Sonntag, 3. Januar 2016

Mein Kinojahr 2015

Und schon ist wieder ein Jahr rum und wir haben 2016! In diesem Jahr werde ich hoffentlich zuverlässiger posten als noch in 2015, zumindest hab ich es mir fest vorgenommen... *g* Meine Schreibfaulheit bedeutete aber nicht, dass ich nicht ins Kino gegangen wäre - eher im Gegenteil, wenn ich mir meine Statistik so ansehe.
2015 habe ich in 54 Kinobesuchen (Quartalsverteilung 14 / 10 / 14 / 16) 51 unterschiedliche Filme gesehen; drei Filme haben mich zwei Mal ins Kino bekommen. Neun Filme davon waren in 3D, wobei dieses zwar gut war, aber für mich bei so gut wie keinem Film einen wirklichen Mehrwert darstellte. Mein Heimatkino wurde von der Pole Position abgelöst; 20 meiner Besuche gingen nämlich zur "Konkurrenz" in die Kreisstadt (was soll ich sagen, bessere Atmosphäre + Bonuskartensystem, außerdem: Sneak!).

Jaha, überhaupt, die Sneak. Ich habe mich früher nie getraut, eine Sneak-Preview zu besuchen, da ich nicht von Horrorfilmen oder überbrutalen Ballerfilmen überrascht werden will. Da man aber im besagten Kino so nett ist, Horrorabgeneigte vorzuwarnen, gehe ich gerne das Risiko des unbekannten Films ein. Und Leute, das führt doch zu einer ganz anderen Verteilung beim "schlechtesten Film"....


Der beste Film
Dieses Mal gab es tatsächlich drei Filme, die bei mir die Höchstwertung bekamen, aber der großartigste Film des Jahres war für mich "Mad Max Fury Road". George Miller entfacht ein wahres Feuerwerk an grandioser Action, cleverem Worldbuildung, und perfekten Charakteren, mit Tom Hardy und Charlize Theron als ständig Gas gebendem Hauptdarsteller-Duo. Von vorne bis hinten ein Erlebnis.
Auf Platz 2 findet sich PIXARs diesjähriger Geniestreich "Alles steht Kopf", ein wunderbarer Trip in die Gedankenwelt eines zwölfjährigen Mädchens, deren Leben das erste Mal komplett aus der Bahn gerät. Der Film vereint all das, wofür wir PIXAR lieben: eine ans Herz gehenden, intelligenten Story mit viel Humor, liebenswerte Charaktere, und eine im Überfluss kreative Optik. Platz 3 geht an den kleinen, aber extrem feinen "Ex Machina", einen kammerspielartigen, sich langsam zuspitzenden Thriller über künstliche Intelligenz und ab wann ein Roboter vielleicht doch eher ein Mensch ist. Die Thematik ist nicht neu, aber was Regisseur Alex Garland mit Atmosphäre und einem perfekt aufspielenden Hauptdarsteller-Trio (Oscar Isaac, Alicia Vikander, Domhnall Gleeson) zustande bringt, hat mich wirklich sehr begeistert.
Ehrennennungen für die überaus gelungene Buchadaption "Der Marsianer" mit Matt Damon, Sir Ian McKellans anrührend-mitreißendes Porträt des bekanntesten Detektives der Literaturgeschichte in "Mr. Holmes", und den größten Film des Jahres schlechthin, "Star Wars VII - Das Erwachen der Macht", denn der ist tatsächlich auch richtig gut!


Der schlechteste  Film
Diese Kategorie war lange, lange Zeit gesetzt und ich sah keine Änderung mehr kommen. Tja, und dann war da die letzte Sneak des Jahres, die noch einmal alles umgeschmissen hat, denn: Sie sorgte für den neuen Spitzenreiter in dieser Kategorie! Glückwunsch an "Die dunkle Seite des Mondes" mit Moritz Bleibtreu in der Hauptrolle, einem Film, der so gern tiefgründig und mysteriös sein würde, mich aber den Großteil der Zeit einfach furchtbar gelangweilt hat mit seiner Pseudo-Symbolik. Wären es doch nur tatsächlich Werwölfe gewesen, schlimmer hätte es den Film sicher nicht gemacht. Absolute Nullnummer für mich, und offensichtlich auch für andere, denn einige verließen vorzeitig den Saal.
Der ewige Spitzenreiter "Fifty Shades of Grey" wurde somit im allerletzten Moment von der Nummer 1 gestoßen. Dabei hatte dieser Film wirklich alles getan, um der mieseste Film des Jahres zu werden, v.a. war er gähnend langweilig. Aber käme es drauf an, würde ich diesen Film lieber noch einmal anschauen als "Die dunkle Seite des Mondes", denn es gibt wenisgtens brauchbare Musik und zwischendurch auch mal was zu lachen. Platz 3 geht an "The Gunman", einen so dermaßen durchschnittlichen Actioner mit Sean Penn, dass eigentlich jede Erwähnung irgendwo schon zu viel Aufmerksamkeit ist. Knapp vom Siegertreppchen geflogen ist "The D-Train", ein seltsamer Film mit Jack Black, der einen guten Ansatz hat, aber an einer unglaublich unsympathischen Hauptfigur krankt.


Der lustigste Film
Da habe ich dieses Jahr gar nicht viele Filme - es gab zwar einige Filme, die gute lustige Momente hatten, aber wirklich durchgängig lachen konnte man bei ihnen nicht (waren aber auch keine reinen Komödien *g*). Daher ist der Gewinner in dieser Kategorie "Spy - Susan Cooper Undercover", in dem Melissa McCarthy endlich mal wieder zeigen durfte, dass sie mehr kann als nur die prollige Dicke zu sein. Neben ihrer wirklich guten Leistung bleibt v. a. Jason Statham in Erinnerung, der sich und seine Filme genüsslich selbst parodiert; und Rose Byrne hat offensichtlich auch eine riesige Freude daran, die ganz ganz Böse zu spielen.
Ebenfalls sehr witzig, wenn auch auf eine deutlich bösere Art, war "Mama gegen Papa - Wer hier verliert, gewinnt", eine franko-belgische Co-Produktion über einen etwas anderen Scheidungskrieg. Denn wann setzen Elternteile schon einmal alles daran, nicht das Sorgerecht zu erhalten?


