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Dienstag, 4. Februar 2020

"1917": Sam Mendes und Roger Deakins in Hochform




Ich mag keine Kriegsfilme. Es ist einfach nicht meine Art Film, häufig brutal und dazu noch deprimierend. Denn Kriegsfilme sind heutzutage so gut wie immer auch Anti-Krieg-Filme, die uns die Graumsamkeit und Unmeschlichkeit eines Krieges vor Augen führen sollen, und natürlich keine Propaganda mehr. Und so folgt man meist einer Hauptfigur oder auch einer kleineren Gruppe, die irgendwann mitten im Schlachtengetümmel ist, rechts und links werden Menschen im Kugelhagel niedergemetzelt, evtl. hält man auch gern noch drauf, wenn Körperteile durch Granaten weggesprengt werden, oder ein Helikopter vom Himmel stürzt.

Die Hauptfiguren vollbringen irgendwelche Heldentaten, erfüllen ihre Mission, beenden vielleicht sogar den ganzen Krieg und werden gefeiert – oder sterben zumindest effektvoll als Helden. Und am Ende wird uns wieder gesagt, wie schrecklich Krieg doch ist und dass wir das doch bitte sein lassen sollen. Da sterben schließlich Menschen auf grausame Art. Und wir haben zwei Stunden der Inszenierung eben dieser Todesszenen zugeschaut; den Explosionen, dem Schlachtengetümmel, den Stunts der Kampfflieger, den verstümmelten Körpern, die man so auch aus dem letzten Horrorfilm kennt.


Denn immer ist ein Kriegsfilm, der uns tatsächlich Schlachten zeigt, irgendwo auch ein Spektakel. Und die abgehärtete Jugend von heute sitzt da und denkt sich im schlimmsten Fall nur, was für eine krasse coole Action sie da sieht. Leute, denen der Kopf weggeschossen wird, das kennen sie schließlich aus dem letzten Tarantino; abgetrennte Körperteile aus „Saw“ oder „Hostel“. Denn ja, es werden die Grausamkeiten des Krieges gezeigt, denn wir machen keine Propaganda – aber trotz aller Ernsthaftigkeit braucht es eben doch oft auch Spektakel. Das will das Publikum sehen. Und so verhallt häufig dann doch der vorgesehene Effekt – war schon schlimm damals, aber die Action war schon auch toll.


Natürlich sind nicht alle Filme so, es gibt auch Vertreter mit niedriger Altersfreigabe, die dennoch sehr gut funktionieren und das Publikum fesseln können. Aber viele der Filme, die häufig als moderne Klassiker des Genres angesehen werden, bedienen dieses Spektakel auf gewisse Weise – irgendwann gibt es eine Schlacht, einen Helikopterabsturz, einen Angriff auf beengtem feindlichen Gebiet.

Und deswegen mag ich „1917“. Sehr sogar. Es ist ein Kriegsfilm, den ich mir gerne noch einmal anschauen werde, weil er extrem effektiv und großartig anzusehen ist. Für mein Empfinden hat dieser Film die Grausamkeit und Sinnlosigkeit des Krieges besser illustriert als manch „lauterer“ Vertreter des Genres. Ich werde „Der Soldat James Ryan“ vermutlich nie mehr gucken, „1917“ dagegen schon.

Der Film beginnt mit den beiden jungen Soldaten Blake (Dean-Charles Chapman) und Schofield (George MacKay), denen der Auftrag erteilt wird, einer neun Meilen entfernten Division eine wichtige Nachricht zu überbringen. Die Division soll einen für den nächsten Tag geplanten Angriff absagen, denn neueste Informationen zeigen, dass sie in eine Fallen laufen würden. Da Blakes älterer Bruder zu eben dieser Division gehört, wird der Auftrag zu einer besonders persönlichen Mission. Auf dem Weg liegen das tückische Niemandsland zwischen den Schützengräben und die zerbombte Stadt Ecoust, sowie die allgegenwärtige Angst, jederzeit auf den Feind treffen zu können.


Die beiden Hauptdarsteller sind hervorragend. MacKay kennt man u. a.  aus „Captain Fantastic“ mit Viggo Mortensen. Er spielt den eher vorsichtigen, etwas älteren Soldat mit bereits ernsthafter Kampferfahrung; Chapman's Blake hingegen ist offensichtlich noch nicht so lange an der Front und sieht das Ganze noch als Chance, Ehre für die Familie und das Vaterland zu bringen.


Regisseur Sam Mendes ist gerade bei den Charakteren ein Meister in „Show Don’t Tell“. Es gibt keine typischen „Lagerfeuerszenen“, wo die Protagonisten sich etwas aus ihrer Kindheit erzählen oder über die Liebste sinnieren, die sie heiraten werden, wenn sie nach Hause kommen. Die (wenigen) Dialoge machen die Charaktere lebendig und geben einen kleinen Einblick, wie sie ticken. Gerade der verschlossenen Schofield gewinnt mit der Zeit an Profil. Die Natur des Films (Mission mit engem Zeitlimit) bietet uns nicht viel Gelegenheit, die Charaktere wirklich zu vertiefen – aber das muss sie auch gar nicht. Wir bekommen die Essenz der Charaktere gezeigt, man leidet mit ihnen, und gleichzeitig sind sie eben nur zwei von Millionen von Soldaten, die genauso sind wie die beiden.
Unterstützt werden die beiden eher unbekannten Hauptdarsteller durch berühmte Namen in kleinen, aber wichtigen Nebenrollen. Colin Firth, Benedict Cumberbatch, Mark Strong – sie alle bringen eine gewisse Gravitas mit, die die Autorität ihrer Charaktere unterstreicht. Besonders im Gedächtnis blieb mir auch Andrew Scott („Sherlock“, „Fleabag“), der am Anfang als zynischer Leutnant den beiden Soldaten den Weg erklärt.

Wenn über „1917“ berichtet wird, dann auch immer im Zusammenhang mit Kameraführung und Schnitt. Der Film ist nämlich so gedreht, als gäbe es keine Schnitte (bis auf einen so gewollten „Blackout“). Manche sehen dies als unnötigen Gimmick an, ich fand jedoch, dass es die Spannung sehr stark erhöhte. Der Zuschauer bekommt dadurch keine Atempause, sondern ist quasi die ganze Zeit „mit dabei“ - ist so angespannt wie die Charaktere, die genau so wenig wie wir wissen, ob hinter der nächsten Biegung nicht ein feindlicher Soldat lauert. Die erste Hälfte im Niemandsland und den deutschen Schützengräben wirkt beinahe wie ein Horrorfilm, so wird hier an der Spannungsschraube gedreht.
Die Kameraarbeit von Altmeister Roger Deakins ist exquisit und sollte ihm mit sehr großer Wahrscheinlichkeit seinen zweiten Oscar einbringen. Er findet grandiose Bilder, sei es das abstoßende Niemandsland, ein reißender Fluss, ein Wettlauf mit der Zeit am Rand des Schützengrabens oder eine nur von Feuer und Leuchtraketen erhellte Stadt bei Nacht. Einige dieser Szenen sind tatsächlich Szenen für die Ewigkeit, so einprägsam sind sie. Die zweite Hälfte des Films hat beinahe schon eine surreale Anmutung, was sich durch die vorangehenden Geschehnisse aber tatsächlich erklären lässt.


Ebenfalls wirklich toll sind Sounddesign und Musik. Thomas Newman unterstützt mit seinem Score den Film hervorragend. Hinzu kommt ein wunderschön wehmütiger Moment, in welchem das Lied „Poor Wayfaring Stranger“ gesungen wird.



Warum nun meine Einleitung über Spektakel in Kriegsfilmen? Weil diese Art Spektakel in „1917“ fast vollständig fehlt. Wenn man so will, kann man die Art der Kamerarbeit als Spektakel bezeichnen, wobei sie zumindest mich nie vom Geschehen abgelenkt, sondern dieses im Gegenteil noch unterstützt hat. Aber wir sind in keiner Schlacht, notwendige Kämpfe sind schnell vorbei und der einzige wirklich heroische Moment ist tatsächlich auch verdient (und selbst der wird danach wieder gedämpft).
Und doch zeigt der Film die Grausamkeit und Sinnlosigkeit des Krieges sehr effektvoll und vermutlich sogar nachhaltiger als viele andere Kriegsfilme. Denn wir sehen das Nachspiel. Das Niemandsland besteht aus Schlamm, Granatenkratern, Stacheldraht – und Leichen. Leichen, Ratten, Tierkadaver. Von der Kamera nicht effektheischerisch eingefangen, sondern als Fakt präsentiert. Da müssen die beiden Hauptfiguren eben dran vorbei. Dies ist auch nicht das einzige Mal, dass die Opfer des Krieges gezeigt werden. „Niemanden zurücklassen“ - dafür bleibt im Krieg dann doch meist keine Zeit. Und obwohl die Mission wichtig ist, ist es eben doch nur ein weiterer Tag in diesem Krieg. Und am nächsten Tag wird es wieder genauso sein, man macht weiter, rennt in sein Verderben, Tausende sterben – für Linien auf einer Karte.

