Dienstag, 24. Dezember 2013

Frohe Weihnachten!




All unseren Leserinnen und Lesern wünschen wir ein wunderbares, besinnliches Weihnachtsfest. Feiert schön im Kreis Eurer Lieben und lasst Euch reich beschenken!

Für das neue Jahr 2014 wünschen wir Euch allen ganz viel Glück, Gesundheit und Erfolg. Rutscht gut rein und macht 2014 zu Eurem Jahr!

Luanalara & Öllig

Sonntag, 15. Dezember 2013

Disneys "Die Eiskönigin": Trotz Fehlern unterhaltsam


Die beiden Prinzessinnen Elsa und Anna wachsen fröhlich im Königreich Arendell auf. Elsa hat magische Kräfte und kann Schnee und Eis herbeizaubern, womit sie ihrer kleinen Schwester gerne eine Freude macht. Dabei kommt es jedoch zu einem Unfall, und Elsa lebt fortan zurückgezogen in ihrem Zimmer, um niemanden in Gefahr zu bringen, bis sie ihre Kräfte kontrollieren kann. Viele Jahre später soll Elsa als neue Königin gekrönt werden, doch bei einer Auseinandersetzung mit Anna kochen ihre Gefühle hoch und sie versetzt ganz Grundel in ewigen Winter. Panisch flüchtet sie in die Berge. Anna macht sich zusammen mit dem Eisverkäufer Kristoff, seinem Rentier Sven und dem sprechenden Schneemann Olaf auf den Weg, ihre Schwester zurückzuholen.

 Im Vorhinein war nicht viel Gutes über Disneys neuesten Animationsfilm "Die Eiskönigin" (ich ignoriere den dämlichen deutschen Untertitel hier genauso wie bei "Rapunzel") zu hören. Der erste Teasertrailer mit Sven und Olaf war alles andere als überzeugend und viele Fans waren missmutig, weil Hans-Christian Andersens Märchen so stark geändert wurde. Vor allem die Einführung der männlichen Identifikationsfigur stieß vielen sauer auf, hatte man doch auf einen "echten" Schwesternfilm gehofft (endlich mal wieder nach dem leider häufig vergessenen "Lilo & Stitch"). Was das angeht, können die Kritiker jedoch beruhigt sein: "Die Eiskönigin" dreht sich nach wie vor hauptsächlich um die Schwestern Elsa und Anna.

Zuerst das Negative: Der Film hat seine Fehler und ist auch nicht so aus einem Guss wie es "Rapunzel" war. Die ersten 20 Minuten fühlen sich gehetzt an, wichtige Ereignisse werden zu schnell abgearbeitet (Annas Unfall und die Konsequenzen, Elsas Isolation und Annas Verwirrung darüber, der Tod der Eltern).    Ab der Krönungsszene beruhigt sich das Ganze ein wenig (vielleicht fühlten sich die Macher vorher auch einfach durch Annas Hyperaktivität angetrieben) und der Film findet zu sich.  Zuviel nachdenken sollte man über die Feinheiten der Handlung jedoch nicht, sonst fallen einem doch einige Logikfragen ein (warum z. B. soll das Volk in Annas Abwesenheit auf Prinz Hans hören, der gerade einmal ein paar Stunden da ist? Wer hat denn in den Jahren zwischen dem Tod des Königspaares und Elsas Krönung die Staatsgeschäfte geleitet?).


