Donnerstag, 23. Oktober 2014

Der erste Teil der geplanten "The Maze Runner"-Reihe überzeugt



Hollywood hat Jugendbuchverfilmungen seit dem großen Erfolg von „Twilight“ & Co. für sich entdeckt – schließlich lässt sich hier recht gut Geld scheffeln, da das Budget häufig niedrig gehalten werden kann und gute Umsätze durch die Fanbase beinahe garantiert sind (solange der Film auch den Erwartungen der Fanbase entspricht; s. "Ender's Game" als Negativbeispiel). James Dashners „The Maze Runner“-Trilogie ist nun die nächste Reihe, die sich anschickt, die Massen zu begeistern.

„Die Auserwählten im Labyrinth“ zieht eine gleich von beginn an in seinen bann: Wie sehen Thomas (Dylan O’Brien), der komplett desorientiert in einem Industrieaufzug aufwacht. Dieser bringt ihn auf eine Lichtung, wo er von ca. 20 Jungs (alle zwischen 12 und 20 Jahre alt) nicht gerade sanft in Empfang genommen wird. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass diese genau wie Thomas keine Ahnung haben, wer sie sind, woher sie kommen, oder warum sie in diesem Ort gelandet sind. Nach und nach erfährt Thomas von Anführer Alby (Aml Ameen), dass die hohen Mauern, die die Lichtung umgeben, zu einem riesigen Labyrinth gehören, und dass bisher noch kein Ausweg gefunden wurde. Das Labyrinth wird von tödlichen Kreaturen, sogenannten Grievern, bevölkert, die auch schon einige der Jungs auf dem Gewissen haben. Thomas will sich nicht einfach in sein Schicksal ergeben, sondern zu den Läufern gehören, die das Labyrinth erkunden. Doch seitdem Thomas angekommen ist, verändern sich die bisher geltenden Regeln des Labyrinths, was zu Spannungen in der Gruppe, v.a. angestachelt durch den forschen Wally (Will Poulter), führt. Mit der Ankunft von Teresa (Kaya Scodelario) wird Thomas endgültig klar, dass die Gruppe so schnell wie möglich aus dem Labyrinth entkommen muss, denn sie ist der letzte Neuzugang.


Mit einem recht geringen Budget von 34 Mio. Dollar hat Regisseur Wes Ball es in seinem ersten Film geschafft, einen spannenden und häufig unvorhersehbaren Film zu inszenieren. Ich kannte das Buch nicht, konnte der Handlung aber ohne Probleme folgen und hatte auch nicht das Gefühl, dass wichtige Dinge fehlten. Die Effekte sind gelungen, die Griever bedrohlich und eklig, das Labyrinth in seiner massiven Ausdehnung beeindruckend. Die Actionszenen sind spannend in Szene gesetzt. So bleibt v.a. Thomas erster, ungeplanter Gang ins Labyrinth sehr in Erinnerung; auch eine spätere Szene, in der Thomas und Minho (einer der Läufer, gespielt von Ki Hong Lee) aus dem sich schließenden Außenbezirk des Labyrinths fliehen müssen, ist packend.

Ein großes Plus dieses Films sind die tollen Jungschauspieler, die ihre Rollen glaubwürdig und mit dem nötigen Einsatz spielen. Der Film nimmt die Charaktere ernst und lässt uns den Konflikt, der sich in der Gruppe mit der Zeit entwickelt, nachvollziehen. Gerade Wally hätte einfach nur ein grober Unsympath sein können, aber Will Poulter schafft es, dass wir sein Verhalten doch irgendwie verstehen können.
Dylan O’Brien, bisher v. a. durch seine Rolle in der TV-Serie „Teen Wolf“ bekannt, muss als Thomas den ganzen Film tragen. Da er für den Zuschauer als Orientierungspunkt dient (wir lernen zusammen mit Thomas, wie die Welt im Labyrinth funktioniert), braucht es einen Schauspieler, der Thomas Verzweiflung und Bestimmtheit glaubwürdig verkörpern kann. O’Brien schafft das mit Bravour, bringt sich voll in die Rolle ein, und hat das benötigte Charisma.
Auch die anderen Schauspieler wie Thomas Brodie-Sangster, der den stellvertretenden Anführer Newt spielt, Aml Ameen als Alby, der eine glaubwürdige Führungskraft darstellt, oder Blake Cooper als jüngstes Gruppenmitglied Chuck sind überzeugend in ihren Rollen. Schade, dass die Rolle der Teresa erst recht spät in den Film kommt, aber wenn sie dann da ist, wird sie von Kaya Scodelario mit der passenden Durchsetzungskraft gespielt. Der Film kann zwar leider nicht mit vielen Frauenrollen aufwarten (zwei, um genau zu sein), er bietet dafür aber immerhin eine recht facettenreiche Besetzung bei den Jungs, mit mehreren farbigen Darstellern und dem Koreaner Lee in einer prominenten Rolle.


