Dienstag, 22. April 2014

"The Return of the First Avenger": Marvel ambitioniert wie eh und je


Jaha, da bin ich wieder! Zurück aus dem schwarzen Loch, das sich Leben nennt, bringe ich euch eine Review zum neuen Film des „Avengers“-Universums! Und zwar zu "Captain America: The Winter Soldier", der in Deutschland den etwas umständlicheren Titel "The Return of the First Avenger" bekommen hat - sicherlich als Versuch, beim breiten Publikum die Erinnerung an den erfolgreichen "The Avengers" zu wecken (der erste "Captain America"-Film zog nämlich nicht einmal 400.000 Besucher in die deutschen Kinos).

Nach Gott Thor ist es also dieses Mal Steve Rogers a.k.a. Captain America, der uns die Zeit auf den zweiten „Avengers“-Film „Age of Ultron“ verkürzt. Der Captain scheint für Marvel derjenige zu sein, der etwas düsterere, ernstere Filme legitimiert – kein Wunder, hat er doch seinen Ursprung im 2. Weltkrieg, wo er als Supersoldat Hitler und dessen Wissenschaftsabteilung HYDRA ordentlich eingeheizt hat. Teil 2 greift diese Untertöne auf, legt in Sachen Drama und Humor zu, ist bombastischer als Teil 1 und dazu deutlich politischer als die Vorgängerfilme rund um die Avengers. Das passt, ist doch der Protagonist noch nicht lange im 21. Jahrhundert unterwegs und muss sich erst an die veränderte Vorgehensweise in der Kriegsführung gewöhnen (Stichworte Spionage und Kampf gegen den Terror).

Steve Rogers (Chris Evans) kommt mittlerweile halbwegs mit dem Leben in der heutigen Zeit  klar. Er erhält von Nick Fury (Samuel L. Jackson) den Auftrag, zusammen mit SHIELD-Agenten ein von Piraten gekapertes SHIELD-Schiff zu befreien. Bei diesem Einsatz wird er außerdem von Natasha „Black Widow“ Romanoff (Scarlett Johannsen) unterstützt, die die Mission jedoch durch eine, ihr von Fury aufgetragenen, Sonderaufgabe gefährdet. Steve hält Fury dieses Vorgehen vor - wie soll er seine Missionen erfolgreich durchführen, wenn er nicht alle Informationen hat? Vertrauen gehört jedoch nicht zu Furys Grundsätzen, und wie sich schnell herausstellt, liegt er damit sehr richtig. Bei SHIELD läuft etwas ganz gewaltig schief, und nicht nur Fury muss die Konsequenzen tragen - auch Steve gerät in die Schusslinie und befindet sich bald auf der Flucht vor seinen eigenen Leuten. Die anschließenden Ereignisse sollte man auch gar nicht weiter vorwegnehmen, denn es gibt die ein oder andere überraschende Wendung.


Vertrauen und Loyalität spielen eine große Rolle in „The Return of the First Avenger“. Steve Rogers ist allein aufgrund seiner Geschichte ein einsamer Mensch - es gibt nur noch wenige, die überhaupt aus seiner Zeit sind; er passt sich zwar an das 21. Jahrhundert an, aber so richtig zu Hause ist er noch nicht. Hinzu kommt nun, wem er überhaupt noch vertrauen kann - Menschen, mit denen er zusammengearbeitet hat, sind plötzlich hinter ihm her. Immerhin, auf Natasha ist Verlass - und wie angenehm, dass die einzige weibliche Hauptfigur nicht für eine Liebesgeschichte genutzt wird. Steve und sie sind Freunde und ein gutes Team - einen romantischen Subplot habe ich zu keiner Zeit vermisst!

Hinzu kommt die recht politische Ausrichtung des Films, die tatsächlich mehrere interessante Aspekte anspricht, wenn auch manchmal nur im Vorbeigehen. Dies war aber schon immer eine Stärke der Marvel-Filme: Obwohl es sich im Kern um Blockbuster-Unterhaltung handelt, werden immer wieder ernstere Themen eingestreut (z. B. Tony Starks post-traumatische Störung, Bruce Banners Suizidversuche), die den Charakteren ein bisschen zusätzliche Tiefe verleihen. In "The Return of the First Avenger" wird z. B. auf die Probleme hingewiesen, die bei der Eingliederung von heimgekehrten Soldaten entstehen. Dies wird durch Anthony Mackies Charakter Sam Wilson (a.k.a. Falcon) mit Steves Handlung verbunden - gelungen.