Schade, dass auch die Lieder und deren Verteilung nicht immer überzeugen. Zur Beginn stapeln sich gefühlt 10 Lieder auf 10 Minuten, wovon man das Lied der kleinen Anna ohne Probleme hätte streichen können, da die Aussage auch ohne Lied problemlos herübergebracht werden kann (und leider kann die Sprecherin auch nicht singen...). Der darauf folgende Song „Zum ersten Mal“ erinnert an die typischen ersten Songs aus Filmen wie „Aladdin“ oder „Die Schöne & das Biest“, in denen die Hauptfigur mit locker-flockiger Melodie vorgestellt wird. Das funktioniert hier auch gut und unterstreicht Annas quirligen Charakter, kontrastiert mit Elsas antrainierter Erhabenheit. Und damit wäre es an Liedern eigentlich erst einmal gut gewesen, aber man quetscht noch ein überdreht-zuckriges Liebesduett hinein, das wohl hauptsächlich die traditionellen Liebesduette karikieren soll. Nette Idee, aber es sind einfach zu viele Lieder hintereinander. Mir als Musicalfan macht das nichts aus, aber die weniger geneigten Zuschauer werden an der Stelle schon mehrmals genervt mit den Augen gerollt haben.
Danach werden die Lieder besser verteilt, aber bis auf die dramatische Reprise von „Zum ersten Mal“ gibt es leider nur noch absolute Durchschnittsware. Da bleibt nichts im Ohr hängen, möglicherweise ist es auch dreiste Satire auf diese Art Song, denn Schneemann Olaf bekommt das „Lustiger Nebencharakter stellt sich vor“-Lied, das komplett vorhersehbar aufgebaut und dabei noch nicht einmal schmissig ist, und die Trolle bekommen eine fröhlich-bekloppte Nummer, die an der Stelle im Film absolut deplatziert wirkt und nichts beiträgt. Und am Ende, wo ich mir zum Ausklang tatsächlich eine rauschende Reprise vom Hit-Song „Lass jetzt los“ gewünscht hätte, kommt nichts mehr.

Dabei wären wir aber immerhin bei einem positiven Aspekt angekommen, den ich gern herausstelle: Die „Lass jetzt los“-Sequenz (kann man sich auf youtube anschauen) ist wunderbar, großartig inszeniert und emotional. Technisch kann man an „Die Eiskönigin“ sowieso nicht meckern, der Film sieht wunderbar aus (wenn auch nicht ganz so schön wie „Rapunzel“), grandioses 3D, alles wie erwartet top.


Die Charaktere sind eigentlich alle gut gelungen. Es ist schön, dass die Beziehung der Schwestern Elsa und Anna durchaus im Mittelpunkt steht, auch wenn die beiden gar nicht so viele Szenen zusammen haben. Gerade Elsa ist ein interessanter Charakter – eine Figur, die an sich überhaupt nicht böse ist, sondern einfach nicht mit ihrer großen Kraft umzugehen weiß und aufgrund ihres Kindheitstraumas so eine Angst vor ihren eigenen Fähigkeiten hat, dass sie diese versucht komplett zu unterdrücken und das Ganze nur zur Katastrophe führen kann. Anna ist im Grunde das genaue Gegenteil, fröhlich, verspielt, ein lebenslustiger Teenie eben. Sie liebt ihre ältere Schwester, weiß aber nicht so genau, wie sie sich in ihrer Gegenwart verhalten soll. Da sie ihr Leben bisher nur im Schloss verbracht hat, ist sie auch etwas weltfremd und denkt beim ersten Zusammentreffen mit einem netten, jungen Prinzen, dass es die große Liebe sein muss. Aber sie ist zum Glück auch forsch genug, ihre Schwester nicht der Einsamkeit zu überlassen, sondern sie sofort retten zu wollen.
Kristoff ist ein sympathischer junger Kerl, allerdings offensichtlich eher ein Einzelgänger (seine Freunde sind das Rentier und die Steintrolle). Er sorgt für ein paar schöne Lacher, genauso wie Rentier Sven )gern auch im Hintergrund). Schneemann Olaf ist zum Glück nicht so furchtbar nervig wie der Teaser-Trailer andeutete, bis auf sein Lied fand ich ihn doch recht witzig.

Die Sprecherleistungen sind alle sehr gut, und bis auf Hape Kerkeling als Olaf gab es anscheinend noch nicht einmal eine Promibesetzung. Willemijn Verkaik als Elsas Singstimme dürfte wohl nur Musicalfans ein Begriff sein, sie ist aber – wie zu erwarten war – großartig. Dramatische „Ihr könnt mich alle mal!“-Lieder kann sie eben besonders gut, das hat sie in „Wicked“ bereits lange Zeit bewiesen.

