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Donnerstag, 29. Mai 2014
"Sherlock" (BBC): Auch die 3. Staffel überzeugt und bietet einige Überraschungen
Ziemlich genau zwei Jahre mussten Fans auf die 3. Staffel der BBC-Serie „Sherlock“ warten, bis im Januar 2014 endlich die drei neuen Folgen im britischen TV starteten. Nach Staffel 2 war der Hype um die Serie nur noch gewachsen und die Dreharbeiten zur neuen Staffel waren von Fans belagert worden, die teilweise auch als Statisten in einigen Szenen agieren durften. Benedict Cumberbatchs und Martin Freemans Karrieren stiegen in ungeahnte Höhen auf. Cumberbatch nahm so ziemlich jedes ihn interessierende Projekt an und arbeitete beinahe nonstop, wobei er stets mit seiner Leistung selbst in durchschnittlichen Filmen glänzte (u. a. war er in „Star Trek Into Darkness“ als Bösewicht sowie im Oscar-prämierten „12 Years a Slave“ zu sehen, und überzeugte als WikiLeaks-Erfinder Julian Assange in „The Fifth Estate“). Freeman hielt sich da schon etwas mehr zurück und war sicherlich auch durch die „The Hobbit“-Verpflichtungen recht gut eingespannt. Er spielte im Oscar-nominierten Kurzfilm „The Voorman Project“, außerdem im finalen Akt der „Cornetto“-Trilogie „The World’s End“, und ist seit diesem Frühjahr in der auf dem gleichnamigen Coen-Film basierenden Serie „Fargo“ zusehen.
Die Erwartungen an die 3. Staffel waren gerade bei den Fans extrem hoch. Zwei Jahren hatten sie Zeit, wild über die Auflösung von Sherlocks „Fall“, dem Sturz vom Dach des St. Bart’s Krankenhauses, zu spekulieren. Hinzu kam die Aufregung über die Nachricht, dass Mary Morstan eine wichtige Rolle in der neuen Staffel spielen würde. Da Mary in den Romanen John Watson heiratet, sahen viele dieser Neuerung mit gemischten Gefühlen entgegen; sie wollten nichts am geliebten Status Quo von „Sherlock und John leben in 221B und lösen Fälle“ geändert sehen und einzelne schlugen mit ihren Kritikäußerungen leider auch über die Stränge.
Aber wie das so ist, all die Spekulationen und Aufregung können einen doch nicht auf die reale Serie vorbereiten, die natürlich teils doch ganz andere Wege eingeschlagen hat als zunächst vermutet. Dieses Mal wird das Ganze eher aus der Sicht von Sherlock erzählt (während die vorangegangenen Staffeln eher John als Identifikationsfigur nutzten), und man legt in den drei Folgen „The Empty Hearse“, „The Sign of Three“ und „His Last Vow“ den Fokus nicht mehr ganz so stark auf die Fälle, sondern mehr auf die zwischenmenschlichen Aspekte.
In „The Empty Hearse“ (dt. „Der leere Sarg“) kehrt Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) zwei Jahre nach seinem inszenierten Suizid wieder nach London zurück. Während Sherlocks Fans sich in seiner Abwesenheit die wildesten Theorien darüber ausgedacht haben, was sich wirklich auf dem Dach von St. Barts zugetragen hat, hat sein früherer Mitbewohner John Watson (Martin Freeman) es halbwegs geschafft über ihn hinwegzukommen. An dem Abend, an dem John seiner Freundin Mary (Amanda Abbington) einen Heiratsantrag machen will, steht plötzlich der totgeglaubte Sherlock vor ihm und bereitet ihm den Schock seines Lebens. John ist nicht bereit, Sherlock seine Täuschung so einfach zu verzeihen, aber schnell zeigt sich, dass die beiden Freunde sich zusammenraufen müssen: John wird entführt und es gibt Hinweise auf einen geplanten terroristischen Anschlag.
„The Sign of Three“ („Im Zeichen der drei“) handelt von John und Marys Hochzeit. Sherlock hat die Planung mehr oder weniger komplett übernommen und ist beinahe schon obsessiv in der Ausarbeitung der Details, sicherlich auch, weil besonders Mrs. Hudson (Una Stubbs) nicht müde wird zu betonen, wie sehr eine Heirat doch alte Freundschaften belasten kann. Beim Empfang nach der Trauung hält Sherlock eine Rede (zur Beängstigung aller Gäste, die ihn kennen), in der er u. a. den ziemlich chaotischen Junggesellenabschied und einen bisher ungelösten Fall erwähnt. Noch während der Rede wird ihm jedoch bewusst, dass der Fall gar nicht so unlösbar ist, und v. a. auf einen geplanten Mord während der Hochzeitsfeier hindeutet. Doch wer ist das Opfer?
Im Staffelfinale „His Last Vow“ („Sein letzter Schwur“) trifft Sherlock auf seinen bisher sicherlich abstoßendsten Gegner, Medienmogul Charles Augustus Magnussen (Lars Mikkelsen). Dieser macht sich einen Spaß daraus, in der Öffentlichkeit stehende Personen mit begangenen „Indiskretionen“ zu erpressen. Sherlock soll für eine betroffene Klientin die kompromittierenden Briefe beschaffen, aber die Unterredung mit Magnussen scheitert. Zusammen mit John, der bereits einen Monat nach der Heirat beginnt unzufrieden im geregelten Eheleben zu sein, will Sherlock nun die Briefe aus Magnussens Büro stehlen – doch sie sind an dem Abend nicht die einzigen Einbrecher und die Situation eskaliert.
Aufgrund der lange Pause zwischen Staffel 2 und 3 hatten Gatiss und Moffat es nicht leicht, eine überzeugende Auflösung für Sherlocks inszenierten Selbstmord zu bieten. Im Internet wurde wild spekuliert und Mark Gatiss, der „The Empty Hearse“ geschrieben hat (und nach wie vor als Mycroft Holmes mit von der Partie ist), spielt augenzwinkernd darauf an. Die wirkliche Auflösung (ist sie es überhaupt?) mag gefallen oder auch nicht. Ich selbst bin zwar nicht so ganz glücklich damit, aber wenn man ehrlich ist, konnte die Auflösung es einfach nie allen recht machen. Irgendeiner wird immer meckern.
Was jedoch allgemein beim Staffeleinstieg auffällt: Die Folge wirkt irgendwie nicht „rund“. Manche Schnitte sind wie gewohnt sehr inspiriert (sehr schön z. B., wie Sherlock Mrs. Hudson vom ersten Wiedersehen mit John erzählt), andere eher hölzern, es wird teilweise recht hektisch und etwas zusammenhanglos zwischen den Charakteren gesprungen. Dies bessert sich zum Glück deutlich in den nächsten Folgen, aber das Fehlen von Regisseur Paul McGuigan (für einige der besten Folgen wie „A Scandal in Belgravia“ verantwortlich) macht sich leider bemerkbar.
Der Humor sitzt zum Glück immer noch, auch an den schauspielerischen Leistungen gibt es nichts zu meckern, sie sind wie gewohnt absolut überzeugend. Neuzugang Amanda Abbington fügt sich ebenfalls sehr gut ein. Ihre Mary ist eine fröhliche, zugängliche Person und zieht die Sympathie der Zuschauer sofort auf sich. Mit ihrer sehr guten Leistung straft Abbington auch gleich all jene Lügen, die ihr vorwarfen, die Rolle nur bekommen zu haben, weil sie die Lebensgefährtin von Martin Freeman ist. Erfreulich auch, dass die gesamte Besetzung wieder mit dabei ist. Louise Brealey bekommt einige schöne Szenen als Molly Hooper, Jonathan Aris als Philipp Anderson hat eine unerwartete Wandlung durchgemacht und Rupert Graves ist als resignierter DI Greg Lestrade ebenfalls wieder mit von der Partie.
„The Sign of Three“ benutzt Sherlocks Rede als zentrales Element. Benedict Cumberbatch jammerte in diversen Interviews immer wieder darüber, wie viel Text er für die Rede lernen musste und wie lange der Dreh dafür gedauert hat. Die Handlung alterniert zwischen der Hochzeitsgesellschaft und den Momenten, die Sherlock in seiner Rede aufgreift. Dabei findet sich auch die ein oder andere Anspielung auf Fälle aus dem Doyle-Kanon. In dieser Folge menschelt es außerdem ganz schön – die Freundschaft zwischen John und Sherlock wird unterstrichen, es gibt einige emotionale Momente, die man so vielleicht nicht erwartet hätte, und Sherlock hadert mit der Veränderung, die Johns Heirat auch für sein eigenes Leben bedeuten muss. Als Drehbuchautoren fungierten Moffat, Gatiss und „The Reichenbach Fall“-Autor Stephen Thompson, die sich die Folge mehr oder weniger gerecht aufteilten (so ist Gatiss wohl für die Fälle verantwortlich, Moffat hat Sherlocks Rede verfasst, und Thompson den Junggesellenabschied). Der Humor legt in dieser Folge noch einmal eine Schippe zu, allgemein wirkt „The Sign of Three“ auch etwas fröhlicher, endet aber eher auf einer bittersüßen Note.
Im von Steven Moffat geschriebenen Staffelfinale „His Las Vow“ (der Titel wird am Ende der 2. Folge klar) lernen wir Magnussen kennen, der natürlich auf dem Buchcharakter Charles Augustus Milverton basiert. Allzu viel wurde an ihm nicht geändert, außer dass sein Hintergrund in die moderne Zeit übertragen wurde. Charakterlich ist er immer noch ein widerwärtiges Schwein und man wünscht ihm die Pest an den Hals. Mikkelsen spielt das ganz hervorragend, allein die Art, wie er manchmal den Kopf bewegt, hat etwas Schlangenhaftes an sich. Ein bisschen schade ist es, dass Moffat es mal wieder nicht lassen kann, einen weiteren superklugen Charakter zu schreiben. Bei der Masse an Superintelligenten in „Sherlock“ fragt man sich langsam dann doch, warum wir die Hauptfigur als so besonders wahrnehmen sollen, wenn auch jeder Hauptbösewicht mindestens genauso clever wenn nicht sogar noch besser ist.