Im Vordergrund steht jedoch die Kontroverse darüber, wie weit man gehen darf oder sollte, um den Frieden zu erhalten. Es gab zwar schon in anderen Filmen dieses Universums immer wieder Seitenhiebe auf fragwürdige Außenpolitik, Aufrüstung usw., aber nie war es so satirisch auf den Punkt wie hier. Der besondere Clou daran: Die fragwürdigen Methoden zur Erhaltung des Friedens werden mit absoluter Selbstverständlichkeit vorgetragen und könnten zum Großteil direkt aus der Berichterstattung im US-Fernsehen stammen. Klingt doch alles ganz logisch, man muss eben Kompromisse eingehen. Und dann kommt Steve Rogers als Held des Films und Identifikationsfigur für viele Zuschauer, und sagt, Nein, das ist keine Friedenspolitik, sondern reine Angstmacherei. Es gab bereits einige amerikanische Stimmen, die diesen Schachzug sehr gelobt haben, da er auf effektive und doch sehr einfache Art die aktuelle Außenpolitik kritisiert. Gerade in Anbetracht von NSA-Skandal und dergleichen ist der Film sehr aktuell und auf den Punkt.

Schauspielerisch gibt es nichts zu meckern. Chris Evans ist hervorragend als Steve, er verleiht den wichtigen Momenten die nötige Gravitas, aber bleibt auch in den lustigen Momenten stets überzeugend. Ebenso gelungen ist Scarlett Johannsons Leistung als Natasha. Es wird ja immer nach "starken Frauen" geschrieen, was meist darauf hinausläuft, dass die weiblichen Charaktere draufhauen wie die Kerle und ständig blöde Sprüche reißen. Das ist es aber gar nicht, was wir mit "starken Frauen" meinen. Wir wollen interessante Frauen sehen, realistische Frauen, und so eine ist Natasha. Sie ist kompetent, nicht zimperlich, hat Durchsetzungsvermögen, aber sie nimmt auch Anteil an Steves Leben, hat Humor, und ist auch mal verzweifelt. Ein Black Widow-Film ist mehr als überfällig, und sollte er genauso qualitativ hochwertig sein wie die bisherigen Filme dieser Reihe, wird er sicher auch Erfolg haben.


Anthony Mackie als Sam Wilson bzw. Falcon fügt sich perfekt in die Reihe ein. So leicht hätte aus ihm die Kischeefigur des schwarzen, sprüchereißenden und nervigen Sidekicks werden können, aber dies ist zum Glück nicht passiert. Er lockert an den richtigen Stellen das Geschehen mit seiner schlagfertigen Art auf, ist glaubhaft stark in den Actionszenen und entwickelt die Freundschaft zu Steve überzeugend.
Der Titelgebende Winter Soldier hatte für meinen Geschmack etwas zu wenig Szenen, diese hatten jedoch ordentlich Durschlagskraft (teilweise wörtlich zu verstehen). Sebastian Stan macht aus ihm eine tragische Figur und er wird sicherlich in weiteren Filmen dieser Reihe noch eine wichtige Rolle spielen. Auch die anderen Schauspieler liefern wie zu erwarten sehr gute Arbeit ab, z. B. Robert Redford als charmant-glatter Neuzugang Alexander Pierce, Samuel L. Jackson als gewohnt BAMF-iger Nick Fury, Cobie Smulders als Agentin Hill oder Emily vanCamp als Steves Nachbarin Kate.

Auch technich gibt es nichts auszusetzen. Die Actionszenen sind toll anzusehen und viele bleiben im Gedächtnis, weil sie spannend und gut inszeniert sind.  Die Musik von Hans Zimmr und John Powell ist passend heroisch und unterstützt die Handlung. Nur auf das 3D hätte man durchaus verzichten können, es fügt dem Geschehen nichts Wesentliches hinzu.

Fazit: "Captain America: The Winter Soldier" ist ein weiterer gelungener Film des Marvel Cinematic Universe. Tolle Actionszenen, gelungene Charakterentwicklung, eine spannende Handlung und die genau richtige Dosis Humor sorgen für perfekte Blockbuster-Unterhaltung. Der neue "Avengers" kann gar nicht schnell genug kommen. 


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Freitag, 31. Januar 2014

Mein Kinojahr 2013

Dieses Jahr bin ich so richtig schön spät mit meinem Rückblick auf das Kinojahr 2013. Aber es ist immer noch Januar, da wollen wir mal nicht so kleinlich sein. ;)

Genau wie in 2012 zog es mich 2013 40 Mal ins Kino, am meisten – wie eigentlich immer – im letzten Quartal (Verteilung: 10 / 9 / 6 / 15). Dabei gehen 26 Besuche auf das Konto meines Heimatkinos und einmal war ich sogar in einem ausländischen Kino, nämlich im Showcase in Bristol (für „The World's End“). 14 Mal musste ich einen Film in 3D gucken (ja, „Musste“, denn leider kann man heutzutage ja nur noch sehr selten zwischen einer 2D- und einer 3D-Fassung wählen), und vier Filme zogen mich zwei Mal ins Kino.