Ich habe mich in „Die Eiskönigin“ die meiste Zeit gut unterhalten gefühlt. Der Humor sitzt zum Großteil, das kleine Liebesdreieck mit Anna, Hans und Kristoff nimmt nicht so viel Platz ein wie befürchtet, dafür wird gerade Elsas Charakter gut dargestellt. Ich fragte letztens die kleine Schwester meiner Nachhilfeschülerin, ob sie den Film schon gesehen habe, und sie sagte gleich begeistert ja. „Welche Figur fandest du denn am besten?“ fragte ich. Und sie rief begeistert, „Die Eiskönigin!“ Weil sie schön und etwas zickig ist. *g* Kinder werden sicherlich eh ihren Spaß an dem Film haben, das Tempo geht flott voran, sodass keine Langeweile aufkommt.
Und auch wenn manches hier jetzt sehr negativ klingen mag, liegt das eher daran, dass mich die Probleme des Films vergleichsweise stark aufregen, da viele leicht zu lösen gewesen wären. Es ist ein schöner Film in bester Disney-Tradition, aber er hat Luft nach oben.

Fazit: „Die Eiskönigin“ ist zwar nicht ganz so ausgereift wie Disneys letztes Märchen „Rapunzel“, bietet aber neben wunderschönen Bildern eine ans Herz gehende Geschichte zweier Schwestern und unterhaltsame Nebencharaktere. Die nach den ersten Infos erwartete Katastrophe blieb zum Glück aus – Disney liefert einen neuen gelungenen Film für Jung und Alt. 


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Dienstag, 3. Dezember 2013

Kurzkritiken: Starke Protagonisten zum Jahresende


Die Tribute von Panem: Catching Fire

Der zweite Teil der „Panem“-Trilogie knüpft im Grunde nahtlos an die Geschehnisse aus „Hunger Games“ an. Nachdem Katniss (Jennifer Lawrence) und Peeta (Josh Hutcherson) die Hungerspiele gewonnen haben, müssen sie nun auf der großen Siegestour durch Panems Distrikte ihre (gespielte) Liebe vermarkten. Dabei fallen Katniss erste Anzeichen von Rebellion gegen Präsident Snow (Donald Sutherland) totalitäres Regime auf. Dieser sieht, auch angeregt durch seinen neuen Spielmacher Plutarch Heavensbee (Philip Seymor Hoffman), nur einen Ausweg: Katniss, dass Sinnbild der Rebellion, muss ausgeschaltet werden. Die 75. Hungerspiele bieten sich: Nach schneller Regeländerung lässt er die Tribute aus den bisherigen Gewinnern auslosen. Eine im wahrsten Sinne des Wortes todsichere Sache, schließlich brachte District 12 bisher nur drei Sieger hervor: Katniss, Peeta und Haymitch Abernathy (Woody Harrelson). Doch die Rebellion wird bereits von mehr Menschen unterstützt als Snow ahnt.

Regisseur Francis Lawrence ist ein spannender, der Vorlage treu bleibender Film gelungen. Das höhere Budget hat dabei sicher geholfen; „Catching Fire“ sieht auf jeden Fall besser aus als der Vorgänger.
Die Darsteller sind durch die Bank weg überzeugend, auch die Neuzugänge wie z. B. bei den Tributen Sam Claflin als Charmebolzen Finnick oder Jena Malone als Temperamentsbündel Johanna fügen sich gut ein. Josh Hutcherson hat sich als rechtschaffener Peeta gemacht, und es ist erfrischend, mal eine männliche Hauptrolle zu haben, die ständig gerettet werden muss (ohne dadurch weniger männlich zu sein; kann ja nicht jeder der geborene Waldläufer sein).
Jennifer Lawrence ragt jedoch deutlich heraus. Katniss war bereits vor den Hungerspielen emotional verschlossen, aber danach leidet sie unter posttraumatischen Störungen, was Lawrence sehr glaubwürdig spielt. Zwei der intensivsten Momente gelingen ihr während der anfänglichen Siegertour in District 11, wo die Situation nach ihrer Rede eskaliert, und Sekunden vor dem Eintritt in die neue Arena.