Die ein oder andere Logikfrage stellt sich schon im Laufe der Handlung (vielleicht werden bestimmte Dinge im Buch dann doch etwas ausführlicher behandelt) und generell ist das Szenario des Labyrinths auch interessanter, solange man nicht die Hintergründe kennt. Auch ist es schade, dass es gegen Ende doch alles etwas schnell geht und diverse Charaktere ohne große Worte gekillt werden. Der Film lebt von den Spannung und den Action-Momenten, tiefschürfende Charakterzeichung sollte man nicht erwarten, aber das ist auch nicht der Anspruch. "The Maze Runner" will unterhalten und das tut er.
Teil 1 macht  große Lust auf die Fortsetzungen, wovon die erste für September 2015 angekündigt ist. Da der Film auch recht erfolgreich läuft (bisher hat er über 250 Mio. Dollar eingespielt), ist die Fortsetzung zum Glück auch absolut sicher.

Fazit: „The Maze Runner“ ist eine gelungene Verfilmung des ersten Teils von James Dashners erfolgreicher Buchreihe. Überzeugende Schauspielleistungen, gelungene Effekte und eine spannende Handlung garantieren einen unterhaltsamen Kinoabend – wenn man nicht jeden Satz auf seine Logik überprüft. 



Freitag, 1. August 2014

"Drachenzähmen leicht gemacht 2": Großartiges Wiedersehen mit Hicks, Ohnezahn & Co.



Dreamworks ist ein Studio, das im Bereich des CGI-Animationsfilms schon immer etwas schizophren war. Wunderbare Unterhaltung wie "Kung Fu Panda" oder "Madagascar" wechselte sich ab mit Gurken wie "Große Haie, kleine Fische" oder "Bee Movie". In 2010 ließ man dann den auf einer Kinderbuchreihe basierenden "Drachenzähmen leicht gemacht" auf das Publikum los und landete absolut berechtigt einen Überraschungshit, der weltweit fast 500 Mio. Dollar einspielte. Der Film war nicht nur witzig, sondern bot v. a. liebenswerte Charaktere und ganz viel Herz. Teil 2 startete in den USA leider hinter den Erwartungen, hat aber mittlerweile die 400 Mio Dollar-Marke überschritten und legte in Deutschland mit über 500.000 Besuchern am ersten Wochenende einen erfolgreichen Start hin. Warum "Drachenzähmen leicht gemacht 2" nicht auch in den USA so gut startete, erschließt sich mir nicht, denn der Film ist wirklich gut.  

Fünf Jahre nach den Ereignissen aus Teil 1 sind die Drachen nun fester Bestandteil des Dorflebens von Berk. So ziemlich jeder hat seinen ganz persönlichen Hausdrachen (oder zwei, oder zehn) und zur Unterhaltung werden Drachen jetzt nicht mehr bekämpft, sondern in rasanten Wettrennen eingesetzt. Der mittlerweile 20-jährige Hicks, Sohn des Anführers Haudrauf, schlägt sich unterdessen mit den Erwartungen seines Vaters herum - er soll das neue Stammesoberhaupt werden,  worauf er in seinem Freiheitsdrang keine große Lust hat. Als er zusammen mit seiner Freundin Astrid auf Eret und seine Drachenfänger trifft, die im Auftrag des niederträchtigen und ziemlich verrückten Drago handeln, will er der Sache auf den Grund gehen. Dabei trifft er schließlich auf einen mysteriösen Drachenreiter, während Astrid und ihre Freunde von Drago gefangen genommen werden. 


Regisseur Dean DeBlois sagte in Interviews, dass er sich an "Das Imperium schlägt zurück" orientierte, da der zweite Teil der ursprünglichen "Star Wars"-Trilogie seiner Meinung nach alles richtig machte: die Charaktere und ihre Welt werden ausgebaut, die Geschichte wird düsterer und emotionaler. Das war definitiv eine sehr gute Entscheidung.
"Drachenzähmen leicht gemacht 2" kann zwar den Zauber des ersten Teils nicht mehr ganz einfangen, punktet aber mit einer überzeugenden, nicht mehr ganz so geradlinigen Story mit einigen wirklich zu Herzen gehenden Momenten. Der Drama-Faktor wurde auf jeden Fall erhöht: die Einführung von Valka und ihr Zusammentreffen mit Hicks und später dann Haudrauf lassen einen schon schlucken; Bösewicht Dragos Fähigkeit die Drachen zu kontrollieren hat ernsthafte, schockierende Konsequenzen. Gerade Letzteres führt zu Szenen, die man eher selten in westlichen Animationsfilmen sieht. Die Reihe ist erwachsener, reifer geworden und scheut auch nicht vor ernsthaften und traurigen Szenen zurück.