Der beste Film
Da hatte ich dieses Jahr wirklich große Probleme, mich endgültig zu entscheiden, denn vier Filme blieben mir in besonders guter Erinnerung und zählen meiner Meinung nach zum Bestem, was 2013 zu bieten hatte. Am Ende hat dann aber ein Film – ganz passend – mit einem Sekundenbruchteil Vorsprung gewonnen: „Rush“. Ron Howards Porträt der Rivalität zwischen den Formel1-Fahrern James Hunt und Nikki Lauda ist spannend, schockierend, lässt Emotionen zu und bietet sogar den ein oder anderen Lacher.
Nur ganz knapp am 1. Platz schrammten der beste Blockbuster des Jahres, „Iron Man 3“, und der vor Spannung kaum zu ertragende „Captain Philipps“ (mit einem lange nicht mehr so guten Tom Hanks) vorbei. Das v. a. technisch auftrumpfende Weltall-Spektakel „Gravity“ schafft es auf Platz 4.

Der schlechteste Film 
Auch dieses Jahr habe ich einen weiten Bogen um die üblichen verdächtigen für diese Kategorie gemacht – da habe ich wohl das Glück kein offizieller Filmkritiker zu sein, sodass mich niemand zwingen kann für Schrott ins Kino zu gehen. Und so war auch kein Film so richtig schlecht, sondern eigentlich fällt eher in die Kategorie „Nett aber vergessenswert“ oder „Muss man nicht sehen aber tut auch nicht richtig weh“. Und von all diesen Filmen fand ich „Epic“ dann doch am schlechtesten. Der Film sieht zum Großteil sehr hübsch aus, aber die Story ist leider sehr bescheuert bzw. wimmelt nur so von Logiklöchern.

Der lustigste Film 
Beim lustigsten Film schwanke ich zwischen zwei, und ich möchte mich eigentlich auch nicht entscheiden. Beide sind nämlich auf ihre Art sehr unterhaltsam. Zunächst wäre da „Das ist das Ende“, der komplett durchgeknallte Weltuntergangs-Apokalypsen-Film mit James Franco, Seth Rogen & Co. Ein aberwitziger Kommentar auf Hollywood und Katastrophenfilme, denn jetzt sehen wir mal komplett planlosen Menschen dabei zu, wie sie mit solch einer Extremsituation klar kommen. Und das ist zum Brüllen komisch, wenn auch etwas krude.
Und der andere Film ist „Don Jon“ über einen von Joseph Gordon-Levitt gespielten Pornosüchtigen, der selbst dann nicht von seinem schmutzigen Hobby lassen kann, als er anscheinend seine Traumfrau findet. Der Film schafft eine überraschende Gratwanderung gegen Ende, wenn das Ganze einen ernsteren Unterton bekommt, aber die erste Stunde ist herrliche Satire auf Hollywood-Romanzen.
Eine Ehrennennung habe ich allerdings noch: Als lustige Szene des Jahres gewinnt ganz klar die Kapuzenszene aus „Django Unchained“.

Der emotionalste Film 
 Das waren im Grund zwei Filme: Einmal „Les Miserables“, da muss ich beim letzten Lied sowieso immer schlucken, wenn ich es höre, und dass dann auf der Leinwand zu sehen (auf der Bühne habe ich das Musical bisher leider nicht sehen können), schwächt die Szene nicht gerade ab. Allgemein war die Verfilmung recht gut gelungen und die langen Kameraeinstellungen trugen zur Intensität bei. Immerhin bin ich nicht in Tränen ausgebrochen, dafür haben andere im Publikum gesorgt.
Und der zweite Film ist „Captain Philipps“, nicht auf der „Oh mein Gott, das ist so traurig!“-Ebene, sondern auf der „Wow, das war ein verdammt nervenaufreibendes Finale“-Ebene. Obwohl der Ausgang der Handlung bekannt war, hab ich trotzdem sehr mitgefiebert, und die absolut realistische Darstellung des traumatisierten und völlig unter Schock stehenden Philipps war sehr ergreifend.