Besonders loben muss man aber, wie konsequent „Catching Fire“ sowohl politische Manipulation als auch Reality TV und dessen Mechanismen anprangert. Allein die perverse Siegestour, auf der die beide doch bitte lächelnden Sieger auch vor den Familien der getöteten Tribute sprechen, oder die TV-Show (moderiert vom wie immer großartig spielenden Stanley Tucci) mit allen, teilweise sehr wütenden Tributen sind deutliche Statements gegen den Fake des Reality TV. Von Präsident Snows Versuchen, die Öffentlichkeit gefügig zu halten ganz zu schweigen. Die aktuellen Bezüge und Parallelen sind nicht von der Hand zu weisen.
Auch angenehm, dass das vielbeschworene Liebesdreieck um Katniss, Peeta und Gale (Katniss' Jugendfreund) nur eine kleine Randrolle einnimmt. Die „Panem“-Reihe ist nicht romantisch, die Hauptfigur kämpft mehr oder weniger die ganze Zeit um ihr Leben und das ihrer Freunde und Familie. Eine gewisse Zuneigung spürt sie offensichtlich zu beiden, aber während Gale für sie das Zuhause symbolisiert, ist Peeta derjenige, der mit ihr eine extreme Situation durchgestanden hat, sie somit am besten verstehen kann und ihr Halt gibt.

„Catching Fire“ ist ein runderer Film als sein Vorgänger, und auch wenn die letzten Minuten etwas gehetzt wirken und der Film auf einem gemeinen Cliffhanger endet, ist er allemal einen Besuch wert.




Captain Philips

Der Film generiert bereits ordentlich Oscar-Buzz, und das durchaus zu Recht. Erzählt wird die auf wahren Ereignissen basierende Geschichte des Frachtschiffkapitäns Richard Philips (Tom Hanks), dessen Schiff im berüchtigten Somali-Becken von Piraten geentert wird. Anführer Muse (Barkhad Abdi) und drei weitere Somalier wollen ein Lösegeld für die Crew erpressen, aber der Überfall läuft nicht nach Plan. Kapitän Philips wird von den vier Piraten als Geisel im Rettungsboot entführt, was die Navy endgültig zum Eingriff zwingt.

Paul Greengrass hat sich mit „Flug 93“ einen Namen gemacht, was Verfilmungen von wahren, in extremen Situationen spielenden Stoffen angeht, und dies zeigt sich auch in „Captain Philips“. Die häufig wacklige Kameraführung ist sicher nicht für jeden Zuschauer geeignet, sie unterstützt aber den Doku-Charakter des Films.
Die Schauspieler, allen voran Tom Hanks und Barkhad Abdi (in seiner ersten Filmrolle), sind hervorragend; dass sie große Anwärter zumindest auf eine Oscar-Nominierung sind, kommt nicht von ungefähr. Dank ihnen gehört die letzte halbe Stunde des Films mit zum Spannendsten, was es dieses Jahr im Kino zu sehen gab. Unterstützung gibt es dabei vom sehr guten Schnitt und der angespannten Musik.

Greengrass legt den Fokus zum Glück nicht nur auf Geisel Philips, sondern gibt auch den somalischen Piraten eine Hintergrundgeschichte. Dadurch sind sie nicht einfach böse Stereotypen, sondern besitzen eine glaubwürdige, bedrückende Motivation.

„Captain Philips“ ist großartiges Spannungskino mit preisverdächtigen Hauptdarstellern.