Die Folge bietet auf jeden Fall das größte Drama und die größte Spannung, ist dadurch nach der doch eher leichten Vorgängerfolge schon beinahe ein Schlag ins Gesicht, und hält dazu noch einige unerwartete Wendungen parat. Hier können die Schauspieler, allen voran natürlich das Hauptdarsteller-Duo, aber gerade auch Abbington oder Gatiss wieder zeigen, was in ihnen steckt. Wir erhalten außerdem einen ausführlicheren Einblick in Sherlocks „Gedächtnispalast“, in welchem wir auch Moriarty (Andrew Scott) wiedertreffen, und der die Dramatik der zugrundeliegenden Szene sehr gut unterstreicht. Das Ende ist dieses Mal kein hochspannender Cliffhanger sondern eher ein Fragen aufwerfender Teaser, dennoch wird das Warten auf die vierte Staffel wieder schwer fallen.
Insgesamt erscheint mir Staffel 3 v. a. wie eine Art Übergang, eine Hinleitung auf den in Staffel 4 zu erwartenden Showdown (die Handlung für Staffeln 4 und 5 ist laut Moffat auch schon grob geplant). Damit kann ich natürlich total falsch liegen, es wäre nicht das erste Mal, dass ich bestimmte Hintergründe der Show anders verstanden habe, als die Autoren sie gedacht hatten. *g* Das Ende von „His Last Vow“ lässt mich (und auch viele andere Fans, wenn man den Diskussionen im Internet folgt) jedenfalls mit einigen ganz großen Fragezeichen zurück, die sich nicht auf den offensichtlichen Cliffhanger beziehen. Der ist mir relativ... naja, nicht egal, aber nicht so wichtig wie ein anderer Punkt. *g* Als Übergang funktioniert diese Staffel allerdings ganz gut, hoffen wir also, dass es so gedacht ist. Für einen abgeschlossenen Erzählstrang hängt mir jedoch vieles noch zu sehr in der Luft, manche v. a. auch emotional einschneidenden Erlebnisse der Charaktere sind für mich nicht komplett abgeschlossen.
Dieser Eindruck wird natürlich auch dadurch verstärkt, dass die Staffel sich sehr stark auf Sherlock konzentriert und auch zum Großteil aus seiner Sicht erzählt wird. War in den vorangegangenen Staffeln John die Identifikationsfigur des Publikums, ist es dieses Mal Sherlock, was manche Szenen, in denen John sich emotional verschließt, eher schwer greifbar macht. Daher empfanden sicherlich viele Fans das Ende ein wenig frustrierend. Johns Reserviertheit gerade in der letzten Folge macht charakterlich jedoch durchaus Sinn, wenn man bedenkt, was für eine Achterbahnfahrt sein Leben nach der Rückkehr aus Afghanistan für ihn war bzw. immer noch ist. Mag Sherlocks Blickwinkel für das Verständnis von Johns Motivationen eher nachteilig sein, so wird dadurch aber sehr nachdrücklich klar, wie wichtig John für Sherlock ist. Alles was Sherlock tut, ist im Grunde eine Liebeserklärung an seinen besten Freund – welche Art Liebe muss dann jeder für sich entscheiden.
Für uns deutsche Zuschauer gibt es jedoch eine erlösende Nachricht, was einen besonders kontroversen Punkt in der Synchronisation angeht: Ab der 2. Folge sind Sherlock und John endlich beim „Du“ angekommen. Dann werde ich wohl nun auch die synchronisierten Folgen schauen können, ohne jedes Mal genervt zusammenzuzucken beim „Sie“. *g*
Fazit: Die 3. „Sherlock“-Staffel startet zwar etwas holprig, findet dann aber zu alter Form zurück. Schauspielerisch nach wie vor ein Genuss, menschelt es dieses Mal ganz schön. Dadurch wird der Zuschauer allerdings nur in Sicherheit gewogen, denn das Staffelfinale lässt im Hinblick auf Dramatik, Spannung und Überraschungen nichts zu wünschen übrig.
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Dienstag, 31. Dezember 2013
„Der Hobbit - Smaugs Einöde“, Oder: „Wie, schon zu Ende?“
Und weiter geht die Reise von Hobbit Bilbo Beutlin (Martin Freeman), Zauberer Gandalf (Sir Ian McKellan) und der von Thorin Eichenschild (Richard Armitage) angeführten Zwergentruppe in Richtung einsamer Berg. Immer noch werden sie von Orks verfolgt und finden auf ihrem Weg kurzfristig Unterschlupf bei Gestaltwandler Beorn (Mikael Persbrandt), der ihnen hilft den Düsterwald zu erreichen. Da Gandalf sich mit dem in Dol Guldur erschienen Nekromanten herumschlagen muss , müssen Bilbo und die Zwerge jedoch den Wald ohne Hilfe durchqueren. Leichter gesagt als getan: Riesige Spinnen bevölkern den Wald, und die Waldelben, allen voran ihr König Thranduil (Lee Pace), sind den Zwergen auch überhaupt nicht wohlgesonnen. Auf ihrer wilden Flucht in Fässern auf einem tosenden Fluss werden sie auch noch von den Orks angegriffen, und nur mit der Hilfe der Elben, angeführt von Thranduils Sohn Legolas (Orlando Bloom) und Wächterin Tauriel (Evangeline Lilly), schaffen Bilbo und die Zwerge es zu entkommen.
Sie treffen auf den Fuhrmann Bard (Luke Evans), der die Gruppe in die Seestadt schmuggelt. Der dort regierende Bürgermeister (Stephen Fry) kann Bard zwar nicht leiden, findet Thorin und dessen Versprechen, der Stadt mit dem im Erebor lagernden Schatz wieder zu altem Glanz zu verhelfen, dafür aber umso besser. Endlich am Berg angekommen, soll Bilbo seinem Titel „Meisterdieb“ alle Ehren machen und den Arkenstein, das Symbol des Zwergenkönigs, aus der Schatzkammer holen, ohne den Drachen zu wecken. Doch Smaug schläft längst nicht mehr so fest wie einst und ein Drache gibt seinen Schatz niemals freiwillig her.
Teil 1 der Reihe, „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“ hat mit über 1 Milliarde Einspielergebnis wenig überraschend, aber dennoch beeindruckend vorgelegt. „Der Hobbit – Smaugs Einöde“ muss sich nun dem Problem stellen, den mittleren Teil einer Geschichte zu erzählen und somit ein wenig in der Luft zu hängen. Peter Jackson gelingt es jedoch erstaunlich gut, die Handlung voranzutreiben. Mit einer kurzen Rückblende auf das erste Treffen zwischen Gandalf und Thorin findet er einen guten Einstieg in die Geschichte, und das Ende ist zwar ein Cliffhanger, an sich aber ganz gut gewählt, da so für den letzten Teil ein spannender Einstieg garantiert ist.
Wo Teil 1 sich häufig doch zog, wird im 2. Teil die Spannung aufrecht erhalten, was sicherlich auch den vielen neuen Charakteren geschuldet ist. Auch einigen der Zwerge wird mehr Profil verliehen, so wird Thorins Charakter deutlich ausgebaut, und Kili (Aidan Turner) bekommt sogar seinen eigenen Subplot. Dass es sich dabei um ein angedeutetes Liebesdreieck handelt, in das Tauriel und Legolas ebenfalls verwickelt sind, erscheint allerdings überflüssig. Jedoch deuten neuere Aussagen von Evangeline Lilly darauf hin, dass es sich um eine Entscheidung des Studios handelt, denn bis zu den Nachdrehs gab es dieses Liebsdreieck nicht. Sehr schade. Da wird schon eine weibliche Rolle extra für den Film geschrieben, die sich im Kampf zu behaupten weiß und als Charakter so wunderbar funktioniert hätte, und da muss man dann gleich wieder eine Liebesgeschichte reinbringen, denn sonst können sich Frauen ja nicht für den Film begeistern. Bullshit. So werden der Laufzeit nur unnötige Minuten hinzugefügt, wenn Tauriels Charakter auch vorher interessant genug gewesen wäre.
Schön ist es aber, Orlando Bloom als Super-Elben Legolas wiederzusehen. Lee Pace als dessen Vater Thranduil ist wunderbar arrogant und unsympathisch. Die Szenen mit Persbrandts Beorn sind im Vergleich zum Buch irgendwie sehr kurz geraten, dafür gefällt Luke Evans als Bard mit innerer Größe. Die alten Bekannten aus dem ersten Teil sind gut wie eh und je, mir persönlich gab es aber zu wenige Szenen mit Bilbo. Martin Freeman holt jedoch alles aus diesen Szenen heraus, v. a. seine Konfrontation mit Smaug (Benedict Cumberbatch) ist spannend und zeigt gleichzeitig Freemans hervorragendes komödiantisches Timing. Smaug selbst ist hervorragend geworden, sowohl als Charakter als auch von der Animation.
Überhaupt scheinen einige der Probleme bei den Spezialeffekten aus Teil 1 gelöst worden zu sein. Es gibt keine seltsam verdrehten Kamerafahrten mehr, die zusammen mit dem 3D HFR eigentlich nur für verschwommenes Bild und sonst nichts sorgten. Auch wirken die Orks nicht mehr so offensichtlich computeranimiert, auch wenn sie leider immer noch nicht so „echt“ wie in den „Der Herr der Ringe“-Filmen aussehen (was aber wohl daran liegt, dass damals eben gerade nicht so viel animiert, sondern Darsteller entsprechend ausstaffiert wurden). Die großen Actionsequenzen mit den Spinnen, der „Wildwasserbahn mit Fässern“ und die Flucht vor Smaug sind alle sehr gelungen und unterhaltsam (wenn auch bei der Fassszene etwas übertrieben). Die Seestadt sieht wunderbar aus.