Der emotionalste Film
Hier habe ich ebenfalls zwei Kandidaten, und nein, dieses Mal ist es nicht PIXAR. *g*
Zunächst hat mich ganz zu Anfang des Jahres "The Imitation Game" doch mehr mitgenommen als gedacht. Da habe ich schon ziemlich mitgelitten. Und dann war da noch "Er ist wieder da", der auf eine ganz andere Art emotional war, denn das Lachen blieb dem Zuschauer sehr schnell im Hals stecken aufgrund des beängstigenden Realismus und der Aktualität, die der Film an den Tag legte.


Die positivste Überraschung
An der Spitze der größten Überraschungen steht ganz klar "Magic Mike XXL". Teil 1 war ein durchaus unterhaltsamer Film mit betont ernsten Nebenplots, die den Film aber eher ausbremsten, als dass sie ihn bereicherten. Beim Sequel dachten sich dann Channing Tatum & Co. wohl, "Scheiß drauf, wir haben jetzt einfach Spaß!" und machten einen herrlich schrägen Road Trip mit einer Unmenge an - scheinbar in der Schwerelosigkeit gedrehten - Stripszenen, wobei der Stopp an der Tankstelle sowie die große Endnummer sicherlich zu den denkwürdigsten Szenen des Jahres gehören dürften.
Ebenfalls erfreulich, v.a. nach dem eher uninteressant wirkenden Trailer, war die britische Romanitikkomödie "Es ist kompliziert" mit Lake Bell und Simon Pegg. Hier wurden einige Klischees elegant umschifft, die Charaktere machen Spaß, und der Film ist herrlich kurzweilig. Und dann war da noch "Mortdecai", eine schräge Gangsterposse mit Johnny Depp. Der Film war zwar nicht denkwürdig, aber dann doch deutlich besser, als seine ersten 15 min befürchten lassen.


Die größte Enttäuschung
Relativ einfach dieses Jahr: James Bond hat mich leider hängen lassen. "SPECTRE" hatte es erwartungsgemäß schwer nach dem wirklich guten "Skyfall", aber dass man so eine lasche Story vorgesetzt bekommt, das Talent von Christoph Waltz geradezu verschwendet, die Actionenszenen müde vor sich hinplätschern, und jegliche romantischen Szenen wie mit dem Holzhammer reingeprügelt wirkten, konnte man wirklich nicht erwarten. Positiv waren einzig die sehr gelungene Eröffnungssequenz, Daniel Craigs süffisanter "Mir ist eh alles egal und ich hab hiernach endlich Ruhe"-Gesichtsausdruck, und Ben Whishaws Pullunder-tragender Lichtblick Q.
Ebenfalls eher enttäuschend, gemessen am Vorgänger, war "Maze Runner - Die Auserwählten in der Brandwüste". Die Actionszenen waren durchaus gelungen, die Optik toll, aber man hat sich leider so gar nicht bemüht, die Charaktere zu vertiefen; einzig Dylan O'Brien als Thomas bekommt ein wenig mehr Profil, vermutlich aber ganz einfach, weil er nun mal in jeder Szene ist. Ich hoffe, Regisseur Wes Ball nimmt sich die Kritik für den letzten Teil dieses Jahr zu Herzen.


Interlude: Guilty Pleasure
Der Film ist absolut bescheuert, die Handlung wurde vermutlich aus den Teenie-Fanfiction-Ergüssen der Autorin zusammengesetzt ("Ich hatte mal so eine 'Werwölfe im Weltall'-Phase, und Inline-Skating fand ich auch voll cool!"), die Optik ist Hochglanz, die Schauspieler schlafwandeln oder betreiben grandioses Overacting - aber irgendwie war das doch alles ... charmant. "Jupiter Ascending" wird vermutlich zum Kultfilm werden. Es könnte schlimmere Filme treffen.


Der beste Blockbuster
Der größte Blockbuster des Jahres hat als Helden ein Mädchen, einen Schwarzen, und einen Latino. Der Böse ist ein weinerlicher Weißer mit Opa-Anbetungskomplex und Allmachtsfantasien. Wer damit nicht klar kommt: Pech gehabt. Ihr armen, unterrepräsentierten weißen MRA-Männer könnt ja auf den nächsten Michael Bay-Film warten. Und wir anderen erfreuen uns an einem richtig unterhaltsamen SciFi-Epos, das es sich storytechnisch zwar etwas zu leicht macht, dafür aber coole Action, sympathische Helden, und einen supergoldigen Fußball mit Kopf zu bieten hat. Möge die Macht mit "Star Wars VII - Das Erwachen der Macht" sein, sodass der "Avatar"-Rekord auch noch geknackt wird.


Der beste Agenten-Film
Gefühlt gab es in 2015 eine unglaubliche Menge an Filmen mit Agenten/Spionage-Thematik. Und der beste davon war "Mission Impossible: Rogue Nation". Die Action war fantastisch, Rebecca Ferguson  stiehlt Tom Cruise ziemlich die Show, und Simon Pegg macht verdammt viel Spaß in einer aufgewerteten Rolle. Pures Actionkino vom Feinsten.
Ebenfalls sehr gelungen war Guy Richies "Codename U.N.C.L.E.". In stylischem Retrolook lässt er Armie Hammer sich mit Henry Cavill kloppen während Alicia Vikander im Hintergrund ihr eigenes Ding macht. Das Ganze wurde mit einem herrlich trockenen Humor versehen. Ich hätte gegen eine Fortsetzung nichts einzuwenden. Und schließlich gab es recht früh im Jahr den vom Stil her an "Kick-Ass" erinnernden "Kingsman" mit Colin Firth in einer für ihn ein wenig überraschenden aber sehr stilvollen Rolle. Taron Egerton machte in der Hauptrolle mit Nachdruck auf sich aufmerksam und wird sicherlich auch im Sequel überzeugen.