Der Film hat eine starke Nachwirkung, ich hatte danach wirklich das Bedürfnis, das zu diskutieren und zu überlegen, warum mir der Film so gut gefallen hat. Ja, die Handlung ist nicht gerade verschachtelt, aber das muss sie ja auch nicht sein. Simpel aber dafür effektiv. 


Fazit:
Hervorragend gespielt und gekonnt inszeniert, ist "1917" ein Kriegsfilm, den man tatsächlich gesehen haben muss. Je größer die Leinwand, desto besser.

Sonntag, 3. Januar 2016

Mein Kinojahr 2015

Und schon ist wieder ein Jahr rum und wir haben 2016! In diesem Jahr werde ich hoffentlich zuverlässiger posten als noch in 2015, zumindest hab ich es mir fest vorgenommen... *g* Meine Schreibfaulheit bedeutete aber nicht, dass ich nicht ins Kino gegangen wäre - eher im Gegenteil, wenn ich mir meine Statistik so ansehe.
2015 habe ich in 54 Kinobesuchen (Quartalsverteilung 14 / 10 / 14 / 16) 51 unterschiedliche Filme gesehen; drei Filme haben mich zwei Mal ins Kino bekommen. Neun Filme davon waren in 3D, wobei dieses zwar gut war, aber für mich bei so gut wie keinem Film einen wirklichen Mehrwert darstellte. Mein Heimatkino wurde von der Pole Position abgelöst; 20 meiner Besuche gingen nämlich zur "Konkurrenz" in die Kreisstadt (was soll ich sagen, bessere Atmosphäre + Bonuskartensystem, außerdem: Sneak!).

Jaha, überhaupt, die Sneak. Ich habe mich früher nie getraut, eine Sneak-Preview zu besuchen, da ich nicht von Horrorfilmen oder überbrutalen Ballerfilmen überrascht werden will. Da man aber im besagten Kino so nett ist, Horrorabgeneigte vorzuwarnen, gehe ich gerne das Risiko des unbekannten Films ein. Und Leute, das führt doch zu einer ganz anderen Verteilung beim "schlechtesten Film"....


Der beste Film
Dieses Mal gab es tatsächlich drei Filme, die bei mir die Höchstwertung bekamen, aber der großartigste Film des Jahres war für mich "Mad Max Fury Road". George Miller entfacht ein wahres Feuerwerk an grandioser Action, cleverem Worldbuildung, und perfekten Charakteren, mit Tom Hardy und Charlize Theron als ständig Gas gebendem Hauptdarsteller-Duo. Von vorne bis hinten ein Erlebnis.
Auf Platz 2 findet sich PIXARs diesjähriger Geniestreich "Alles steht Kopf", ein wunderbarer Trip in die Gedankenwelt eines zwölfjährigen Mädchens, deren Leben das erste Mal komplett aus der Bahn gerät. Der Film vereint all das, wofür wir PIXAR lieben: eine ans Herz gehenden, intelligenten Story mit viel Humor, liebenswerte Charaktere, und eine im Überfluss kreative Optik. Platz 3 geht an den kleinen, aber extrem feinen "Ex Machina", einen kammerspielartigen, sich langsam zuspitzenden Thriller über künstliche Intelligenz und ab wann ein Roboter vielleicht doch eher ein Mensch ist. Die Thematik ist nicht neu, aber was Regisseur Alex Garland mit Atmosphäre und einem perfekt aufspielenden Hauptdarsteller-Trio (Oscar Isaac, Alicia Vikander, Domhnall Gleeson) zustande bringt, hat mich wirklich sehr begeistert.
Ehrennennungen für die überaus gelungene Buchadaption "Der Marsianer" mit Matt Damon, Sir Ian McKellans anrührend-mitreißendes Porträt des bekanntesten Detektives der Literaturgeschichte in "Mr. Holmes", und den größten Film des Jahres schlechthin, "Star Wars VII - Das Erwachen der Macht", denn der ist tatsächlich auch richtig gut!


Der schlechteste  Film
Diese Kategorie war lange, lange Zeit gesetzt und ich sah keine Änderung mehr kommen. Tja, und dann war da die letzte Sneak des Jahres, die noch einmal alles umgeschmissen hat, denn: Sie sorgte für den neuen Spitzenreiter in dieser Kategorie! Glückwunsch an "Die dunkle Seite des Mondes" mit Moritz Bleibtreu in der Hauptrolle, einem Film, der so gern tiefgründig und mysteriös sein würde, mich aber den Großteil der Zeit einfach furchtbar gelangweilt hat mit seiner Pseudo-Symbolik. Wären es doch nur tatsächlich Werwölfe gewesen, schlimmer hätte es den Film sicher nicht gemacht. Absolute Nullnummer für mich, und offensichtlich auch für andere, denn einige verließen vorzeitig den Saal.
Der ewige Spitzenreiter "Fifty Shades of Grey" wurde somit im allerletzten Moment von der Nummer 1 gestoßen. Dabei hatte dieser Film wirklich alles getan, um der mieseste Film des Jahres zu werden, v.a. war er gähnend langweilig. Aber käme es drauf an, würde ich diesen Film lieber noch einmal anschauen als "Die dunkle Seite des Mondes", denn es gibt wenisgtens brauchbare Musik und zwischendurch auch mal was zu lachen. Platz 3 geht an "The Gunman", einen so dermaßen durchschnittlichen Actioner mit Sean Penn, dass eigentlich jede Erwähnung irgendwo schon zu viel Aufmerksamkeit ist. Knapp vom Siegertreppchen geflogen ist "The D-Train", ein seltsamer Film mit Jack Black, der einen guten Ansatz hat, aber an einer unglaublich unsympathischen Hauptfigur krankt.


Der lustigste Film
Da habe ich dieses Jahr gar nicht viele Filme - es gab zwar einige Filme, die gute lustige Momente hatten, aber wirklich durchgängig lachen konnte man bei ihnen nicht (waren aber auch keine reinen Komödien *g*). Daher ist der Gewinner in dieser Kategorie "Spy - Susan Cooper Undercover", in dem Melissa McCarthy endlich mal wieder zeigen durfte, dass sie mehr kann als nur die prollige Dicke zu sein. Neben ihrer wirklich guten Leistung bleibt v. a. Jason Statham in Erinnerung, der sich und seine Filme genüsslich selbst parodiert; und Rose Byrne hat offensichtlich auch eine riesige Freude daran, die ganz ganz Böse zu spielen.
Ebenfalls sehr witzig, wenn auch auf eine deutlich bösere Art, war "Mama gegen Papa - Wer hier verliert, gewinnt", eine franko-belgische Co-Produktion über einen etwas anderen Scheidungskrieg. Denn wann setzen Elternteile schon einmal alles daran, nicht das Sorgerecht zu erhalten?


Der emotionalste Film
Hier habe ich ebenfalls zwei Kandidaten, und nein, dieses Mal ist es nicht PIXAR. *g*
Zunächst hat mich ganz zu Anfang des Jahres "The Imitation Game" doch mehr mitgenommen als gedacht. Da habe ich schon ziemlich mitgelitten. Und dann war da noch "Er ist wieder da", der auf eine ganz andere Art emotional war, denn das Lachen blieb dem Zuschauer sehr schnell im Hals stecken aufgrund des beängstigenden Realismus und der Aktualität, die der Film an den Tag legte.


Die positivste Überraschung
An der Spitze der größten Überraschungen steht ganz klar "Magic Mike XXL". Teil 1 war ein durchaus unterhaltsamer Film mit betont ernsten Nebenplots, die den Film aber eher ausbremsten, als dass sie ihn bereicherten. Beim Sequel dachten sich dann Channing Tatum & Co. wohl, "Scheiß drauf, wir haben jetzt einfach Spaß!" und machten einen herrlich schrägen Road Trip mit einer Unmenge an - scheinbar in der Schwerelosigkeit gedrehten - Stripszenen, wobei der Stopp an der Tankstelle sowie die große Endnummer sicherlich zu den denkwürdigsten Szenen des Jahres gehören dürften.
Ebenfalls erfreulich, v.a. nach dem eher uninteressant wirkenden Trailer, war die britische Romanitikkomödie "Es ist kompliziert" mit Lake Bell und Simon Pegg. Hier wurden einige Klischees elegant umschifft, die Charaktere machen Spaß, und der Film ist herrlich kurzweilig. Und dann war da noch "Mortdecai", eine schräge Gangsterposse mit Johnny Depp. Der Film war zwar nicht denkwürdig, aber dann doch deutlich besser, als seine ersten 15 min befürchten lassen.


Die größte Enttäuschung
Relativ einfach dieses Jahr: James Bond hat mich leider hängen lassen. "SPECTRE" hatte es erwartungsgemäß schwer nach dem wirklich guten "Skyfall", aber dass man so eine lasche Story vorgesetzt bekommt, das Talent von Christoph Waltz geradezu verschwendet, die Actionenszenen müde vor sich hinplätschern, und jegliche romantischen Szenen wie mit dem Holzhammer reingeprügelt wirkten, konnte man wirklich nicht erwarten. Positiv waren einzig die sehr gelungene Eröffnungssequenz, Daniel Craigs süffisanter "Mir ist eh alles egal und ich hab hiernach endlich Ruhe"-Gesichtsausdruck, und Ben Whishaws Pullunder-tragender Lichtblick Q.
Ebenfalls eher enttäuschend, gemessen am Vorgänger, war "Maze Runner - Die Auserwählten in der Brandwüste". Die Actionszenen waren durchaus gelungen, die Optik toll, aber man hat sich leider so gar nicht bemüht, die Charaktere zu vertiefen; einzig Dylan O'Brien als Thomas bekommt ein wenig mehr Profil, vermutlich aber ganz einfach, weil er nun mal in jeder Szene ist. Ich hoffe, Regisseur Wes Ball nimmt sich die Kritik für den letzten Teil dieses Jahr zu Herzen.