Die größte positive Überraschung 
Auch hier haben mich in 2013 zwei Filme überrascht, zumindest ein wenig, und zwar „Der Hobbit – Smaugs Einöde“ und Michael Herbigs Romantik-Dramödie „Buddy“. Der zweite Teil des „Hobbit“ war deshalb überraschend, weil ich gerade bei einem mittleren Teil erwartet hätte, dass er sich zieht, v. a. auch weil Teil 1 schon deutliche Längen hatte. Aber nein, trotz Peter Jacksons deutlicher Abweichungen vom Buch hat der Film mich packen können und ich habe nicht, wie noch in Teil 1, an der ein oder anderen Stelle etwas gelangweilt auf die Uhr geguckt.
Um Michael „Bully“ Herbig war es ja etwas still geworden in letzter Zeit, und die auf Pro7 ausgestrahlte Sitcom „Bully macht Buddy“, die auf den Film einstimmen sollte, war von den Quoten her ein Desaster. Zum Glück hatte die Sitcom so ziemlich gar nichts mit dem Film zu tun, der zwar recht konventionell und ohne große Überraschungen daherkommt, aber dennoch konstant unterhält, Bully-typischen Wortwitz aufweist und mit seinem Humor fast immer ins Schwarze trifft. Keine intellektuelle Herausforderung, aber sicherlich auch keinen Deut schlechter als die das Kino überflutenden Filme von/mit Till Schweiger und Matthias Schweighöfer.

Die größte Enttäuschung 
Star Trek into Darkness“. Je länger ich über den Film nachdenke, desto mehr regt er mich auf. So viele gute Ansätze, so tolle Voraussetzungen mit talentierten, passend gecasteten Schauspielern und beeindruckender Technik, und dann dieser Film. *grummel*

Das beste Publikum
Allgemein hatte ich gutes, unterhaltsames Publikum in den beiden besuchten „Thor: The Dark World“-Vorstellungen, wobei die drei Teenie-Mädels vom ersten Besuch hervorgehoben werden müssen. Die waren nämlich einfach zu goldig. Ich bin wie immer sitzen geblieben und sie waren ganz am Ende des Abspanns noch die einzigen mit mir im Saal. Sie giggelten total begeistert über den Schluss-Twist mit Loki woraus sich ein kleines Gespräch zwischen uns entwickelte. Loki-Fans erkennt man eben immer und überall, sie waren ganz hin und weg, und wollten nochmal reingehen.
Das sicherlich zu 80% aus Benedict Cumberbatch Fans bestehende Publikum in der „Frankenstein“-Aufführung hatte ebenfalls etwas für sich, wenn auch das begeisterte Gekreische zu Beginn etwas, ähm, befremdlich war. *g*
Auch noch erwähnen möchte ich die beiden Damen (sicherlich Ende 50, Anfang 50), die neben mir in „Die Eiskönigin“ saßen und offensichtlich totale Disneyfans waren. Außerdem schien es ihr erster 3D-Film zu sein, sie waren ganz begeistert von den Effekten, und nach Elsas Power-“Ihr könnt mich alle mal!“-Song waren sie richtig überwältigt.
Und nicht fehlen darf die Damen in „Les Miserables“, die die bekannteren Stücke wie „I dreamed a dream“ oder „On my own“ mitsang, und dann bei der Sterbeszene des kleinen Gavroche (ja natürlich stirbt das Kind, es hat einen Namen, ist niedlich und turnt auf den Barrikaden rum!) völlig unkontrolliert in Tränen ausbrach.

Das schlechteste Publikum 
Das absolut schlechteste Publikum hatte ich bei meinem „Pitch Perfect“-Besuch, ausgerechnet der erste Kinobesuch überhaupt in 2013. Fast nur Teenies, dazu offensichtlich verfeindete Lager aus einer Klasse oder zumindest aus Parallelklassen. Da wurde sich gegenseitig angekeift, über mehrere Reihen mit Popcorn geworfen, dämliche Sprüche über den Film gemacht, da der Humor zu hoch für diese einfältigen Gemüter war, und ich frag mich immer noch, warum die überhaupt ins Kino gegangen sind, wenn die doch eh nichts davon mitbekommen haben.
Auf andere Weise schlecht war das Publikum im ersten „Iron Man 3“-Besuch, da irgendwie so gar keine Reaktion kam. Humor nicht verstanden? Zu jung um die Gags zu Beginn zu kapieren?
„Das ist das Ende“ war auch schwierig, da ein teil des Publikums offensichtlich die Schauspieler nicht kannte und somit ungefähr die Hälfte der Witze gar nicht verstand, wodurch die ersten 20 min für sie langweilig wurden und sie anfingen zu meckern. Hinzu kam, dass bei einem der Jungs das Deo versagte, was nicht angenehm war.
Und kein Kinojahr darf vergehen, ohne dass nicht irgendwer, in diesem Fall drei Frauen vor uns, verschämt kichern, weil zwei Männer miteinander im Bett sind. So geschehen in „Liberace“. „Tihihi, die haben Sex, tihihi, und Liberace ist schon alt, tihi.“ Tatsache. Wer hätte das gedacht.

