Samstag, 22. Januar 2011

3 Kurzkritiken: Idyllisches England, mondäner Tanzclub und eine stechende Biene (oder so)

Eigentlich hatte ich vor, diesen Beitrag gestern Abend zu schreiben. Ich ging davon aus, dass ich nach diesem anstregenden Tag (Arbeit, Klausur, Kino) wohl noch viel zu aufgekratzt sein würde, um gleich ins Bett zu gehen. ... Ich bin schon wärhend der Heimfahrt fast eingeschlafen und hab die Kurzkritiken klugerweise auf heute verschoben. Jetzt bin ich sogar fast wach!

Edit einen halben Tag später: Ich sollte nicht mehr unter Zeitdruck posten - das führt zu exponentiell steigenden Tippfehlern.*g*


Immer Drama mit Tamara

Die Trailer habe ich nicht gesehen. Von den Kommentaren der anwesenden Teenies kann ich aber davon ausgehen, dass der Film wohl eher im Stil einer amerikanischen Highschool-Komödie verkauft wurde, billige Sexwitzchen inklusive. Damit hat der Film von Stephen Frears ("Die Queen") aber nicht gerade viel zu tun.

Tamara Drewe (Gemma Arterton) kommt nach jahrelanger Abwesenheit aus London zurück in ihr Heimatdorf, um das Haus ihrer Eltern für den Verkauf herzurichten. Damals war sie das hässliche Entlein, aber nach einer Nasenkorrektur ist sie nun ein echter Hingucker (die Hotpants helfen natürlich auch). Ihre Rückkehr bringt die ländliche Dorfidylle ganz schön durcheinander - der sowieso schon untreue Bestsellerautor (Rogar Allam) will sie, der Drummer einer angesagten Rockband (Dominic Cooper) ebenso, und ihr Jugendfreund (Luke Evans) ist ja auch noch da. Sagen wir es so: Am Ende bekommt jeder, was er verdient.

Frears liefert hier eine ansehnliche Satire über die ach so schöne Dorfidylle und die Abgründe der Einwohner. Ehebruch, Lästereien, Perspektivlosigkeit - kein Charakter ist hier wirklich ohne Fehl und Tadel. Den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen wohl die beiden Teeniemädels (Jessica Barden und Charlotte Christie), die sich zu Tode langweilen in diesem Kaff, wo nie etwas passiert, und dann in ihrem jugendlichen Leichtsinn das Chaos um Tamara Drewe erst wirklich ins Rollen bringen. Diese hat zwar auch ihre Fehler und trifft falsche Entscheidungen, ist aber dennoch eine sympathische Person. Gemma Arterton gefiel mir jedenfalls sehr gut in dieser Rolle.

Sicherlich keine große Kunst, aber eine schön bissige, gelungene britische Komödie.


Burlesque

Sagen wir es so: Die Golden Globe-Nominierungen lassen sich wohl damit erklären, dass Burlesque das einzige Musical der letzten Saison war und außerdem Cher mitspielt. Was auch erklärt, warum die von ihr gesungene Nummer "You haven't seen the last of me" den Preis für den besten Song einheimste und nicht "I see the light" aus Rapunzel. Die Aussage dieses Liedes hätte man auch in zwei Zeilen Dialog packen können...

Ali (Christina Aguilera) lebt in einem Kaff in Iowa und will endlich da raus und auf die große Bühne. Also haut sie ab nach Los Angeles und landet auf der Suche nach Arbeit in der Burlesque Lounge von Tess (Cher). Der Club hat zwar schon bessere Zeiten gesehen (und Tess steht kurz davor, ihn wegen hoher Schulden an die Bank zu verlieren), aber Ali ist fasziniert. Sie darf als Kellnerin anfangen, und als der Star der Show, Nikki (Kristen Bell), ausfällt, bekommt sie die Möglichkeit einzuspringen. Was Nikki natürlich gar nicht gern sieht. Ali wird dank ihrer großartigen Stimme und ihrer sexy Bühnenausstrahlung die Hauptattraktion des Clubs und ein reicher Stammkunde (Eric Dane) will sie groß rausbringen. Aber was wird dann aus dem Club? Und findet sie den Barkeeper Jack (Cam Gigandet) nicht viel anziehender?