Don Jon

Eine Mainstream-Tragiliebeskomödie über einen pornosüchtigen Macho und eine Hollywoodromantik-süchtige Proll-Blondine, kann sowas funktionieren? Ja kann es, wenn Joseph Gordon-Levitt dabei Autor, Regiseeur und Hauptdarsteller in Personalunion ist und die Blondine von einer sichtlich Spaß habenden Scarlett Johannson gespielt wird.

Gordon-Levitts Hauptfigur Jon ist nicht gerade sympathisch, hat einen komplett durchgeplanten Wochenrhythmus zwischen Kirchgang, Fitnessstudio, Familienessen und Partymachen, und nur wenige Dinge sind ihm wirklich wichtig, u. a. seine Pornos. Die geben ihm einfach mehr als die echten Frauen aus seinen One Night Stands, denn da kann er sich fallen lassen. Bis er in Johannsons Barbara seine Traumfrau findet. Seine Pornos will er zwar nicht aufgeben, aber ansonsten liegt er ihr zu Füßen. Da merkt Jon auch zunächst gar nicht, dass sie ihn nach ihren Vorstellungen zu einem generischen Traummann aus Hollywood-Schmonzetten à la „Titanic“ & Co. Umformen will. Als Charakter ist Barbara dabei mindestens genauso unsympathisch wie Jon, was die oberflächliche Beziehung der beiden im Grunde noch amüsanter macht.

Gerade die erste Hälfte des Films inszeniert Gordon-Levitt nämlich wie einen satirischen Kommentar auf eben jene Hollywoodfilme, die Barbara so liebt, inklusive schnulzigster Musik beim „Wir sind sooo verliebt“-Kuss und ähnlichen Kleinigkeiten.
Gleichzeitig ist „Don Jon“ aber auch Kritik am Sexismus, dem man täglich in Film und Fernsehen ausgesetzt ist. Während Barbara eine komplett falsche Vorstellung von Liebe und Beziehungen aus ihren Schnulzen bekommt (der Mann muss alles für die Angebetete aufgeben, nur dann erweist er sich als würdig), konsumiert Jon Pornos wie andere ihre tägliche Seifenoper und misst sein reales Sexleben an diesen überspitzt unrealistischen Clips. Das Tüpfelchen auf dem I ist dabei ein von Jon und seinem Vater gesehener TV-Spot, der Werbung für einen Burger mit einer sich in typischen Pornoposen räkelnden, minimal bekleideten Blondine macht – so wird dem Zuschauer nebenbei vor Augen geführt, wie gang und gäbe Sexismus im Alltagsleben ist.

Der große Clou des Films ist es, dass mit der Einführung von Julianne Moores Althippie Esther „Don Jon“ anfängt seinen Ton zu ändern und sogar später recht ernst wird. Man muss Gordon-Levitt zugute halten, dass er diese Gratwanderung tatsächlich meistert und der Film weiterhin unterhält. Dazu kommen gelungene Nebenrollen wie Jons Familie (v. a. Tony Danza als sein Vater) oder Jons Freunde, die trotz seines teilweise miesen Verhaltens zu ihm stehen.

"Don Jon" ist eine unterhaltsame Satire auf konventionelle Liebeskomödien, die auch vor ernsteren Untertönen nicht zurückschreckt.

Sonntag, 1. Dezember 2013

Kurzkritiken: Die BBC-Fraktion


Inside WikiLeaks – Die fünfte Gewalt

Der Film basiert auf zwei Büchern (von Daniel Domscheidt-Berg bzw. David Leigh und Luke Harding), die eher Assange-kritisch sind, dennoch zeichnet er kein einseitig negatives Bild des WikiLeaks-Gründers.
Wir folgen dem Deutschen Domscheidt-Berg (Daniel Brühl), der Julian Assange (Benedict Cumberbatch) 2007 auf einem Event des Chaos Computer Clubs in Berlin kennenlernt und gleich von der WikiLeaks-Idee fasziniert ist. Er steigt bei der Website ein und ist ab sofort ganz nah dabei, wenn die teilweise kontroversen Leaks (Julius Baer, Scientology, British National Party...) veröffentlicht werden. Doch Assange ist eine schwierige, wenn auch charismatische Persönlichkeit, und Domscheidt-Berg gerät immer öfter mit ihm aneinander, weil er den Schutz der Quellen nicht ausreichend gesichert sieht. Die Situation eskaliert 2010, als brisante Daten aus Afghanistan WikiLeaks zugespielt werden.