Das erinnert mich an... 
In „Frankenweenie“ erinnerte die Monsterplage gegen Ende doch etwas an das große Finale von „Cabin in the Woods“. Das hat dem Ganzen aber nochmal einen extra Kick gegeben. *g*

Besondere Momente 

Zunächst wäre da natürlich die „Frankenstein“-Aufführung. Aufgrund des 50. Geburtstages des Londoner National Theatres wurde die aufgezeichnete Fassung mit Benedict Cumberbatch als Kreatur und Jonny Lee Miller als Frankenstein noch einmal in ausgewählte Kinos gebracht. Und dieses Mal war im im ausverkauften Saal dabei (so ausverkauft, dass im Saal nebenan der Film ebenfalls gezeigt wurde). Ein großartiges Theaterstück, und besonders von Cumberbatch hervorragend gespielt.
Auch toll war der Besuch von „The World's End“ in Bristol während des England-Urlaubs, wo wir beinahe den Saal für uns gehabt hätten, für echtes Heimkino-Feeling.

So viele Bio-Pics! 
Ich habe in 2013 gefühlt massenweise Filme gesehen, die sich mit realen Personen beschäftigen: „Lincoln“ (den ich etwas dröge fand), „Hitchcock“ (unterhaltsam), „Rush“, „Liberace“ (zu Recht mit diversen Preisen ausgezeichnet), „Inside WikiLeaks“ (verschenktes Potential) und „Captain Philipps“.
Und ganz am Ende wurde es dann auch noch etwas Arthouse, denn der letzte Film in 2013 war „Only Lovers Left Alive“, der melancholisch dahinfließende Vampirfilm von Jim Jarmusch. Hatte was. :)


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Dienstag, 31. Dezember 2013

„Der Hobbit - Smaugs Einöde“, Oder: „Wie, schon zu Ende?“



Und weiter geht die Reise von Hobbit Bilbo Beutlin (Martin Freeman), Zauberer Gandalf (Sir Ian McKellan) und der von Thorin Eichenschild (Richard Armitage) angeführten Zwergentruppe in Richtung einsamer Berg. Immer noch werden sie von Orks verfolgt und finden auf ihrem Weg kurzfristig Unterschlupf bei Gestaltwandler Beorn (Mikael Persbrandt), der ihnen hilft den Düsterwald zu erreichen. Da Gandalf sich mit dem in Dol Guldur erschienen Nekromanten herumschlagen muss , müssen Bilbo und die Zwerge jedoch den Wald ohne Hilfe durchqueren. Leichter gesagt als getan: Riesige Spinnen bevölkern den Wald, und die Waldelben, allen voran ihr König Thranduil (Lee Pace), sind den Zwergen auch überhaupt nicht wohlgesonnen. Auf ihrer wilden Flucht in Fässern auf einem tosenden Fluss werden sie auch noch von den Orks angegriffen, und nur mit der Hilfe der Elben, angeführt von Thranduils Sohn Legolas (Orlando Bloom) und Wächterin Tauriel (Evangeline Lilly), schaffen Bilbo und die Zwerge es zu entkommen.
Sie treffen auf den Fuhrmann Bard (Luke Evans), der die Gruppe in die Seestadt schmuggelt. Der dort regierende Bürgermeister (Stephen Fry) kann Bard zwar nicht leiden, findet Thorin und dessen Versprechen, der Stadt mit dem im Erebor lagernden Schatz wieder zu altem Glanz zu verhelfen, dafür aber umso besser. Endlich am Berg angekommen, soll Bilbo seinem Titel „Meisterdieb“ alle Ehren machen und den Arkenstein, das Symbol des Zwergenkönigs, aus der Schatzkammer holen, ohne den Drachen zu wecken. Doch Smaug schläft längst nicht mehr so fest wie einst und ein Drache gibt seinen Schatz niemals freiwillig her.

Teil 1 der Reihe, „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“ hat mit über 1 Milliarde Einspielergebnis wenig überraschend, aber dennoch beeindruckend vorgelegt. „Der Hobbit – Smaugs Einöde“ muss sich nun dem Problem stellen, den mittleren Teil einer Geschichte zu erzählen und somit ein wenig in der Luft zu hängen. Peter Jackson gelingt es jedoch erstaunlich gut, die Handlung voranzutreiben. Mit einer kurzen Rückblende auf das erste Treffen zwischen Gandalf und Thorin findet er einen guten Einstieg in die Geschichte, und das Ende ist zwar ein Cliffhanger, an sich aber ganz gut gewählt, da so für den letzten Teil ein spannender Einstieg garantiert ist.


