
Ein Oscar-prämierter Regisseur, zwei der größten Stars, die Hollywood derzeit zu bieten hat, ein malerischer Handlungsort - das muss doch gut werden, oder?
Naja. Florian Henckel von Donnersmarck meldet sich nach seinem Triumph mit "Das Leben der anderen" nun mit "The Tourist" zurück. Hierfür konnte er Angelina Jolie und Johnny Depp gewinnen und ich komme nach zweimaligem Anschauen nicht drum herum zu denken, dass die beiden einfach nur ein bisschen Urlaub mit ihren Familien in Venedig machen wollten und der Film grad ganz gut zu diesen Plänen passte.
Depp spielt den Mathelehrer Frank, der auf seiner Zugfahrt nach Venedig von Elise (Jolie) angesprochen wird - einer offensichtlich ziemlich feinen Dame, von der er gleich hin und weg ist. Dumm nur, dass Elise von Scotland Yard - auffällig unauffällig - beschattet wird, denn sie ist die Geliebte eines in mehreren Ländern gesuchten Millionenbetrügers. Unter anderem will ein fieser Gangsterboss, der sich gern mit russischen Klischee-Schlägern umgibt, sein Geld wiederhaben. Und dieser Typ hält Dank Elises Bemühungen nun Frank für eben jenen Gesuchten...
Der Film erinnert von seiner Stilistik eher an die charmanten Gangsterfilme der 50er und 60er Jahre - er lässt sich Zeit beim Erzählen, Actionszenen werden sparsam eingesetzt und v. a. wird viel Wert auf die Inszenierung der weiblichen Hauptdarstellerin gelegt. Wer Angelina Jolie schon immer einmal dabei zuschauen wollte, wie sie elegant über die Straße läuft, hat hier reichlich Gelegenheit dazu. Auch ihr (viel zu starkes) Make Up lässt sich ausgiebig bewundern. Leider lässt ihre Ausdrucksfähigkeit zu wünschen übrig. Schon klar, sie ist die Unnahbar-Kühle (mal wieder), aber ein bisschen mehr Emotion hätte es schon sein dürfen.
Johnny Depp spielt den netten Trottel von nebenan und man kommt nicht drum rum zu vermuten, dass viele der humorigen Szenen ihm zu verdanken sind. Blöd aus der Wäsche gucken kann er jedenfalls sehr gut, genau wie mit Dackelblick hinter der Jolie herschauen. Mehr wird ihm nicht abverlangt. Angelina Jolie wird auch nicht gerade überbeansprucht, und das ist schon schade, wenn man bedenkt, dass beide um einiges mehr können als sie hier zeigen.
Schade auch, dass der Film sich v. a. auf die Chemie zwischen den Hauptdarstellern verlässt und die ist leider so gut wie gar nicht vorhanden. Um die Handlung wirklich interessant zu machen, müssten hier die Funken sprühen, man muss als Zuschauer wollen, dass die beiden zusammenkommen, weil man sieht, dass sie füreinander bestimmt sind. Bei "The Tourist" ist die Reaktion eher ein Schulterzucken und ein freundliches, "Joa, wenn sie meinen, dann okay."
Okay. Das ist das Wort, was den ganzen Film eigentlich sehr gut beschreibt. Ich fand ihn längst nicht so mies, wie die ganzen Kritiker ihn machten (sonst wäre ich ganz sicher kein zweites Mal reingegangen, Johnny Depp hin oder her), aber er war so... unbedeutend. Nette Unterhaltung, gesehen, vergessen. Depp hat schon schlimmere Filme gemacht, die Jolie ebenso. Hoffen wir, dass sie uns beim nächsten Mal mit einem richtigen Knaller überraschen.
Was gibt es sonst noch zu sagen? Der Film sieht sehr gut aus, Venedig wird gekonnt in Szene gesetzt und Angelina Jolie trägt ständig wunderschöne Kleider. Die anderen Darsteller sind soweit gut; ich freu mich einfach immer darüber, Paul Bettany zu sehen, auch wenn seine Rolle ebenfalls nicht viel hergibt. Timothy Dalton ist sogar auch dabei. Und Rufus Sewell ist es zu verdanken, dass der Film auch am Ende nochmal einen richtig guten Lacher zu bieten hat, und das v. a. Dank seiner Synchronstimme, die so offensichtlich Jack Sparrow ist, dass das sogar dem Otto-Normal-Kinogänger auffiel. Da soll nochmal einer sagen, in Deutschland würde der Durchschnittszuschauer nicht auf so etwas achten...
Fazit: Nette Unterhaltung, die nicht weh tut. Schöne Menschen in schöner Umgebung, aber leider nicht besonders erinnerungswürdig.