Dies spiegelt sich auch zum Großteil in den Charakteren, die wir liebgewonnen haben und mit denen wir mitfühlen.  Sie haben alle so ihre kleinen Fehler (z. B. die Sturheit von Hicks oder Haudrauf), was sie noch sympathischer macht. Hicks macht gerade im Zusammenspiel mit seinem besten Freund Ohnezahn einfach unglaublich Spaß, und sein Charakter wird uns durch so viele liebenswürdige Details näher gebracht: sein toller Fluganzug und all die anderen Gimmicks, die er so gebastelt hat; sein Draufgängertum, das Ohnezahn meist mit einem genervten Blick quittiert; seine wunderbar realisierte Beziehung zu Astrid. Das ist übrigens auch ein Punkt, den man nicht oft genug betonen kann: Wie schön, endlich mal eine romantische Beziehung in einem Film zu sehen, die nicht gerade beginnt oder kurz vorm Ende steht. Astrid und Hicks sind ein eingespieltes Team, ihre Beziehung ist geprägt von echter Zuneigung, Respekt und Vertrauen. Einfach mal eine willkommene Abwechslung.
Hicks Freunde, die bekloppte Truppe mit Fischbein, Rotzbakke und den Zwillingen Raffnuss und Taffnuss, sind auch sehr unterhaltsam, wenn der Humor um sie herum auch etwas zu oft ins Brachiale abdriftet. Dafür ist Haudraufs bester Kumpel Grobian Gold wert und sorgt für einige der besten Lacher. Haudrauf selbst ist immer noch ein wunderbar realistischer Charakter, Valka das passend hyperaktive Gegenstück dazu, und Drachenfänger Eret  fügt sich als Muskelpaket gut ins bestehende Ensemble ein. Drago ist ein wirklich böser Bösewicht, so richtig!, was für den Film sicher nicht das Schlechteste ist, da schon genug andere emotionale Keulen ausgepackt werden, ohne dass man noch einen eigentlich nur missverstandenen, armen Bösen brauchen könnte. Die Sprecherleistungen von u. a. Daniel Axt als Hicks, Emilia Schüle als Astrid, Dominic Raacke als Haudrauf. und Martina Hill (einer der wenigen Neuzugänge im Ensemble) als Valka sind ohne Fehl und Tadel.


Auf der technischen Seite kann der neueste Ausflug nach Berg ebenfalls punkten. Visuell ist der Film ein Augenschmaus, die Flugszenen wie gewohnt wunderbar anzuschauen (wenn auch nicht mehr so einnehmend wie noch in Teil 1). John Powell fügt seiner Oscar-nominierten Filmmusik aus Teil 1 ein paar neue, unaufdringliche Themen hinzu. Generell kann man das Sounddesign loben, das häufig wirkungsvoll eingesetzt wird.

Klingt alles so furchtbar positiv, nicht wahr? Na gut, ein klein wenig zu meckern hab ich schon: Obwohl die Story an sich gut und logisch voranschreitet, schleichen sich gerade in der Mitte des Films doch ein paar Längen ein. Zwar sind die Szenen immer noch für sich schön anzusehen, aber sie bremsen die Handlung etwas aus. Und mich persönlich störte, dass Ohnezahn diese Mal mehr die Charakteristika eines Hundes als einer Katze aufwies (wie noch im 1. Teil, aber ich bin vielleicht auch zu sehr "Kateznmensch" *g*). Ohnezahn bleibt aber trotzdem einfach goldig und wunderbar. So einen möchte ich auch.

Fazit: "Drachenzähmen leicht gemacht 2" kann die Qualität seiner Vorgängers sowohl auf technischer wie auch auf handlungs- und charakterbasierender Ebene (trotz minimaler Abstriche) halten. Dabei wirkt der Film erwachsener und baut die Welt rund um Hicks und Ohnezahn auf gelungene Weise aus. Teil 3 kann gerne möglichst schnell kommen. 

Montag, 14. Juli 2014

Die "goldene Generation" holt den Pott!



Unser Team hat es tatsächlich geschafft! Acht Jahre, nachdem Jogi Löw seine Aufgabe als Chef-Bundestrainer begann, hat er die DFB-Elf tatsächlich zum Titel geführt. Wie titelte so ziemlich jede Zeitung heute morgen: Wir sind Weltmeister!

Ich freu mich wahnsinnig für die Jungs, die es sich wirklich über die letzten Jahre so verdient haben. Eine tolle, eingeschworene Truppe, nicht mit einem definierenden Einzelspieler wie in anderen Mannschaften (Portugals Ronaldo, Brasiliens Neymar, Argentiniens Messi, Hollands Robben), sondern im viel zitierten "Kollektiv" erfolgreich. Eine Mannschaft, bei der selbst die auf der Bank sitzenden Spieler nie murrten sondern ganz im Gegenteil für gute Stimmung sorgten und die anderen immer voll unterstützten. Vielleicht freuten sich gerade deshalb Leute wie Kevin Großkreutz oder Lukas Podolski, die gar nicht bzw. nur kurz gespielt hatten, ganz besonders über den Titel. Vielleicht konnten sie es aber auch einfach nur schneller realisieren als die Spieler auf dem Feld. Nicht wie Sebastian Schweinsteiger, der nach einem Foul noch benommen am Spielfeldrand saß; oder Mats Hummels, der so platt war, dass er nur beseelt lächeln konnte; oder Thomas Müller, der irgendwo auf dem Spielfeld stand und den Kopf schüttelte. 