Interlude: Guilty Pleasure
Der Film ist absolut bescheuert, die Handlung wurde vermutlich aus den Teenie-Fanfiction-Ergüssen der Autorin zusammengesetzt ("Ich hatte mal so eine 'Werwölfe im Weltall'-Phase, und Inline-Skating fand ich auch voll cool!"), die Optik ist Hochglanz, die Schauspieler schlafwandeln oder betreiben grandioses Overacting - aber irgendwie war das doch alles ... charmant. "Jupiter Ascending" wird vermutlich zum Kultfilm werden. Es könnte schlimmere Filme treffen.


Der beste Blockbuster
Der größte Blockbuster des Jahres hat als Helden ein Mädchen, einen Schwarzen, und einen Latino. Der Böse ist ein weinerlicher Weißer mit Opa-Anbetungskomplex und Allmachtsfantasien. Wer damit nicht klar kommt: Pech gehabt. Ihr armen, unterrepräsentierten weißen MRA-Männer könnt ja auf den nächsten Michael Bay-Film warten. Und wir anderen erfreuen uns an einem richtig unterhaltsamen SciFi-Epos, das es sich storytechnisch zwar etwas zu leicht macht, dafür aber coole Action, sympathische Helden, und einen supergoldigen Fußball mit Kopf zu bieten hat. Möge die Macht mit "Star Wars VII - Das Erwachen der Macht" sein, sodass der "Avatar"-Rekord auch noch geknackt wird.


Der beste Agenten-Film
Gefühlt gab es in 2015 eine unglaubliche Menge an Filmen mit Agenten/Spionage-Thematik. Und der beste davon war "Mission Impossible: Rogue Nation". Die Action war fantastisch, Rebecca Ferguson  stiehlt Tom Cruise ziemlich die Show, und Simon Pegg macht verdammt viel Spaß in einer aufgewerteten Rolle. Pures Actionkino vom Feinsten.
Ebenfalls sehr gelungen war Guy Richies "Codename U.N.C.L.E.". In stylischem Retrolook lässt er Armie Hammer sich mit Henry Cavill kloppen während Alicia Vikander im Hintergrund ihr eigenes Ding macht. Das Ganze wurde mit einem herrlich trockenen Humor versehen. Ich hätte gegen eine Fortsetzung nichts einzuwenden. Und schließlich gab es recht früh im Jahr den vom Stil her an "Kick-Ass" erinnernden "Kingsman" mit Colin Firth in einer für ihn ein wenig überraschenden aber sehr stilvollen Rolle. Taron Egerton machte in der Hauptrolle mit Nachdruck auf sich aufmerksam und wird sicherlich auch im Sequel überzeugen.


Gutes und schlechtes Publikum
Ein richtig gutes Publikum gab's beim Besuch von "Magic Mike XXL" in einem sehr gut gefüllten Saal - bis auf einen Mann (freiwillig dort und mit Begeisterung dabei *g*) nur Frauen, die alle offensichtlich einen Heidenspaß hatten.
Auch bei "Frau Müller muss weg" herrschte wirklich gute Stimmung in einem unterhaltsamen Film.
Positiv in Erinnerung blieb mir auch der sehr volle Saal in "Der große Trip - Wild". Sicherlich irgendwie als gut einzuschätzen, wenn man den Film bedenkt, war die Erfahrung in "Fifty Shades of Grey", wo selbst Fans an den unpassendsten Stellen lachen mussten und der arme Kerl neben mir, der offensichtlich seine Freundin begleiten musste, immer tiefer in seinen Sitz rutschte (möglicherweise zwischendurch auch wegdöste) und bei Abspannbeginn gequält sagte, "Können wir jetzt endlich gehen?".
Ein freundliches Winken für den einen Mann ein paar Reihen hinter uns in "Mad Max Fury Road", der während des Abspanns zu seinem Begleiter sagte, "Was für ein geiler Film." Wo er Recht hat... Süß die Kinder vor uns in "Alles steht Kopf" - die befürchtete Hampelei des kleinsten Kindes blieb aus, und der ältere Junge fand den Film "voll krass". *g*

Schlechtes Publikum gab es leider auch. Wo "Magic Mike XXL" das beste Publikum stellte, gab's beim zweiten Besuch dieses Films leider das insgesamt schlechteste Publikum. Keinerlei Stimmung; die Teenie-Mädels in unserer Reihe verbrachten mehr Zeit damit, auf dem Handy Fotos von Channing Tatum anzuschauen und zu chatten, als auf die Leinwand zu gucken.
In "Er ist wieder da" gab es in der Reihe vor uns eine größere Gruppe Niederländer, die ziemlich viel quatschten und ständig rumgiggelten, gerne an den unpassendsten Stellen. Ganz schlimm auch zwei Jungs in "Steve Jobs", die offensichtlich einen ganz anderen Film erwartet hatten, entsprechend blöde Kommenatre gab es dann immer wieder für sicher 40 min, bis sie beschlossen zu gehen. Hätte man sich mal vorher über das informiert, was man da guckt...


Das beste 3D-Erlebnis
"The Walk" war für mich der einzige Film in 2015, bei dem sich das 3D wirklich gelohnt hat. Der Film lässt sich zwar langsam an, aber die letzten 40 min sind grandios und der Balanceakt auf dem Seil lässt einen die Luft anhalten. Ich bin sehr froh, dass ich diesen Film in Kino schauen konnte - auf einer großen Leinwand war es wirklich ein Erlebnis!


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Sonntag, 11. Januar 2015

Mein Kinojahr 2014

Auch wenn es auf dem Blog leider zeitbedingt eher still war im letzten Jahr, habe ich mir den regelmäßigen Kinobesuch natürlich nicht nehmen lassen. 2014 bin ich 41 Mal ins Kino gegangen (Verteilung: 6 / 7 / 9 / 19), wovon 22 Besuche auf mein Heimatkino entfielen. Vier Filme habe ich je zwei Mal gesehen und es waren natürlich auch wieder einige 3D-Filme darunter. Dieses Jahr hat mir das 3D bei vielen Filmen jedoch besser gefallen als noch im letzten Jahr. Vielleicht lernen die Studios ja dazu.

Bester Film
 Wieder einmal streiten sich vier Filme um diesen Titel. Mit kleinem Vorsprung ist es für mich „12 Years A Slave“ geworden, den ich einfach in allen Bereichen großartig und bewegend fand. Gleich dahinter reiht sich David Finchers „Gone Girl“ ein, der sich v. a. wegen der herausragenden Rosamund Pike und der spannenden Handlung diesen Platz verdient hat. Da ich mich einfach nicht zwischen den beiden anderen Filmen entscheiden kann, wird es etwas eng auf dem Podium: „Dallas Buyers Club“ und „Im August in Osage County“ waren für mich Schauspielerfilme mit Sogwirkung und kleineren Schwächen.


Schlechtester Film
Da ich die heißesten Kandidaten in dieser Kategorie eh nie sehe (warum soll ich für einen Kinobesuch Geld ausgeben, wenn von vorneherein klar ist, dass der Film eine Katastrophe ist?), sind für mich die schlechtesten Filme natürlich immer die, die besonders anstrengend zu gucken waren, aus was für Gründen auch immer. Und das war dieses Jahr „Transcendence“. Der Film hatte eine sehr gute Besetzung und eine an sich interessante Idee, verbockt es aber leider total. Keiner der Schauspieler wirkt wirklich am Film interessiert, der Plot mäandert voller Lücken vor sich hin, und Spannung will auch so gar keine aufkommen.
Knapp dahinter reiht sich der hochgelobte „American Hustle“ ein, und er schafft es auch nur deshalb nicht auf den ersten Platz, weil die hier herrschende gepflegte Langeweile für mich eher nochmal zu ertragen wäre als der konfus-langweilige „Transcendence“. „American Hustle“ hat immerhin einen singenden Jeremy Renner und eine tolle Amy Adams. Tja, und an dritter Stelle findet sich hier dann noch „Kill the Boss 2“, ein inspirationsloses Sequel, das allein von Chris Pines wundervoll selbstironischer Darstellung und einer gelungenen Parodie auf Verfolgungsjagden vor einer höheren Platzierung bewahrt wurde.

Der lustigste Film
 Das war einfach: „22 Jump Street“. Der Zuschauer bekommt das, was er sehen will: Genau denselben Scheiß wie beim ersten Mal! Natürlich mit einem ganz großen Augenzwinkern und so viel Lust an selbstironischer Übertreibung, dass der Film von Anfang bis Ende zum Brüllen komisch ist. Heimst außerdem den Preis für die lustigste Szene des Jahres ein (Ice Cube vs. Jonah Hill, und Channing Tatum ist echt gar keine Hilfe!).