Gutes und schlechtes Publikum
Ein richtig gutes Publikum gab's beim Besuch von "Magic Mike XXL" in einem sehr gut gefüllten Saal - bis auf einen Mann (freiwillig dort und mit Begeisterung dabei *g*) nur Frauen, die alle offensichtlich einen Heidenspaß hatten.
Auch bei "Frau Müller muss weg" herrschte wirklich gute Stimmung in einem unterhaltsamen Film.
Positiv in Erinnerung blieb mir auch der sehr volle Saal in "Der große Trip - Wild". Sicherlich irgendwie als gut einzuschätzen, wenn man den Film bedenkt, war die Erfahrung in "Fifty Shades of Grey", wo selbst Fans an den unpassendsten Stellen lachen mussten und der arme Kerl neben mir, der offensichtlich seine Freundin begleiten musste, immer tiefer in seinen Sitz rutschte (möglicherweise zwischendurch auch wegdöste) und bei Abspannbeginn gequält sagte, "Können wir jetzt endlich gehen?".
Ein freundliches Winken für den einen Mann ein paar Reihen hinter uns in "Mad Max Fury Road", der während des Abspanns zu seinem Begleiter sagte, "Was für ein geiler Film." Wo er Recht hat... Süß die Kinder vor uns in "Alles steht Kopf" - die befürchtete Hampelei des kleinsten Kindes blieb aus, und der ältere Junge fand den Film "voll krass". *g*

Schlechtes Publikum gab es leider auch. Wo "Magic Mike XXL" das beste Publikum stellte, gab's beim zweiten Besuch dieses Films leider das insgesamt schlechteste Publikum. Keinerlei Stimmung; die Teenie-Mädels in unserer Reihe verbrachten mehr Zeit damit, auf dem Handy Fotos von Channing Tatum anzuschauen und zu chatten, als auf die Leinwand zu gucken.
In "Er ist wieder da" gab es in der Reihe vor uns eine größere Gruppe Niederländer, die ziemlich viel quatschten und ständig rumgiggelten, gerne an den unpassendsten Stellen. Ganz schlimm auch zwei Jungs in "Steve Jobs", die offensichtlich einen ganz anderen Film erwartet hatten, entsprechend blöde Kommenatre gab es dann immer wieder für sicher 40 min, bis sie beschlossen zu gehen. Hätte man sich mal vorher über das informiert, was man da guckt...


Das beste 3D-Erlebnis
"The Walk" war für mich der einzige Film in 2015, bei dem sich das 3D wirklich gelohnt hat. Der Film lässt sich zwar langsam an, aber die letzten 40 min sind grandios und der Balanceakt auf dem Seil lässt einen die Luft anhalten. Ich bin sehr froh, dass ich diesen Film in Kino schauen konnte - auf einer großen Leinwand war es wirklich ein Erlebnis!


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Donnerstag, 22. Oktober 2015

"Der Marsianer - Rettet Mark Watney" ist einer der besten Filme des Jahres


Mark Watney (Matt Damon) hatte definitiv schon bessere Tage in seinem Leben. Er wurde z. B. für die dritte bemannte Mars-Mission der NASA ausgewählt. Und bis heute lief auch alles großartig. Als jedoch die Mars-Bodenstation der AresIII-Crew wegen eines Sturms evakuiert werden und die Crew zum Raumschiff Hermes zurückkehren muss, wird Mark von herumfliegenden Trümmerteilen getroffen und für tot gehalten. Während Crew und NASA trauern, ist Mark angeschlagen aber quicklebendig und setzt alles daran, irgendwie zu überleben und der NASA mitzuteilen, dass er überraschenderweise doch nicht so tot ist wie gedacht. Gut nur, dass Mark nicht nur einen guten Sinn für (Galgen)Humor hat, der ihn vor einer Depression bewahrt, sondern dazu auch noch sehr erfinderisch ist – als ob ihn so ein blöder Planet einfach so in die Knie zwingen könnte. Die NASA erfährt währenddessen, dass Mark noch lebt, und arbeitet unter Hochdruck daran ihn wieder auf die Erde zurückzuholen. Doch die Zeit ist knapp, und Marks Nahrungsvorräte noch knapper...

Regisseur Ridley Scott liefert hier nach seinen letzten eher durchwachsen aufgenommen Werken („Robin Hood“ mit Russell Crowe, „Alien“-Prequel „Prometheus“, oder Bibel-Epos „Exodus“) einen von der ersten bis zur letzten Sekunde fesselnden Film ab. „Der Marsianer“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Andy Weir. Weir ist ein selbsternannter Raumfahrt- und Technik-Geek und publizierte seinen Roman zunächst kostenlos auf seiner Homepage, bot ihn dann auf Drängen seiner Leserschaft für den Mindestpreis als eBook an, bis schließlich ein Verlag Interesse zeigte und das Buch entsprechend groß herausbrachte. Der Erfolg ist absolut berechtigt – Weirs Buch ist eine Ode an die Wissenschaft und den Erfindungsreichtum des Menschen, dabei aber so voller Humor und toller Einfälle, dass sich die 300+ Seiten wie im Flug lesen.


Drew Goddard hat daraus gekonnt ein spannendes Drehbuch gemacht, dass dem Roman treu bleibt, aber natürlich auch Zugeständnisse an das neue Medium Film machen muss. So wird im Film – für das familienfreundliche PG13-Rating in den USA – nicht mehr so viel geflucht, und auch viele der detaillierten wissenschaftlichen Erklärungen wurden stark gekürzt oder komplett weggelassen, um den Film zugänglicher zu machen. Auch wurden einige der kleinen und größeren Katastrophen, die Mark v. a. gegen Ende der Geschichte passieren, gestrichen, da sie sich auf die Spannungskurve des Films nur negativ ausgewirkt hätten und unglaubwürdig erschienen wären. Das Ende wurde ebenfalls abgewandelt, was ich schon ein wenig schade fand; es macht allerdings aus erzählerischer Perspektive Sinn. Positiv anzumerken ist beim Drehbuch auch, dass viele Nebencharaktere wie die Mitarbeiter der NASA oder auch die AresIII-Crew (etwas) mehr Profil gewinnen als im Roman, welcher sich eher auf Mark selbst konzentrierte.

