Großteil aus seiner Sicht erzählt wird. War in den vorangegangenen Staffeln John die Identifikationsfigur des Publikums, ist es dieses Mal Sherlock, was manche Szenen, in denen John sich emotional verschließt, eher schwer greifbar macht. Daher empfanden sicherlich viele Fans das Ende ein wenig frustrierend. Johns Reserviertheit gerade in der letzten Folge macht charakterlich jedoch durchaus Sinn, wenn man bedenkt, was für eine Achterbahnfahrt sein Leben nach der Rückkehr aus Afghanistan für ihn war bzw. immer noch ist. Mag Sherlocks Blickwinkel für das Verständnis von Johns Motivationen eher nachteilig sein, so wird dadurch aber sehr nachdrücklich klar, wie wichtig John für Sherlock ist. Alles was Sherlock tut, ist im Grunde eine Liebeserklärung an seinen besten Freund – welche Art Liebe muss dann jeder für sich entscheiden. 

Für uns deutsche Zuschauer gibt es jedoch eine erlösende Nachricht, was einen besonders kontroversen Punkt in der Synchronisation angeht: Ab der 2. Folge sind Sherlock und John endlich beim „Du“ angekommen. Dann werde ich wohl nun auch die synchronisierten Folgen schauen können, ohne jedes Mal genervt zusammenzuzucken beim „Sie“. *g*

Fazit: Die 3. „Sherlock“-Staffel startet zwar etwas holprig, findet dann aber zu alter Form zurück. Schauspielerisch nach wie vor ein Genuss, menschelt es dieses Mal ganz schön. Dadurch wird der Zuschauer allerdings nur in Sicherheit gewogen, denn das Staffelfinale lässt im Hinblick auf Dramatik, Spannung und Überraschungen nichts zu wünschen übrig.

Ähnliche Artikel:

Dienstag, 22. April 2014

"The Return of the First Avenger": Marvel ambitioniert wie eh und je


Jaha, da bin ich wieder! Zurück aus dem schwarzen Loch, das sich Leben nennt, bringe ich euch eine Review zum neuen Film des „Avengers“-Universums! Und zwar zu "Captain America: The Winter Soldier", der in Deutschland den etwas umständlicheren Titel "The Return of the First Avenger" bekommen hat - sicherlich als Versuch, beim breiten Publikum die Erinnerung an den erfolgreichen "The Avengers" zu wecken (der erste "Captain America"-Film zog nämlich nicht einmal 400.000 Besucher in die deutschen Kinos).

Nach Gott Thor ist es also dieses Mal Steve Rogers a.k.a. Captain America, der uns die Zeit auf den zweiten „Avengers“-Film „Age of Ultron“ verkürzt. Der Captain scheint für Marvel derjenige zu sein, der etwas düsterere, ernstere Filme legitimiert – kein Wunder, hat er doch seinen Ursprung im 2. Weltkrieg, wo er als Supersoldat Hitler und dessen Wissenschaftsabteilung HYDRA ordentlich eingeheizt hat. Teil 2 greift diese Untertöne auf, legt in Sachen Drama und Humor zu, ist bombastischer als Teil 1 und dazu deutlich politischer als die Vorgängerfilme rund um die Avengers. Das passt, ist doch der Protagonist noch nicht lange im 21. Jahrhundert unterwegs und muss sich erst an die veränderte Vorgehensweise in der Kriegsführung gewöhnen (Stichworte Spionage und Kampf gegen den Terror).

Steve Rogers (Chris Evans) kommt mittlerweile halbwegs mit dem Leben in der heutigen Zeit  klar. Er erhält von Nick Fury (Samuel L. Jackson) den Auftrag, zusammen mit SHIELD-Agenten ein von Piraten gekapertes SHIELD-Schiff zu befreien. Bei diesem Einsatz wird er außerdem von Natasha „Black Widow“ Romanoff (Scarlett Johannsen) unterstützt, die die Mission jedoch durch eine, ihr von Fury aufgetragenen, Sonderaufgabe gefährdet. Steve hält Fury dieses Vorgehen vor - wie soll er seine Missionen erfolgreich durchführen, wenn er nicht alle Informationen hat? Vertrauen gehört jedoch nicht zu Furys Grundsätzen, und wie sich schnell herausstellt, liegt er damit sehr richtig. Bei SHIELD läuft etwas ganz gewaltig schief, und nicht nur Fury muss die Konsequenzen tragen - auch Steve gerät in die Schusslinie und befindet sich bald auf der Flucht vor seinen eigenen Leuten. Die anschließenden Ereignisse sollte man auch gar nicht weiter vorwegnehmen, denn es gibt die ein oder andere überraschende Wendung.