Knapp dahinter folgt der wunderbare „5 Zimmer, Küche, Sarg“, die clevere Vampir-Mockumentary aus Neuseeland, die in den Trailern vielleicht grade mal die ersten 15 Minuten anschneidet. Der Alltag in einer Vampir-WG kann ja sooo kompliziert sein. Ebenfalls erwähnen möchte ich das gelungene „Madagascar“-Spin off „Die Pinguine aus Madagascar“. Zwar ist die Handlung doch sehr vorhersehbar, die Gagdichte ist aber verdammt hoch, sodass der Zuschauer den ganzen Film gut unterhalten wird. Die Nebenfiguren waren sowieso immer das beste an Dreamworks Zootier-Sause.

Der emotionalste Film
Ganz klar „12 Years A Slave“ - ich habe nicht nur das ein oder andere Tränchen verdrückt, der Film hat mich auch sehr schockiert und unglaublich wütend gemacht.

Die größte positive Überraschung
 Schön, dieses Jahr einmal wirkliche Überraschungen zu haben, und nicht nur Filme, von denen ich verzweifelt hoffte, dass sie gut sind, bei denen es aber irgendwelche Bedenken gab.

Sehr gefreut hat mich, dass „The Maze Runner“ eine wirklich gelungene Jugendbuchverfilmung ist – viele überzeugende junge Darsteller in durchaus spannender Story. 
Richtig gut gefallen hat mir wider Erwarten auch die deutsche Produktion „Coming In“. Die Trailer ließen den Film leider wie die mieseste Aneinanderreihung von „Schwule haben nur noch nicht die richtige Frau gefunden“-Klischees aussehen, was zum Glück aber nicht zutrifft. Das Hauptdarsteller-Duo Kostja Ullmann und Aylin Tetzel ist goldig-charmant, und die meisten Gags sitzen. Trotz kleiner Schwächen meilenweit von dem Desaster entfernt, nach dem der Film zunächst aussah.

Die größte Enttäuschung
Ja, auch die gibt es leider jedes Jahr aufs Neue. Neben dem bereits erwähnten „Transcendence“, der aufgrund des versammelten Talents Potential für so viel mehr gehabt hätte, ließen mich noch zwei andere Filme eher enttäuscht zurück.
Einmal „The Lego Movie“, der besonders in den USA über den grünen Klee gelobt wurde. Und zugegeben, die Optik ist schon sehr unterhaltsam und „mal was anderes“, aber die Story war leider absolut 08/15 und konnte mich nicht überzeugen. Auch der Humor traf häufig nicht meinen Geschmack.
Tja, und der andere Film ist „The Amazing Spider-Man 2“, der so ziemlich all das falsch macht, was schon den dritten „Spider-Man“-Film mit Tobey Maguire zu Fall brachte: Viel zu viele Plotelemente, Probleme und Charaktere werden irgendwie in einen Film gequetscht, sodass am Ende für gar nichts davon mehr richtig Zeit bleibt und der Film somit zu einem unausgegorenen Mischmasch wird. Drei Bösewichte sind einfach viel zu viel – warum hat man sich nicht auf Electro konzentriert und nebenher mehr Zeit in das Wiedersehen zwischen Peter und Harry investiert, sodass Harrys Wandlung zum Green Goblin (inkl. aller Konsequenzen) mehr Gewicht erhält und der Fokus des dritten Teils ist? Da hat man schon so eine fantastische Besetzung und verbockt es dann wieder – ein verdammt frustrierender Film.

Interlude: Der Preis für das mieseste CGI geht an...
Maleficent“! Echt, Disney, das könnt ihr besser! Die Flugeffekte besonders zu Anfang waren grausam, die drei Feen kamen direkt aus Uncanny Valley und waren unerträglich-schmerzhaft für die Augen (und Ohren), der Drache war einfallslos. Generell scheint Disney in seinen Real-Fantasy-Streifen das Händchen für gute CGI-Effekte immer mehr zu verlieren – viele zu offensichtlich unechte Momente gab es schon in „Alice im Wunderland“ und „Die fantastische Welt von Oz“.

Bester Blockbuster
Es gab dieses Jahr einige große Filme, zwei davon („Mockingjay Pt.1“ und „Der Hobbit – Die Schlacht der fünf Heere“) starteten erst zum Ende des Jahres. Ganz klar der beste Blockbuster 2014 war aber natürlich Marvels „Guardians of the Galaxy“. Was soll man sagen, das Studio schwimmt einfach derzeit auf der Erfolgswelle, aber so einen großen Erfolg (insges. über $ 772 Mio. eingespielt, in den USA mit fast $ 333 Mio. derzeit noch der erfolgreichste Film - „Mockingjay Pt.1“ wird aber vermutlich noch überholen) hatte man vermutlich dennoch nicht erwartet. Dafür galt das Weltraumabenteuer mit seiner kruden Protagonistentruppe einfach als zu abgedreht (ein sprechender Waschbär... und ein Baum?!). Aber „Guardians“ brachte dem Sommer-Blockbuster das zurück, was lange Zeit eher Mangelware war: Spaß! 
Und da Marvel im Moment so gut aufgelegt ist, kommt mein zweiter Lieblings-Blockbuster auch aus diesem Haus: „The Return of the First Avenger“ - oder für alle, die den deutschen Titel auch gerne ignorieren, „Captain America:The Winter Soldier“. Der Film rangiert im Moment an 3. Stelle im US-Boxoffice, und hat weltweit über $ 714 Mio. eingespielt – beinahe doppelt soviel wie der erste Film mit Chris Evans' Supersoldaten. Das sehr gute Einspielergebnis ist sicherlich einerseits dem durch die „Avengers“ stark gestiegenen Bekanntheits- und Beliebtsheitsgrad der Figur zu verdanken, aber ein weiterer Grund für den Erfolg ist, dass der Film einfach verdammt gut ist. Saucoole Actionszenen, eine spannende, politisch aktuelle Story, interessante neue Charaktere und genau die richtige Prise Humor machen den zweiten „Captain America“-Film einfach zu einem richtig starken Stück Entertainment.


Bester Feel-Good-Film
Ein Hoch auf die Filme, die einen einfach mit einem Lächeln oder guter Laune aus dem Kino entlassen!
Eine wirkliche Rangfolge habe ich bei meinen Lieblings-Gutelaune-Filme aus dem letzten Jahr auch nicht – alle sind auf ihre Weise sehr gelungene und vielleicht auch einfach ein wenig Geschmackssache. Für Musikfreunde hätten wir da „Can A Song Save Your Life?“ mit Mark Ruffalo als gefeuertem, seinen Frust in Alkohol ertränkenden Musikproduzenten und Keira Knightley als von der Liebe enttäuschtes Mädchen mit Gitarre. Die beiden beginnen auf ziemlich verrückte Weise ein Album zu produzieren und dabei auch gleichzeitig ihre Leben wieder in Ordnung zu bringen. Ein herzerwärmender Film über Freundschaft, Neuanfänge und den Mut, auch mal was zu wagen.
Aus der Sparte „Nach einer wahren Geschichte“ hätte ich „Pride“ anzubieten, der kaum bekannte Ereignisse aus dem britischen Minenarbeiterstreik in den 80ern beleuchtet. Aus Solidarität wurde nämlich damals in London die LGSM (Lesbians and Gays Support the Miners)-Gruppe gegründet, da Gruppengründer Mark in der Ausgrenzung der Minenarbeiter durch die Politik Parallelen zu der Diskriminierung der Homosexuellen sah. Ein kleines Dorf in Wales nimmt die Unterstützung tatsächlich an, wenn auch unter großen Vorbehalten. Der Film beleuchtet anhand unterschiedlicher Gruppenmitglieder die verschiedenen Probleme, mit denen Homosexuelle damals – als gerade AIDS Schlagzeilen machte – klarkommen mussten, und leider hat sich dahingehend ja noch nicht überall etwas geändert. Dennoch ist der Film v. a. ein Loblied auf Solidarität und den Abbau von Vorurteilen, der den Besucher mit einem schönen Finale entlässt.
 Und dann schlich sich zum Jahresende noch ein kleiner, britischer Film in mein Herz: „Ein Schotte macht noch keinen Sommer“. Okay, der Titel ist nicht gerade berauschend, der Film aber ein wahres Kleinod. Drei Kinder und ihre sich in Scheidung befindenden Eltern fahren zur Geburtstagsfeier des Großvaters nach Schottland. Um den (todkranken) Opa nicht aufzuregen, soll auf heile Familie gemacht werden, aber dieser erkennt schnell, dass etwas nicht stimmt und hat sowieso keine Lust auf Partyvorbereitungen. Zur Ablenkung fährt er mit den Kindern an den Strand. Was dann passiert soll auf keinen Fall vorweggenommen werden. *g* Die Kinderdarsteller sind allesamt goldig und stehlen den Erwachsenen die Schau. Trotz der ernsten Themen, die der Film behandelt (Scheidung, Krankheit, Tod), wird er nie rührselig, sondern bleibt stets leicht und witzig. Einfach ein richtig schöner Film.