Die Handlung ist natürlich vorhersehbar und man kann die einzelnen Punkte schön der Reihe nach auf der Liste abhaken: Einfaches Mädchen will "mehr" - Check. Trifft Mentorin - Check. Bekommt Chance - Check. Entpuppt sich als Star - Check. Probleme treten auf - Check. Herzschmerz - Check. Alles wird gut - Check. Und doch hat der Film es geschafft, mich gut zu unterhalten. Ich bin ja auch nicht wegen der Handlung reingegangen - dass die nicht gerade den Preis für Originalität gewinnen würde, war klar. *g* Ich wollte schöne Leute in tollen Tanznummern mit coolen Liedern sehen, ein bisschen Glitzer und Glamour, und das hab ich bekommen.

Christina Aguilera war so klug sich eine Rolle zu suchen, bei der sie v. a. das machen muss, was sie kann: Singen und tanzen. Ansonsten erschien sie mir in ihrer Rolle aber durchaus glaubwürdig. Die beiden um ihre Gunst buhlenden Männer halten sich auch wacker (jetzt weiß ich auch wer "McDreamy" ist; das war nämlich die erste Reaktion meiner Freundin, als Eric Dane seinen Auftritt hatte.) und bieten dem weiblichen Publikum ebenfalls was für's Auge (die Männer bekommen genug spärlich bekleidete Damen in Corsagen und Spitzenhöschen, das muss reichen), aber die Show stiehlt Stanley Tucci als Tess' rechte Hand. Er bekommt die meisten Lacher und ist einfach liebenswert fies. *g*

Die Tanzszenen sind gut inszeniert (auch wenn man sich schon fragt, wo die riesen Bühne und die ganzen Requisten auf einmal herkommen, wenn die Aguilera ihre Auftritte hat); die Choreographie nimmt v. a. gerne Anleihen bei Bob Fosse (die Stuhl-Choreographie aus "Express" war beinahe 1 zu 1 "Mein Herr"), aber stellenweise fühlte ich mich auch an Jerome Robbins' Choreographie für Gipsy erinnert. Sieht auf jeden Fall gut aus und wird von der Kamera gut eingefangen.

Ganz einfach: Wer Filme wie Coyote Ugly, Center Stage oder Step up mochte, wird auch Burlesque mögen.

The Green Hornet

Ein Superheldenfilm, der mal nicht im Sommer startet, sondern uns im kalten Januar etwas einheizen möchte. Regie führte Michel Gondry, der bisher eher durch mainstream-abseitigere Filme wie Vergiss mein nicht auf sich aufmerksam machte. Seltsame Wahl. Aber wie sich herausstellte, eine gute.

Britt Reid (Seth Rogen) ist Sohn eines Zeitungsmoguls und hat bisher ein wildes Partyleben geführt. Nach dem plötzlichen Tod seines Vaters soll er nun die Zeitung übernehmen. Das tut er mit sehr wenig Begeisterung, freundet sich aber immerhin mit dem Automechaniker seines Vaters, Kato (Jay Chou), an. Der ist nicht nur ein As darin, Autos in wahre Festungen umzurüsten, er kann auch noch hervorragend Kung Fu und kocht einen exzellenten Kaffee. Als die beiden einen Überfall vereiteln, beschließt Britt, dass sie nun als Superhelden auftreten könnten - allerdings ohne von der Öffentlichkeit als Helden wahrgenommen zu werden (das wäre langweilig und würde die Bösen sofort wissen lassen, dass sie die Guten sind). Britts und Katos Aktivitäten bleiben jedoch dem großen Gangsterboss Chudnofsky (Christoph Waltz) nicht verborgen - und sie gefallen ihm gar nicht.

Seth Rogen erscheint erst einmal wie eine unpassende Wahl für einen Superhelden. Da Britt aber nur ein ganz normaler Kerl ohne besondere Talente ist, passt Rogen doch wieder irgendwie sehr gut - außerdem ist Kato ja so nett, ihnen ein Auto zu bauen, das selbst Batman neidisch machen könnte. Kato ist im Grunde der Star des Films - er ist derjenige, der die Bösen platt macht, der sich um die Technik kümmert, der es einfach drauf hat. Besonders schön wird es, wenn die Eifersüchtelein zwischen Britt und Kato sich immer weiter hochschaukeln (auch, weil beide Britts neue Sekretärin - gespielt von Cameron Diaz - für sich gewinnen wollen).
Christoph Waltz ist grandios als Gangster Chudnofsky, den keiner so wirklich gruselig findet, was ihm natürlich zu denken gibt. Waltz spielt auch diesen Bösewicht, der wohl ein russischstämmiger Österreicher oder so ist, mit einer gewissen Portion Charme, was gerade in einer wilden Verfolgungsjagd gegen Schluss zu einem der besten Lacher der Films führt.
Und schön mich im Nachhinein bestätigt zu wissen: Das war also tatsächlich James Franco in einem Cameoauftritt! Sehr cool!