Wo Teil 1 sich häufig doch zog, wird im 2. Teil die Spannung aufrecht erhalten, was sicherlich auch den vielen neuen Charakteren geschuldet ist. Auch einigen der Zwerge wird mehr Profil verliehen, so wird Thorins Charakter deutlich ausgebaut, und Kili (Aidan Turner) bekommt sogar seinen eigenen Subplot. Dass es sich dabei um ein angedeutetes Liebesdreieck handelt, in das Tauriel und Legolas ebenfalls verwickelt sind, erscheint allerdings überflüssig. Jedoch deuten neuere Aussagen von Evangeline Lilly darauf hin, dass es sich um eine Entscheidung des Studios handelt, denn bis zu den Nachdrehs gab es dieses Liebsdreieck nicht. Sehr schade. Da wird schon eine weibliche Rolle extra für den Film geschrieben, die sich im Kampf zu behaupten weiß und als Charakter so wunderbar funktioniert hätte, und da muss man dann gleich wieder eine Liebesgeschichte reinbringen, denn sonst können sich Frauen ja nicht für den Film begeistern. Bullshit. So werden der Laufzeit nur unnötige Minuten hinzugefügt, wenn Tauriels Charakter auch vorher interessant genug gewesen wäre.

Schön ist es aber, Orlando Bloom als Super-Elben Legolas wiederzusehen. Lee Pace als dessen Vater Thranduil ist wunderbar arrogant und unsympathisch. Die Szenen mit Persbrandts Beorn sind im Vergleich zum Buch irgendwie sehr kurz geraten, dafür gefällt Luke Evans als Bard mit innerer Größe. Die alten Bekannten aus dem ersten Teil sind gut wie eh und je, mir persönlich gab es aber zu wenige Szenen mit Bilbo. Martin Freeman holt jedoch alles aus diesen Szenen heraus, v. a. seine Konfrontation mit Smaug (Benedict Cumberbatch) ist spannend und zeigt gleichzeitig Freemans hervorragendes komödiantisches Timing. Smaug selbst ist hervorragend geworden, sowohl als Charakter als auch von der Animation.


Überhaupt scheinen einige der Probleme bei den Spezialeffekten aus Teil 1 gelöst worden zu sein. Es gibt keine seltsam verdrehten Kamerafahrten mehr, die zusammen mit dem 3D HFR eigentlich nur für verschwommenes Bild und sonst nichts sorgten. Auch wirken die Orks nicht mehr so offensichtlich computeranimiert, auch wenn sie leider immer noch nicht so „echt“ wie in den „Der Herr der Ringe“-Filmen aussehen (was aber wohl daran liegt, dass damals eben gerade nicht so viel animiert, sondern Darsteller entsprechend ausstaffiert wurden). Die großen Actionsequenzen mit den Spinnen, der „Wildwasserbahn mit Fässern“ und die Flucht vor Smaug sind alle sehr gelungen und unterhaltsam (wenn auch bei der Fassszene etwas übertrieben). Die Seestadt sieht wunderbar aus.

Generell merkt man „Smaugs Einöde“ seine Spielzeit viel seltener an als dem ersten Teil. Wenn man den unnötigen Liebes-Subplot herausgelassen hätte und auch Gandalfs Szenen in Dol Guldur etwas gekürzt hätte, wäre der Film sogar noch kurzweiliger geworden. Denn es ist zwar wichtig für den Zuschauer, eine Erklärung für Gandalfs Verschwinden zu haben, aber dadurch wird der Fokus zu sehr von der Reise der Zwerge abgerückt, was schade ist. Dennoch ist der Film, auch gerade für einen undankbaren Mittelteil, sehr gelungen.

Fazit: Viel kurzweiliger als der Vorgänger und dazu mit verbesserten Effekten, schafft es "Der Hobbit - Smaugs Einöde", den Zuschauer zu überzeugen. Die Actionszenen machen Spaß, Smaug ist hervorragend umgesetzt, und die meisten der Charaktere gewinnen an Tiefe. Da fällt das Warten auf den letzten Teil gleich doppelt schwer.


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Dienstag, 24. Dezember 2013

Frohe Weihnachten!




All unseren Leserinnen und Lesern wünschen wir ein wunderbares, besinnliches Weihnachtsfest. Feiert schön im Kreis Eurer Lieben und lasst Euch reich beschenken!

Für das neue Jahr 2014 wünschen wir Euch allen ganz viel Glück, Gesundheit und Erfolg. Rutscht gut rein und macht 2014 zu Eurem Jahr!