Gutes und schlechtes Publikum
Wirklich gutes Publikum hatte ich in 2014 leider viel zu selten. Die meiste Zeit kann ich das Publikum wohl mit „unauffällig, nicht störend“ beschreiben. Ganz gut, weil voll „drin“ im Film war das Publikum in meinem ersten „22 Jump Street“-Besuch – da waren wir aber eh alle schon irgendwie etwas bescheuert drauf, weil die ersten 30 Sekunden des Films ohne Bild liefen. *g*
Lobend erwähnen möchte ich noch das Publikum in „Pride“, welches aus zwei Männern, einem älteren Paar, und mir bestand. Einer der Männer hatte unglaublich Spaß an dem Film (der andere wohl auch, nur hat er eine viele leisere Lache *g*), und es war allgemein ein unterhaltsamer Kinobesuch, da ich bis ca. 5 min vor Filmbeginn dachte ich bliebe allein im Saal.Entsprechend kamen dann auch Kommentare, als sich die anderen Zuschauer in den Saal verirrten.

Und das wars eigentlich auch mit gutem Publikum. Schlechtes Publikum hatte ich dagegen deutlich öfter, zum Glück aber meist nur aufgrund von ein paar störenden Individuen. Insgesamt wirklich schlecht war allerdings das Publikum in meinem zweiten „Der Hobbit – Die Schlacht der 5 Heere“-Besuch. So viel Rumgelaufe in einem Film habe ich noch nie erlebt – ständig (bereits nach 20 min!) standen Leute auf um neue Snacks oder Getränke zu holen, oder was man sonst noch außerhalb des Kinosaals so macht. Ganz schlimm waren drei Typen hinter uns, die dreimal geschlossen (!) rausgingen um neues Bier zu holen. Und die Flaschen dann schön im Weg rumstehen ließen, sodass beim Abspann die Leute aus derselben Reihe die Flaschen umstießen. Top Leistung.
Grauenvoll war auch der Vater, der mit seiner Tochter neben uns in „The Lego Movie“ saß und keinen Hehl daraus machte, wie furchtbar er den Film fand. Immer wieder kamen blöde Kommentare, von wegen „Boah, ist das ein Mist! Wie kannst du sowas gut finden, das ist doch überhaupt nicht lustig! Wann ist das endlich vorbei.“ Wow, was für ein guter Vater! Mein Vater hat sicher auch nicht jeden Film gut gefunden, den er neben mir ertragen musste („Däumeline“, „Ferngully“...), aber er hat mir wenigstens nicht den Film kaputt gemacht sondern still vor sich hin gelitten – wie ein vernünftiger Vater das eben macht!

Dann waren da noch zwei angeschickerte Frauen in „Mockingjay Pt.1“, die Prosecco süffelten und die ersten 20 min des Films ständig vor sich hin murmelten. Oder die Teenies in „Gone Girl“ hinter uns, die den Film so absolut gar nicht verstanden und ihre Verwunderung und Unverständnis immer wieder lautstark bekunden mussten. Immerhin hatte man bei ihnen das Gefühl, dass sie den Film verstehen wollten
Oh, und natürlich das hyperaktive Kind in meinem zweiten „Drachenzähmen leicht gemacht 2“-Besuch, das von der gesamten Familie (mehrere ältere Geschwister, Mutter, Vater, Oma?) begleitet wurde und offensichtlich der Star der Familie war. Sie saßen hinter uns und der Kleine babbelte in einer Tour durch als wäre er im Zuckerschock – da noch die Trailer liefen, haben wir es erstmal versucht zu ignorieren, aber sein lautes „OHNEZAHN!!!!“-Gekreische und Rumgehopse war zu penetrant. Und dann ging der Film los und er brabbelte immer noch weiter und weiter, sodass wir uns schließlich nach hinten gesetzt haben, da hörte man ihn nicht mehr so gut (und ja, er brabbelte während des Films immer wieder, manche Kommentare so laut, dass wir sie selbst in den hinteren Reihen noch gut verstehen konnten...). Ich hab ja nichts gegen aufgeregte Kinder, die vielleicht nur selten ins Kino kommen und das alles superspannend finden, aber als Eltern sollte man dann irgendwann mal auf die Bremse treten, schließlich sitzt man nicht allein im Saal...

Persönliche Bestenliste: Die 10 erinnerungswürdigsten Szenen
Mögliche Spoiler! ;D Keine wirkliche Reihenfolge bis auf die ersten beiden Szenen, aber bei denen ist auch noch nicht so viel Zeit vergangen, seit ich sie gesehen habe.
  1. „The Hanging Tree“ (Mockingjay Pt. 1)
  2. „Thorin, die Adler... die Adler sind da, siehst du?“ (Der Hobbit – Die Schlacht der 5 Heere)
  3. „Come and get your Love“ - Star Lord Tanz-Intro (Guardians of the Galaxy)
  4. Polizeibesuch in der WG (5 Zimmer, Küche, Sarg)
  5. Solomons Strafe: Auf Zehenspitzen als Gehenkter (12 Years a Slave)
  6. Amy und das Messer (Gone Girl)
  7. Dance Off im Parkhaus (Cuban Fury)
  8. Kampf im Fahrstuhl (The Return of the First Avenger)
  9. „Schmidt p**t die Tochter vom Caaaptaaain!“ (22 Jump Street)
  10. Thomas' Nacht im Labyrinth (The Maze Runner)

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Freitag, 31. Januar 2014

Mein Kinojahr 2013

Dieses Jahr bin ich so richtig schön spät mit meinem Rückblick auf das Kinojahr 2013. Aber es ist immer noch Januar, da wollen wir mal nicht so kleinlich sein. ;)

Genau wie in 2012 zog es mich 2013 40 Mal ins Kino, am meisten – wie eigentlich immer – im letzten Quartal (Verteilung: 10 / 9 / 6 / 15). Dabei gehen 26 Besuche auf das Konto meines Heimatkinos und einmal war ich sogar in einem ausländischen Kino, nämlich im Showcase in Bristol (für „The World's End“). 14 Mal musste ich einen Film in 3D gucken (ja, „musste“, denn leider kann man heutzutage ja nur noch sehr selten zwischen einer 2D- und einer 3D-Fassung wählen), und vier Filme zogen mich zwei Mal ins Kino.


Der beste Film
Da hatte ich dieses Jahr wirklich große Probleme, mich endgültig zu entscheiden, denn vier Filme blieben mir in besonders guter Erinnerung und zählen meiner Meinung nach zum Besten, was 2013 zu bieten hatte. Am Ende hat dann aber ein Film – ganz passend – mit einem Sekundenbruchteil Vorsprung gewonnen: „Rush“. Ron Howards Porträt der Rivalität zwischen den Formel1-Fahrern James Hunt und Nikki Lauda ist spannend, schockierend, lässt Emotionen zu und bietet sogar den ein oder anderen Lacher.
Nur ganz knapp am 1. Platz schrammten der beste Blockbuster des Jahres, „Iron Man 3“, und der vor Spannung kaum zu ertragende „Captain Philipps“ (mit einem lange nicht mehr so guten Tom Hanks) vorbei. Das v. a. technisch auftrumpfende Weltall-Spektakel „Gravity“ schafft es auf Platz 4.

Der schlechteste Film 
Auch dieses Jahr habe ich einen weiten Bogen um die üblichen Verdächtigen für diese Kategorie gemacht – da habe ich wohl das Glück kein offizieller Filmkritiker zu sein, sodass mich niemand zwingen kann für Schrott ins Kino zu gehen. Und so war auch kein Film so richtig schlecht, sondern fällt eigentlich eher in die Kategorie „Nett aber vergessenswert“ oder „Muss man nicht sehen aber tut auch nicht richtig weh“. Und von all diesen Filmen fand ich „Epic“ dann doch am schlechtesten. Der Film sieht zum Großteil sehr hübsch aus, aber die Story ist leider sehr bescheuert bzw. wimmelt nur so von Logiklöchern.

Der lustigste Film 
Beim lustigsten Film schwanke ich zwischen zwei, und ich möchte mich eigentlich auch nicht entscheiden. Beide sind nämlich auf ihre Art sehr unterhaltsam. Zunächst wäre da „Das ist das Ende“, der komplett durchgeknallte Weltuntergangs-Apokalypsen-Film mit James Franco, Seth Rogen & Co. Ein aberwitziger Kommentar auf Hollywood und Katastrophenfilme, denn jetzt sehen wir mal komplett planlosen Menschen dabei zu, wie sie mit solch einer Extremsituation klar kommen. Und das ist zum Brüllen komisch, wenn auch etwas krude.
Und der andere Film ist „Don Jon“ über einen von Joseph Gordon-Levitt gespielten Pornosüchtigen, der selbst dann nicht von seinem schmutzigen Hobby lassen kann, als er anscheinend seine Traumfrau findet. Der Film schafft eine überraschende Gratwanderung gegen Ende, wenn das Ganze einen ernsteren Unterton bekommt, aber die erste Stunde ist herrliche Satire auf Hollywood-Romanzen.
Eine Ehrennennung habe ich allerdings noch: Als lustige Szene des Jahres gewinnt ganz klar die Kapuzenszene aus „Django Unchained“.