Was war das für ein spannendes Spiel gegen Argentinienen, einem harten, würdigen Gegner. Klar, dass das nicht so ein Durchmarsch wie gegen die völlig kopflosen Brasilianer zum nächsten historischen 7:1-Sieg werden würde, wussten alle in der Mannschaft. Aber am 13.07.2014 im Stadion Maracana in Rio de Janeiro, wollte der Ball einfach mal wieder nicht ins Tor. Schürrle, Klose, Höwedes noch mit der größten Chance kurz vor der Halbzeit. Dazu ein paar bange Szenen, als ein bis dahin souveräner Tony Kroos den Ball mal flott in den Lauf eines Argentiniers köpfte und dieser glücklicherweise im Angesicht Manuel Neuers, unserer Torhüter-Wand, die Nerven verlor und vorbei schoss. Oder ein sowieso ganz plötzlich in die Startelf gerückter Christoph Kramer (für den beim Aufwärmen verletzten Khedira) einen Schultercheck an den Kopf bekam und mit Verdacht auf Gehirnerschütterung schon nach ca. 30 min wieder ausgewechselt werden musste. Von den ganzen Attacken auf Bastian Schweinsteiger, der sich gegen Ende sogar noch eine Platzwunde unterm rechten Auge einfing und nach kurzem Tackern wieder auf dem Feld stand (soll mal einer sagen, dass wären alles Weicheier *g*), ganz zu schweigen. 

Und weil es so ein Kampf war und die beiden Mannschaften sich wirklich nichts schenkten, war das vielzitierte "Joker-Tor" in der 113. Minute der elenden Nachspielzeit durch Mario Götze die Erlösung. Ausgerechnet Götze, der bis dahin nicht unbedingt überzeugt hatte. Er rettet die Mannschaft zusammen mit Schürrle nach einem tollen Sprint und macht ein wunderbares Tor. Da war die argentinische Mannschaft schon platt, oder zumindest platter als wir (naja, zugegeben, Mats Hummels kroch da auch schon eher auf dem Zahnfleisch daher, aber egal).

So hat's das deutsche Team nach 24 Jahren endlich wieder geschafft und hat den Pott geholt. Besondere Gratulation als Miroslav Klose, den "ewigen Miro", schon 2002 beim WM-Finale dabei, der jetzt seine Karriere so schön krönen konnte (plus natürlich sein 16. WM-Tor, womit er die Torjäger-Statistik nun einsam anführt). An Manuel Neuer, der der Mannschaft so oft den Hintern gerettet hat. Ich hoffe sie haben ihm ein paar extra ausgegeben danach. An Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira, die sich nach langwierigen Verletzungen für Löws Vertrauen mit tollen Leistungen bedankten. An Thomas Müller für seine immense Laufarbeit und seine feixende Lockerheit. An Philipp Lahm, der außen einfach doch so viel besser ist als auf der 6. Und an all die anderen tollen Spieler, die das möglich gemacht haben. 

Diese WM wird sicherlich auch als eine WM der Überraschungen in Erinnerung bleiben, in der die vermeintlich Kleinen gar nicht mehr so klein waren (Gruß an Kolumbien, Algerien, Mexiko, Belgien), manch großer Favorit bereits in der Vorrunde nach Hause fahren "durfte" (Gruß an 2010-Weltmeister Spanien, England, Italien, Portugal), die Schiedsrichter in so manchem Spiel auch gar nicht hätten auflaufen brauchen, so wenig wie sie gepfiffen haben, und das Singen der Hymne zu einem Statement sondergleichen ausartete.

Aber was solls. Wie sagt Gary Lineker so schön: "Und am Ende - muss ich es wirklich sagen? - gewinnt wie
immer Deutschland."



Donnerstag, 29. Mai 2014

"Sherlock" (BBC): Auch die 3. Staffel überzeugt und bietet einige Überraschungen



Ziemlich genau zwei Jahre mussten Fans auf die 3. Staffel der BBC-Serie „Sherlock“ warten, bis im Januar 2014 endlich die drei neuen Folgen im britischen TV starteten. Nach Staffel 2 war der Hype um die Serie nur noch gewachsen und die Dreharbeiten zur neuen Staffel waren von Fans belagert worden, die teilweise auch als Statisten in einigen Szenen agieren durften. Benedict Cumberbatchs und Martin Freemans Karrieren stiegen in ungeahnte Höhen auf. Cumberbatch nahm so ziemlich jedes ihn interessierende Projekt an und arbeitete beinahe nonstop, wobei er stets mit seiner Leistung selbst in durchschnittlichen Filmen glänzte (u. a. war er in „Star Trek Into Darkness“ als Bösewicht sowie im Oscar-prämierten „12 Years a Slave“ zu sehen, und überzeugte als WikiLeaks-Erfinder Julian Assange in „The Fifth Estate“). Freeman hielt sich da schon etwas mehr zurück und war sicherlich auch durch die „The Hobbit“-Verpflichtungen recht gut eingespannt. Er spielte im Oscar-nominierten Kurzfilm „The Voorman Project“, außerdem im finalen Akt der „Cornetto“-Trilogie „The World’s End“, und ist seit diesem Frühjahr in der auf dem gleichnamigen Coen-Film basierenden Serie „Fargo“ zusehen.

Die Erwartungen an die 3. Staffel waren gerade bei den Fans extrem hoch. Zwei Jahren hatten sie Zeit, wild über die Auflösung von Sherlocks „Fall“, dem Sturz vom Dach des St. Bart’s Krankenhauses, zu spekulieren. Hinzu kam die Aufregung über die Nachricht, dass Mary Morstan eine wichtige Rolle in der neuen Staffel spielen würde. Da Mary in den Romanen John Watson heiratet, sahen viele dieser Neuerung mit gemischten Gefühlen entgegen; sie wollten nichts am geliebten Status Quo von „Sherlock und John leben in 221B und lösen Fälle“ geändert sehen und einzelne schlugen mit ihren Kritikäußerungen leider auch über die Stränge.  