Vertrauen und Loyalität spielen eine große Rolle in „The Return of the First Avenger“. Steve Rogers ist allein aufgrund seiner Geschichte ein einsamer Mensch - es gibt nur noch wenige, die überhaupt aus seiner Zeit sind; er passt sich zwar an das 21. Jahrhundert an, aber so richtig zu Hause ist er noch nicht. Hinzu kommt nun, wem er überhaupt noch vertrauen kann - Menschen, mit denen er zusammengearbeitet hat, sind plötzlich hinter ihm her. Immerhin, auf Natasha ist Verlass - und wie angenehm, dass die einzige weibliche Hauptfigur nicht für eine Liebesgeschichte genutzt wird. Steve und sie sind Freunde und ein gutes Team - einen romantischen Subplot habe ich zu keiner Zeit vermisst!

Hinzu kommt die recht politische Ausrichtung des Films, die tatsächlich mehrere interessante Aspekte anspricht, wenn auch manchmal nur im Vorbeigehen. Dies war aber schon immer eine Stärke der Marvel-Filme: Obwohl es sich im Kern um Blockbuster-Unterhaltung handelt, werden immer wieder ernstere Themen eingestreut (z. B. Tony Starks post-traumatische Störung, Bruce Banners Suizidversuche), die den Charakteren ein bisschen zusätzliche Tiefe verleihen. In "The Return of the First Avenger" wird z. B. auf die Probleme hingewiesen, die bei der Eingliederung von heimgekehrten Soldaten entstehen. Dies wird durch Anthony Mackies Charakter Sam Wilson (a.k.a. Falcon) mit Steves Handlung verbunden - gelungen.

Im Vordergrund steht jedoch die Kontroverse darüber, wie weit man gehen darf oder sollte, um den Frieden zu erhalten. Es gab zwar schon in anderen Filmen dieses Universums immer wieder Seitenhiebe auf fragwürdige Außenpolitik, Aufrüstung usw., aber nie war es so satirisch auf den Punkt wie hier. Der besondere Clou daran: Die fragwürdigen Methoden zur Erhaltung des Friedens werden mit absoluter Selbstverständlichkeit vorgetragen und könnten zum Großteil direkt aus der Berichterstattung im US-Fernsehen stammen. Klingt doch alles ganz logisch, man muss eben Kompromisse eingehen. Und dann kommt Steve Rogers als Held des Films und Identifikationsfigur für viele Zuschauer, und sagt, Nein, das ist keine Friedenspolitik, sondern reine Angstmacherei. Es gab bereits einige amerikanische Stimmen, die diesen Schachzug sehr gelobt haben, da er auf effektive und doch sehr einfache Art die aktuelle Außenpolitik kritisiert. Gerade in Anbetracht von NSA-Skandal und dergleichen ist der Film sehr aktuell und auf den Punkt.

Schauspielerisch gibt es nichts zu meckern. Chris Evans ist hervorragend als Steve, er verleiht den wichtigen Momenten die nötige Gravitas, aber bleibt auch in den lustigen Momenten stets überzeugend. Ebenso gelungen ist Scarlett Johannsons Leistung als Natasha. Es wird ja immer nach "starken Frauen" geschrieen, was meist darauf hinausläuft, dass die weiblichen Charaktere draufhauen wie die Kerle und ständig blöde Sprüche reißen. Das ist es aber gar nicht, was wir mit "starken Frauen" meinen. Wir wollen interessante Frauen sehen, realistische Frauen, und so eine ist Natasha. Sie ist kompetent, nicht zimperlich, hat Durchsetzungsvermögen, aber sie nimmt auch Anteil an Steves Leben, hat Humor, und ist auch mal verzweifelt. Ein Black Widow-Film ist mehr als überfällig, und sollte er genauso qualitativ hochwertig sein wie die bisherigen Filme dieser Reihe, wird er sicher auch Erfolg haben.