Generell merkt man „Smaugs Einöde“ seine Spielzeit viel seltener an als dem ersten Teil. Wenn man den unnötigen Liebes-Subplot herausgelassen hätte und auch Gandalfs Szenen in Dol Guldur etwas gekürzt hätte, wäre der Film sogar noch kurzweiliger geworden. Denn es ist zwar wichtig für den Zuschauer, eine Erklärung für Gandalfs Verschwinden zu haben, aber dadurch wird der Fokus zu sehr von der Reise der Zwerge abgerückt, was schade ist. Dennoch ist der Film, auch gerade für einen undankbaren Mittelteil, sehr gelungen.
Fazit: Viel kurzweiliger als der Vorgänger und dazu mit verbesserten Effekten, schafft es "Der Hobbit - Smaugs Einöde", den Zuschauer zu überzeugen. Die Actionszenen machen Spaß, Smaug ist hervorragend umgesetzt, und die meisten der Charaktere gewinnen an Tiefe. Da fällt das Warten auf den letzten Teil gleich doppelt schwer.
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Sonntag, 20. Oktober 2013
"The World's End": Darauf noch ein Cornetto
Gary King (Simon Pegg) war zu Schulzeiten der Coolste und genoss mit seinen vier besten Freunden das Leben. Der Schulabschluss wurde so richtig gefeiert und zwar mit dem Versuch, die „Goldene Meile“ zu bewältigen – Newton Havens zwölf Pubs an einem Abend besuchen und in jedem ein Bier kippen. Geschafft bis zum letzten Pub, dem World’s End, haben die Fünf es zwar nicht, dennoch ist diese Nacht für Gary auch 20 Jahre später noch die beste seines Lebens. Und deshalb will er die alte Truppe wieder um sich sammeln und es noch einmal versuchen. Eher widerwillig lassen Stephen (Paddy Considine), Peter (Eddie Marsan), Oliver (Martin Freeman) und sein früherer bester Freund Andy (Nick Frost) sich überreden, denn im Gegensatz zu Gary haben sie die Schulzeit hinter sich gelassen und gehen einer geregelten Arbeit nach.
Einmal in Newton Haven angekommen stellt sich schnell heraus, dass irgendetwas in ihrem Heimatort nicht so ganz stimmt. Und ausgerechnet Gary ist es, der als Erster auf die Ursache stößt: Die Dorfbewohner wurden durch Roboter ersetzt. Und so nimmt die Sauftour eine unerwartet gewalttätige Wende...
Mit „The World’s End“ beschließt Regisseur Edgar Wright die „Three Flavours Cornetto Trilogy“, deren andere beide Teile „Shaun of the Dead“ und „Hot Fuzz“ mittlerweile Kultstatus genießen. Und auch dieses Mal handelt es sich um einen Genre-Film; nach Zombiehorror und Buddy-Cop-Action versuchen sich Wright und sein Co-Autor Pegg an Science Fiction gemischt mit ein bisschen Martial Arts.
Die satirischen Elemente treten dieses Mal jedoch viel häufiger in den Hintergrund als noch bei den beiden Vorgängerfilmen. Denn auch dieses Mal wird vor allem eine Geschichte über Freundschaft erzählt. Und während bei „Shaun oft he Dead“ Shaun und Ed schon lange die dicksten Kumpel waren und sich als Team durch die Zombies kämpften, und in „Hot Fuzz“ Nicolas und Danny aus anfänglicher Abneigung bzw. Verehrung erst noch eine Freundschaft formen mussten, erleben wir nun in „The World’s End“, was aus Freundschaft werden kann, wenn man sie nicht pflegt sondern stattdessen mit egoistischem Verhalten zerstört.
Dennoch kommt Andy, der am meisten von Gary enttäuscht wurde und wegen ihm ziemlich üble Sachen durchmachen musste, mit nach Newton Haven, womit er nicht nur die anderen drei aus der Gruppe überrascht, sondern wohl auch sich selbst. Aber wenn man einmal so eine Freundschaft hatte, dann hält eben auch immer noch ein Teil in einem daran fest, selbst wenn das Ganze schon längst auseinander gegangen ist. Und Gary selbst will händeringend das Gefühl von damals wieder einfangen, als er der Größte war und nicht der fast 40-jährige Versager ohne Job.
Und deshalb kann ich zwar den Kritikpunkt nachvollziehen, dass „The World’s End“ das satirische Element nicht so sehr in den Vordergrund rückt wie es in den beiden anderen Filmen der Fall ist. Aber es stört mich nicht, da die Charaktere an einem viel ernsteren Punkt in ihrem Leben stehen und somit die Handlung automatisch einen düstereren Anstrich erhält. Dabei belässt es der Film nicht bei einer zerbrochenen Freundschaft, sondern baut auch gleich noch Drogensucht, Mobbing und Tod mit ein.
Das könnte alles furchtbar deprimierend werden, aber glücklicherweise enthalten die „Cornetto“-Filme ja auch immer einen guten Schuss britischen Humor, und davon gibt es auch in „The World’s End“ reichlich. Vor allem Gary mit seiner durchgeknallten Art sorgt für viele Lacher; hinzu kommen die teilweise vollkommen absurden Situationen mit den Robotern und viele kleine Gags, Parallelen und Anspielungen, wie man sie aus den Vorgängern kennt. Unter den Statisten befinden sich sogar ein paar alte Bekannte, wodurch die Einheit der drei „Cornetto“-Filme noch mal betont wird.
Die Schauspieler sind durchweg sehr gut und glaubwürdig. Simon Pegg und Nick Frost spielen eher untypische Rollen. Pegg gibt den von der „Goldenen Meile“ besessenen Gary King mit viel Spielfreude und vollem Körpereinsatz, und immer wieder lässt er hinter der fröhlichen Fassade Garys Verzweiflung durchblitzen. Frost hingegen spielt den straighten Geschäftsmann, der durch Garys früheres Verhalten verbittert ist und den ganzen Kram eigentlich nur hinter sich bringen will. Hier darf er auch mal Talent für ernsthafte Rollen demonstrieren, bekommt aber gleichzeitig auch viel gute Momente in der Hau-Drauf-Action ab.
Paddy Considine, Eddie Marsan und Martin Freeman schaffen es ebenfalls, ihre Charaktere unterscheidbar zu machen und ihnen genug Profil zu geben, dass man gerne noch etwas länger mit ihnen durch die Gegend gezogen wäre. Considines Stephen ist von eher sanfter Natur und darf sich einen kleinen Kampf mit Peggs Gary um die frühere Angebetete Sam liefern. Diese wird von Rosamunde Pike gespielt und hat leider nicht viel zu tun, darf aber immerhin Gary eine runterhauen. Marsans Charakter Peter war früher Mobbingopfer und wenn er dann tatsächlich auf seine frühere Nemesis trifft, geht das schon ans Herz. Und Martin Freeman als Immobilienmakler Oliver hat sich sicher gefreut, dass er fluchen durfte und setzt sein leicht beängstigendes Grinsen sehr gut ein. Keiner spielt einen angenervten Briten so gut Freeman.
Nett auch die diversen bekannten Gesichter in größeren Nebenrollen, wie Pierce Brosnan, David Bradley, Michael Smiley oder Billy Nighy.
Die Effekte sind gelungen, die Musik passend zum Setting eingesetzt, wie man es auch schon aus den Vorgängern kennt (und wer sich über mangelnde Musikidentität beklagt, der hatte wohl während „Alabama Song“ gerade die Toilette aufgesucht; die Szene ist ähnlich einprägsam wie damals "Don’t stop me now“ in „Shaun of the Dead“). Das Ende mag überraschen und ja, so zehn Minuten vor Schluss wird der Film auch etwas geschwätzig (da hätte man dann doch etwas kürzen können), aber bei „Hot Fuzz“ haben sich damals auch viele über die gefühlten zehn Showdowns aufgeregt. *g*
Fazit: „The World’s End“ ist ein gelungener, aber eher düsterer Abschluss der kultigen „Three Flavours Cornetto“-Trilogy. Über kleine Schwächen sehe ich da doch gerne hinweg.
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Dienstag, 1. Oktober 2013
Neuer offizieller Trailer zu "The Hobbit: The Desolation of Smaug"
Seit heute gibt's nun also den ersten "richtigen" Trailer zum zweiten Teil der "Hobbit"-Trilogie, nachdem wir uns die letzten Wochen mit dem Teasertrailer zufrieden geben mussten.
Sieht bombastisch aus, aber das war zu erwarten. Worauf sich die Fans wohl v. a. stürzen werden: Hat man tatsächlich eine vermeintliche Love Story zwischen den Elben Legolas (Orlando Bloom) und Tauriel (Evangeline Lilly; diese Figur wurde für die Filme erfunden und kommt bei Tolkien nicht vor) eingebaut? Wenn ja, wie blöd ist das dann bitte schön?
Saurons Auge? - achso, stimmt ja, Infos aus den Anhängen!
OMG, die Schauspieler sind alle so toll, v. a. Martin Freeman ist so perfekt, er ist geboren für die Rolle!
Und: Benedict Cumberbatch bzw. Smaug spricht! *zurückspul und in Dauerschleife hör und Klingetol draus mach* Oder so ähnlich. *g*
Nun ja, bis zum Starttermin ist's jetzt auch nicht mehr allzu lang, die zweieinhalb Monate kriegen wir auch noch 'rum.
Sieht bombastisch aus, aber das war zu erwarten. Worauf sich die Fans wohl v. a. stürzen werden: Hat man tatsächlich eine vermeintliche Love Story zwischen den Elben Legolas (Orlando Bloom) und Tauriel (Evangeline Lilly; diese Figur wurde für die Filme erfunden und kommt bei Tolkien nicht vor) eingebaut? Wenn ja, wie blöd ist das dann bitte schön?
Saurons Auge? - achso, stimmt ja, Infos aus den Anhängen!
OMG, die Schauspieler sind alle so toll, v. a. Martin Freeman ist so perfekt, er ist geboren für die Rolle!
Und: Benedict Cumberbatch bzw. Smaug spricht! *zurückspul und in Dauerschleife hör und Klingetol draus mach* Oder so ähnlich. *g*
Nun ja, bis zum Starttermin ist's jetzt auch nicht mehr allzu lang, die zweieinhalb Monate kriegen wir auch noch 'rum.