Optisch macht The Green Hornet einiges her; schnelle, unterhaltsame Kampfszenen, schöne Effekte, gut eingesetztes 3D (erst in der Nachbearbeitung hinzugefügt und nicht übermäßig spektakulär, aber - es geht also doch!), eine winzige Prise Trash - und ein sehr bunter und irgendwie cooler Abspann (den muss man jetzt auch einfach mal erwähnen).

Sehr positive Überraschung - diesen Superhelden schau ich mir auch gern in einer Fortsetzung an.


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Kommentare:

Sir Donnerbold hat gesagt…

Ach, die Gemma ist das in "Immer Drama um Tamara"! Habe sie auf dem Poster ja gar nicht erkannt. Kann die Frau auch mal zwei Filme hintereinander gleich aussehen? *g*

Und jepp, "Green Hornet 2" wird gerne entgegen genommen. Die Chemie zwischen Kato/Britt (ist das also kein Frauenname im Englischen...) reicht, um nochmal 90 Minuten anzutreiben. Wenn Gondry nächstes Mal etwas mehr durchdrehen darf, habe ich aber auch nichts dagegen. Green Hornet meets Inception, anyone? :-P

Sunshine hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Sunshine hat gesagt…

Ich finde, die kann man recht gut erkennen. Der Schmollmund ist doch immer derselbe. *g* Ich erkenne sie jedenfalls sehr viel eher als das x-te Hollywood-Blondinchen. Da hab ich mittlerweile aufgegeben.
Aber sie neigt wohl dazu, ihre Haarfarbe ständig zu ändern..

Ja, Britt wundert mich auch wenig als männlicher Vorname. Hab nur gefunden, dass es eine Form von Brett ist. Was bedeutet "a Breton". Toll. *seufz*
Ja etwas abgedrehter darf Teil 2 schon werden, Hautpsache, die Dynamik zwischen Kato und Britt bleibt bestehen. :)

Sir Donnerbold hat gesagt…

Schmollmund? Mh, wenn ich an "Prince of Persia" zurückdenke, erinnere ich mich an keinen Schmollmund. Das einzige Mal, wo sie auch was zu schmollen hatte, kam ja auch ohne Schmollmund aus, weil sich Gemma ja viel lieber in ihrer besten "Elizabeth Swan auf der Isla Cruces"-Impression versuchte. *g*

Aber gut, vielleicht in ihren anderen Filmen, jetzt wo du's erwähnst, hatte Strawberry Fields [sic!] im tröstenden Quantum sonst nicht viel drauf. Die Titanen habe ich wiederum weitestgehend verdrängt, ich weiß nur noch, dass sie in dem Film recht blass war (vom Hautton her - im Vergleich zu den meisten anderen Figuren war sie noch recht ausgearbeitet *g*) und hauptsächlich Exposition lieferte.

Naja, ich brech meine Beobachtung mal ab, Darsteller-Analyse außerhalb der Riege der üblichen Verdächtigen sollte nicht überhand nehmen. *g*

Sunshine hat gesagt…

eher der gesichtsausdruck, die hat irgendwie was leicht Schmolliges im Gesicht. *g* Egal, ich erkenn sie jedenfalls. :P

Sie war auf jeden Fall cool in "Tamara Drewe". Und wo ich grad wieder an den Film denke, muss ich unbedingt mal nachgucken, woher ich Dominic Cooper kenne.. ätzend in einem Film zu sitzen und zu denken, "Den kenn ich! Mensch, woher bloß?!" Immerhin gings meiner Freundin genauso...

Sir Donnerbold hat gesagt…

*Tipp*Don't go wasting your emoooootioooons...*Tipp*

Sunshine hat gesagt…

Ich hab's schon nachgeschaut (und der Tipp hätt mich nicht sonderlich weitergebracht, weil das eines der Lieder ist, die an mir vorbeigegangen sind *g*) - kenne sogar 2 Filme mit ihm, boah! :D

Sir Donnerbold hat gesagt…

Da watschelt eine ganze Junggesellenabschiedsparty in Schnorchel, Taucherbrille und Schwimmflossen über einen Traumstrand, und du vergisst das Lied? *Kinnlade ---> Tastatur*

Sunshine hat gesagt…

Ja sorry, hab den Film nur einmal gesehen, und das Lied war jetzt nicht sooooo der Hit. *g*