Der emotionalste Film 
 Das waren im Grund zwei Filme: Einmal „Les Miserables“, da muss ich beim letzten Lied sowieso immer schlucken, wenn ich es höre, und dass dann auf der Leinwand zu sehen (auf der Bühne habe ich das Musical bisher leider nicht sehen können), schwächt die Szene nicht gerade ab. Allgemein war die Verfilmung recht gut gelungen und die langen Kameraeinstellungen trugen zur Intensität bei. Immerhin bin ich nicht in Tränen ausgebrochen, dafür haben andere im Publikum gesorgt.
Und der zweite Film ist „Captain Philipps“, nicht auf der „Oh mein Gott, das ist so traurig!“-Ebene, sondern auf der „Wow, das war ein verdammt nervenaufreibendes Finale“-Ebene. Obwohl der Ausgang der Handlung bekannt war, hab ich trotzdem sehr mitgefiebert, und die absolut realistische Darstellung des traumatisierten und völlig unter Schock stehenden Philipps war sehr ergreifend.

Die größte positive Überraschung 
Auch hier haben mich in 2013 zwei Filme überrascht, zumindest ein wenig, und zwar „Der Hobbit – Smaugs Einöde“ und Michael Herbigs Romantik-Dramödie „Buddy“. Der zweite Teil des „Hobbit“ war deshalb überraschend, weil ich gerade bei einem mittleren Teil erwartet hätte, dass er sich zieht, v. a. auch weil Teil 1 schon deutliche Längen hatte. Aber nein, trotz Peter Jacksons deutlicher Abweichungen vom Buch hat der Film mich packen können und ich habe nicht, wie noch in Teil 1, an der ein oder anderen Stelle etwas gelangweilt auf die Uhr geguckt.
Um Michael „Bully“ Herbig war es ja etwas still geworden in letzter Zeit, und die auf Pro7 ausgestrahlte Sitcom „Bully macht Buddy“, die auf den Film einstimmen sollte, war von den Quoten her ein Desaster. Zum Glück hatte die Sitcom so ziemlich gar nichts mit dem Film zu tun, der zwar recht konventionell und ohne große Überraschungen daherkommt, aber dennoch konstant unterhält, Bully-typischen Wortwitz aufweist und mit seinem Humor fast immer ins Schwarze trifft. Keine intellektuelle Herausforderung, aber sicherlich auch keinen Deut schlechter als die das Kino überflutenden Filme von/mit Till Schweiger und Matthias Schweighöfer.

Die größte Enttäuschung 
Star Trek into Darkness“. Je länger ich über den Film nachdenke, desto mehr regt er mich auf. So viele gute Ansätze, so tolle Voraussetzungen mit talentierten, passend gecasteten Schauspielern und beeindruckender Technik, und dann dieser Film. *grummel*

Das beste Publikum
Allgemein hatte ich gutes, unterhaltsames Publikum in den beiden besuchten „Thor: The Dark World“-Vorstellungen, wobei die drei Teenie-Mädels vom ersten Besuch hervorgehoben werden müssen. Die waren nämlich einfach zu goldig. Ich bin wie immer sitzen geblieben und sie waren ganz am Ende des Abspanns noch die einzigen mit mir im Saal. Sie giggelten total begeistert über den Schluss-Twist mit Loki woraus sich ein kleines Gespräch zwischen uns entwickelte. Loki-Fans erkennt man eben immer und überall, sie waren ganz hin und weg, und wollten nochmal reingehen.
Das sicherlich zu 80% aus Benedict Cumberbatch Fans bestehende Publikum in der „Frankenstein“-Aufführung hatte ebenfalls etwas für sich, wenn auch das begeisterte Gekreische zu Beginn etwas, ähm, befremdlich war. *g*
Auch noch erwähnen möchte ich die beiden Damen (sicherlich Ende 50, Anfang 60), die neben mir in „Die Eiskönigin“ saßen und offensichtlich totale Disneyfans waren. Außerdem schien es ihr erster 3D-Film zu sein, sie waren ganz begeistert von den Effekten, und nach Elsas Power-“Ihr könnt mich alle mal!“-Song waren sie richtig überwältigt.
Und nicht fehlen darf die Dam in „Les Miserables“, die die bekannteren Stücke wie „I dreamed a dream“ oder „On my own“ mitsang, und dann bei der Sterbeszene des kleinen Gavroche (ja natürlich stirbt das Kind, es hat einen Namen, ist niedlich und turnt auf den Barrikaden rum!) völlig unkontrolliert in Tränen ausbrach.

Das schlechteste Publikum 
Das absolut schlechteste Publikum hatte ich bei meinem „Pitch Perfect“-Besuch, ausgerechnet der erste Kinobesuch überhaupt in 2013. Fast nur Teenies, dazu offensichtlich verfeindete Lager aus einer Klasse oder zumindest aus Parallelklassen. Da wurde sich gegenseitig angekeift, über mehrere Reihen mit Popcorn geworfen, dämliche Sprüche über den Film gemacht, da der Humor zu hoch für diese einfältigen Gemüter war, und ich frag mich immer noch, warum die überhaupt ins Kino gegangen sind, wenn die doch eh nichts davon mitbekommen haben.
Auf andere Weise schlecht war das Publikum im ersten „Iron Man 3“-Besuch, da irgendwie so gar keine Reaktion kam. Humor nicht verstanden? Zu jung um die Gags zu Beginn zu kapieren?
„Das ist das Ende“ war auch schwierig, da ein Teil des Publikums offensichtlich die Schauspieler nicht kannte und somit ungefähr die Hälfte der Witze gar nicht verstand, wodurch die ersten 20 min für sie langweilig wurden und sie anfingen zu meckern. Hinzu kam, dass bei einem der Jungs das Deo versagte, was nicht angenehm war.
Und kein Kinojahr darf vergehen, ohne dass nicht irgendwer, in diesem Fall drei Frauen vor uns, verschämt kichern, weil zwei Männer miteinander im Bett sind. So geschehen in „Liberace“. „Tihihi, die haben Sex, tihihi, und Liberace ist schon alt, tihi.“ Tatsache. Wer hätte das gedacht.

Das erinnert mich an... 
In „Frankenweenie“ erinnerte die Monsterplage gegen Ende doch etwas an das große Finale von „Cabin in the Woods“. Das hat dem Ganzen aber nochmal einen extra Kick gegeben. *g*

Besondere Momente 

Zunächst wäre da natürlich die „Frankenstein“-Aufführung. Aufgrund des 50. Geburtstages des Londoner National Theatres wurde die aufgezeichnete Fassung mit Benedict Cumberbatch als Kreatur und Jonny Lee Miller als Frankenstein noch einmal in ausgewählte Kinos gebracht. Und dieses Mal war ich im ausverkauften Saal dabei (so ausverkauft, dass im Saal nebenan der Film ebenfalls gezeigt wurde). Ein großartiges Theaterstück, und besonders von Cumberbatch hervorragend gespielt.
Auch toll war der Besuch von „The World's End“ in Bristol während des England-Urlaubs, wo wir beinahe den Saal für uns gehabt hätten, für echtes Heimkino-Feeling.

So viele Bio-Pics! 
Ich habe in 2013 gefühlt massenweise Filme gesehen, die sich mit realen Personen beschäftigen: „Lincoln“ (den ich etwas dröge fand), „Hitchcock“ (unterhaltsam), „Rush“, „Liberace“ (zu Recht mit diversen Preisen ausgezeichnet), „Inside WikiLeaks“ (verschenktes Potential) und „Captain Philipps“.
Und ganz am Ende wurde es dann auch noch etwas Arthouse, denn der letzte Film in 2013 war „Only Lovers Left Alive“, der melancholisch dahinfließende Vampirfilm von Jim Jarmusch. Hatte was. :)


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Freitag, 1. November 2013

It's a Marvel! "Thor: The Dark World"


Nach dem großartigen „Iron Man 3“ (der sogar zu cool für einen Untertitel war) kommt nun der nächste Solo-Ausflug aus dem „Avengers“-Team. Dieses Mal darf der hammerschwingende Gott Thor ran, dessen erster Film 2011 bereits gut aufgenommen wurde (knapp $ 450 Mio. Einspielergebnis).

Erneut ist die Welt in Gefahr: Dunkelelf Malekith (Christopher Eccleston, kaum zu erkennen) wurde vor 5000 Jahren von Thors Großvater besiegt und seine Energiequelle, der Äther, vergraben. Nun ist die Zeit für seine Rache gekommen (da nun die Konvergenz der 9 Welten wieder ansteht, lasst euch das vom Film erklären), und er will die Welt erneut in tiefste Dunkelheit stürzen. Thor (Chris Hemsworth) leidet derweil trotz erfolgreicher Schlachten still vor sich hin, da er dummerweise ausgerechnet eine Sterbliche, nämlich Jane Foster (Natalie Portman), liebt. Diese wird in die Auseinandersetzung zwischen Malekith und den Bewohnern Asgards hineingezogen, und so steht bald nicht nur Thors Heimat, sondern auch das Leben seiner großen Liebe auf dem Spiel. Not macht erfinderisch – oder verzweifelt, denn Thor sucht Hilfe bei seinem inhaftierten Bruder Loki (Tom Hiddleston), der sich in der Vergangenheit nicht gerade durch seine Vertrauenswürdigkeit hervorgetan hat.