Für Mark die richtige Besetzung zu finden war natürlich ausschlaggebend für die Glaubwürdigkeit der Geschichte: ein sympathischer Jedermann, dem man auch den ein oder anderen lockeren Spruch abkauft und mit dem man mitfiebern kann. Wer sollte das anders sein als Matt Damon? ;) Und er macht seine Sache wie erwartet großartig. Er schafft es den Zuschauer mitleiden und mitlachen zu lassen, und obwohl wir über Marks Vergangenheit so gut wie gar nichts erfahren, schafft er es dennoch, uns diese Person so nah zu bringen, als wäre sie schon ewig unser bester Freund. Hier hilft es sicher auch, dass wir auch die schlechten Momente (z. B. die nervenaufreibende Selbst-OP zu Beginn *schauder*), in denen Mark verzweifelt ist oder Angst hat, zu sehen bekommen.
Aber auch ansonsten weiß der Film mit einer Top-Besetzung zu punkten: Aus der AresIII-Crew stechen besonders Jessica Chastain als gefasste Commander Lewis und Michael Peña als sprücheklopfender Pilot Martinez heraus. Bei der NASA muss Jeff Daniels als Direktor Sanders viele unpopuläre Entscheidungen treffen, Chiwetel Ejiofor gewinnt als leitender Ingenieur Vincent Kapoor sehr viel Profil, und auch bekannte Namen wie Kristen Wiig, Sean Bean, oder Donald Glover bleiben in ihren Rollen in Erinnerung.


Der Film bewahrt den humorigen Ton des Buches: Immer wieder lockert einer von Marks Sprüchen, der gekonnte Einsatz von 70er Jahre Disco-Hits (der einzigen Musik, die Mark auf dem Mars zur Verfügung hat, sehr zu seinem Leidwesen), oder die Rededuelle der über alle Maßen gestressten NASA-Mitarbeiter die angespannte Atmosphäre auf. Der Soundtrack bietet aber nicht nur überbordernd fröhliche Disco-Musik, sondern auch einen atmosphärischen Score von Harry Gregson-Williams.

Auf technischer Seite gibt es auch absolut nichts zu meckern. Der renommierte Kameramann Dariusz Wolski (u. a. alle "Fluch der Karibik"-Filme, "Sweeney Todd") findet wunderbare Bilder für die weitläufige Einsamkeit des Mars und ist auch sonst immer stimmungsvoll dabei. Die Effekte sind perfekt und das 3D ist zwar nicht zwingend notwendig, ist aber zumindest endlich einmal wieder auffällig genug, dass sich der bezahlte Zuschlag nicht wie verschwendetes Geld anfühlt. 

Fazit: "Der Marsianer" ist ein spannungsgeladener und dabei aufgrund seines Humors durchgängig super unterhaltsamer Film mit perfektem Hauptdarsteller und einem einprägsamen Soundtrack. So muss großes Kino sein!


Montag, 12. Oktober 2015

Zwei Kurzkritiken: Meine triumphale Rückkehr (oder so ähnlich)

 Sollte sich jemand gefragt haben, wo ich abgeblieben bin – keine Sorge, ich bin weiterhin ins Kino gegangen, habe sogar ein oder zwei Bücher gelesen, und nebenbei bin ich umgezogen und habe Urlaub gemacht. Es ist also nicht so, dass mir „50 Shades of Grey“ den Lebenswillen ausgesaugt hat, auch wenn es so ausgesehen haben mag – das Einzige, was ich danach versucht habe zu tun, ist meinen Freunden den Kinobesuch dieses Elends auszureden. Man denkt, man würde seine Leute kennen... *seufz*

Aber! Es gab danach doch einige deutlich brauchbarere Filme im Kino zu, ja, durchaus zu bestaunen, im ein oder anderen Fall. Zu Zweien der großen Blockbuster des Sommers hier jetzt mehr:




Mad Max Fury Road

Der beste Action-Kracher des Jahres, alle andere können einpacken (zumindest bisher). Original-“Mad Max“-Regisseur George Miller, der dem ein oder anderen vielleicht auch als Regisseur von „Ein Schweinchen namens Babe“ bekannt ist (soll ja keiner sagen, der Mann würde sich festlegen), bringt uns zurück in Max Rockatanskys (Tom Hardy) ausgetrocknete Welt und gönnt dem Zuschauer 120 min lang nur winzigste Verschnaufpausen.

Max wird gleich zu Beginn von den Warboys des tyrannischen Immortan Joe (Hugh Keays-Byrne) gefangen und als „Blutbeutel“ für Warboy Nux (Nicholas Hoult) benutzt. Als einer von Joes Tankzügen von seinem Imperator Furiosa (Charlize Theron) gestohlen wird, wird Max in eine halsbrecherische Verfolgungsjagd hineingezogen, in deren Verlauf er sich widerwillig mit Furiosa zusammentut, ganz nach dem Motto „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“. Furiosa hat nämlich Joes „Brüter“ befreit – fünf hübsche, junge Frauen, die für Joes gesunden Nachwuchs sorgen sollten und die ganz sicher nicht wieder zurück in ihr altes Leben wollen. Einziger Hoffnungsschimmer ist der „Grüne Ort“, wo Furiosa geboren wurde.

George Miller macht in diesem Film so vieles richtig, dass man gar nicht weiß wo man anfangen soll. Nun, das Casting ist auf den Punkt; Tom Hardy funktioniert hervorragend als ziemlich traumatisierter Max, der mit einem missmutigen Grunzen mehr ausdrückt als manch anderer Schauspielkollege mit einem ganzen Monolog. Charlize Theron ist hervorragend als Furiosa, die sich eine extrem harte Schale zulegen musste, um in Immortan Joes Welt nicht unterzugehen, sondern im Gegenteil, es zu einem seiner (ansonsten ausschließlich männlichen) Imperatoren zu bringen. Die fünf jungen Frauen, u. a. gespielt von Rosie Huntington-Whiteley und Zoe Kravitz, sind ebenfalls nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern haben alle eine unterschiedliche Persönlichkeit und Funktion. Nicholas Hoult als Nux kann ebenfalls in einigen Szenen auftrumpfen.

