Dienstag, 28. Dezember 2010

The Tourist



Ein Oscar-prämierter Regisseur, zwei der größten Stars, die Hollywood derzeit zu bieten hat, ein malerischer Handlungsort - das muss doch gut werden, oder?

Naja. Florian Henckel von Donnersmarck meldet sich nach seinem Triumph mit "Das Leben der anderen" nun mit "The Tourist" zurück. Hierfür konnte er Angelina Jolie und Johnny Depp gewinnen und ich komme nach zweimaligem Anschauen nicht drum herum zu denken, dass die beiden einfach nur ein bisschen Urlaub mit ihren Familien in Venedig machen wollten und der Film grad ganz gut zu diesen Plänen passte.

Depp spielt den Mathelehrer Frank, der auf seiner Zugfahrt nach Venedig von Elise (Jolie) angesprochen wird - einer offensichtlich ziemlich feinen Dame, von der er gleich hin und weg ist. Dumm nur, dass Elise von Scotland Yard - auffällig unauffällig - beschattet wird, denn sie ist die Geliebte eines in mehreren Ländern gesuchten Millionenbetrügers. Unter anderem will ein fieser Gangsterboss, der sich gern mit russischen Klischee-Schlägern umgibt, sein Geld wiederhaben. Und dieser Typ hält Dank Elises Bemühungen nun Frank für eben jenen Gesuchten...

Der Film erinnert von seiner Stilistik eher an die charmanten Gangsterfilme der 50er und 60er Jahre - er lässt sich Zeit beim Erzählen, Actionszenen werden sparsam eingesetzt und v. a. wird viel Wert auf die Inszenierung der weiblichen Hauptdarstellerin gelegt. Wer Angelina Jolie schon immer einmal dabei zuschauen wollte, wie sie elegant über die Straße läuft, hat hier reichlich Gelegenheit dazu. Auch ihr (viel zu starkes) Make Up lässt sich ausgiebig bewundern. Leider lässt ihre Ausdrucksfähigkeit zu wünschen übrig. Schon klar, sie ist die Unnahbar-Kühle (mal wieder), aber ein bisschen mehr Emotion hätte es schon sein dürfen.

Johnny Depp spielt den netten Trottel von nebenan und man kommt nicht drum rum zu vermuten, dass viele der humorigen Szenen ihm zu verdanken sind. Blöd aus der Wäsche gucken kann er jedenfalls sehr gut, genau wie mit Dackelblick hinter der Jolie herschauen. Mehr wird ihm nicht abverlangt. Angelina Jolie wird auch nicht gerade überbeansprucht, und das ist schon schade, wenn man bedenkt, dass beide um einiges mehr können als sie hier zeigen.

Schade auch, dass der Film sich v. a. auf die Chemie zwischen den Hauptdarstellern verlässt und die ist leider so gut wie gar nicht vorhanden. Um die Handlung wirklich interessant zu machen, müssten hier die Funken sprühen, man muss als Zuschauer wollen, dass die beiden zusammenkommen, weil man sieht, dass sie füreinander bestimmt sind. Bei "The Tourist" ist die Reaktion eher ein Schulterzucken und ein freundliches, "Joa, wenn sie meinen, dann okay."

Okay. Das ist das Wort, was den ganzen Film eigentlich sehr gut beschreibt. Ich fand ihn längst nicht so mies, wie die ganzen Kritiker ihn machten (sonst wäre ich ganz sicher kein zweites Mal reingegangen, Johnny Depp hin oder her), aber er war so... unbedeutend. Nette Unterhaltung, gesehen, vergessen. Depp hat schon schlimmere Filme gemacht, die Jolie ebenso. Hoffen wir, dass sie uns beim nächsten Mal mit einem richtigen Knaller überraschen.

Was gibt es sonst noch zu sagen? Der Film sieht sehr gut aus, Venedig wird gekonnt in Szene gesetzt und Angelina Jolie trägt ständig wunderschöne Kleider. Die anderen Darsteller sind soweit gut; ich freu mich einfach immer darüber, Paul Bettany zu sehen, auch wenn seine Rolle ebenfalls nicht viel hergibt. Timothy Dalton ist sogar auch dabei. Und Rufus Sewell ist es zu verdanken, dass der Film auch am Ende nochmal einen richtig guten Lacher zu bieten hat, und das v. a. Dank seiner Synchronstimme, die so offensichtlich Jack Sparrow ist, dass das sogar dem Otto-Normal-Kinogänger auffiel. Da soll nochmal einer sagen, in Deutschland würde der Durchschnittszuschauer nicht auf so etwas achten...

Fazit: Nette Unterhaltung, die nicht weh tut. Schöne Menschen in schöner Umgebung, aber leider nicht besonders erinnerungswürdig.

Kommentare:

Oellig hat gesagt…

*Bwahaha*

Du bist sooo fies!