Luanalara & Öllig

Sonntag, 15. Dezember 2013

Disneys "Die Eiskönigin": Trotz Fehlern unterhaltsam


Die beiden Prinzessinnen Elsa und Anna wachsen fröhlich im Königreich Arendell auf. Elsa hat magische Kräfte und kann Schnee und Eis herbeizaubern, womit sie ihrer kleinen Schwester gerne eine Freude macht. Dabei kommt es jedoch zu einem Unfall, und Elsa lebt fortan zurückgezogen in ihrem Zimmer, um niemanden in Gefahr zu bringen, bis sie ihre Kräfte kontrollieren kann. Viele Jahre später soll Elsa als neue Königin gekrönt werden, doch bei einer Auseinandersetzung mit Anna kochen ihre Gefühle hoch und sie versetzt ganz Grundel in ewigen Winter. Panisch flüchtet sie in die Berge. Anna macht sich zusammen mit dem Eisverkäufer Kristoff, seinem Rentier Sven und dem sprechenden Schneemann Olaf auf den Weg, ihre Schwester zurückzuholen.

 Im Vorhinein war nicht viel Gutes über Disneys neuesten Animationsfilm "Die Eiskönigin" (ich ignoriere den dämlichen deutschen Untertitel hier genauso wie bei "Rapunzel") zu hören. Der erste Teasertrailer mit Sven und Olaf war alles andere als überzeugend und viele Fans waren missmutig, weil Hans-Christian Andersens Märchen so stark geändert wurde. Vor allem die Einführung der männlichen Identifikationsfigur stieß vielen sauer auf, hatte man doch auf einen "echten" Schwesternfilm gehofft (endlich mal wieder nach dem leider häufig vergessenen "Lilo & Stitch"). Was das angeht, können die Kritiker jedoch beruhigt sein: "Die Eiskönigin" dreht sich nach wie vor hauptsächlich um die Schwestern Elsa und Anna.

Zuerst das Negative: Der Film hat seine Fehler und ist auch nicht so aus einem Guss wie es "Rapunzel" war. Die ersten 20 Minuten fühlen sich gehetzt an, wichtige Ereignisse werden zu schnell abgearbeitet (Annas Unfall und die Konsequenzen, Elsas Isolation und Annas Verwirrung darüber, der Tod der Eltern).    Ab der Krönungsszene beruhigt sich das Ganze ein wenig (vielleicht fühlten sich die Macher vorher auch einfach durch Annas Hyperaktivität angetrieben) und der Film findet zu sich.  Zuviel nachdenken sollte man über die Feinheiten der Handlung jedoch nicht, sonst fallen einem doch einige Logikfragen ein (warum z. B. soll das Volk in Annas Abwesenheit auf Prinz Hans hören, der gerade einmal ein paar Stunden da ist? Wer hat denn in den Jahren zwischen dem Tod des Königspaares und Elsas Krönung die Staatsgeschäfte geleitet?).


Schade, dass auch die Lieder und deren Verteilung nicht immer überzeugen. Zur Beginn stapeln sich gefühlt 10 Lieder auf 10 Minuten, wovon man das Lied der kleinen Anna ohne Probleme hätte streichen können, da die Aussage auch ohne Lied problemlos herübergebracht werden kann (und leider kann die Sprecherin auch nicht singen...). Der darauf folgende Song „Zum ersten Mal“ erinnert an die typischen ersten Songs aus Filmen wie „Aladdin“ oder „Die Schöne & das Biest“, in denen die Hauptfigur mit locker-flockiger Melodie vorgestellt wird. Das funktioniert hier auch gut und unterstreicht Annas quirligen Charakter, kontrastiert mit Elsas antrainierter Erhabenheit. Und damit wäre es an Liedern eigentlich erst einmal gut gewesen, aber man quetscht noch ein überdreht-zuckriges Liebesduett hinein, das wohl hauptsächlich die traditionellen Liebesduette karikieren soll. Nette Idee, aber es sind einfach zu viele Lieder hintereinander. Mir als Musicalfan macht das nichts aus, aber die weniger geneigten Zuschauer werden an der Stelle schon mehrmals genervt mit den Augen gerollt haben.
Danach werden die Lieder besser verteilt, aber bis auf die dramatische Reprise von „Zum ersten Mal“ gibt es leider nur noch absolute Durchschnittsware. Da bleibt nichts im Ohr hängen, möglicherweise ist es auch dreiste Satire auf diese Art Song, denn Schneemann Olaf bekommt das „Lustiger Nebencharakter stellt sich vor“-Lied, das komplett vorhersehbar aufgebaut und dabei noch nicht einmal schmissig ist, und die Trolle bekommen eine fröhlich-bekloppte Nummer, die an der Stelle im Film absolut deplatziert wirkt und nichts beiträgt. Und am Ende, wo ich mir zum Ausklang tatsächlich eine rauschende Reprise vom Hit-Song „Lass jetzt los“ gewünscht hätte, kommt nichts mehr.