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Donnerstag, 13. Dezember 2012
Fantastisch: "Der Hobbit - Eine unerwartete Reise"
Das lange Warten hat endlich ein Ende: 11 Jahre nach dem Start der „Der Herr der Ringe“-Trilogie ist nun sozusagen der erste Teil der Prequel-Reihe angelaufen – „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“. Die Produktion war durch eine Reihe von Problemen gekennzeichnet, u. a. diverse Streitigkeiten um Rechte und Guillermo del Toros Absage als Regisseur (Termingründe), weshalb Peter Jackson schließlich doch nicht nur als Produzent, sondern direkt als Regisseur zurückkehrte.
Man entschloss sich dazu, nicht nur den eigentlichen Inhalt von J. R. R. Tolkiens Kinderbuch „Der kleine Hobbit“ rund um „Meisterdieb“ Bilbo Beutlin zu verfilmen, sondern auch Hintergrundgeschichten einzubinden, die erst in „Der Herr der Ringe“ Erwähnung finden (z. B. der Nekromant oder das Treffen des Weißen Rates). Die Entscheidung, die Geschichte nicht, wie ursprünglich geplant, in zwei Teilen, sondern in drei in die Kinos zu bringen, traf jedoch nicht überall auf Gegenliebe.
Worum geht es denn nun im ersten „Hobbit“-Film? Die Handlung spielt 60 Jahre vor „Der Herr der Ringe“. Bilbo (Martin Freeman) wird von Zauberer Gandalf (Sir Ian McKellan) mehr oder weniger dazu überredet, sich als Meisterdieb dem Zwergenführer Thorin Eichenschild (Richard Armitage) und seinen zwölf treuen Zwergen anzuschließen. Diese wollen ihre alte Heimat im Berg Erebor zurückerobern, aus der sie vor vielen Jahren durch das Eindringen des Drachen Smaug vertrieben wurden. Bilbo soll ihnen durch seine Diebeskünste helfen, den Drachen zu besiegen. Er gliedert sich jedoch nur schlecht in die Truppe ein und Thorin lässt ihn seine Geringschätzung spüren. Auf ihrem Weg Richtung Erebor lauern so manche Gefahren in Gestalt von Bergtrollen und Orks, und Bilbo lässt sich auf ein Rätselspiel mit der seltsamen Kreatur Gollum ein...
Wie man auf so ziemlich jeder Pressekonferenz und in jedem Interview lesen konnte, unterbrach Jackson die Filmproduktion, nur damit Martin Freeman die Rolle des Bilbo übernehmen konnte, obwohl er an die „Sherlock“-Produktion gebunden war. Und man kann es nicht anders sagen: Eine bessere Entscheidung hätte Jackson nicht treffen können. Freeman ist möglicherweise das Beste am ganzen Film. Sein Timing, gerade in komödiantischen Szenen, ist perfekt, sodass z. B. seine Reaktion auf das erste Zusammentreffen mit der Zwergentruppe wirklich lustig ausfällt, während das Rätselspiel zwischen Bilbo und Gollum gleichzeitig spannend und unterhaltsam ist. Aber auch in ernsten Szenen ist er vollkommen überzeugend und verleiht Bilbos Wandlung vom Angsthasen zum Retter in der Not die notwendige Glaubwürdigkeit.
Und überhaupt, Gollum! Er war ja schon in der Ursprungstrilogie ein Fanliebling, aber hier ist er beinahe noch besser. Andy Serkis hatte nach eigenen Angaben etwas Probleme, wieder in diese Rolle hineinzufinden, aber davon merkt man keine Spur. Gollum ist beängstigend und bemitleidenswert zugleich, Serkis’ Schauspiel wird in der Animation perfekt übernommen. Fraglich ist ja leider, ob wir in den weiteren „Hobbit“-Filme noch einmal etwas von ihm zu sehen bekommen. Zu wünschen wäre es.
Auch alle anderen Schauspieler, und sieht man sie auch nur in Cameos (wie Christopher Lee oder Elijah Wood), sind perfekt besetzt. Sir Ian McKellan bringt das nötige Augenzwinkern für seinen Gandalf der Graue mit und Richard Armitage die nötige Ernsthaftigkeit und Anführerausstrahlung für Thorin. Bei zwölf weiteren Zwergen fiel es mir schon schwer, sie alle auseinanderzuhalten, aber Aidan Turner und Dean O’Gorman (als Fili bzw. Kili) oder Graham McTavish als Dwalin stachen schon heraus.
Ein weiteres Plus ist die gesamte technische Ausführung des Films: Er sieht einfach wunderbar aus. Nicht nur die schwelgerischen Kamerafahrten über Neuseelands Gebirge und Wälder sind großartig, auch die Sets und Kostüme sind – wie nicht anders zu erwarten – mir großer Liebe zum Detail gearbeitet.
Die Computeranimationen sind ebenfalls sehr gut (besonders nach wie vor Gollum), wirkten allerdings manchmal im Rundum-Schwenk etwas künstlich. Das könnte allerdings auch am 3D gelegen haben, welches ich nicht unbedingt gebraucht hätte – aber gut gemacht ist es.
Besonders gut hat mir auch die Musik von Howard Shore gefallen, die altbekannte Themen aus „Der Herr der Ringe“ mit neuen verbindet (z. B. das wunderbare „Misty Mountains“ Thema).
Die Handlung schreitet in einem recht angenehmen Tempo voran, wobei für mich persönlich die ein oder andere Kürzung nicht weh getan hätte. Das war mir etwas zu viel „Zwerge beim Abendessen“ oder „Triff Radagast den Braunen“, meine Freundin hat es allerdings kein bisschen gestört, sie fand z. B. gerade Radagast sehr unterhaltsam. Ist also wohl einfach Geschmackssache.
Der Humor ist möglicherweise auch nicht immer jedermanns Sache, da er sich häufig darauf verlässt, die Zwerge irgendetwas Blödes anstellen zu lassen. Hier darf man dann seinen Unmut gen Tolkien wenden, denn anders war es in der Buchvorlage auch nicht. Und die Parallelen zu „Die Gefährten“, was den Ablauf angeht, lassen sich ebenfalls auf die Vorlage zurückführen. Dafür hat Jackson einige andere Dinge verändert (so trifft Bilbo auf die Trolle, wenn er bereits mit den Zwergen unterwegs ist), was mich allerdings nicht sonderlich gestört hat und normalerweise erzählerisch Sinn macht.
An sich war es einfach schön, wieder in die Welt von Mittelerde einzutauchen, sozusagen ein Wiedersehen mit ein paar alten Bekannten und vielen interessanten neuen Leuten. Freuen wir uns nun auf den Drachen Smaug, die Erlebnisse im Düsterwald, Beorn und Bard und vermutlich eine ziemlich große Schlacht im letzten Teil.
Fazit: Für jeden, der sich halbwegs für das Genre Fantasy interessiert, ist „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“ ein absolutes Muss. Eine perfekte Besetzung, eine sehr gute technische Umsetzung und die Liebe der Macher zu dieser von Tolkien kreierten Welt sorgen dafür, dass der Film seinem Vorgänger „Der Herr der Ringe“ gerecht wird. Und jetzt geht die elende Warterei wieder los...
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Wie man auf so ziemlich jeder Pressekonferenz und in jedem Interview lesen konnte, unterbrach Jackson die Filmproduktion, nur damit Martin Freeman die Rolle des Bilbo übernehmen konnte, obwohl er an die „Sherlock“-Produktion gebunden war. Und man kann es nicht anders sagen: Eine bessere Entscheidung hätte Jackson nicht treffen können. Freeman ist möglicherweise das Beste am ganzen Film. Sein Timing, gerade in komödiantischen Szenen, ist perfekt, sodass z. B. seine Reaktion auf das erste Zusammentreffen mit der Zwergentruppe wirklich lustig ausfällt, während das Rätselspiel zwischen Bilbo und Gollum gleichzeitig spannend und unterhaltsam ist. Aber auch in ernsten Szenen ist er vollkommen überzeugend und verleiht Bilbos Wandlung vom Angsthasen zum Retter in der Not die notwendige Glaubwürdigkeit.
Und überhaupt, Gollum! Er war ja schon in der Ursprungstrilogie ein Fanliebling, aber hier ist er beinahe noch besser. Andy Serkis hatte nach eigenen Angaben etwas Probleme, wieder in diese Rolle hineinzufinden, aber davon merkt man keine Spur. Gollum ist beängstigend und bemitleidenswert zugleich, Serkis’ Schauspiel wird in der Animation perfekt übernommen. Fraglich ist ja leider, ob wir in den weiteren „Hobbit“-Filme noch einmal etwas von ihm zu sehen bekommen. Zu wünschen wäre es.
Auch alle anderen Schauspieler, und sieht man sie auch nur in Cameos (wie Christopher Lee oder Elijah Wood), sind perfekt besetzt. Sir Ian McKellan bringt das nötige Augenzwinkern für seinen Gandalf der Graue mit und Richard Armitage die nötige Ernsthaftigkeit und Anführerausstrahlung für Thorin. Bei zwölf weiteren Zwergen fiel es mir schon schwer, sie alle auseinanderzuhalten, aber Aidan Turner und Dean O’Gorman (als Fili bzw. Kili) oder Graham McTavish als Dwalin stachen schon heraus.
Ein weiteres Plus ist die gesamte technische Ausführung des Films: Er sieht einfach wunderbar aus. Nicht nur die schwelgerischen Kamerafahrten über Neuseelands Gebirge und Wälder sind großartig, auch die Sets und Kostüme sind – wie nicht anders zu erwarten – mir großer Liebe zum Detail gearbeitet.
Die Computeranimationen sind ebenfalls sehr gut (besonders nach wie vor Gollum), wirkten allerdings manchmal im Rundum-Schwenk etwas künstlich. Das könnte allerdings auch am 3D gelegen haben, welches ich nicht unbedingt gebraucht hätte – aber gut gemacht ist es.
Besonders gut hat mir auch die Musik von Howard Shore gefallen, die altbekannte Themen aus „Der Herr der Ringe“ mit neuen verbindet (z. B. das wunderbare „Misty Mountains“ Thema).