„Inside WikiLeaks“ orientiert sich offensichtlich am erfolgreichen Facebook-Film „The Social Network“, schafft es aber nicht, die Geschehnisse ebenso interessant zu präsentieren. Vieles läuft nun einmal im Inneren von Computern ab, was Regisseur Bill Condon dadurch verbildlicht, dass er einen imaginären, unendlichen Serverraum zeigt. Das mag Zuschauern helfen, die von Computern kaum Ahnung haben, und es schafft das ein oder andere gelungene Bild, mehr aber auch nicht.

Dafür wird zu viel von einem Ort zum nächsten gesprungen, es gibt sehr viele, teilweise nicht einmal mit Namen benannte Charaktere und hätte ich vorher nicht zumindest eines der Bücher gelesen, wäre ich mir womöglich etwas verloren vorgekommen. Viele der Leaks laufen so nebenbei, aufgrund des Films könnte ich z. B. So gut wie nichts über den für die Website sehr wichtigen Julius Baer-Leak erzählen. Immerhin bemüht sich Condon, die Geschehnisse rund um die Kriegs-Dokumente aus Afghanistan und dem Irak besser zu beleuchten, indem auch beispielhaft Schicksale gezeigt werden von Menschen, die direkt davon betroffen sind.

An den schauspielerischen Qualitäten gibt es nichts zu meckern. Daniel Brühl zeigt nach „Rush“ eine weitere überzeugende Leistung, und Benedict Cumberbatch scheint prädestiniert für solch schwierige, sich emotional abschottende Charaktere. Was Assanges Charakter angeht, ist man nach diesem Film so schlau wie vorher, aber Cumberbatch zeigt zumindest seine unterschiedlichen Facetten, vom sturen Kind zum weltmännischen Charmeur. In den weiteren Rollen finden sich viele bekannte Gesichter, so ein toller David Thewlis, oder Carice van Houten, Moritz Bleibtreu, Laura Linney und Stanley Tucci.

„Inside WikiLeaks“ verschenkt viel Potential, kann aber zumindest mit überzeugenden Schauspielleistungen punkten.



The Day of the Doctor

50 Jahre gibt es die britische TV-Serie “Doctor Who” über einen 900 Jahre alten Zeitreisenden nun schon, die es zu absolutem Kultstatus geschafft hat. Die Serie lief von 1963 bis 1989; der Versuch, sie 1996 mit einem Kinofilm wiederzubeleben, scheiterte. Dennoch wurde die Serie nie offiziell beendet und zur Freude der treuen Fans 2005 von Russell T. Davies erfolgreich neu aufgelegt. 2009 gab Davies die Leitung der Serie an Steven Moffat weiter, der kurz darauf mit "Sherlock" der BBC einen weiteren Hit bescherte. Einer Staffel mit Christopher Eccleston als neuntem Doctor (dem Problem des alternden Hauptdarstellers schaffte man Abhilfe, indem die Figur sich "regeneriert"; gleicher Inhalt, neues Design, sozusagen) folgten drei mit dem sehr beliebten David Tennant als Zehn und drei mit Matt Smith als Elf.

Zur Feier des 50. Geburtstags der Show strahlte die BBC am 23.11. ein ca. 70-minütiges Special aus, das im Vorfeld (wie so ziemlich alles, was Steven Moffat auch nur anschaut) kontrovers unter den Fans diskutiert wurde. In diesem bekommt es der elfte Doctor nicht nur mit einer Alienspezies zu tun, die mehrere hundert Jahre darauf gewartet haben, die Erde in Besitz zu nehmen; er trifft auch auf den zehnten Doctor und auf eine noch frühere Inkarnation seiner selbst – den Doctor aus dem Zeitenkrieg (John Hurt). Diesen hatte er sehr erfolgreich verdrängt, war er doch Schuld daran, dass sein Heimatplanet Gallifrey zerstört wurde, um damit die ultimativ bösen Daleks zu vernichten. Aber Zeit ist ja ziemlich dehnbar, und vielleicht lässt sich an der Vergangenheit doch noch etwas ändern...