Anthony Mackie als Sam Wilson bzw. Falcon fügt sich perfekt in die Reihe ein. So leicht hätte aus ihm die Kischeefigur des schwarzen, sprüchereißenden und nervigen Sidekicks werden können, aber dies ist zum Glück nicht passiert. Er lockert an den richtigen Stellen das Geschehen mit seiner schlagfertigen Art auf, ist glaubhaft stark in den Actionszenen und entwickelt die Freundschaft zu Steve überzeugend.
Der Titelgebende Winter Soldier hatte für meinen Geschmack etwas zu wenig Szenen, diese hatten jedoch ordentlich Durschlagskraft (teilweise wörtlich zu verstehen). Sebastian Stan macht aus ihm eine tragische Figur und er wird sicherlich in weiteren Filmen dieser Reihe noch eine wichtige Rolle spielen. Auch die anderen Schauspieler liefern wie zu erwarten sehr gute Arbeit ab, z. B. Robert Redford als charmant-glatter Neuzugang Alexander Pierce, Samuel L. Jackson als gewohnt BAMF-iger Nick Fury, Cobie Smulders als Agentin Hill oder Emily vanCamp als Steves Nachbarin Kate.

Auch technich gibt es nichts auszusetzen. Die Actionszenen sind toll anzusehen und viele bleiben im Gedächtnis, weil sie spannend und gut inszeniert sind.  Die Musik von Hans Zimmr und John Powell ist passend heroisch und unterstützt die Handlung. Nur auf das 3D hätte man durchaus verzichten können, es fügt dem Geschehen nichts Wesentliches hinzu.

Fazit: "Captain America: The Winter Soldier" ist ein weiterer gelungener Film des Marvel Cinematic Universe. Tolle Actionszenen, gelungene Charakterentwicklung, eine spannende Handlung und die genau richtige Dosis Humor sorgen für perfekte Blockbuster-Unterhaltung. Der neue "Avengers" kann gar nicht schnell genug kommen. 


Ähnliche Artikel:



Freitag, 31. Januar 2014

Mein Kinojahr 2013

Dieses Jahr bin ich so richtig schön spät mit meinem Rückblick auf das Kinojahr 2013. Aber es ist immer noch Januar, da wollen wir mal nicht so kleinlich sein. ;)

Genau wie in 2012 zog es mich 2013 40 Mal ins Kino, am meisten – wie eigentlich immer – im letzten Quartal (Verteilung: 10 / 9 / 6 / 15). Dabei gehen 26 Besuche auf das Konto meines Heimatkinos und einmal war ich sogar in einem ausländischen Kino, nämlich im Showcase in Bristol (für „The World's End“). 14 Mal musste ich einen Film in 3D gucken (ja, „Musste“, denn leider kann man heutzutage ja nur noch sehr selten zwischen einer 2D- und einer 3D-Fassung wählen), und vier Filme zogen mich zwei Mal ins Kino.


Der beste Film
Da hatte ich dieses Jahr wirklich große Probleme, mich endgültig zu entscheiden, denn vier Filme blieben mir in besonders guter Erinnerung und zählen meiner Meinung nach zum Bestem, was 2013 zu bieten hatte. Am Ende hat dann aber ein Film – ganz passend – mit einem Sekundenbruchteil Vorsprung gewonnen: „Rush“. Ron Howards Porträt der Rivalität zwischen den Formel1-Fahrern James Hunt und Nikki Lauda ist spannend, schockierend, lässt Emotionen zu und bietet sogar den ein oder anderen Lacher.
Nur ganz knapp am 1. Platz schrammten der beste Blockbuster des Jahres, „Iron Man 3“, und der vor Spannung kaum zu ertragende „Captain Philipps“ (mit einem lange nicht mehr so guten Tom Hanks) vorbei. Das v. a. technisch auftrumpfende Weltall-Spektakel „Gravity“ schafft es auf Platz 4.