Der Humor ist möglicherweise auch nicht immer jedermanns Sache, da er sich häufig darauf verlässt, die Zwerge irgendetwas Blödes anstellen zu lassen. Hier darf man dann seinen Unmut gen Tolkien wenden, denn anders war es in der Buchvorlage auch nicht. Und die Parallelen zu „Die Gefährten“, was den Ablauf angeht, lassen sich ebenfalls auf die Vorlage zurückführen. Dafür hat Jackson einige andere Dinge verändert (so trifft Bilbo auf die Trolle, wenn er bereits mit den Zwergen unterwegs ist), was mich allerdings nicht sonderlich gestört hat und normalerweise erzählerisch Sinn macht.
An sich war es einfach schön, wieder in die Welt von Mittelerde einzutauchen, sozusagen ein Wiedersehen mit ein paar alten Bekannten und vielen interessanten neuen Leuten. Freuen wir uns nun auf den Drachen Smaug, die Erlebnisse im Düsterwald, Beorn und Bard und vermutlich eine ziemlich große Schlacht im letzten Teil.
Fazit: Für jeden, der sich halbwegs für das Genre Fantasy interessiert, ist „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“ ein absolutes Muss. Eine perfekte Besetzung, eine sehr gute technische Umsetzung und die Liebe der Macher zu dieser von Tolkien kreierten Welt sorgen dafür, dass der Film seinem Vorgänger „Der Herr der Ringe“ gerecht wird. Und jetzt geht die elende Warterei wieder los...
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Montag, 20. Februar 2012
"Sherlock" (BBC): Die 2. Staffel - na endlich!

Nach der nicht nur in Großbritannien, sondern auch bei uns in Deutschland recht erfolgreichen 1. Staffel, lief nun im Januar die 2. Staffel der TV-Serie „Sherlock“ im britischen Fernsehen. Für die Fans der ersten Stunde hatte das Warten nun nach anderthalb Jahren endlich ein Ende. Die Produzenten Steven Moffat und Mark Gatiss hatten dieses Mal überhaupt keine Lust auf Bescheidenheit und haben sich drei der bekanntesten und beliebtesten "Sherlock Holmes"-Geschichten zur Adaption ausgesucht: „A Scandal in Belgravia“, „The Hounds of Baskerville“ und „The Reichenbach Fall“. Diese Folgen basieren auf der Kurzgeschichte „Ein Skandal in Böhmen“ ("A Scandal in Bohemia"), in welcher Holmes auf die faszinierende Irene Adler trifft – die einzige Frau, die ihn je geschlagen hat; dem Roman „Der Hund der Baskervilles“ ("The Hound of the Baskervilles"), der Holmes und Watson einen dämonischen Hund jagen lässt; und der weiteren Kurzgeschichte „Das finale Problem“ ("The Final Problem"), in der es zum verhängnisvollen Treffen zwischen Holmes und seiner Nemesis Professor Moriarty an den Schweizer Reichenbach-Wasserfällen kommt.
Staffel 2 bringt uns also zuerst den "Scandal in Belgravia" (einem wohlhabenden Stadtbezirk Londons). Sherlock (Benedict Cumberbatch) und John (Martin Freeman) teilen sich nun seit einigen Monaten eine Wohnung in der Baker Street 221 b. Johns Blog erfreut sich großer Beliebtheit und Sherlock wird beinahe schon eine kleine Berühmtheit in der Presse („Hat-Man and Robin“). Eines Tages werden die beiden von Mycroft Holmes (Mark Gatiss) in den Buckingham Palace bestellt. Eine höchst delikate Angelegenheit bedarf der Klärung – dem Secret Service wurde von Irene Adler (Lara Pulver), einer Dominatrix für höchste Kreise mit entsprechendem Ruf, zugetragen, dass sie einige kompromittierende Fotos auf ihrem Handy hat, die eine hochrangige Person des Königlichen Hofes zeigen. Sherlock bekommt den Auftrag, das Handy zu besorgen. Nur ist Irene Adler sehr viel cleverer, als zunächst vermutetet. Und damit für Sherlock unglaublich faszinierend. Aber geht es Miss Adler nur darum, sich mit Sherlock zu messen, oder steckt mehr hinter der ganzen Sache?

In "The Hounds of Baskerville" geht es um Henry Knight (Russell Tovey) und den 20 Jahre zurückliegenden Tod seines Vaters. Als Kind hatte Henry mitansehen müssen, wie sein Vater von einem riesigen schwarzen Hund getötet wurde, was ihn all die Jahre verfolgt hat. Jetzt ist er an den Ort des Geschehens, sein Heimatdorf in Dartmoor, zurückgekehrt. Er sucht Hilfe bei Sherlock, und da dieser gerade keinen anderen Fall hat (außer das leuchtende Kaninchen Bluebell) und der Tatort in interessanter Nähe zum hermetisch abgeriegelten Regierungs-Forschungszentrum Baskerville liegt, sagt er zu und fährt mit John nach Dartmoor.
Sherlock nimmt die Geschichte vom schwarzen Höllenhund zuerst nicht ernst, und besucht mit John Baskerville, wo er sich als sein Bruder Mycroft ausgibt und das Ganze als kurze unangekündigte Überprüfung tarnt. Er lernt Dr. Stapleton (Amelia Bullmore) kennen, die genetische Experimente mit Tieren durchführt. Sherlocks Tarnung fliegt beinahe auf, aber Dr. Frankland (Clive Mantle), der ein großer Fan Sherlocks ist, kommt den beiden zu Hilfe.
Nach einer nächtlichen Untersuchung des Tatorts wird Sherlock jedoch gezwungen, seine bisherigen Schlussfolgerungen zu überdenken. Zum ersten Mal kommen ihm Zweifel an dem, was er gesehen hat und zu wissen glaubte…
Die letzte Folge, "The Reichenbach Fall", geht schließlich auf das große Duell zwischen Sherlock und Jim Moriarty (Andrew Scott) ein. Sherlock ist mittlerweile eine richtige Berühmtheit geworden und wird in der Presse gefeiert (sein erster großer, prestigeträchtiger Fall war das Aufspüren des gestohlenen Gemäldes "Die Reichenbach-Fälle"); John als sein Assistent und gleichzeitiger Ruhepol immer an seiner Seite.
Moriarty erscheint wieder auf den Plan mit einem unglaublichen Verbrechen: Dem Diebstahl der Kronjuwelen. Beim anschließenden Gerichtsverfahren tritt Sherlock als Kronzeuge auf, aber trotz der hieb- und stichfesten Beweise wird Moriarty freigesprochen. Damit hat sein Spiel mit Sherlock aber gerade erst begonnen, denn Moriarty will Sherlock zerstören, wie er es bereits bei ihrem letzten Zusammentreffen andeutete. Die Ereignisse spitzen sich zu und alles deutet auf nur einen möglichen Ausgang hin...

Staffel 1 war damals eine große Überraschung und auch ein kleines Experiment – wie würde das Publikum auf eine im 21. Jahrhundert spielende Version von „Sherlock Holmes“ reagieren? Nun, die Antwort war: Sehr enthusiastisch. Die Episoden 1 und 3 („Ein Fall von Pink“ und „Das große Spiel“) wurden in Großbritannien von über 9 Mio. Zuschauern gesehen, Folge 2 („Der blinde Banker“) von etwas über 8 Mio., was immer noch ein sehr gutes Ergebnis ist. In Deutschland fiel die Ausstrahlung der ARD in das Ende der Sommerferien, aber dennoch sank der Marktanteil nie unter den Senderschnitt, und war beim Auftakt mit 4,42 Mio. Zuschauern sogar bei 16,9 %.
Staffel 2 übertraf die Werte der vorangegangenen Staffel sogar noch: Den Auftakt sahen 10,66 Mio. Briten, das Staffelfinale „noch“ 9,78 Mio. (wobei hier auch die Ausstrahlung um eine ganze Stunde nach hinten verschoben wurde; ein sarkastisches „Danke“ von all den ausländischen Fans, deren Zeit vor der Großbrittaniesn liegt...). Wir dürfen gespannt sein, wie sich die 2. Staffel bei ihrer deutschen Erstausstrahlung macht.
Jetzt habe ich euch Fakten ohne Ende um die Ohren gehauen, ohne darauf einzugehen, wie gelungen die neue Staffel denn nun eigentlich ist. Hohe Einschaltquoten sagen ja noch längst nichts über die Qualität aus...
Aber ich kann euch beruhigen: Die Staffel kann das Niveau der ersten Staffel ohne Probleme halten, ja ich würde sogar sagen, sie übertrifft es größtenteils sogar!
Meine Einschätzung
„A Scandal in Belgravia“ ist eine absolut großartige Folge mit vielen Wendungen, herrlichen Charaktermomenten, und einer guten Prise Humor und Drama. Geschrieben wurde sie von Steven Moffat, der offensichtlich in Interviews immer genau das Gegenteil von dem sagt, was er dann letztendlich in der Serie zeigt. *seufz* Lara Pulver ist eine wahre Freude als Irene Adler, die so ihre ganz eigene Art hat, um Sherlock aus dem Konzept zu bringen. Sie ist eine faszinierende Person und Pulver wird ihr in jeder Situation gerecht – sei es als undurchschaubare Kontrahentin oder als beinahe verletzliche Hilfesuchende.
Mark Gatiss darf hier seine Rolle des Mycroft Holmes verstärkt ausbauen, und er schafft es diesen so distanzierten Charakter dem Zuschauer näher zu bringen.
„Scandal“ bietet einige unglaublich lustige Szenen (großartige Montage zu Beginn, die einige Fälle aufgreift) und schafft es, die tiefe Freundschaft zwischen Sherlock und John zu unterstreichen, obwohl der Fokus der Geschichte an sich eher auf Irene Adler liegt. Außerdem bietet diese Folge einige der besten und kreativsten Schnitte der gesamten Serie (s. weiter u.).