Moffat ist es gelungen, ein rundum gelungenes Special zu präsentieren, das selbst seine härtesten Gegner milde stimmen sollte. Tennant und Smith würde man gern noch viel öfter zusammen sehen, so schön sind die kleinen Zickereien über schlechten Modegeschmack und fürchterliche Inneneinrichtung der TARDIS, oder die ganzen Gemeinsamkeiten, denn sie sind nun mal ein und dieselbe Person. John Hurt als Kriegs-Doctor fügt sich da sehr gut als leicht ungläubiger Beobachter ein („Ist das eine Midlife-Crisis?!“) und macht auch seinen inneren Konflikt über seine Entscheidung im Zeitenkrieg sehr deutlich. Die Emotionen stimmen hier einfach.

Diverse Anspielungen auf alte Folgen (sogar Captain Jack Harkness wird erwähnt!), Billie Piper als Rose, Jenna Coleman als Clara (Elfs aktuelle Begleitung), Daleks, leicht trashige Aliens und Special Effects – der Fan bekommt hier das volle Paket.

Viele hätten es Moffat sicher nicht zugetraut, aber er schafft es tatsächlich, viele in den letzten Staffeln aufgeworfene Fragen zu beantworten und mit einem grandiosen Schlussbild auszublenden, während der elfte Doctor weiterreist und dabei etwas im Gepäck hat, was im lange Zeit fehlte: Hoffnung.


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Freitag, 1. November 2013

It's a Marvel! "Thor: The Dark World"


Nach dem großartigen „Iron Man 3“ (der sogar zu cool für einen Untertitel war) kommt nun der nächste Solo-Ausflug aus dem „Avengers“-Team. Dieses Mal darf der hammerschwingende Gott Thor ran, dessen erster Film 2011 bereits gut aufgenommen wurde (knapp $ 450 Mio. Einspielergebnis).

Erneut ist die Welt in Gefahr: Dunkelelf Malekith (Christopher Eccleston, kaum zu erkennen) wurde vor 5000 Jahren von Thors Großvater besiegt und seine Energiequelle, der Äther, vergraben. Nun ist die Zeit für seine Rache gekommen (da nun die Konvergenz der 9 Welten wieder ansteht, lasst euch das vom Film erklären), und er will die Welt erneut in tiefste Dunkelheit stürzen. Thor (Chris Hemsworth) leidet derweil trotz erfolgreicher Schlachten still vor sich hin, da er dummerweise ausgerechnet eine Sterbliche, nämlich Jane Foster (Natalie Portman), liebt. Diese wird in die Auseinandersetzung zwischen Malekith und den Bewohnern Asgards hineingezogen, und so steht bald nicht nur Thors Heimat, sondern auch das Leben seiner großen Liebe auf dem Spiel. Not macht erfinderisch – oder verzweifelt, denn Thor sucht Hilfe bei seinem inhaftierten Bruder Loki (Tom Hiddleston), der sich in der Vergangenheit nicht gerade durch seine Vertrauenswürdigkeit hervorgetan hat.

„Thor“ war schon immer das leicht verrückte Franchise. Während „Iron Man“ einfach eine coole Sau und „Captain America“ heroisch ist, durfte „Thor" schon immer etwas überzogen sein. Regisseur Alan Taylor (bisher v. a. als TV-Regisseur u. a. für „Game of Thrones“ tätig), der von Kenneth Brannagh übernommen hat, kostet das aus. Hier sind die Emotionen etwas pathetischer, die Kostüme aufwändiger und es gehen ungewöhnlichere Gebäude in unterschiedlichsten Welten kaputt. Damit schließt „Thor: The Dark World“ nahtlos an den ersten Teil an und fügt sich gleichzeitig gut in den „Avengers“-Kanon ein. Es gibt Cameos, Anspielungen auf die Ereignisse in New York, und einen guten Schuss Humor, wie man es eben von einem Marvel-Superheldenfilm erwartet.