„Thor“ war schon immer das leicht verrückte Franchise. Während „Iron Man“ einfach eine coole Sau und „Captain America“ heroisch ist, durfte „Thor" schon immer etwas überzogen sein. Regisseur Alan Taylor (bisher v. a. als TV-Regisseur u. a. für „Game of Thrones“ tätig), der von Kenneth Brannagh übernommen hat, kostet das aus. Hier sind die Emotionen etwas pathetischer, die Kostüme aufwändiger und es gehen ungewöhnlichere Gebäude in unterschiedlichsten Welten kaputt. Damit schließt „Thor: The Dark World“ nahtlos an den ersten Teil an und fügt sich gleichzeitig gut in den „Avengers“-Kanon ein. Es gibt Cameos, Anspielungen auf die Ereignisse in New York, und einen guten Schuss Humor, wie man es eben von einem Marvel-Superheldenfilm erwartet.


Kurz zur technischen Seite: Die Special Effects sind natürlich sehr gut, wodurch so verrückte Szenen wie der finale Showdown super zur Geltung kommen, und die Musik von Brian Tyler ist passend bombastisch. Das 3D störte nicht, fügte dem Film aber auch nichts Besonderes hinzu.

Getragen wird der Film aber, einmal abgesehen von den Effekten, von den Schauspielern.
Chris Hemsworth hat gerade einen Lauf in seiner Karriere und ist in manchen Kinos noch im hervorragenden „Rush“ zu sehen. Sein Thor ist gereifter, würdevoller, aber nach wie vor nie um einen blöden Spruch verlegen. Die Liebe zu Jane bringt er ebenfalls überzeugend rüber. Diese wird von Natalie Portman ganz gut gespielt, aber mit diesem Charakter werde ich einfach nicht warm, sie bleibt für mich blass. Macht aber nix, es gibt ja noch genug andere unterhaltsame Charaktere, z. B. Janes coole Freundin Darcy (Kat Dennings) oder Idris Elba als (fast) alles sehender Heimdall.

Alte Bekannte wie Anthony Hopkins als Odin, Rene Russo als seine Frau Frigga oder Stellan Skarsgard als Dr. Selvig (dem die Ereignisse in New York offensichtlich sehr mitgenommen haben) sind auch dabei. Christopher Eccleston als Malekith ist schön böse, aber der (mittlerweile nicht mehr heimliche) Star ist Tom Hiddlestons Loki. Jetzt sitzt er zwar zu Recht im Hochsicherheitsknast von Asgard, aber er ist immer noch ein arrogantern, frecher Mistkerl. Hiddleston spielt ihn mit so offensichtlicher Freude, dass es kein Wunder ist, dass Loki eine deutlich größere Fangemeinde hat als der Titelheld. Jede seiner Szenen macht einfach Spaß (v. a. eine ungefähr in der Mitte des Films – ihr erkennt sie, wenn ihr sie seht).


Man muss es Marvel einfach lassen, das Casting ihrer aktuellen Superhelden ist auf den Punkt. Jetzt müsste man nur noch Black Widow und Hawkeye einen Platz im Rampenlicht einräumen (gerne auch mit einer Erklärung, was denn nun in Budapest los war). Aber vielleicht bekommen wir ja mehr von Natasha Romanoff in „Captain America: The Winter Soldier“ zu sehen. Als Einstimmung auf diesen ist der neue „Thor“ jedenfalls perfekt.

Gibt’s Schwachstellen? Naja, mir war es manchmal etwas zu viel Krach-Peng-Bumm, wodurch der Film mich hin und wieder ein wenig verlor. Jane Foster ist für mich auch leider ein eher schwacher Charakter, v. a. im Vergleich zu vielen anderen tollen Frauen im Marvel-Universum, und ich frage mich immer noch, ob das nun am Charakter selbst oder einfach an Natalie Portman liegt. Aber das sind Kleinigkeiten. Der Film passt sehr gut in die „Avengers“-Reihe und unterhält sehr gut.

Fazit: „Thor: The Dark World“ ist unterhaltsame Superhelden-Kost mit tollen Effekten, einer guten Portion Humor und einem starken Titelhelden. Die Show stiehlt jedoch wieder der Trickser Loki, der zu recht zum Fanliebling geworden ist. Tipp: Bleibt den Abspann durch sitzen. Sowohl in der Mitte des Abspanns als auch ganz am Ende gibt es noch kleine Zusatzszenen. 


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Sonntag, 20. Oktober 2013

"The World's End": Darauf noch ein Cornetto


Gary King (Simon Pegg) war zu Schulzeiten der Coolste und genoss mit seinen vier besten Freunden das Leben. Der Schulabschluss wurde so richtig gefeiert und zwar mit dem Versuch, die „Goldene Meile“ zu bewältigen – Newton Havens zwölf Pubs an einem Abend besuchen und in jedem ein Bier kippen. Geschafft bis zum letzten Pub, dem World’s End, haben die Fünf es zwar nicht, dennoch ist diese Nacht für Gary auch 20 Jahre später noch die beste seines Lebens. Und deshalb will er die alte Truppe wieder um sich sammeln und es noch einmal versuchen. Eher widerwillig lassen Stephen (Paddy Considine), Peter (Eddie Marsan), Oliver (Martin Freeman) und sein früherer bester Freund Andy (Nick Frost) sich überreden, denn im Gegensatz zu Gary haben sie die Schulzeit hinter sich gelassen und gehen einer geregelten Arbeit nach.
Einmal in Newton Haven angekommen stellt sich schnell heraus, dass irgendetwas in ihrem Heimatort nicht so ganz stimmt. Und ausgerechnet Gary ist es, der als Erster auf die Ursache stößt: Die Dorfbewohner wurden durch Roboter ersetzt. Und so nimmt die Sauftour eine unerwartet gewalttätige Wende...

Mit „The World’s End“ beschließt Regisseur Edgar Wright die „Three Flavours Cornetto Trilogy“, deren andere beide Teile „Shaun of the Dead“ und „Hot Fuzz“ mittlerweile Kultstatus genießen. Und auch dieses Mal handelt es sich um einen Genre-Film; nach Zombiehorror und Buddy-Cop-Action versuchen sich Wright und sein Co-Autor Pegg an Science Fiction gemischt mit ein bisschen Martial Arts.

Die satirischen Elemente treten dieses Mal jedoch viel häufiger in den Hintergrund als noch bei den beiden Vorgängerfilmen. Denn auch dieses Mal wird vor allem eine Geschichte über Freundschaft erzählt. Und während bei „Shaun oft he Dead“ Shaun und Ed schon lange die dicksten Kumpel waren und sich als Team durch die Zombies kämpften, und in „Hot Fuzz“ Nicolas und Danny aus anfänglicher Abneigung bzw. Verehrung erst noch eine Freundschaft formen mussten, erleben wir nun in „The World’s End“, was aus Freundschaft werden kann, wenn man sie nicht pflegt sondern stattdessen mit egoistischem Verhalten zerstört.


Dennoch kommt Andy, der am meisten von Gary enttäuscht wurde und wegen ihm ziemlich üble Sachen durchmachen musste, mit nach Newton Haven, womit er nicht nur die anderen drei aus der Gruppe überrascht, sondern wohl auch sich selbst. Aber wenn man einmal so eine Freundschaft hatte, dann hält eben auch immer noch ein Teil in einem daran fest, selbst wenn das Ganze schon längst auseinander gegangen ist. Und Gary selbst will händeringend das Gefühl von damals wieder einfangen, als er der Größte war und nicht der fast 40-jährige Versager ohne Job.
Und deshalb kann ich zwar den Kritikpunkt nachvollziehen, dass „The World’s End“ das satirische Element nicht so sehr in den Vordergrund rückt wie es in den beiden anderen Filmen der Fall ist. Aber es stört mich nicht, da die Charaktere an einem viel ernsteren Punkt in ihrem Leben stehen und somit die Handlung automatisch einen düstereren Anstrich erhält. Dabei belässt es der Film nicht bei einer zerbrochenen Freundschaft, sondern baut auch gleich noch Drogensucht, Mobbing und Tod mit ein.

Das könnte alles furchtbar deprimierend werden, aber glücklicherweise enthalten die „Cornetto“-Filme ja auch immer einen guten Schuss britischen Humor, und davon gibt es auch in „The World’s End“ reichlich. Vor allem Gary mit seiner durchgeknallten Art sorgt für viele Lacher; hinzu kommen die teilweise vollkommen absurden Situationen mit den Robotern und viele kleine Gags, Parallelen und Anspielungen, wie man sie aus den Vorgängern kennt. Unter den Statisten befinden sich sogar ein paar alte Bekannte, wodurch die Einheit der drei „Cornetto“-Filme noch mal betont wird.