„The Hounds of Baskerville“ weicht an einigen Stellen deutlich von der Vorlage ab, nur um dann doch wieder bestimmte Elemente sehr schön einzubinden. So wird z. B. auf den Ritterstand des Sir Henry aus dem Roman dadurch eingegangen, dass Henry hier Knight mit Nachnamen heißt. In Baskerville tragen einige der Charaktere Namen aus dem Roman (Major Barrymore, Dr. Stapleton) und natürlich gibt es die Geschichte vom schwarzen Höllenhund.
Diese Folge wurde von Mark Gatiss geschrieben und er legte v. a. Wert darauf, eine möglichst unheimliche Atmosphäre zu kreieren, da „Der Hund der Baskervilles“ im Grunde Arthur Conan Doyles kleiner Ausflug ins Horror-Genre war.
Russell Tovey als Henry ist toll, v. a. in einer erinnerungswürdigen Szene, bei der er denkt, in seinem Garten den schwarzen Hund zu sehen – sehr gut inszeniert, toll gespielt und musikalisch effektvoll untermalt. Der schlimmste Horror liegt immer in dem, was wir uns vorstellen.
Sherlock und John bekommen einige sehr schöne Szenen, die noch einmal unterstreichen, wie gut sie zusammenarbeiten (als es Probleme in Baskerville gibt, springt John ein und benutzt ohne Zögern seinen Rang als Captain, um Zugang zu bekommen) und wie wichtig sie füreinander sind („I don’t have friends. I just have one.“).
Für Fans scheint diese Folge die schwächste der neuen Staffel zu sein, allerdings liegt das wohl eher daran, dass die Handlung dieses Mal eher geradlinig ist und sich eher auf Atmosphäre und die Beziehungen der Charaktere zueinander konzentriert. Und wenn ich sage „schwächste“, meine ich immer noch: Großartige Folge, aber man muss weniger denken. *g* Was ja auch mal ganz schön ist.
Und dann haben wir das große Finale, „The Reichenbach Fall“. Geschrieben wurde diese Folge von Stephen Thompson, der auch schon „Der blinde Banker“ schrieb, welche von den meisten Fans als die schlechteste aller Folgen angesehen wird. Entsprechend gab es unter den Fans einige, die Sorge hatten, dass gerade diese letzte wichtige Folge den Erwartungen nicht gerecht wird.
Zum Glück wurden diese Befürchtungen nicht Realität. „The Reichenbach Fall“ ist eine emotionale Achterbahnfahrt. Hier wird die Loyalität einiger Charaktere auf eine harte Probe gestellt, und sie zeigt, wie Freundschaft Menschen verändern kann. Gleichzeitig ist diese Folge aber auch ein Kommentar zur Medienwelt, die sich ihre Stars zuerst aufbaut, um sie dann mit großer Freude kurz darauf in der Luft zu zerfetzen. Wir lernen sogar eine Sensationsreporterin kennen: Kitty Riley (Katherine Parkinson) hat Informationen und sie wird sie nutzen.

Die Schauspieler
Und natürlich ist gerade „The Reichenbach Fall“ auch die Möglichkeit schlechthin für Benedict Cumberbatch, Martin Freeman und Andrew Scott zu zeigen, was sie schauspielerisch zu leisten im Stande sind.
Cumberbatch spielt Sherlock als jemanden, der eine Entwicklung durchgemacht hat seit seinem ersten Zusammentreffen mit John Watson und sich durchaus zum Positiven verändert hat. Er ist immer noch rational, logisch denkend, meist absolut taktlos usw., aber er hat für sich akzeptiert, dass es eben doch Menschen gibt, die ihm etwas bedeuten. Und er handelt entsprechend. Cumberbatch bedient im Grunde das gesamte Spektrum an Emotionen und ist absolut großartig. Für seine Leistung in der großen Konfrontationsszene (und ihr Nachspiel) allein hat er schon alle Auszeichnungen verdient, die es so gibt.
Andrew Scott hat in dieser Folge seinen großen Auftritt, nachdem wir ihn zuvor immer nur recht kurz gesehen haben. Moriarty ist jemand, der immense Mittel zur Verfügung hat, um alles genau so zu inszenieren, wie er es gerne hätte. Er langweilt sich, und deshalb hat er Spaß daran, sich mit Sherlock zu messen, wobei er nie einen Hehl daraus macht, wie er das Ganze zu enden wünscht: Mit Sherlocks Tod. Und ohh, er ist gut! Scott zeigt hier einige Facetten, die wir vorher von Moriarty so nicht gesehen haben, und es war wunderbar, ihm dabei zuzuschauen. Wüsste ich es nicht besser, ich hätte ihm geglaubt. *g*
Martin Freeman schließlich liefert hier ein für allemal den Grund, warum Peter Jackson nur ihn für die Titelrolle in seinem „The Hobbit“-Großprojekt haben wollte und sogar die Produktion verschob, damit Freeman „Sherlock“ drehen konnte. Er ist grandios. Seine letzte Szene ist wohl das Ergreifendste, was wir in dieser Serie bisher zu sehen bekamen, dabei dennoch zurückhaltend und real... wäre ich nicht noch von den vorangegangenen Ereignissen schockiert gewesen, wären mir wohl die Tränen gekommen. Er ist perfekt, das muss man einfach anerkennen. Er gewann bereits einen BAFTA für diese Rolle, und ich hoffe, dass in Kürze der nächste folgt. Alles andere wäre eine Ungeheuerlichkeit. Mein größtes Problem ist hier übrigens gerade, dass ich nicht so viel zu seiner Leistung sagen kann ohne extrem zu spoilern. *g* Glaubt mir also einfach wenn ich sage: Freeman liefert eine herzergreifende, realistische, tiefgründige und teilweise richtig lustige Leistung ab. Er ist der Meister der pointierten Reaktion.
Erwähnt sei auf jeden Fall auch noch Rupert Graves als Detective Inspector Greg Lestrade (ja, jetzt mit dem Vornamen als Bonus! *g*), der in "Hounds" mal kurz vorbeischaut (und einen verdammt coolen Auftritt hinlegt), sowie einige sehr gute Momente in "Fall" hat.
Una Stubbs als Mrs. Hudson ist die Seele in 221 b und darf beweisen, dass sie dazu noch eine recht clevere Frau ist, die selbst in Extremsituationen noch besonnen reagiert.
Natürlich sind alle weiteren Nebendarsteller ebenfalls sehr passend besetzt, und Lou Brealey als Molly Hooper, die Ärztin aus der Pathologie, bekommt auch endlich ihre Gelegenheit zu scheinen.
Kurz zur technischen Seite: Wie schon weiter oben erwähnt ist der Schnitt und allgemein die Cinematografie nach wie vor vom Feinsten und einfach mal „was anderes“. Es hat mich nie abgelenkt, sondern ließ mich einfach nur kurz denken, „Wow, cool!“ – ich hoffe, dass Fabian Wagner und Charlie Phillips dafür einige Preise einheimsen.
David Arnolds und Michaels Prices Musik verwendet einige der altbekannten Themen und fügt einige sehr gute neue hinzu (gerade ein Thema aus „Scandal“ ist wunderbar dramatisch). Der Soundtrack zu Staffel 1 ist bereits erhältlich (Laufzeit knapp 60 min, mit einer guten Auswahl an wichtigen musikalischen Themen), der zu Staffel 2 erscheint Anfang März.
Eine dritte Staffel hat bereits von der BBC grünes Licht bekommen. Der zuerst von Moffat anvisierte Starttermin im Januar 2013 ist allerdings leider sehr unwahrscheinlich: Beide Hauptdarsteller sind nämlich derzeit gut beschäftigt – Benedict Cumberbatch wird im neuen „Star Trek“ dabei sein und Martin Freeman hat noch dieses kleine Projekt in Neuseeland. Die Fans können sich also vermutlich wieder auf die furchtbar lange Wartezeit von anderthalb Jahren einstellen. Aber man ist ja bereits abgehärtet. *g*
Die ARD zeigt Staffel 2 von „Sherlock“ dieses Jahr kurz vor und zu Pfingsten, und zwar am 17., 27. und 28. Mai. Die einzige Frage, die sich mir zur deutschen Fassung im Moment stellt: Hat man es beim Drehbuch für die Synchronisation geschafft, dass Sherlock und John sich mittlerweile mit "Du" ansprechen? Weiter auf das "Sie" zu pochen, wäre nun tatsächlich ziemlich unglaubwürdig, zurückhaltende Engländer hin oder her. *g*
Fazit: "Sherlock" ist nach wie vor eine fantastische Adaption der "Sherlock Holmes"-Geschichten. Der Zuschauer bekommt in Staffel 2 drei richtig große neue Folgen geboten, mit einer Menge Spannung, tollen Dialogen und Charakterisierungen, einer ordentlichen Portion Humor und... Emotionen. Wie soll man das in Staffel 3 noch toppen? *g*
Ansonsten bleibt mir nicht mehr viel zu sagen außer:
GIFs von tumblr.
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Mittwoch, 21. Dezember 2011
Erster "The Hobbit" Trailer

Es ja hat lange genug gedauert, mit dem ganzen Hin und Her um Rechte und Studiozickereien und Regisseursuche etc., aber jetzt gibt es einen Trailer, also passiert die Verfilmung von J. R. R. Tolkiens "Der Herr de Ringe"-Vorgänger "Der kleine Hobbit" tatsächlich. *g* Ich freue mich schon sehr auf diesen Film, der dann wohl mein Weihnachtsfilm im nächsten Jahr wird.
Ich finde, das sieht schon mal großartig aus. Es ist schön, dass Peter Jackson doch noch als Regisseur zurückgekehrt ist (obwohl ich auch gerne Guillermo del Toros Version gesehen hätte), die Atmosphäre stimmt, die Schauspieler kehren entweder zurück (u. a. Ian McKellan, Cate Blanchett, Ian Holm) oder wurden sehr gut für die neuen Rollen ausgewählt.