Der schlechteste Film 
Auch dieses Jahr habe ich einen weiten Bogen um die üblichen verdächtigen für diese Kategorie gemacht – da habe ich wohl das Glück kein offizieller Filmkritiker zu sein, sodass mich niemand zwingen kann für Schrott ins Kino zu gehen. Und so war auch kein Film so richtig schlecht, sondern eigentlich fällt eher in die Kategorie „Nett aber vergessenswert“ oder „Muss man nicht sehen aber tut auch nicht richtig weh“. Und von all diesen Filmen fand ich „Epic“ dann doch am schlechtesten. Der Film sieht zum Großteil sehr hübsch aus, aber die Story ist leider sehr bescheuert bzw. wimmelt nur so von Logiklöchern.

Der lustigste Film 
Beim lustigsten Film schwanke ich zwischen zwei, und ich möchte mich eigentlich auch nicht entscheiden. Beide sind nämlich auf ihre Art sehr unterhaltsam. Zunächst wäre da „Das ist das Ende“, der komplett durchgeknallte Weltuntergangs-Apokalypsen-Film mit James Franco, Seth Rogen & Co. Ein aberwitziger Kommentar auf Hollywood und Katastrophenfilme, denn jetzt sehen wir mal komplett planlosen Menschen dabei zu, wie sie mit solch einer Extremsituation klar kommen. Und das ist zum Brüllen komisch, wenn auch etwas krude.
Und der andere Film ist „Don Jon“ über einen von Joseph Gordon-Levitt gespielten Pornosüchtigen, der selbst dann nicht von seinem schmutzigen Hobby lassen kann, als er anscheinend seine Traumfrau findet. Der Film schafft eine überraschende Gratwanderung gegen Ende, wenn das Ganze einen ernsteren Unterton bekommt, aber die erste Stunde ist herrliche Satire auf Hollywood-Romanzen.
Eine Ehrennennung habe ich allerdings noch: Als lustige Szene des Jahres gewinnt ganz klar die Kapuzenszene aus „Django Unchained“.

Der emotionalste Film 
 Das waren im Grund zwei Filme: Einmal „Les Miserables“, da muss ich beim letzten Lied sowieso immer schlucken, wenn ich es höre, und dass dann auf der Leinwand zu sehen (auf der Bühne habe ich das Musical bisher leider nicht sehen können), schwächt die Szene nicht gerade ab. Allgemein war die Verfilmung recht gut gelungen und die langen Kameraeinstellungen trugen zur Intensität bei. Immerhin bin ich nicht in Tränen ausgebrochen, dafür haben andere im Publikum gesorgt.
Und der zweite Film ist „Captain Philipps“, nicht auf der „Oh mein Gott, das ist so traurig!“-Ebene, sondern auf der „Wow, das war ein verdammt nervenaufreibendes Finale“-Ebene. Obwohl der Ausgang der Handlung bekannt war, hab ich trotzdem sehr mitgefiebert, und die absolut realistische Darstellung des traumatisierten und völlig unter Schock stehenden Philipps war sehr ergreifend.

Die größte positive Überraschung 
Auch hier haben mich in 2013 zwei Filme überrascht, zumindest ein wenig, und zwar „Der Hobbit – Smaugs Einöde“ und Michael Herbigs Romantik-Dramödie „Buddy“. Der zweite Teil des „Hobbit“ war deshalb überraschend, weil ich gerade bei einem mittleren Teil erwartet hätte, dass er sich zieht, v. a. auch weil Teil 1 schon deutliche Längen hatte. Aber nein, trotz Peter Jacksons deutlicher Abweichungen vom Buch hat der Film mich packen können und ich habe nicht, wie noch in Teil 1, an der ein oder anderen Stelle etwas gelangweilt auf die Uhr geguckt.
Um Michael „Bully“ Herbig war es ja etwas still geworden in letzter Zeit, und die auf Pro7 ausgestrahlte Sitcom „Bully macht Buddy“, die auf den Film einstimmen sollte, war von den Quoten her ein Desaster. Zum Glück hatte die Sitcom so ziemlich gar nichts mit dem Film zu tun, der zwar recht konventionell und ohne große Überraschungen daherkommt, aber dennoch konstant unterhält, Bully-typischen Wortwitz aufweist und mit seinem Humor fast immer ins Schwarze trifft. Keine intellektuelle Herausforderung, aber sicherlich auch keinen Deut schlechter als die das Kino überflutenden Filme von/mit Till Schweiger und Matthias Schweighöfer.

