Sonntag, 31. Juli 2011

Völkerverständigung vom Feinsten: "Nichts zu verzollen"

Ruben Vandevoorde (Benoît Poelvoorde) ist Belgier und nimm seinen Job als Zöllner an der belgisch-französischen Grenze sehr ernst. Schließlich sollte man den "Camemberts" die feindliche Übernahme nicht zu leicht machen! Daher ist es für ihn ein harter Schlag, als mit dem Schengener Abkommen die Grenzen innerhalb Europas geöffnet werden. Ruben provoziert Massenstaus an seiner Zollstation, versetzt in einer Nacht-und-Nebel-Aktion die belgische Grenze und kriegt sich ständig mit den Kollegen des französischen Zolls in die Haare. Dann muss er auch noch mit dem meistverhassten Kollegen "von drüben", Mathias Ducatel (Dany Boon), in einer Sondereinheit zusammenarbeiten, um Schmuggler ausfindig zu machen. Was Ruben nicht ahnt: Mathias ist bereits seit einem Jahr mit seiner Schwester Louise (Julie bernard) liiert...

Was bin ich froh, dass ich "Nichts zu verzollen" gucken ging statt "Green Lantern"! Ich habe das Gefühl, den deutlich besseren Film gesehen zu haben. Dany Boon, der nicht nur Hauptdarsteller, sondern auch Regisseur war, liefert hier einen wunderbar unterhaltsam Film ab. Hier geht es um Toleranz, Offenheit, gegenseitigen Respekt, Nächstenliebe... oh Mann, das hört sich ja an, als würde einem mit dem erhobenen Zeigefinger ins Auge gestochen!

So ist es zum Glück ganz und gar nicht. Ich bin aufgrund der guten Kritiken in "Nichts zu verzollen" gegangen und habe es keine Minute bereut. Offensichtlich kommen im Moment einige sehr gute Komödien ins Kino, die ein bisschen zwischen den ganzen Blockbustern (ob guten oder schlechten) untergehen. Der Humor ist hier stets oberhalb der Gürtellinie und kommt ohne Sauereien auf - er verlässt sich vollkommen auf die beiden Hauptdarsteller und was sie aus den Charakteren rausholen.

Und das ist eine verdammt gute Idee! Poelvoorde spielt den Ruben Vandevoorde so absolut glaubwürdig in seinem Franzosenhass und seinen cholerischen Anfällen, dass einem sogar ein oder zwei Mal das Lachen im Hals stecken bleibt. Gleichzeitig ist aber gerade das einer der lustigsten Aspekte der Figur - diesen voller Vorturteile steckenden Typen ausgerechnet mit einem französischen Kollegen zusammenzuschmeißen, ist brilliant.
Vor allem, weil Dany Boon als Ducatel natürlich das Problem hat, sich mit diesem bekloppten Belgier gut stehen zu wollen, um endlich seine große Liebe heiraten zu können. Bisher haben Louise und Ducatel ihre Liebe nämlich aus gutem Grund geheimgehalten... Ducatel spielt sogar einen Belgier, um bei Louises Vater überhaupt ins Haus gelassen zu werden.

Der Zuschauer derweil merkt natürlich schnell, dass Belgier und Franzosen nun wirklich nicht so unterschiedlich sind, und Vandevoorde und Ducatel schon gar nicht. Wie sie sich als perfekt eingespieltes Team gegen Ende über einen gefangenen Schmuggler lustig machen, ist zum Schreien komisch.
Und der Zuschauer kann sich allein schon deshalb amüsieren, weil der Film 1993 spielt und neueste technische Errungenschaften zum Einsatz kommen: Ein Computer, der den kompletten Schreibtisch einnimmt, oder ein "kleines" Mobiltelefon, das ungefähr so groß ist wie eine Gurke und auch keinen besseren Empfang hat. Und natürlich der schrottreife Dienstwagen. Den muss man gesehen haben.

Boon streut auch noch Nebenhandlungen über ein Wirtspaar und eine Schmugglerbande ein, die vielleicht etwas weniger Raum hätten einnehmen können. Unterhaltsam sind sie dennoch. Wie bei "Willkommen bei den Sch'tis" beschäftigt Boon sich mit unterschiedlichen Volksgruppen, die aus nicht wirklich nachvollziehbaren Gründen Antipathien gegeneinander hegen. Und zeigt dabei auf, dass diese Volksgruppen eben doch gar nicht so unterschiedlich sind, wenn man bereit ist, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen.

Fazit: Richtig gute Unterhaltung mit typisch französischem Humor und zwei super aufgelegten Hauptdarstellern! Macht euch auf ältere Zuschauer gefasst, wir lagen in der besuchten Vorstellung nämlich vom Alter her deutlich unter dem Durchschnitt. *g*

Kommentare:

Sir Donnerbold hat gesagt…

Falls jemand über den Altersdurchschnitt des "Nichts zu verzollen"-Publikums Buch führen möchte: Ich war der einzige unter 40.

Kritik folgt noch. Sollte aber deiner sehr ähneln. *g*

Sunshine hat gesagt…

Bei uns gab es immerhin noch ein paar Besucher unter 40... aber viele waren es nicht. *g*