Besonders begeistert bin ich natürlich über Martin Freemans Beteiligung in der Hauptrolle als Bilbo Beutlin. Auch Richard Armitage als Thorin Eichenschild, Anführer der Zwerge, macht mich glücklich, da ich ihn großartig in der BBC-Verfilmung von Elisabeth Gaskells Roman "North and South" fand. Vom Drachen Smaug gab's natürlich noch nichts zu sehen, aber es ist doch schön, dass hier Freemans "Sherlock"-Kollege Benedict Cumberbatch mit dabei ist und Smaug seine Stimme leiht. Da werd ich den Film wohl im Original gucken müssen... *g*
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Mittwoch, 31. August 2011
"Sherlock" (BBC): Fantastisch! Großartig! Fabelhaft! Noch mehr Superlative!

Sherlock Holmes und sein Freund Dr. John Watson sind seit dem Erscheinen von Sir Arthur Conan Doyles erstem Roman, „Eine Studie in Scharlachrot“ (1887), zu Kultfiguren geworden und aus der Literatur nicht mehr wegzudenken. Neben den von Conan Doyle selbst herausgegebenen Romanen und Erzählungen, gibt es unzählige Adaptionen und Anlehnungen an sein Werk, nicht nur in der Literatur, sondern schon sehr früh auch als Filme.
Besonders bekannt dürften die Verfilmungen mit Basil Rathbone von 1939 sowie die britische TV-Serie mit Jeremy Brett sein, wobei gerade letztere ein sehr hohes Ansehen genießt. 2009 schaffte Guy Ritchie es, mit Robert Downey Jr. und Jude Law in den Hauptrollen Holmes für das actionorientierte Publikum erfolgreich aufzubereiten, wobei die Handlung jedoch immer noch im London der Königin Victoria spielt.
Aber so leicht wollte es sich die BBC nicht machen. Die hatte nämlich von Steven Moffat und Mark Gatiss, die beide stark an der äußerst erfolgreichen „Doctor Who“-Wiederbelebung beteiligt sind, in 2009 ein äußerst interessantes Konzept vorgelegt bekommen. Warum nicht Sherlock Holmes in der Gegenwart leben lassen und im modernen London des 21. Jahrhunderts Verbrechen auf seine so einzigartig arrogante Art aufklären lassen? Ein Pilotfilm wurde gedreht, der die BBC zumindest genug überzeugte, um drei Folgen à 90 min in Auftrag zu geben. Diese wurden im Sommer 2010 im britischen Fernsehen ausgestrahlt und wurden zu riesigen Quotenerfolgen. Absolut zu Recht.
In der ersten Episode „Ein Fall von Pink“ („A Study in Pink“) kreuzen sich durch Zufall die Wege des genialen Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch), Consulting Detective („Ich habe den Beruf erfunden.“), und Dr. John Watsons (Martin Freeman), welcher Militärarzt war und gerade aus einem recht traumatischen Einsatz in Afghanistan nach London zurückgekehrt ist. Beide brauchen des Geldes wegen einen Mitbewohner und so ziehen sie zusammen bei Mrs. Hudson in der Baker Street 221 b ein. Watson ist von Holmes arroganter Art und seinem Blick für’s Detail einerseits sehr irritiert, andererseits aber auch fasziniert, und als Inspector Lestrade (Rupert Graves) wieder einmal Holmes Hilfe benötigt, kommt Watson mit an den Tatort. Eine Reihe von scheinbaren Selbstmorden beschäftigt die Polizei, aber Holmes hat natürlich längst durchschaut, dass es sich in Wirklichkeit um Mord handelt. Und er lässt sich auf ein gefährliches Spiel mit dem Mörder ein...
Diese erste Episode orientiert sich sehr stark an Conan Doyles erstem Roman „Eine Studie in scharlachrot“ und ist ein absolut genialer Auftakt. Wie sich Holmes und Watson kennenlernen ist im Grunde aus dem Roman übernommen, genauso wie Holmes Schlussfolgerungen bezüglich Watsons militärischer Vergangenheit. Auch gewisse Umstände am Fundort der Leiche mit dem pinkfarbenen Mantel weisen Parallelen zum Roman auf, und bei der Auflösung hat man das Ganze einfach auf die Moderne übertragen. Wer ein richtiger Holmes-Kenner ist, wird natürlich noch massenweise andere Kleinigkeiten finden. Mein liebstes Kleinod ist ja, dass Watson zu Beginn hinkt, was allerdings psychosomatisch bedingt ist. Wirklich angeschossen wurde er im Krieg in die Schulter. Dies ist eine Anspielung darauf, dass Conan Doyle sich wohl nicht so ganz entscheiden konnte: Im ersten Roman war die Verletzung an der Schulter, im nächsten am Bein. *g*

In Episode 2, „Der blinde Banker“ („The blind Banker“), wird Holmes von einem alten Studienkollegen um Hilfe gerufen, da in seiner Bank seltsame Schriftzeichen an die Wand gemalt wurden. Kurz darauf findet Holmes einen der Bankangestellten tot in seinem von innen verriegelten Appartement. Ein weiterer Toter, der unter ähnlichen Umständen stirbt und anscheinend ebenfalls die Schriftzeichen zu sehen bekam, weist auf eine kriminelle Vereinigung hin. Holmes und Watson verschlägt es nach Chinatown, wobei auch noch Watsons Date Sarah in die ganze Sache hineingezogen wird.
Für diese Episode wurden ebenfalls Elemente aus diversen Holmes-Erzählungen übernommen, auch wenn sie nicht so klar einem bestimmten Roman zuzuordnen sind. So tauchen auch in „Die tanzenden Männchen“ Schriftzeichen auf, die große Angst bei denen auslösen, die sie sehen sollen. Anspielungen auf u. a. „Das Zeichen der Vier“ oder „Im Tal der Angst“ finden sich ebenfalls.
Diese Episode ist nicht ganz so gut wie die erste, da die Handlung hin und wieder etwas weit hergeholt und klischeehaft erscheint. Aber es gibt ja noch die dritte Episode...
In "Das große Spiel" ("The great Game") bekommen Holmes und Watson es mit einem besonders cleveren Bombenleger zu tun, der sie in ein perfides Spiel verwickelt: Irgendwo in London, an einem belebten Ort, steht eine gekidnappte Person mit einer Ladung Sprengstoff um den Hals, mit der man ein Hochhaus sprengen könnte. Holmes hat nur ein paar Stunden Zeit, um einen vom Bombenleger ausgesuchten Kriminalfall (nicht immer Mord) zu lösen, ansonsten lässt dieser die Bombe explodieren. Holmes hat in diesem Kerl seinen Meister gefunden; und sollte es tatsächlich Moriarty sein, kann er dann einem Aufeinandertreffen widerstehen?
Diese letzte Folge beendet die Staffel buchstäblich mit einem Knall. Hier stimmt wieder absolut alles: Spannende Fälle, die Zuspitzung der Ereignisse, die allesamt auf das Unausweichliche zusteuern: Das von beiden Parteien herbeigesehnte Aufeinandertreffen von Holmes und Moriarty. Hier gibt es auch wieder klarere Parallelen zu den Erzählungen von Conan Doyle, so wurde z. B. ein Teil des Enddialoges fast wörtlich aus "Das letzte Problem" entnommen. Außerdem hat man sich einen Handlungsstrang aus „Die-Bruce-Partington-Pläne“ geschnappt, sowie schöne Parallelen im Bezug auf Watsons Berichterstattung (im Original als eine Art Biographie, in der Serie als Blog) eingebaut.
Was ist nun an dieser Serie so gut? Alles! Moffat und Gatiss liefern dem Zuschauer großartige Unterhaltung und haben bereits jetzt eine neue Kultserie kreiert. Aber gut, "alles" ist natürlich kein besonders stichhaltiges Argument, sondern nur eine kühne Behauptung. *g* Gehen wir also ein wenig ins Detail.

Die Darsteller
Mit Benedict Cumberbatch („Abbitte“) hat man einen Glücksgriff getan (und wie man hört, stand nie ein anderer Darsteller zur Debatte: er war von Anfang an die erste Wahl). Er wirkt wie ein Gentleman, sein ausdrucksstarkes Gesicht spiegelt Holmes Innenleben perfekt wieder, er hat die nötige Arroganz und Rationalität, um eine glaubhafte, moderne Inkarnation von Conan Doyles Meisterdetektiv zu sein.
Aber was wäre Holmes ohne seinen treuen, mitunter leicht genervten Freund Dr. Watson? Martin Freeman ("Per Anhalter durch die Galaxis" und nächstes Jahr "Der Hobbit") ist absolut perfekt für die Rolle. Er wurde aus mehreren Kandidaten ausgewählt, u. a. weil die Chemie zwischen ihm und Cumberbatch stimmte. Sein Dr. Watson hat das Aussehen eines Durchschnittstypen, hinter dem sich aber ein kluger Kopf verbirgt. Was seine Therapeutin nicht schafft, gelingt dem leicht durchgeknallten Holmes: Er reißt Watson aus seiner Lethargie. Man nimmt es Watson vollkommen ab, dass er Holmes Genialität einerseits bewundert, andererseits seine Art aber nicht immer gutheißt und sich öfters über ihn ärgert. Schön ist an Freemans Interpretation auch, dass er nicht nur der leicht dusselige Sidekick ist, sondern wirklich Holmes Kollege und ihm auf Augenhöhe begegnen kann.
Auch alle anderen Darsteller sind sehr gut ausgewählt. Rupert Graves als Inspektor Lestrade ist resigniert genug, um sich doch immer wieder an Holmes zu wenden, der ihn seine Überlegenheit gerne spüren lässt. Als Mrs. Hudson bringt Una Stubbs gute Stimmung mit und kriegt immer wieder schöne Szenen ab.
Zoe Telford als Watsons Date Sarah in Episode 2, Louise Brealey als die ziemlich in Holmes verliebte Laborangestellte Molly und Jonathan Aris als spöttischer und Holmes absolut nicht leiden könnender Polizist Anderson sind ebenfalls immer wieder gern gesehene Darsteller.