Kurz zur technischen Seite: Die Special Effects sind natürlich sehr gut, wodurch so verrückte Szenen wie der finale Showdown super zur Geltung kommen, und die Musik von Brian Tyler ist passend bombastisch. Das 3D störte nicht, fügte dem Film aber auch nichts Besonderes hinzu.

Getragen wird der Film aber, einmal abgesehen von den Effekten, von den Schauspielern.
Chris Hemsworth hat gerade einen Lauf in seiner Karriere und ist in manchen Kinos noch im hervorragenden „Rush“ zu sehen. Sein Thor ist gereifter, würdevoller, aber nach wie vor nie um einen blöden Spruch verlegen. Die Liebe zu Jane bringt er ebenfalls überzeugend rüber. Diese wird von Natalie Portman ganz gut gespielt, aber mit diesem Charakter werde ich einfach nicht warm, sie bleibt für mich blass. Macht aber nix, es gibt ja noch genug andere unterhaltsame Charaktere, z. B. Janes coole Freundin Darcy (Kat Dennings) oder Idris Elba als (fast) alles sehender Heimdall.

Alte Bekannte wie Anthony Hopkins als Odin, Rene Russo als seine Frau Frigga oder Stellan Skarsgard als Dr. Selvig (dem die Ereignisse in New York offensichtlich sehr mitgenommen haben) sind auch dabei. Christopher Eccleston als Malekith ist schön böse, aber der (mittlerweile nicht mehr heimliche) Star ist Tom Hiddlestons Loki. Jetzt sitzt er zwar zu Recht im Hochsicherheitsknast von Asgard, aber er ist immer noch ein arrogantern, frecher Mistkerl. Hiddleston spielt ihn mit so offensichtlicher Freude, dass es kein Wunder ist, dass Loki eine deutlich größere Fangemeinde hat als der Titelheld. Jede seiner Szenen macht einfach Spaß (v. a. eine ungefähr in der Mitte des Films – ihr erkennt sie, wenn ihr sie seht).


Man muss es Marvel einfach lassen, das Casting ihrer aktuellen Superhelden ist auf den Punkt. Jetzt müsste man nur noch Black Widow und Hawkeye einen Platz im Rampenlicht einräumen (gerne auch mit einer Erklärung, was denn nun in Budapest los war). Aber vielleicht bekommen wir ja mehr von Natasha Romanoff in „Captain America: The Winter Soldier“ zu sehen. Als Einstimmung auf diesen ist der neue „Thor“ jedenfalls perfekt.

Gibt’s Schwachstellen? Naja, mir war es manchmal etwas zu viel Krach-Peng-Bumm, wodurch der Film mich hin und wieder ein wenig verlor. Jane Foster ist für mich auch leider ein eher schwacher Charakter, v. a. im Vergleich zu vielen anderen tollen Frauen im Marvel-Universum, und ich frage mich immer noch, ob das nun am Charakter selbst oder einfach an Natalie Portman liegt. Aber das sind Kleinigkeiten. Der Film passt sehr gut in die „Avengers“-Reihe und unterhält sehr gut.

Fazit: „Thor: The Dark World“ ist unterhaltsame Superhelden-Kost mit tollen Effekten, einer guten Portion Humor und einem starken Titelhelden. Die Show stiehlt jedoch wieder der Trickser Loki, der zu recht zum Fanliebling geworden ist. Tipp: Bleibt den Abspann durch sitzen. Sowohl in der Mitte des Abspanns als auch ganz am Ende gibt es noch kleine Zusatzszenen. 


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