Dabei wären wir aber immerhin bei einem positiven Aspekt angekommen, den ich gern herausstelle: Die „Lass jetzt los“-Sequenz (kann man sich auf youtube anschauen) ist wunderbar, großartig inszeniert und emotional. Technisch kann man an „Die Eiskönigin“ sowieso nicht meckern, der Film sieht wunderbar aus (wenn auch nicht ganz so schön wie „Rapunzel“), grandioses 3D, alles wie erwartet top.


Die Charaktere sind eigentlich alle gut gelungen. Es ist schön, dass die Beziehung der Schwestern Elsa und Anna durchaus im Mittelpunkt steht, auch wenn die beiden gar nicht so viele Szenen zusammen haben. Gerade Elsa ist ein interessanter Charakter – eine Figur, die an sich überhaupt nicht böse ist, sondern einfach nicht mit ihrer großen Kraft umzugehen weiß und aufgrund ihres Kindheitstraumas so eine Angst vor ihren eigenen Fähigkeiten hat, dass sie diese versucht komplett zu unterdrücken und das Ganze nur zur Katastrophe führen kann. Anna ist im Grunde das genaue Gegenteil, fröhlich, verspielt, ein lebenslustiger Teenie eben. Sie liebt ihre ältere Schwester, weiß aber nicht so genau, wie sie sich in ihrer Gegenwart verhalten soll. Da sie ihr Leben bisher nur im Schloss verbracht hat, ist sie auch etwas weltfremd und denkt beim ersten Zusammentreffen mit einem netten, jungen Prinzen, dass es die große Liebe sein muss. Aber sie ist zum Glück auch forsch genug, ihre Schwester nicht der Einsamkeit zu überlassen, sondern sie sofort retten zu wollen.
Kristoff ist ein sympathischer junger Kerl, allerdings offensichtlich eher ein Einzelgänger (seine Freunde sind das Rentier und die Steintrolle). Er sorgt für ein paar schöne Lacher, genauso wie Rentier Sven )gern auch im Hintergrund). Schneemann Olaf ist zum Glück nicht so furchtbar nervig wie der Teaser-Trailer andeutete, bis auf sein Lied fand ich ihn doch recht witzig.

Die Sprecherleistungen sind alle sehr gut, und bis auf Hape Kerkeling als Olaf gab es anscheinend noch nicht einmal eine Promibesetzung. Willemijn Verkaik als Elsas Singstimme dürfte wohl nur Musicalfans ein Begriff sein, sie ist aber – wie zu erwarten war – großartig. Dramatische „Ihr könnt mich alle mal!“-Lieder kann sie eben besonders gut, das hat sie in „Wicked“ bereits lange Zeit bewiesen.

Ich habe mich in „Die Eiskönigin“ die meiste Zeit gut unterhalten gefühlt. Der Humor sitzt zum Großteil, das kleine Liebesdreieck mit Anna, Hans und Kristoff nimmt nicht so viel Platz ein wie befürchtet, dafür wird gerade Elsas Charakter gut dargestellt. Ich fragte letztens die kleine Schwester meiner Nachhilfeschülerin, ob sie den Film schon gesehen habe, und sie sagte gleich begeistert ja. „Welche Figur fandest du denn am besten?“ fragte ich. Und sie rief begeistert, „Die Eiskönigin!“ Weil sie schön und etwas zickig ist. *g* Kinder werden sicherlich eh ihren Spaß an dem Film haben, das Tempo geht flott voran, sodass keine Langeweile aufkommt.
Und auch wenn manches hier jetzt sehr negativ klingen mag, liegt das eher daran, dass mich die Probleme des Films vergleichsweise stark aufregen, da viele leicht zu lösen gewesen wären. Es ist ein schöner Film in bester Disney-Tradition, aber er hat Luft nach oben.

Fazit: „Die Eiskönigin“ ist zwar nicht ganz so ausgereift wie Disneys letztes Märchen „Rapunzel“, bietet aber neben wunderschönen Bildern eine ans Herz gehende Geschichte zweier Schwestern und unterhaltsame Nebencharaktere. Die nach den ersten Infos erwartete Katastrophe blieb zum Glück aus – Disney liefert einen neuen gelungenen Film für Jung und Alt. 


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