Die größte Enttäuschung 
Star Trek into Darkness“. Je länger ich über den Film nachdenke, desto mehr regt er mich auf. So viele gute Ansätze, so tolle Voraussetzungen mit talentierten, passend gecasteten Schauspielern und beeindruckender Technik, und dann dieser Film. *grummel*

Das beste Publikum
Allgemein hatte ich gutes, unterhaltsames Publikum in den beiden besuchten „Thor: The Dark World“-Vorstellungen, wobei die drei Teenie-Mädels vom ersten Besuch hervorgehoben werden müssen. Die waren nämlich einfach zu goldig. Ich bin wie immer sitzen geblieben und sie waren ganz am Ende des Abspanns noch die einzigen mit mir im Saal. Sie giggelten total begeistert über den Schluss-Twist mit Loki woraus sich ein kleines Gespräch zwischen uns entwickelte. Loki-Fans erkennt man eben immer und überall, sie waren ganz hin und weg, und wollten nochmal reingehen.
Das sicherlich zu 80% aus Benedict Cumberbatch Fans bestehende Publikum in der „Frankenstein“-Aufführung hatte ebenfalls etwas für sich, wenn auch das begeisterte Gekreische zu Beginn etwas, ähm, befremdlich war. *g*
Auch noch erwähnen möchte ich die beiden Damen (sicherlich Ende 50, Anfang 50), die neben mir in „Die Eiskönigin“ saßen und offensichtlich totale Disneyfans waren. Außerdem schien es ihr erster 3D-Film zu sein, sie waren ganz begeistert von den Effekten, und nach Elsas Power-“Ihr könnt mich alle mal!“-Song waren sie richtig überwältigt.
Und nicht fehlen darf die Damen in „Les Miserables“, die die bekannteren Stücke wie „I dreamed a dream“ oder „On my own“ mitsang, und dann bei der Sterbeszene des kleinen Gavroche (ja natürlich stirbt das Kind, es hat einen Namen, ist niedlich und turnt auf den Barrikaden rum!) völlig unkontrolliert in Tränen ausbrach.

Das schlechteste Publikum 
Das absolut schlechteste Publikum hatte ich bei meinem „Pitch Perfect“-Besuch, ausgerechnet der erste Kinobesuch überhaupt in 2013. Fast nur Teenies, dazu offensichtlich verfeindete Lager aus einer Klasse oder zumindest aus Parallelklassen. Da wurde sich gegenseitig angekeift, über mehrere Reihen mit Popcorn geworfen, dämliche Sprüche über den Film gemacht, da der Humor zu hoch für diese einfältigen Gemüter war, und ich frag mich immer noch, warum die überhaupt ins Kino gegangen sind, wenn die doch eh nichts davon mitbekommen haben.
Auf andere Weise schlecht war das Publikum im ersten „Iron Man 3“-Besuch, da irgendwie so gar keine Reaktion kam. Humor nicht verstanden? Zu jung um die Gags zu Beginn zu kapieren?
„Das ist das Ende“ war auch schwierig, da ein teil des Publikums offensichtlich die Schauspieler nicht kannte und somit ungefähr die Hälfte der Witze gar nicht verstand, wodurch die ersten 20 min für sie langweilig wurden und sie anfingen zu meckern. Hinzu kam, dass bei einem der Jungs das Deo versagte, was nicht angenehm war.
Und kein Kinojahr darf vergehen, ohne dass nicht irgendwer, in diesem Fall drei Frauen vor uns, verschämt kichern, weil zwei Männer miteinander im Bett sind. So geschehen in „Liberace“. „Tihihi, die haben Sex, tihihi, und Liberace ist schon alt, tihi.“ Tatsache. Wer hätte das gedacht.