Die Action ist superb gefilmt, die Stunts atemberaubend und handfest, der ganze Look des Films ist eine Augenweide und man könnte sich die unzähligen Landschaftsaufnahmen eigentlich einzeln einrahmen, so schön sehen sie aus. Der Schnitt findet dabei das perfekte Mittelmaß zwischen rasant und übersichtlich – hier weiß man tatsächlich immer, was gerade passiert und wer gerade was tut – eine Wohltat! Überhaupt, die ganzen Apokalypsen-Regisseure können hier gleich mal lernen, dass eine Dystopie nicht in verwaschenem Grau und Braun daherkommen muss, sondern im Gegenteil ein kräftigsten Rot- und Gelbtönen strahlend kann. Und Michael Bay kann lernen, wie man einen saucoolen Actionfilm macht, ohne Frauen als reine Sexobjekte und Dekoration zu verwenden.

Ist Max Rockatansky vielleicht sogar nur Nebencharakter in seinem eigenen Film? Schon möglich. Aber der gute hatte bereits drei Filme für sich allein, und darf hier nun beweisen, dass er einen wahrhaft guten Kern hat – und ein richtiger Mann ist. Denn es gibt viel zu viele Immortan Joes auf dieser Welt. Ein grandioser Film.





Jurassic World

Ich bin ein Kind der 90er und obwohl ich damals zu klein war, um „Jurassic Park“ gucken zu dürfen, war ich geradezu besessen von Dinosauriern an sich. Ich hatte massenweise Dinofiguren, und es gab so eine Magazinreihe zum Sammeln, bei der man sich einen T-Rex zusammenbasteln konnte; ja, die hatte ich auch. Alle. Heute liebe ich v. a. „Jurassic Park“, und daher weckte der vierte Film der Reihe in diesem Sommer v. a. Nostalgie in mir. Dinos! Im Kino! Und Chris Pratt ist auch dabei!

20 Jahre nach den Ereignissen des ersten Teils haben die Menschen absolut gar nichts gelernt und natürlich trotzdem einen Park mit lebenden Dinosauriern eröffnet. Das ganze sieht aus wie ein typischer Themenpark, inkl. dem Streichelzoo mit Baby-Dinos, der Shoppingmeile direkt hinterm Eingang und Fahrgeschäften, bei denen man teilweise direkt zwischen den Dinosauriern hindurchfährt. Wie das aber in der heutigen zeit so ist, schwindet das Interesse der Besucher – sie wollen immer wieder neuere und „krassere“ Attraktionen sehen. Und so wurde der Indominus Rex im Labor gezüchtet – größer und beeindruckender als sogar der T-Rex. Claire (Bryce Dallas Howard) trägt die Verantwortung für das Marketing dieses neuen Dinosauriers, und ausgerechnet jetzt kommen ihre zwei Neffen vorbei (Ty Simpkins, Nick Robinson). Als Karrierefrau kann sie sich damit so gar nicht beschäftigen, ist sie doch gerad vollauf mit der Vorstellung des Indominus beschäftigt, und schickt die Jungs los den Park zu erkunden. Weil sie Bedenken wegen der offensichtlichen extremen Intelligenz des Indominus hat, holt sie widerwillig die Meinung von Raptorentrainer Owen (Chris Pratt). Dabei wird schnell klar, dass der neue Saurier eine viel größere Bedrohung darstellt, als zunächst angenommen – und bald ist das Leben der ganzen Besucher auf der Insel in Gefahr.

Die Schauwerte von „Jurassic World“ sind großartig – die Dinos sehen fantastisch aus, alle anderen Effekte sind auch toll und so wie man es sich wünscht (auch wenn das 3D ziemlich überflüssig war). Es gibt auch einige wirklich nette Anspielungen auf den ersten Teil.
Leider schafft es das Drehbuch nicht, die gleiche Spannung wie der gute alte „Jurassic Park“ zu erzielen. Die Charaktere sind, obwohl sympathisch genug, ziemlich eindimensional, aber was schlimmer ist: die Handlung ist komplett vorhersehbar. Ich beschwere mich nicht darüber, dass ein böser Dino ausbricht und alle angreift, dafür gucken wir den Film schließlich. Aber es ist so offensichtlich, wer zu den Bösen gehört, wie es für sie endet, und wie der Film auch für Claire, Owen, und die Kinder endet. Auch gewisse Handlungspunkte werden schon so frühzeitig angekündigt, dass sie einfach nicht mehr überraschen können.

Bryce Dallas Howard und Chris Pratt machen das beste aus ihren Rollen, die Kinderschauspieler sind immerhin recht sympathisch, und Vincent D'Onofrio macht auf Karikatur. Es ist schade, dass die tollen Schauwerte und fähigen Schauspieler nicht ein ausgereifteres, weniger vorhersehbares Drehbuch bekommen haben. Dem Erfolg des Films hat dies natürlich keinen Abbruch getan – er ist bisher der erfolgreichste Film des Jahres.



Dienstag, 10. März 2015

"Fifty Shades of Grey": Gähnen in 50 Facetten



Da ist er nun, der Skandalfilm zum Skandal-Bestseller. Wie zu erwarten, hat “50 Shades of Grey” am Startwochenende bereits Unmengen an Geld eingespielt, über $ 250 Mio. sind es geworden. Nachdem ungeduldige Fans und Katastrophentouristen ihre Neugier befriedigt hatten, hat der Film mittlerweile über $500 Mio. eingespielt, was mich doch ein wenig wundert. Gehe ich nach der besuchten Vorstellung, kann die Mundpropaganda nicht gerade positiv ausgefallen sein. Das Publikum wirkte doch eher ernüchtert (oder gepflegt gelangweilt). Aber vermutlich dauert es einfach, bis solche Infos auch in die letzte Ecke vorgedrungen sind. In den USA brach der Film in der zweiten Woche jedenfalls um 74 % ein.