Aber wie das so ist, all die Spekulationen und Aufregung können einen doch nicht auf die reale Serie vorbereiten, die natürlich teils doch ganz andere Wege eingeschlagen hat als zunächst vermutet. Dieses Mal wird das Ganze eher aus der Sicht von Sherlock erzählt (während die vorangegangenen Staffeln eher John als Identifikationsfigur nutzten), und man legt in den drei Folgen „The Empty Hearse“, „The Sign of Three“ und „His Last Vow“ den Fokus nicht mehr ganz so stark auf die Fälle, sondern mehr auf die zwischenmenschlichen Aspekte.


 In „The Empty Hearse“ (dt. „Der leere Sarg“) kehrt Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) zwei Jahre nach seinem inszenierten Suizid wieder nach London zurück. Während Sherlocks Fans sich in seiner Abwesenheit die wildesten Theorien darüber ausgedacht haben, was sich wirklich auf dem Dach von St. Barts zugetragen hat, hat sein früherer Mitbewohner John Watson (Martin Freeman) es halbwegs geschafft über ihn hinwegzukommen. An dem Abend, an dem John seiner Freundin Mary (Amanda Abbington) einen Heiratsantrag machen will, steht plötzlich der totgeglaubte Sherlock vor ihm und bereitet ihm den Schock seines Lebens. John ist nicht bereit, Sherlock seine Täuschung so einfach zu verzeihen, aber schnell zeigt sich, dass die beiden Freunde sich zusammenraufen müssen: John wird entführt und es gibt Hinweise auf einen geplanten terroristischen Anschlag.

„The Sign of Three“ („Im Zeichen der drei“) handelt von John und Marys Hochzeit. Sherlock hat die Planung mehr oder weniger komplett übernommen und ist beinahe schon obsessiv in der Ausarbeitung der Details, sicherlich auch, weil besonders Mrs. Hudson (Una Stubbs) nicht müde wird zu betonen, wie sehr eine Heirat doch alte Freundschaften belasten kann. Beim Empfang nach der Trauung hält Sherlock eine Rede (zur Beängstigung aller Gäste, die ihn kennen), in der er u. a. den ziemlich chaotischen Junggesellenabschied und einen bisher ungelösten Fall erwähnt. Noch während der Rede wird ihm jedoch bewusst, dass der Fall gar nicht so unlösbar ist, und v. a. auf einen geplanten Mord während der Hochzeitsfeier hindeutet. Doch wer ist das Opfer?  

Im Staffelfinale „His Last Vow“ („Sein letzter Schwur“) trifft Sherlock auf seinen bisher sicherlich abstoßendsten Gegner, Medienmogul Charles Augustus Magnussen (Lars Mikkelsen). Dieser macht sich einen Spaß daraus, in der Öffentlichkeit stehende Personen mit begangenen „Indiskretionen“ zu erpressen. Sherlock soll für eine betroffene Klientin die kompromittierenden Briefe beschaffen, aber die Unterredung mit Magnussen scheitert. Zusammen mit John, der bereits einen Monat nach der Heirat beginnt unzufrieden im geregelten Eheleben zu sein, will Sherlock nun die Briefe aus Magnussens Büro stehlen – doch sie sind an dem Abend nicht die einzigen Einbrecher und die Situation eskaliert.  


Aufgrund der lange Pause zwischen Staffel 2 und 3 hatten Gatiss und Moffat es nicht leicht, eine überzeugende Auflösung für Sherlocks inszenierten Selbstmord zu bieten. Im Internet wurde wild spekuliert und Mark Gatiss, der „The Empty Hearse“ geschrieben hat (und nach wie vor als Mycroft Holmes mit von der Partie ist), spielt augenzwinkernd darauf an. Die wirkliche Auflösung (ist sie es überhaupt?) mag gefallen oder auch nicht. Ich selbst bin zwar nicht so ganz glücklich damit, aber wenn man ehrlich ist, konnte die Auflösung es einfach nie allen recht machen. Irgendeiner wird immer meckern.
Was jedoch allgemein beim Staffeleinstieg auffällt: Die Folge wirkt irgendwie nicht „rund“. Manche Schnitte sind wie gewohnt sehr inspiriert (sehr schön z. B., wie Sherlock Mrs. Hudson vom ersten Wiedersehen mit John erzählt), andere eher hölzern, es wird teilweise recht hektisch und etwas zusammenhanglos zwischen den Charakteren gesprungen. Dies bessert sich zum Glück deutlich in den nächsten Folgen, aber das Fehlen von Regisseur Paul McGuigan (für einige der besten Folgen wie „A Scandal in Belgravia“ verantwortlich) macht sich leider bemerkbar.
Der Humor sitzt zum Glück immer noch, auch an den schauspielerischen Leistungen gibt es nichts zu meckern, sie sind wie gewohnt absolut überzeugend. Neuzugang Amanda Abbington fügt sich ebenfalls sehr gut ein. Ihre Mary ist eine fröhliche, zugängliche Person und zieht die Sympathie der Zuschauer sofort auf sich. Mit ihrer sehr guten Leistung straft Abbington auch gleich all jene Lügen, die ihr vorwarfen, die Rolle nur bekommen zu haben, weil sie die Lebensgefährtin von Martin Freeman ist. Erfreulich auch, dass die gesamte Besetzung wieder mit dabei ist. Louise Brealey bekommt einige schöne Szenen als Molly Hooper, Jonathan Aris als Philipp Anderson hat eine unerwartete Wandlung durchgemacht und Rupert Graves ist als resignierter DI Greg Lestrade ebenfalls wieder mit von der Partie.  