Das erinnert mich an... 
In „Frankenweenie“ erinnerte die Monsterplage gegen Ende doch etwas an das große Finale von „Cabin in the Woods“. Das hat dem Ganzen aber nochmal einen extra Kick gegeben. *g*

Besondere Momente 

Zunächst wäre da natürlich die „Frankenstein“-Aufführung. Aufgrund des 50. Geburtstages des Londoner National Theatres wurde die aufgezeichnete Fassung mit Benedict Cumberbatch als Kreatur und Jonny Lee Miller als Frankenstein noch einmal in ausgewählte Kinos gebracht. Und dieses Mal war im im ausverkauften Saal dabei (so ausverkauft, dass im Saal nebenan der Film ebenfalls gezeigt wurde). Ein großartiges Theaterstück, und besonders von Cumberbatch hervorragend gespielt.
Auch toll war der Besuch von „The World's End“ in Bristol während des England-Urlaubs, wo wir beinahe den Saal für uns gehabt hätten, für echtes Heimkino-Feeling.

So viele Bio-Pics! 
Ich habe in 2013 gefühlt massenweise Filme gesehen, die sich mit realen Personen beschäftigen: „Lincoln“ (den ich etwas dröge fand), „Hitchcock“ (unterhaltsam), „Rush“, „Liberace“ (zu Recht mit diversen Preisen ausgezeichnet), „Inside WikiLeaks“ (verschenktes Potential) und „Captain Philipps“.
Und ganz am Ende wurde es dann auch noch etwas Arthouse, denn der letzte Film in 2013 war „Only Lovers Left Alive“, der melancholisch dahinfließende Vampirfilm von Jim Jarmusch. Hatte was. :)


Ähnliche Artikel:

Dienstag, 31. Dezember 2013

„Der Hobbit - Smaugs Einöde“, Oder: „Wie, schon zu Ende?“



Und weiter geht die Reise von Hobbit Bilbo Beutlin (Martin Freeman), Zauberer Gandalf (Sir Ian McKellan) und der von Thorin Eichenschild (Richard Armitage) angeführten Zwergentruppe in Richtung einsamer Berg. Immer noch werden sie von Orks verfolgt und finden auf ihrem Weg kurzfristig Unterschlupf bei Gestaltwandler Beorn (Mikael Persbrandt), der ihnen hilft den Düsterwald zu erreichen. Da Gandalf sich mit dem in Dol Guldur erschienen Nekromanten herumschlagen muss , müssen Bilbo und die Zwerge jedoch den Wald ohne Hilfe durchqueren. Leichter gesagt als getan: Riesige Spinnen bevölkern den Wald, und die Waldelben, allen voran ihr König Thranduil (Lee Pace), sind den Zwergen auch überhaupt nicht wohlgesonnen. Auf ihrer wilden Flucht in Fässern auf einem tosenden Fluss werden sie auch noch von den Orks angegriffen, und nur mit der Hilfe der Elben, angeführt von Thranduils Sohn Legolas (Orlando Bloom) und Wächterin Tauriel (Evangeline Lilly), schaffen Bilbo und die Zwerge es zu entkommen.
Sie treffen auf den Fuhrmann Bard (Luke Evans), der die Gruppe in die Seestadt schmuggelt. Der dort regierende Bürgermeister (Stephen Fry) kann Bard zwar nicht leiden, findet Thorin und dessen Versprechen, der Stadt mit dem im Erebor lagernden Schatz wieder zu altem Glanz zu verhelfen, dafür aber umso besser. Endlich am Berg angekommen, soll Bilbo seinem Titel „Meisterdieb“ alle Ehren machen und den Arkenstein, das Symbol des Zwergenkönigs, aus der Schatzkammer holen, ohne den Drachen zu wecken. Doch Smaug schläft längst nicht mehr so fest wie einst und ein Drache gibt seinen Schatz niemals freiwillig her.

Teil 1 der Reihe, „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“ hat mit über 1 Milliarde Einspielergebnis wenig überraschend, aber dennoch beeindruckend vorgelegt. „Der Hobbit – Smaugs Einöde“ muss sich nun dem Problem stellen, den mittleren Teil einer Geschichte zu erzählen und somit ein wenig in der Luft zu hängen. Peter Jackson gelingt es jedoch erstaunlich gut, die Handlung voranzutreiben. Mit einer kurzen Rückblende auf das erste Treffen zwischen Gandalf und Thorin findet er einen guten Einstieg in die Geschichte, und das Ende ist zwar ein Cliffhanger, an sich aber ganz gut gewählt, da so für den letzten Teil ein spannender Einstieg garantiert ist.