Die Handlung folgt dem Buch: Studentin Anastasia Steele (Dakota Johnson) springt für ihre Journalisten-Freundin bei einem Interviewtermin ein. Interviewpartner ist der 27-jährige Milliardär Christian Grey (Jamie Dornan), zu dem sich Mauerblümchen Ana aufgrund seines guten Aussehens und seiner mysteriösen Art sofort hingezogen fühlt. Aus irgendeinem Grund findet Christian sie auch super und taucht immer wieder in ihrer Nähe auf. Ana kann sich eine Beziehung mit ihm vorstellen, aber Christian erklärt ihr gleich, dass er ihr Romantik nicht bieten kann, denn er steht nur auf SM-Sex, hat sogar ein „Spielzimmer“ dafür eingerichtet, bei dem jeder SM-Club vor Neid erblassen würde. Um mit Christian zusammen sein zu können, soll Ana einen Vertrag unterschreiben, in dem sie einwilligt Christians „Sub“ (der devote Part in einer SM-Beziehung) zu sein und der alle Vorlieben und Grenzen in einem BDSM-Szenario regelt. Zwar ist Ana das Ganze eher suspekt, aber weil sie Christian so liebt, willigt sie ein testweise ein paar SM-Spielchen auszuprobieren. Wirklich nachvollziehen kann sie Christians Vorlieben aber nicht, was immer wieder zu Spannungen zwischen den beiden führt.


Man kann den Film mit einem Wort zusammenfassen: Langweilig. Der Soundtrack ist ganz gelungen, man hat einige der besonders kontroversen Szenen aus dem Buch weggelassen oder entschärft, und Dakota Johnson hat zwar die erotische Ausstrahlung eines nassen Waschlappens, spielt aber ordentlich und macht Ana im Gegensatz zur Buchversion zumindest erträglich. Mehr Positives hab ich nicht zu diesem Film zu sagen. Ach so, doch: das eine Sofakissen sah ganz hübsch aus, die Bettwäschenfarbe in einer Szene hat mir gefallen, Ana trägt einige schöne Kleider. Und dass ich mir über solche Dinge Gedanken gemacht habe, anstatt der Handlung zu folgen, sollte Warnung genug sein.

Aber für die, die noch mehr Gründe haben wollen, warum sie den Film meiden sollten, schreibe ich gerne weiter:
Fifty Shades of Grey“ ist Langeweile in Hochglanzoptik. Ich hoffte ja zumindest darauf, dass der Film schlecht ist wie „Twilight“ schlecht ist – auf eine unterhaltsame, lustige Weise. Leider falsch gedacht. Natürlich gibt es einige Szenen und Dialoge, die zum Fremdschämen einladen und unfreiwillig komisch sind, und ihnen merkt man auch an, dass sie direkt aus dem Buch übernommen wurden (Autorin E. L. James hatte das letzte Wort bei allen Änderungswünschen und hat häufig auf ihrer Version bestanden). Lasen sich viele Sätze schon schlecht („Ich schlafe nicht mit jemandem. Ich ficke. Hart.“), sind sie noch viel lächerlicher, wenn sie von den Schauspielern gesprochen werden müssen, und irgendwie nötigt es mir schon Respekt ab, wenn Johnson und Dornan sich da mit einem ernsten Gesichtsausdruck durchbeißen. Allerdings sind diese ungewollt lustigen Momente rar gesät; gleichzeitig hat man die extrem fragwürdige Konnotation der Handlung (häuslicher Missbrauch getarnt als BDSM) aber zurückgeschraubt, sodass man sich auch gar nicht richtig aufregen kann. Man sitzt da und der Film plätschert so vor sich hin.

Hinzu kommt, dass bei der allgemeinen Langeweile der Film nicht einmal das gut macht, womit er ja so laut wirbt: Erotik will hier so gar nicht aufkommen; am ehesten gelingt so etwas wie romantisch-erotische Stimmung noch in der ersten Bettszene. Da merkt man Regisseurin Sam Taylor-Johnson an, dass sie durchaus weiß, wie man Stimmung erzeugt. Dass sie sich den Rest des Films über aber so gar keine Mühe mehr gibt, lässt darauf schließen, dass ihre ständigen Diskussionen mit der Autorin irgendwann zu einer „scheißegal“-Haltung führten und Taylor-Johnson den Dreh einfach hinter sich bringen wollte. Alle ach so verruchten Szenen im „Spielzimmer“ prickeln jedoch nicht im geringsten; sie werden entweder durch schlechten Schnitt zerstört, der der Szene komplett den Fluss raubt, oder durch absolut unpassende Musik (z. B. ein Kirchenchoral, der ohne Ironie oder Bezug zur Szene eingesetzt wird) – oder beides. Irgendwann stumpft man dann auch ab bei all der nackten Haut, die so komplett unspannend und unsexy in Szene gesetzt wird.

  
Dass so gar keine erotische Spannung aufkommen will, liegt aber leider nicht nur an der schlechten technischen Umsetzung, sondern auch an den Darstellern. Die beiden haben absolut keine Chemie; Johnny Depp und Angelina waren da in „The Tourist“ geradezu explodierende Reagenzgläser gegen. Es ist kein Geheimnis, dass Dakota Johnson und Jamie Dornan sich nicht besonders gut leiden können und auch nicht viel von „Fifty Shades of Grey“ an sich halten. Selten war die Pressetour eines Films so geprägt von aufgesetztem Lächeln, peinlich berührtem Schweigen und dem ständigen Betonen, dass es absolut unangenehm ist Sexszenen zu drehen. Da die Dialoge zwischen Ana und Christian außerdem entweder vorhersehbar oder einfach nur schlecht sind, kommt dadurch auch kein Knistern zwischen den beiden zustande. Selbst bei bewusst lustigen Szenen sieht man die Pointe schon aus 10 km Entfernung, was in den meisten Fällen dann nur noch ein müdes Schmunzeln hervorruft.