„The Sign of Three“ benutzt Sherlocks Rede als zentrales Element. Benedict Cumberbatch jammerte in diversen Interviews immer wieder darüber, wie viel Text er für die Rede lernen musste und wie lange der Dreh dafür gedauert hat. Die Handlung alterniert zwischen der Hochzeitsgesellschaft und den Momenten, die Sherlock in seiner Rede aufgreift. Dabei findet sich auch die ein oder andere Anspielung auf Fälle aus dem Doyle-Kanon. In dieser Folge menschelt es außerdem ganz schön – die Freundschaft zwischen John und Sherlock wird unterstrichen, es gibt einige emotionale Momente, die man so vielleicht nicht erwartet hätte, und Sherlock hadert mit der Veränderung, die Johns Heirat auch für sein eigenes Leben bedeuten muss. Als Drehbuchautoren fungierten Moffat, Gatiss und „The Reichenbach Fall“-Autor Stephen Thompson, die sich die Folge mehr oder weniger gerecht aufteilten (so ist Gatiss wohl für die Fälle verantwortlich, Moffat hat Sherlocks Rede verfasst, und Thompson den Junggesellenabschied). Der Humor legt in dieser Folge noch einmal eine Schippe zu, allgemein wirkt „The Sign of Three“ auch etwas fröhlicher, endet aber eher auf einer bittersüßen Note.  

Im von Steven Moffat geschriebenen Staffelfinale „His Las Vow“ (der Titel wird am Ende der 2. Folge klar) lernen wir Magnussen kennen, der natürlich auf dem Buchcharakter Charles Augustus Milverton basiert. Allzu viel wurde an ihm nicht geändert, außer dass sein Hintergrund in die moderne Zeit übertragen wurde. Charakterlich ist er immer noch ein widerwärtiges Schwein und man wünscht ihm die Pest an den Hals. Mikkelsen spielt das ganz hervorragend, allein die Art, wie er manchmal den Kopf bewegt, hat etwas Schlangenhaftes an sich. Ein bisschen schade ist es, dass Moffat es mal wieder nicht lassen kann, einen weiteren superklugen Charakter zu schreiben. Bei der Masse an Superintelligenten in „Sherlock“ fragt man sich langsam dann doch, warum wir die Hauptfigur als so besonders wahrnehmen sollen, wenn auch jeder Hauptbösewicht mindestens genauso clever wenn nicht sogar noch besser ist.
Die Folge bietet auf jeden Fall das größte Drama und die größte Spannung, ist dadurch nach der doch eher leichten Vorgängerfolge schon beinahe ein Schlag ins Gesicht, und hält dazu noch einige unerwartete Wendungen parat. Hier können die Schauspieler, allen voran natürlich das Hauptdarsteller-Duo, aber gerade auch Abbington oder Gatiss wieder zeigen, was in ihnen steckt. Wir erhalten außerdem einen ausführlicheren Einblick in Sherlocks „Gedächtnispalast“, in welchem wir auch Moriarty (Andrew Scott) wiedertreffen, und der die Dramatik der zugrundeliegenden Szene sehr gut unterstreicht. Das Ende ist dieses Mal kein hochspannender Cliffhanger sondern eher ein Fragen aufwerfender Teaser, dennoch wird das Warten auf die vierte Staffel wieder schwer fallen.


Insgesamt erscheint mir Staffel 3 v. a. wie eine Art Übergang, eine Hinleitung auf den in Staffel 4 zu erwartenden Showdown (die Handlung für Staffeln 4 und 5 ist laut Moffat auch schon grob geplant). Damit kann ich natürlich total falsch liegen, es wäre nicht das erste Mal, dass ich bestimmte Hintergründe der Show anders verstanden habe, als die Autoren sie gedacht hatten. *g* Das Ende von „His Last Vow“ lässt mich (und auch viele andere Fans, wenn man den Diskussionen im Internet folgt) jedenfalls mit einigen ganz großen Fragezeichen zurück, die sich nicht auf den offensichtlichen Cliffhanger beziehen. Der ist mir relativ... naja, nicht egal, aber nicht so wichtig wie ein anderer Punkt. *g* Als Übergang funktioniert diese Staffel allerdings ganz gut, hoffen wir also, dass es so gedacht ist. Für einen abgeschlossenen Erzählstrang hängt mir jedoch vieles noch zu sehr in der Luft, manche v. a. auch emotional einschneidenden Erlebnisse der Charaktere sind für mich nicht komplett abgeschlossen.