Ich musste beim Lesen Deiner Rezension (und der darin enthaltenen Ironie) so lachen, dass das dem derzeitigen Zustand meiner Leibesmitte nicht wirklich gut bekommen ist. Trotzdem danke für die Erheiterung, konnte ich grad gut gebrauchen. *g*


Wer Angelina Jolie schon immer einmal dabei zuschauen wollte, wie sie elegant über die Straße läuft, hat hier reichlich Gelegenheit dazu.
Joah, deckt sich mit dem, was ich anderen Rezis schon gelesen hab. Die Betonung liegt dabei wohl auf dem Wörtchen reichlich. Ein Laufsteg-Film? :D


Johnny Depp spielt den netten Trottel von nebenan....Blöd aus der Wäsche gucken kann er jedenfalls sehr gut...
Wohl war, das beherrscht er wirklich gut, ebenso wie den "Dackelblick" in den verschiedensten Varianten. LOL
Wenn das allerdings im Übermass auftritt, beginnt's mich auch irgendwann zu nerven, zumal der Mann ja nun wahrhaftig zu reichlich mehr Mimik fähig ist. Aber immerhin, ist es überhaupt ein Ausdruck/eine Mimik^^. Wie ich Deinem Post entnehmen kann, ist das Mrs. Jolie ja nun so gar nicht gelungen. Aber am Ende war’s wahrscheinlich das viele Make-up schuld. ;-)


Tja, schade, dass beiden da nicht viel mehr abverlangt wurde. Bei Jolie kann ich's nicht beurteilen, weil sie mich schauspielerisch einfach nicht interessiert, aber zumindest von Depp weiß man ja, dass er damit WEIT unter seinem Radar spielt. Nachvollziehbar ist's für mich auch nicht. Vielleicht ist der gute Herr v. Donnersmarck ja doch nicht sooo toll, wie er nach seinem Oscargewinn geschrieben wurde? Oder der Herr Florian wollte ganz einfach höher pinkeln, als er konnte, um das mal etwas drastisch auszudrücken. *g*

Und was die Chemie und das Fehlen derselben angeht: wo nix ist, kann auch nix wirklich überspringen. Erst recht nicht auf den Zuschauer. :D Da können sich die beiden noch so sehr gegenseitig belobhudeln, um den Film zu promoten.


Depp hat schon schlimmere Filme gemacht, die Jolie ebenso. Hoffen wir, dass sie uns beim nächsten Mal mit einem richtigen Knaller überraschen.
Ja, das wär nett. Aber wenn's geht, bitte wieder getrennt und jeder in seinem eigenen Film. :D


Den Verriss in den offiziellen Kritiken kann ich auch nicht nachvollziehen. Aber ebenso wenig die Golden-Globe-Nominierungen. Beides halte ich für maßlos übertrieben. Ist schon so wie Du sagst: okay, nett, leicht-seichte Unterhaltung, nix Dolles, aber auch nix Schlimmes. Find' ich auch nicht tragisch, darf ja auch mal sein. *g*

Das hier...
...dass die beiden einfach nur ein bisschen Urlaub mit ihren Familien in Venedig machen wollten und der Film grad ganz gut zu diesen Plänen passte.
...trifft's für mich ziemlich auf den Punkt. Kann mich mittlerweile dieses Eindrucks auch nicht mehr erwehren. Zumindest Depp würde ich das ohne Wenn und Aber zutrauen. Würde zu dem Sauhund passen. *g*

Nun ja, immerhin hat es ja dazu geführt, das Mann sich nach 16 J. mal wieder nach Deutschland bequemt hat. Und das dürfte ja nun besonders die Hardcore-Fans sehr gefreut haben, insofern hat sich der Film für dieselben ja schon mal gelohnt.

Und sollte er eine der GG-Nominierungen abräumen (er darf sich ja diesmal in derselben Kategorie sogar selber Konkurrenz machen), dann kann er sich diesmal auch nicht mehr um die verhasste Rede rumfuschen, um die er sich beim letzten Mal so erfolgreich rumdrücken konnte aufgrund des Streiks. *Muaha*

Für beide Rollen wäre es mMn nicht wirklich verdient, aber wenn er jetzt dann sogar gegen sich selber verliert, ist's ja auch irgendwie ein wenig peinlich. *g*
Immerhin schlägt er mit der Zweifach-Nominierung zwei Fliegen mit einer Klappe: zweimal nominiert, aber nur einmal hingehen müssen. Ein Mal Auftauchen hat er damit also bei den bei ihm so "äußerst" beliebten Veranstaltungen schon mal gespart. Das ist ja auch schon mal was wert. ;-)

Sunshine hat gesagt…

Ach, die Kritiker haben da einfach viel Häme mitspielen lassen, glaube ich. Aber ja, die GG-Nominierungen sind auch icht gerechtfertigt - soooo schlecht war das letzte Jahr doch nun wirklich auch wieder nicht, dass man da nicht genug andere Filme hätte finden können. Oder Hauptdarsteller.

Wo ist z. B. "Einfach zu haben" bei den Komödien? Hundertmal mehr verdient als "The Tourist". Die Nominierunge für den Hutmacher kann ich noch nachvollziehen, immerhin. Da wäre doch auch z. B. aus "Scott Pilgrim" oder "Kick-
Ass" was zu holen gewesen... Egal. Hollywood ist seltsam. *g*