Dakota Johnson schafft es zumindest Ana halbwegs sympathisch wirken zu lassen, sie ist nicht mehr die komplette nervige Katastrophe wie im Buch. Hier hilft sicherlich auch, dass wir die Geschichte nicht aus Anas Sicht erzählt bekommen und ihre „Innere Göttin“ wurde ebenfalls weggelassen. Jamie Dornan leidet sich mit einem Gesichtsausdruck durch den Film und musste extrem viel Kritik von der internationalen Presse einstecken. Er hat schon in anderen Rollen bewiesen, dass er durchaus schauspielern kann, er will nur einfach wirklich nicht in diesem Film sein und zeigt das sehr deutlich.
Von allen anderen Schauspielern sieht man nicht viel, wofür sie sicher dankbar sind. Jennifer Ehle spielt Anas Mutter und zieht sich mit einem sanften Lächeln in schöner Kulisse aus der Affäre. Victor Rasuk muss als Jacob-Verschnitt den Nice Guy geben und nervt sich so durch seine zwei Szenen. Eloise Mumford ist Anas unfähige Journalisten-Freundin Kate, die eine Affäre mit Christians Bruder Elliott (Luke Grimes) anfängt. Grimes wäre möglicherweise sogar der bessere Christian gewesen.


Die BDSM-Szene äußerte immer wieder die berechtigte Kritik, dass die in Film und Büchern dargestellte Beziehung außer der Spielzimmer-Ausstattung nichts mit der Realität einer BDSM-Beziehung zu tun hat. Dies wird von den Fans jedoch damit entschuldigt, dass Christian gar nicht an BDSM interessiert ist, sondern durch die Gewaltausübung seinen als Kind erlittenen Missbrauch durch seine Mutter kompensiert. Das wäre eine durchaus interessante Grundlage für eine tiefgehende Charakterzeichnung, die jedoch sowohl Buch als auch Film vollkommen abgeht. Teil 1 handelt Christians tragische frühe Kindheit mit ein paar Sätzen ab und nur aufgrund dieser Szene kann der Zuschauer gar nicht auf die Idee kommen, dass Christians Vorliebe für BDSM überhaupt nichts mit seiner sexuellen Neigung zu tun hat, sondern nur seine Art ist ein erlittenes Trauma zu verarbeiten.
Wenn man jedoch nicht möchte oder sich gar dagegen wehrt, dass Christians Handeln als Beispiel für richtig ausgelebtes BDSM nach dem Grundsatz „Safe Sane Consensual“ angesehen wird, dann sollte man die Geschichte nicht genau damit verkaufen. Das Marketing verlässt sich vollkommen auf die Aussage „Hier gibt’s versauten Sex mit Peitschen und Handschellen! Aber in total romantisch!“ Da darf sich dann bitte auch niemand beschweren, dass Leute, die tatsächlich Ahnung von der Materie haben, sich aufgrund der komplett falschen Darstellung im Film dazu genötigt fühlen, dies zu kritisieren.
 

Die Tatsache, dass viele Frauen die in „Fifty Shades of Grey“ dargestellte Beziehung als romantisch und ideal empfinden, ist sowieso eine beängstigende Entwicklung. Denn die Geschichte tut nichts anderes als häusliche Gewalt und Missbrauch zu romantisieren. Wenn man bedenkt, dass „Fifty Shades of Grey“ auf „Twilight“ basiert, wundert man sich auch gar nicht mehr – Edward ist ein kontrollsüchtiger Stalker und Bella richtet ihr komplettes Leben nach ihrem Freund aus. Wenn man diese Dynamik auf ein BDSM-Szenario überträgt, hat man ein großes Problem.
Christian, der angeblich so versiert in dem Ganzen ist, macht sich in keinster Weise die Mühe Ana irgendetwas zu erklären – er lässt sie, nachdem er ihr den Vertrag in die Hand gedrückt hat, mit Google allein. Er bombadiert sie mit Emails und SMS, in denen er sie unter Druck setzt sich doch bitte endlich mal zu entscheiden, er wartet ja schon sooo sehnsüchtig. Er macht ihr sauteure Geschenke wie einen neuen Laptop oder ein neues Auto (wofür er mal flott Anas geliebtes altes Auto abschleppen lässt), aber ein bisher komplett unsicheres Mäuschen wie Ana würde sich da natürlich nie auch nur in irgendeiner Weise verpflichtet fühlen, ihm dafür etwas zurückzugeben. Keinerlei Druck auf ihr, wirklich nicht! Von Christians Kontrollsucht mal ganz abgesehen – wo geht sie hin, was isst sie, mit wem verbringt sie ihre Zeit, wie kann sie es wagen ihre Mutter besuchen zu wollen? Ana hat im Buch des Öfteren Angst, dass Christian sie aus Wut schlagen könnte, und verbringt viel Zeit damit, sich Vorwürfe zu machen, weil sie Christian wütend gemacht hat.

Der Film hat immerhin Christians extrem soziopathischen Züge des Buches etwas heruntergeschraubt; er würde sich jetzt nur noch eine Unterlassungsklage einhandeln, und nicht mehr eine Anzeige wegen Vergewaltigung. Juhu! Auch Ana wirkt nicht mehr so, als habe sie einfach nur Angst vor ihm und macht deshalb alles mit, sie versucht zumindest hin und wieder, sich mal durchzusetzen, und wirkt auch in den diversen Sexszenen nicht so als wäre sie lieber woanders. Allgemein wirkt die Beziehung in der Filmversion „nur“ noch ungesund und unglaubwürdig, und nicht mehr komplett erzwungen. In den letzten zehn Minuten beginnt die Beziehung der beiden sogar beinahe interessant zu werden, aber dann endet der Film auf einem Nicht-Ende, ist einfach so vorbei, und ein Cliffhanger ist das nun wirklich nicht. Immerhin bleibt uns die in Selbstmitleid zerfließende Ana aus dem Buch hier erspart. Man ist ja schon dankbar für Kleinigkeiten.

Und naja, neben all diesen recht großen Punkten gegen den Film kommen noch so viele kleine, nervige Punkte hinzu – Anas ständiges Lippenbeißen, sodass mir ihr einen Pflegestift in die Hand drücken will; die Dialoge, bei denen die Charaktere sich ständig mit Namen ansprechen, so als hätten sie Angst, dass wir uns die nicht merken können; Christians ständige widersprüchliche Aussagen (kann keine Romantik, macht aber ständig teure romantische Sache für Ana, um sie bei sich zu halten); der auffallend nervige Schnitt; emotionales Wetter; nicht zündende Pointen...