Dieser Eindruck wird natürlich auch dadurch verstärkt, dass die Staffel sich sehr stark auf Sherlock konzentriert und auch zum Großteil aus seiner Sicht erzählt wird. War in den vorangegangenen Staffeln John die Identifikationsfigur des Publikums, ist es dieses Mal Sherlock, was manche Szenen, in denen John sich emotional verschließt, eher schwer greifbar macht. Daher empfanden sicherlich viele Fans das Ende ein wenig frustrierend. Johns Reserviertheit gerade in der letzten Folge macht charakterlich jedoch durchaus Sinn, wenn man bedenkt, was für eine Achterbahnfahrt sein Leben nach der Rückkehr aus Afghanistan für ihn war bzw. immer noch ist. Mag Sherlocks Blickwinkel für das Verständnis von Johns Motivationen eher nachteilig sein, so wird dadurch aber sehr nachdrücklich klar, wie wichtig John für Sherlock ist. Alles was Sherlock tut, ist im Grunde eine Liebeserklärung an seinen besten Freund – welche Art Liebe muss dann jeder für sich entscheiden. 

Für uns deutsche Zuschauer gibt es jedoch eine erlösende Nachricht, was einen besonders kontroversen Punkt in der Synchronisation angeht: Ab der 2. Folge sind Sherlock und John endlich beim „Du“ angekommen. Dann werde ich wohl nun auch die synchronisierten Folgen schauen können, ohne jedes Mal genervt zusammenzuzucken beim „Sie“. *g*

Fazit: Die 3. „Sherlock“-Staffel startet zwar etwas holprig, findet dann aber zu alter Form zurück. Schauspielerisch nach wie vor ein Genuss, menschelt es dieses Mal ganz schön. Dadurch wird der Zuschauer allerdings nur in Sicherheit gewogen, denn das Staffelfinale lässt im Hinblick auf Dramatik, Spannung und Überraschungen nichts zu wünschen übrig.

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Dienstag, 22. April 2014

"The Return of the First Avenger": Marvel ambitioniert wie eh und je


Jaha, da bin ich wieder! Zurück aus dem schwarzen Loch, das sich Leben nennt, bringe ich euch eine Review zum neuen Film des „Avengers“-Universums! Und zwar zu "Captain America: The Winter Soldier", der in Deutschland den etwas umständlicheren Titel "The Return of the First Avenger" bekommen hat - sicherlich als Versuch, beim breiten Publikum die Erinnerung an den erfolgreichen "The Avengers" zu wecken (der erste "Captain America"-Film zog nämlich nicht einmal 400.000 Besucher in die deutschen Kinos).

Nach Gott Thor ist es also dieses Mal Steve Rogers a.k.a. Captain America, der uns die Zeit auf den zweiten „Avengers“-Film „Age of Ultron“ verkürzt. Der Captain scheint für Marvel derjenige zu sein, der etwas düsterere, ernstere Filme legitimiert – kein Wunder, hat er doch seinen Ursprung im 2. Weltkrieg, wo er als Supersoldat Hitler und dessen Wissenschaftsabteilung HYDRA ordentlich eingeheizt hat. Teil 2 greift diese Untertöne auf, legt in Sachen Drama und Humor zu, ist bombastischer als Teil 1 und dazu deutlich politischer als die Vorgängerfilme rund um die Avengers. Das passt, ist doch der Protagonist noch nicht lange im 21. Jahrhundert unterwegs und muss sich erst an die veränderte Vorgehensweise in der Kriegsführung gewöhnen (Stichworte Spionage und Kampf gegen den Terror).

Steve Rogers (Chris Evans) kommt mittlerweile halbwegs mit dem Leben in der heutigen Zeit  klar. Er erhält von Nick Fury (Samuel L. Jackson) den Auftrag, zusammen mit SHIELD-Agenten ein von Piraten gekapertes SHIELD-Schiff zu befreien. Bei diesem Einsatz wird er außerdem von Natasha „Black Widow“ Romanoff (Scarlett Johannsen) unterstützt, die die Mission jedoch durch eine, ihr von Fury aufgetragenen, Sonderaufgabe gefährdet. Steve hält Fury dieses Vorgehen vor - wie soll er seine Missionen erfolgreich durchführen, wenn er nicht alle Informationen hat? Vertrauen gehört jedoch nicht zu Furys Grundsätzen, und wie sich schnell herausstellt, liegt er damit sehr richtig. Bei SHIELD läuft etwas ganz gewaltig schief, und nicht nur Fury muss die Konsequenzen tragen - auch Steve gerät in die Schusslinie und befindet sich bald auf der Flucht vor seinen eigenen Leuten. Die anschließenden Ereignisse sollte man auch gar nicht weiter vorwegnehmen, denn es gibt die ein oder andere überraschende Wendung.


Vertrauen und Loyalität spielen eine große Rolle in „The Return of the First Avenger“. Steve Rogers ist allein aufgrund seiner Geschichte ein einsamer Mensch - es gibt nur noch wenige, die überhaupt aus seiner Zeit sind; er passt sich zwar an das 21. Jahrhundert an, aber so richtig zu Hause ist er noch nicht. Hinzu kommt nun, wem er überhaupt noch vertrauen kann - Menschen, mit denen er zusammengearbeitet hat, sind plötzlich hinter ihm her. Immerhin, auf Natasha ist Verlass - und wie angenehm, dass die einzige weibliche Hauptfigur nicht für eine Liebesgeschichte genutzt wird. Steve und sie sind Freunde und ein gutes Team - einen romantischen Subplot habe ich zu keiner Zeit vermisst!