Die Schauspieler sind durchweg sehr gut und glaubwürdig. Simon Pegg und Nick Frost spielen eher untypische Rollen. Pegg gibt den von der „Goldenen Meile“ besessenen Gary King mit viel Spielfreude und vollem Körpereinsatz, und immer wieder lässt er hinter der fröhlichen Fassade Garys Verzweiflung durchblitzen. Frost hingegen spielt den straighten Geschäftsmann, der durch Garys früheres Verhalten verbittert ist und den ganzen Kram eigentlich nur hinter sich bringen will. Hier darf er auch mal Talent für ernsthafte Rollen demonstrieren, bekommt aber gleichzeitig auch viel gute Momente in der Hau-Drauf-Action ab.


Paddy Considine, Eddie Marsan und Martin Freeman schaffen es ebenfalls, ihre Charaktere unterscheidbar zu machen und ihnen genug Profil zu geben, dass man gerne noch etwas länger mit ihnen durch die Gegend gezogen wäre. Considines Stephen ist von eher sanfter Natur und darf sich einen kleinen Kampf mit Peggs Gary um die frühere Angebetete Sam liefern. Diese wird von Rosamunde Pike gespielt und hat leider nicht viel zu tun, darf aber immerhin Gary eine runterhauen. Marsans Charakter Peter war früher Mobbingopfer und wenn er dann tatsächlich auf seine frühere Nemesis trifft, geht das schon ans Herz. Und Martin Freeman als Immobilienmakler Oliver hat sich sicher gefreut, dass er fluchen durfte und setzt sein leicht beängstigendes Grinsen sehr gut ein. Keiner spielt einen angenervten Briten so gut Freeman.
Nett auch die diversen bekannten Gesichter in größeren Nebenrollen, wie Pierce Brosnan, David Bradley, Michael Smiley oder Billy Nighy.

Die Effekte sind gelungen, die Musik passend zum Setting eingesetzt, wie man es auch schon aus den Vorgängern kennt (und wer sich über mangelnde Musikidentität beklagt, der hatte wohl während „Alabama Song“ gerade die Toilette aufgesucht; die Szene ist ähnlich einprägsam wie damals "Don’t stop me now“ in „Shaun of the Dead“). Das Ende mag überraschen und ja, so zehn Minuten vor Schluss wird der Film auch etwas geschwätzig (da hätte man dann doch etwas kürzen können), aber bei „Hot Fuzz“ haben sich damals auch viele über die gefühlten zehn Showdowns aufgeregt. *g*

Fazit: „The World’s End“ ist ein gelungener, aber eher düsterer Abschluss der kultigen „Three Flavours Cornetto“-Trilogy. Über kleine Schwächen sehe ich da doch gerne hinweg.

Donnerstag, 10. Oktober 2013

"Rush - Alles für den Sieg": Packend wie ein gutes Formel1-Rennen


Ob aktuell Lewis Hamilton gegen Sebastian Vettel oder der ewige Kampf Ferrari gegen McLaren, Rivalität gehört seit jeher zur Formel 1. Mitte der 70er Jahre waren alle Augen auf die Konkurrenten James Hunt und Niki Lauda gerichtet. Während Hunt seinen Ruf als wildes Partytier mit jeder Menge Alkohol und ständig wechselnden Liebschaften pflegte, schraubte Lauda lieber selbst an seinem Wagen herum und ging seinen Technikern mit seinem Perfektionismus auf die Nerven. Eins hatten diese beiden grundverschiedenen Charaktere jedoch gemeinsam: den Glauben daran, besser zu sein als alle anderen.
1975 wurde Lauda Weltmeister, und auch in der Saison 1976 lief es zunächst gut für ihn, während Hunt immer wieder mit technischen Fehlern zu kämpfen hatte. Und dann kam der deutsche Grand Prix auf dem Nürburgring, bei den Fahrern auch heute noch als „grüne Hölle“ bekannt. Aufgrund schlechter Wetterbedingungen, welche die Strecke noch gefährlicher machten als sie es ohnehin schon ist, schlug Lauda vor, das Rennen abzusagen, was von den anderen Fahrern und v. a. Hunt nicht gut aufgenommen wurde. Das Rennen wurde gestartet, der Rest ist Geschichte.

Die Formel 1 wird nur selten für Filme genutzt, aber mit „Rush“ könnte sich das ändern, denn Ron Howard ist (nach eher durchwachsener Arbeit in den letzten Jahren) ein richtig guter Film gelungen. Die wahre Geschichte bietet genug Zündstoff für einen packenden Film, und auch Dank des sehr guten Drehbuchs von Peter Morgan („Frost/Nixon“) gelingt es dem Film, den Zuschauer mitzureißen, und das, obwohl der Ausgang der Handlung eigentlich hinlänglich bekannt ist. Aber zu wissen, was passiert, ist immer noch etwas anderes als es sozusagen zu „erleben“, denn wer von uns kann schon behaupten, damals live vor dem Fernseher gesessen zu haben?


Und erleben tut der Zuschauer die Geschehnisse des Jahres 1976. Das Drehbuch bringt uns diese zwei schwierigen Charaktere näher und macht sie zu Helden, ohne sie zu verherrlichen. Die Rennszenen werden von Anthony Dod Mantle toll eingefangen (teilweise mit Blick aus dem Cockpit, sodass man sich fragt, wie die Fahrer da überhaupt noch irgendwas sehen können) und von Hans Zimmer mit passend treibender Musik unterlegt. Ich war schon lange nicht mehr so angespannt wie vor dem Start des verhängnisvollen Nürburgring-Rennens.

Die Schauspieler sind großartig. Chris Hemsworth gibt den blonden, hünenhaften Briten James Hunt mit gerechtfertigter Arroganz und jugendlichem Charme, sodass es jederzeit nachvollziehbar bleibt, warum er a) so hoch gehandelt wird, und b) ihm die Herzen der Frauen nur so zufliegen. Aber auch die ernsthafte, verletzliche Seite bringt Hemsworth glaubwürdig rüber – sei es die bittere Verzweiflung , als er ohne Vertrag dasteht, oder die Schuldgefühle nach Laudas Unfall.

Auch Daniel Brühl als Niki Lauda ist hervorragend. Brühl hat sich ja eher unauffällig in diverse international Filme geschlichen (z. B. „Inglorious Basterds“) und mit dem am 31.10. startenden „Inside Wikileaks“ hat er einen weiteren hochgehandelten Film im Gepäck. Er hat den österreichischen Dialekt perfekt drauf und hatte außerdem das Glück, in der Vorbereitung mit Lauda sprechen zu können. Und als Lauda ist er wirklich nicht gerade liebenswert – er spielt die kalte Arroganz und den absoluten Pragmatismus des Österreichers sehr gut. Lauda eckte mit seiner Art im Fahrerlager deutlich mehr an als Hunt – keine Partys oder anderes „Socialising“, dafür morgens um 5 schon Besichtigung der Strecke, ständige Tüftelei am Wagen, Aussagen wie „Er hat zu spät gebremst, selber Schuld“ über einen im Training tödlich verunglückten Fahrer... nicht gerade ein Charmebolzen.
Und doch leidet man mit ihm, wenn er sich vom Sterbebett zurückkämpft auf die Rennstrecke, um sich im Kampf um die Weltmeisterschaft nicht komplett von Hunt abhängen zu lassen. Da will man, dass dieser eher unsympathische Kerl das schafft. Denn dass er auch anders und fröhlich kann (und sich außerdem seine Arroganz, genau wie Hunt, durchaus leisten kann) hat er uns vorher schon bewiesen.


Irgendwie versteht man dann auch, dass seine Frau Marlene zu ihm hält. Gespielt wird diese von Alexandra Maria Lara, und es ist noch die am meisten ausgearbeitete weibliche Rolle in „Rush“. Bei der Konzentration auf das zentrale Rivalenduo verständlich, wenn auch schade. Lara spielt Marlene auf eine unaufdringliche Art und strahlt dabei eine gewisse Stärke aus, die glaubhaft macht, dass Lauda sich zu ihr ernsthaft hingezogen fühlte.
Alle anderen Charaktere sind sehr gut besetzt und unterstützen die Charakterzeichnung von Hunt und Lauda. So gibt Natalie Dormer („Game of Thrones“) eine von Hunts frühen Affären mit Leidenschaft, und Olivia Wilde („Dr House“) spielt seine Frau und Model Suzy Miller mit passender Resignation.

Ron Howard ist ein zwei Stunden langer packender Blick auf eine spannende Zeit in der Formel 1 gelungen. Aus heutiger Sicht sind die Rennen in den 70ern eher erschreckend. Es war eine Zeit, bei der Sicherheit nur unter „ferner liefen“ rangierte, wo Fotografen im Grün direkt an der Rennstrecke lagen, Boxenstopps 30 Sekunden oder länger dauerten, Hightech-Kommunikation über In Ears noch in weiter Ferne lag und laut Statistik von ca. 70 Fahrern jede Saison zwei starben. Wenn man aber überlebte, konnte man zur Legende werden.

Fazit: "Rush" ist ein sehr gut erzähltes und packend inszeniertes Porträt zweier gegensätzlicher Charaktere, die in einem unglaublich fordernden Sport (fast) jedes Risiko eingehen, um den anderen zu schlagen. Gewinner dabei ist auf jeden Fall der Zuschauer.