Gebt dafür kein Geld aus. Wartet bis das Elend im TV läuft – da könnt ihr wegschalten oder euch über die Werbung amüsieren. Die wird nämlich mit Sicherheit unterhaltsamer als der Film.

Fazit: „Fifty Shades of Grey“ ist weder ein gelungener Erotik-Film noch eine unterhaltsame Katastrophe, sondern siecht in gepflegter Langeweile zwei Stunden vor sich hin. Die Hauptdarsteller haben leider keinerlei Chemie, sodass nicht einmal das die schlecht inszenierten Sexszenen retten kann. Wirklich positiv ist nur der Soundtrack – aber dafür braucht man den Film nicht sehen.


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Freitag, 23. Januar 2015

Johnny Depp blödelt sich recht unterhaltsam durch "Mortdecai"



Lord Charlie Mortdecai (Johnny Depp) ist Gentleman, schwindelnder Kunsthändler, und dummerweise komplett pleite. Das hat sich mittlerweile auch zu seinen Kunden rumgesprochen, denen er die begehrten Kunstwerke zu überteuerten Preisen verkauft. Zum Glück hat er seinen treuen Diener Jock (Paul Bettany), der ihn aus jeder noch so brenzligen Situation rettet. Neben den Geldproblemen befindet sich auch Mortdecais Ehe in einer Krise – seine Frau Johanna (Gwyneth Paltrow) kann sich einfach nicht mit seinem frisch gezüchteten Schnurrbart anfreunden. Dann taucht auch noch MI5-Inspector Martland (Ewan McGregor), ein alter Rivale um Johannas Gunst, bei Mortdecai auf und heuert ihn an, ein gestohlenes Gemälde wiederzubeschaffen (mit dem netten Druckmittel der 8 Mio. Steuerschulden, die der britische Staat ansonsten ganz schnell eintreiben kommt). Was tut man nicht alles für Königin und Vaterland (und einen netten Anteil der Versicherungssumme)?

Johnny Depp hat leider einiges an Wohlwollen in den letzten Jahren verspielt; nicht ganz zu Unrecht (s. kreative Ausfälle wie „The Tourist“, „Dark Shadows“ oder „Transcendence“), aber dennoch wird er deutlich harscher angegangen als verdient („Lone Ranger“ oder der vierte „Fluch der Karibik“ waren längst nicht so schlecht wie von den Kritikern dargestellt).
Dass „Mortdecai“ von der Presse zerrissen werden würde, war daher schon von vornherein klar und spätestens ab Sichtung des Trailers absolut sicher – eine Blödelkomödie mit Johnny Depp in bewärter Jack Sparrow-Manier, das kann ja nur eine Katastrophe werden.


Und die ersten 20 Minuten lassen Schlimmes erahnen, denn der Humor trifft so überhaupt nicht ins Schwarze und erinnert in seiner Lahmheit an den belanglosen Einstieg von „Kill the Boss 2“. Im Gegensatz zu letzterem nimmt „Mortdecai“ (Regie: David Koepp) dann aber nach und nach an Fahrt auf und entwickelt sich zu durchaus guter Unterhaltung. Der Humor ist dabei sicher nicht jedermanns Sache, schwankt zwischen purem Klamauk, gewitzten Dialogen und gut sitzenden Onelinern. Allgemein merkt man dem Film an, dass er sich nicht ernst nehmen, sondern einfach eine bekloppte Gaunergeschichte erzählen will, und dies tut er auch ganz ordentlich.

Depp hat vielleicht den undankbarsten Part bekommen, da Mortdecai ein feiger, ziemlich trotteliger Gauner ist – nicht dumm, aber von einem Fettnäpfchen ins nächste stolpernd. Das alles spielt Depp auf so übertrieben affektierte Weise und mit seinen typischen mimischen Entgleisungen, die man bereits von seinen anderen komödiantischen Rollen kennt, dass es auch schnell mal zu viel sein kann. Es ist zumindest ein Grund, warum die Gags am Anfang so gar nicht sitzen. Im Verlauf des Films wird es aber deutlich besser und irgendwie mag man diesen eitlen Fatzke Mortdecai am Ende sogar ein kleines bisschen.
Die Show stehlen aber dann doch die Nebenrollen, v.a. weil sie viele der besten Sprüche oder Szenen abbekommen haben. Paul Bettany als Diener Jock bringt genau das richtige Maß an trockenem Humor für Mortdecais Diener/Leibwächter/Mann fürs Grobe mit, um die Rollen zum Scene Stealer zu machen. Gwyneth Paltrow hat Klasse als clevere Johanna Mortdecai und es steht völlig außer Frage, wer in dieser Ehe die Hosen anhat. Ihr zu Füßen liegt nicht nur ihr Ehemann, sondern auch MI5-Ermittler Martland, dessen ewiges „Friendzoning“ Ewan McGregor durchaus sympathisch herüberbringt.
Auch die weiteren Rollen sind überzeugend besetzt, u. a. mit Jeff Goldblum als amerikanischem Milliardär, Olivia Munn als dessen nymphomane Tochter, oder Jonny Pasvolsky als Auftragskiller.


Auf technischer Seite überzeugt der Film größtenteils. Die Musik von Mark Ronson und Geoff Zanelli ist recht gelungen und fügt sich gut ein, nur die offensichtlichen computeranimierten Überleitungen, wenn Mortdecai mal wieder seinen Aufenthaltsort wechselt (u. a. werden London, Oxford, Los Angels und Moskau abgeklappert), wirken störend, da die Übergänge von real zu CGI nicht gut gelöst sind.


Fazit: „Mortdecai“ ist zwar nicht die Hit-Komödie des Jahres, aber die ganze Kritikerschelte hat er nicht verdient. Wer mit dem Humor aus dem Trailer etwas anfangen kann und die ersten 20 Minuten übersteht, bekommt eine durchaus kurzweilige, unterhaltsame Komödie mit Top-Besetzung geboten.  


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