Hinzu kommt die recht politische Ausrichtung des Films, die tatsächlich mehrere interessante Aspekte anspricht, wenn auch manchmal nur im Vorbeigehen. Dies war aber schon immer eine Stärke der Marvel-Filme: Obwohl es sich im Kern um Blockbuster-Unterhaltung handelt, werden immer wieder ernstere Themen eingestreut (z. B. Tony Starks post-traumatische Störung, Bruce Banners Suizidversuche), die den Charakteren ein bisschen zusätzliche Tiefe verleihen. In "The Return of the First Avenger" wird z. B. auf die Probleme hingewiesen, die bei der Eingliederung von heimgekehrten Soldaten entstehen. Dies wird durch Anthony Mackies Charakter Sam Wilson (a.k.a. Falcon) mit Steves Handlung verbunden - gelungen.

Im Vordergrund steht jedoch die Kontroverse darüber, wie weit man gehen darf oder sollte, um den Frieden zu erhalten. Es gab zwar schon in anderen Filmen dieses Universums immer wieder Seitenhiebe auf fragwürdige Außenpolitik, Aufrüstung usw., aber nie war es so satirisch auf den Punkt wie hier. Der besondere Clou daran: Die fragwürdigen Methoden zur Erhaltung des Friedens werden mit absoluter Selbstverständlichkeit vorgetragen und könnten zum Großteil direkt aus der Berichterstattung im US-Fernsehen stammen. Klingt doch alles ganz logisch, man muss eben Kompromisse eingehen. Und dann kommt Steve Rogers als Held des Films und Identifikationsfigur für viele Zuschauer, und sagt, Nein, das ist keine Friedenspolitik, sondern reine Angstmacherei. Es gab bereits einige amerikanische Stimmen, die diesen Schachzug sehr gelobt haben, da er auf effektive und doch sehr einfache Art die aktuelle Außenpolitik kritisiert. Gerade in Anbetracht von NSA-Skandal und dergleichen ist der Film sehr aktuell und auf den Punkt.

Schauspielerisch gibt es nichts zu meckern. Chris Evans ist hervorragend als Steve, er verleiht den wichtigen Momenten die nötige Gravitas, aber bleibt auch in den lustigen Momenten stets überzeugend. Ebenso gelungen ist Scarlett Johannsons Leistung als Natasha. Es wird ja immer nach "starken Frauen" geschrieen, was meist darauf hinausläuft, dass die weiblichen Charaktere draufhauen wie die Kerle und ständig blöde Sprüche reißen. Das ist es aber gar nicht, was wir mit "starken Frauen" meinen. Wir wollen interessante Frauen sehen, realistische Frauen, und so eine ist Natasha. Sie ist kompetent, nicht zimperlich, hat Durchsetzungsvermögen, aber sie nimmt auch Anteil an Steves Leben, hat Humor, und ist auch mal verzweifelt. Ein Black Widow-Film ist mehr als überfällig, und sollte er genauso qualitativ hochwertig sein wie die bisherigen Filme dieser Reihe, wird er sicher auch Erfolg haben.


Anthony Mackie als Sam Wilson bzw. Falcon fügt sich perfekt in die Reihe ein. So leicht hätte aus ihm die Kischeefigur des schwarzen, sprüchereißenden und nervigen Sidekicks werden können, aber dies ist zum Glück nicht passiert. Er lockert an den richtigen Stellen das Geschehen mit seiner schlagfertigen Art auf, ist glaubhaft stark in den Actionszenen und entwickelt die Freundschaft zu Steve überzeugend.
Der Titelgebende Winter Soldier hatte für meinen Geschmack etwas zu wenig Szenen, diese hatten jedoch ordentlich Durschlagskraft (teilweise wörtlich zu verstehen). Sebastian Stan macht aus ihm eine tragische Figur und er wird sicherlich in weiteren Filmen dieser Reihe noch eine wichtige Rolle spielen. Auch die anderen Schauspieler liefern wie zu erwarten sehr gute Arbeit ab, z. B. Robert Redford als charmant-glatter Neuzugang Alexander Pierce, Samuel L. Jackson als gewohnt BAMF-iger Nick Fury, Cobie Smulders als Agentin Hill oder Emily vanCamp als Steves Nachbarin Kate.

Auch technich gibt es nichts auszusetzen. Die Actionszenen sind toll anzusehen und viele bleiben im Gedächtnis, weil sie spannend und gut inszeniert sind.  Die Musik von Hans Zimmr und John Powell ist passend heroisch und unterstützt die Handlung. Nur auf das 3D hätte man durchaus verzichten können, es fügt dem Geschehen nichts Wesentliches hinzu.

Fazit: "Captain America: The Winter Soldier" ist ein weiterer gelungener Film des Marvel Cinematic Universe. Tolle Actionszenen, gelungene Charakterentwicklung, eine spannende Handlung und die genau richtige Dosis Humor sorgen für perfekte Blockbuster-Unterhaltung. Der neue "Avengers" kann gar nicht schnell genug kommen. 


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