Besonders erwähnen muss man noch Mark Gatiss als Holmes Bruder Mycroft, der zeitweise die britische Regierung persönlich ist und auch ansonsten immer ein Auge auf seinen Bruder hat, welcher davon natürlich überhaupt nicht begeistert ist. Die beiden führen einen herrlichen Kleinkrieg. Und ich darf natürlich auch nicht Andrew Scott als James Moriarty vergessen! Wie er die Rolle anlegt ist meines Wissens nach mal was Neues - absolut überdreht, psychopathisch, ein verrücktes Genie eben, der unglaublich Spaß daran hat sich mit Holmes zu messen. Zur Abwechslung ist es außerdem auch mal ganz nett, dass es sich bei ihm nicht um einen grauhaarigen Professor handelt…
Die Übertragung ins 21. Jahrhundert
Warum auch nicht? Ich hätte es langweilig gefunden, wenn man den „echten“ Holmes durch irgendeine verrückte Idee in unsere Zeit teleportiert hätte (obwohl, ist auch schon da gewesen), aber die Charaktere im 21. Jahrhundert leben zu lassen und ihre Gewohnheiten entsprechend anzupassen, das hat was. Und ist auch gar nicht so einfach.
Sherlock Holmes experimentierte gern herum, verschickte ständig Telegramme, hatte sich ein nützliches Netz aus Straßenkindern aufgebaut, die ihn mit Informationen versorgten, und war dafür bekannt, dass er zwar die Lebensgeschichte eines Menschen an seiner Kleidung ablesen konnte, sich aber für triviale Dinge wie „Erde kreist um Sonne“ überhaupt nicht interessierte.
In „Sherlock“ hat er ebenfalls überall in der Wohnung Sachen für Experimente rumliegen (der Kopf im Kühlschrank...), verschickt statt Telegrammen SMS (und ist auch ansonsten sehr technikaffin!) und bedient sich nun des Untergrundnetzwerkes der Obdachlosen. An seiner Ignoranz, was alltägliche Dinge angeht, hat sich ebenfalls nichts geändert, und natürlich wohnt er immer noch in de Baker Street 221 b. Jetzt schießt er eben statt einem „V. R.“ einen Smiley in die Wand.
Und auch Watson wurde „upgedated“. Es ist schon irgendwie traurig, dass er, genau wie sein viktorianisches Pendant, aus einem Krieg in Afghanistan zurückkehren kann. Holmes erkennt Watsons Verhältnis zu seiner Schwester nun nicht mehr an seiner Uhr, sondern an seinem Handy, und Watson schreibt kein Buch mehr über seine Abenteuer mit Holmes, sondern führt einen Blog ( wunderbar! Schaut’s euch an!).
Das alles macht einfach schon deswegen Spaß, weil man sich immer ein wenig freut, wenn man mal wieder eine gelungene Übertragung entdeckt hat. Und davon gibt es eine Menge. Hinzu kommen immer wieder die bereits in den Episodenbeschreibungen erwähnten Anspielungen auf alle möglichen Conan-Doyle-Erzählungen, die vermischt werden.
Der Ton macht die Musik
Wäre die Serie nur eine moderne Holmes-Geschichte, angelehnt an aktuelle Krimiserien, es wäre längst nicht so interessant. Sicher, meistens geht es eben genau darum, Holmes und Watson dabei zuzusehen, wie sie einen verzwickten Fall lösen. Dabei sind sie nicht immer sofort erfolgreich und manchmal geht es auch ganz schrecklich schief. Das ist spannend und auch bisweilen sehr dramatisch, v. a. da Watsons Moralvorstellungen gerne einmal mit Holmes Pragmatismus kollidieren.
Aber das Sahnehäubchen auf dem schönen großen Eisbecher, der „Sherlock“ an sich schon ist, ist der immer wieder eingestreute Humor. Gerade Episode 1 bietet einige wirklich gute Lacher, die v. a. aus der Interaktion Watsons mit Holmes heraus entstehen, oder daraus, wie Holmes mit seinen anderen Mitmenschen klarkommt (oder eben auch nicht. So sagt er zu seinem Lieblingspolizeifeind Anderson einmal, „Anderson, nicht laut reden. Sie senken den IQ der ganzen Straße.“). Ein wenig Situationskomik gehört auch dazu (Doch, Mrs. Hudson, die beiden Herren hätten wirklich gerne getrennte Schlafzimmer...!), und wenn man dann bei Moriarty angekommen ist, nun ja... muss man erlebt haben. ;) Nur keine Sorge, Moriarty ist nicht nur Comic Relief!
Hier macht’s wirklich die Mischung aus Spannung, Drama, etwas eigener Knobelei (man kann bei den Fällen tatsächlich ein wenig mitraten und auf vieles auch als Zuschauer kommen) und Humor.
Technische Aspekte
Nicht vergessen sollte man bei all der Lobhudelei auf Darsteller, Handlung etc. aber die technische Seite, v. a. Musik und Schnitt. David Arnold (seit 1997 für die James-Bond-Filme zuständig) und Michael Price komponierten die Musik. Sie erinnert hin und wieder and Hans Zimmers großartige Arbeit für Ritchies „Sherlock Holmes“, klingt modern und ein wenig schräg, also geradezu perfekt für „Sherlock“.
Noch auffälliger als die Musik ist der Schnitt. Das nenne ich mal inspiriert! Schnitt ist ja so eine Sache – ist er schlecht gemacht, kann man im schlimmsten Fall dem Geschehen nicht mehr folgen, ein guter Schnitt fällt dagegen kaum auf. Es sei denn natürlich, er bedient sich auffälliger Stilmittel („Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ wäre so ein Beispiel, in dem viel mit Splitscreens etc. gearbeitet wurde). Und genau das ist hier der Fall. Es zu beschreiben ist irgendwie schwierig; Türen werden geöffnet, verdecken den Hintergrund der vorangegangenen Szene und auf einmal ist man an einem anderen Handlungsort; ein Taxi schiebt sich ins Bild, der Hintergrund verschwimmt und passt sich an... solche Sachen. Ich habe leider keinen brauchbaren Clip dazu finden können. Müsst ihr die Serie eben selbst sehen. ;) Ganz nett ist das Making Of zur deutschen Erstausstrahlung, siehe hier .
Ebenfalls eine gute Idee sind die immer wieder im Bild auftauchenden Texte, wenn z. B. eine SMS gelesen wird. Anstatt auf das Display zu schneiden, wird der Text einfach eingeblendet. Das passiert auch, wenn Sherlock mal wieder durch das Menü seines Handys scrollt – der Zuschauer kann dies direkt mitverfolgen. Nette Idee, und hier ein GIF aus einer der ersten Szenen:
Die Serie wurde mit diversen Preisen ausgezeichnet. So gab es bei den BAFTAs 2011 (dem britischen Fernsehpreis) eine Auszeichnung als Beste Drama-Serie, für Martin Freeman als besten Nebendarsteller und für den besten Schnitt (1. Episode). Außerdem wurde „Sherlock“ von der Royal Television Society als Beste Drama-Serie, für Schnitt, Titelmusik und Bildnachbearbeitung geehrt.
Aufgrund des großen Erfolges wird es eine weitere Staffel mit drei Episoden geben, die Anfang 2012 im britischen Fernsehen ausgestrahlt werden sollen. Diese Episoden werden auf drei der beliebtesten „Sherlock Holmes“-Geschichten basieren: „A Scandal in Bohemia“ (erster Auftritt von Irene Adler), „The Hound of the Baskervilles“ und „The Last Problem“ (der finale Showdown an den Reichenbach-Fällen!). Das klingt doch mal ganz besonders vielversprechend!
Die deutsche Fassung
Okay, es ist offensichtlich wieder mal ein Kleinkrieg unter den Fans ausgebrochen, da man für die deutsche Fassung beschloss, dass Holmes und Watson sich siezen, auch wenn sie sich mit Vornamen anreden. Das kann man jetzt ausdiskutieren oder nicht, mich stört es jedenfalls nicht. Vielleicht möchte man damit eben doch auf die viktorianischen Wurzeln der Geschichte anspielen, oder eben, denn wir sind nun mal bei den Briten *g*, damit die Distanz zwischen den beiden Charakteren wahren; zeigen, dass sie nicht plötzlich die dicksten Kumpel sind. Holmes ist für mich sowieso so ein Charakter, den ich auch eher auf förmlicher Ebene ansprechen würde.
Davon abgesehen halte ich die Übersetzung aber für wirklich gelungen. Man hat sich bei der Übertragung der pointierten Dialoge viel Mühe gegeben, hat auch hin und wieder gute deutsche Entsprechungen gefunden, wenn sich etwas nicht 1 zu 1 übernehmen ließ (nur diese Sache mit „hung“ und „hanged“, welches mit „gehenkt“ und „erschossen“ übersetzt wurde, hätte sich doch exakt übertragen lassen – „gehangen“ und „gehenkt“. Naja, dann eben nicht.).
Die Besetzung der Synchronsprecher stieß auch nicht überall auf Gegenliebe, aber das ist ja typisch – wenn man eine Serie oder einen Film im Original bereits kennt und liebgewonnen hat, ist man da natürlich besonders kritisch. Ich finde, beide Sprecher machen ihre Sache wirklich gut, auch wenn sie in der Tat etwas jünger klingen als man es bei diesen Charakteren erwartet hätte.
Tommy Morgenstern (u. a. Chris Hemsworth in „Thor“) hat natürlich nicht so eine tiefe Stimme wie Benedict Cumberbatch, aber ich finde, er hat die Gefühle des Charakters glaubwürdig rübergebracht. Und Sebastian Schulz (u. a. „Dragonball Z“) passt schon ganz gut auf Martin Freeman. Ich hätte vielleicht ein wenig lieber Philipp Brammer gehört, da dieser Freeman in seiner bisher größten Rolle in „Per Anhalter durch die Galaxis“ sprach, aber wir wollen mal nicht kleinkariert sein. ;)
Die Nebenrollen sind sehr gut besetzt; ich habe mich ganz besonders gefreut, dass Thomas Nero Wolff dabei ist, und Marius Claren als Moriarty ist ... nun ja, wie Moriarty eben ist, der durchgeknallte Kerl.
So, Fazit:
Was gibt es noch zu sagen? Die Serie ist genial! Ich liebe sie! Alles an „Sherlock“ finde ich einfach absolut klasse und bevor ich euch hier mit Superlativen überschütte, belasse ich es einfach bei: Unbedingt anschauen!
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