Wo Teil 1 sich häufig doch zog, wird im 2. Teil die Spannung aufrecht erhalten, was sicherlich auch den vielen neuen Charakteren geschuldet ist. Auch einigen der Zwerge wird mehr Profil verliehen, so wird Thorins Charakter deutlich ausgebaut, und Kili (Aidan Turner) bekommt sogar seinen eigenen Subplot. Dass es sich dabei um ein angedeutetes Liebesdreieck handelt, in das Tauriel und Legolas ebenfalls verwickelt sind, erscheint allerdings überflüssig. Jedoch deuten neuere Aussagen von Evangeline Lilly darauf hin, dass es sich um eine Entscheidung des Studios handelt, denn bis zu den Nachdrehs gab es dieses Liebsdreieck nicht. Sehr schade. Da wird schon eine weibliche Rolle extra für den Film geschrieben, die sich im Kampf zu behaupten weiß und als Charakter so wunderbar funktioniert hätte, und da muss man dann gleich wieder eine Liebesgeschichte reinbringen, denn sonst können sich Frauen ja nicht für den Film begeistern. Bullshit. So werden der Laufzeit nur unnötige Minuten hinzugefügt, wenn Tauriels Charakter auch vorher interessant genug gewesen wäre.

Schön ist es aber, Orlando Bloom als Super-Elben Legolas wiederzusehen. Lee Pace als dessen Vater Thranduil ist wunderbar arrogant und unsympathisch. Die Szenen mit Persbrandts Beorn sind im Vergleich zum Buch irgendwie sehr kurz geraten, dafür gefällt Luke Evans als Bard mit innerer Größe. Die alten Bekannten aus dem ersten Teil sind gut wie eh und je, mir persönlich gab es aber zu wenige Szenen mit Bilbo. Martin Freeman holt jedoch alles aus diesen Szenen heraus, v. a. seine Konfrontation mit Smaug (Benedict Cumberbatch) ist spannend und zeigt gleichzeitig Freemans hervorragendes komödiantisches Timing. Smaug selbst ist hervorragend geworden, sowohl als Charakter als auch von der Animation.


Überhaupt scheinen einige der Probleme bei den Spezialeffekten aus Teil 1 gelöst worden zu sein. Es gibt keine seltsam verdrehten Kamerafahrten mehr, die zusammen mit dem 3D HFR eigentlich nur für verschwommenes Bild und sonst nichts sorgten. Auch wirken die Orks nicht mehr so offensichtlich computeranimiert, auch wenn sie leider immer noch nicht so „echt“ wie in den „Der Herr der Ringe“-Filmen aussehen (was aber wohl daran liegt, dass damals eben gerade nicht so viel animiert, sondern Darsteller entsprechend ausstaffiert wurden). Die großen Actionsequenzen mit den Spinnen, der „Wildwasserbahn mit Fässern“ und die Flucht vor Smaug sind alle sehr gelungen und unterhaltsam (wenn auch bei der Fassszene etwas übertrieben). Die Seestadt sieht wunderbar aus.

Generell merkt man „Smaugs Einöde“ seine Spielzeit viel seltener an als dem ersten Teil. Wenn man den unnötigen Liebes-Subplot herausgelassen hätte und auch Gandalfs Szenen in Dol Guldur etwas gekürzt hätte, wäre der Film sogar noch kurzweiliger geworden. Denn es ist zwar wichtig für den Zuschauer, eine Erklärung für Gandalfs Verschwinden zu haben, aber dadurch wird der Fokus zu sehr von der Reise der Zwerge abgerückt, was schade ist. Dennoch ist der Film, auch gerade für einen undankbaren Mittelteil, sehr gelungen.

Fazit: Viel kurzweiliger als der Vorgänger und dazu mit verbesserten Effekten, schafft es "Der Hobbit - Smaugs Einöde", den Zuschauer zu überzeugen. Die Actionszenen machen Spaß, Smaug ist hervorragend umgesetzt, und die meisten der Charaktere gewinnen an Tiefe. Da fällt das Warten auf den letzten Teil gleich doppelt schwer.


Ähnliche Artikel: