Montag, 11. Februar 2013

Dieses Wochenende: Ein saucooler schwarzer Kopfgeldjäger und eine schwule Fußballmannschaft


 Django Unchained

Hier nur ein Kurzkritik zu Quentin Tarantinos neuestem Werk von jemandem, der Tarantino-Filme per se nicht besonders gerne schaut – ich halte nicht viel von blutigem Gemetzel, und davon bietet Tarantino nun mal eine Menge. Und doch habe ich „Django Unchained“ gesehen, da ich jemandem noch einen Gefallen schuldete. Ich habe dabei definitiv den besseren Deal gemacht.

Django (Jamie Foxx) ist ein Sklave im Süden Amerikas des 19. Jahrhunderts und wird gleich zu Beginn des Filmes von Dr. King Schultz (Christoph Waltz), ehemals Zahnarzt nun Kopfgeldjäger, freigekauft. Schultz verspricht sich von ihm Hilfe bei der Suche einer bestimmten Verbrechergang und von der Sklaverei hält er eh nichts. Django wird sein Partner und schließlich machen sie sich auf zur Plantage „Candyland“ des mächtigen Calvin Candie (Leonardo Di Caprio), da dieser im Besitz von Djangos Frau Broomhilda (Kerry Washington) ist. Leider läuft nicht alles wie geplant, was zu einem blutigen Showdown führt.

Das Negative vorweg: Der Film ist mit knapp drei Stunden zu lang. Ab der Ankunft auf Candyland hätte man ruhig die ein oder andere Szene kürzen können, denn es kam mir manchmal so vor, als würden wir gerade auf irgendetwas warten. Bis zu diesem Zeitpunkt ist „Django Unchained“ aber einer der unterhaltsamsten Filme, die ich in letzter Zeit gesehen habe.
 Die Schauspieler sind durchweg hervorragend, wobei Christoph Waltz als eloquenter Dr. Schultz Jamie Foxx glatt die Show stiehlt. Da drück ich gern die Daumen für einen weiteren Oscar! Das soll natürlich nicht heißen, dass Foxx nicht auch was zu bieten hat – ihn in einem blauen Rüschenanzug (er durfte es sich selbst aussuchen!) durch die Gegend reiten zu sehen ist zum Brüllen komisch. Logiklöcher wie Djangos Können im Schießen und Reiten (wenn er als Sklave das bisher noch kein einziges Mal machen durfte) ignoriert man da irgendwie ganz gern. Leonardo Di Caprio spielt mit Inbrunst und offensichtlicher Freude den fiesen Candie, und man muss schon zwei Mal hinschauen, um Samuel L. Jackson als dessen schwarzen Diener Stephen zu erkennen, der in gewisser Weise ein noch größerer Dreckskerl ist als Candie selbst. Kerry Washington hat leider nicht besonders viele Szenen, aber sie bringt sich voll in die Rolle ein und schafft es, dass man als Zuschauer einfach mit ihr und Django mitfiebert und auf ein Happy End hofft.

Der Humor kommt gerade zu Beginn kein Stück zu kurz – sei es Schultz’ und Djangos Besuch im texanischen Daughtrey, die bereits jetzt absolut zu Recht zu Kultstatus erhobene „Kapuzenszene“, Djangos Verhalten gegenüber Candies Aufsehern oder auch der mit viel Kunstblut um sich spritzende Showdown, man hat ständig was zu lachen. Auch Tarantinos übliche Regiespielereien wie Titeleinblendungen („MISSISSIPPI“), Zooms, der perfekte Einsatz von Musik (auch gerne mal komplett anachronistisch) finden sich in rauen Mengen. Genrefans haben dann sicherlich auch noch Freude an Cameos von z. B. Franco Nero, dem Original-„Django“.

 Tja, obwohl ich also nicht besonders Tarantino-affin bin, bleibt mir nichts anderes übrig als zu sagen: Wenn ihr mit Kunstblut leben könnt und mal wieder einen total abgedrehten und lustigen Western sehen wollt, dann geht „Django Unchained“ gucken. 




Männer wie wir 

Und da ich gerade in der Stimmung dazu war, folgte auf „Django Unchained“ dann ein anderer Film, in dem es um knallharte Typen geht: um deutsche Fußballer nämlich. Etwas Härteres als Fußball gibt es in Deutschland ja nicht, so ein richtiger Sport für echte Männer.
Und weil das so ist, hat es Bäckersohn Ecki (Maximilian Brückner) in seinem Ruhrpott-Kaff auch ziemlich schwer: Nicht nur hat er gerade seiner Fußballmannschaft als Torwart den Aufstieg aus der Kreisliga verpatzt, nein, er wurde auch noch als schwul geoutet und aus der Mannschaft geschmissen. Wütend fordert er seine ehemaligen Mitspieler zu einem Spiel heraus – sie gegen ihn und sein schwules Fußballteam. Dumm nur, dass er bisher noch gar kein Team hat. Also macht er sich auf nach Dortmund zu seiner Schwester Susanne (Lisa Potthoff), um ein paar andere fußballbegeisterte Schwule für sein Team zu finden. Leichter gesagt als getan.

Der 2004 erschienen Film von Sherry Hormann bietet dem Zuschauer an sich absolut nichts Neues: Die Handlung ist aus unzähligen amerikanischen Sportfilme bekannt (Underdogs gegen Supermannschaft inkl. diverser Trainingsmontagen), und an Schwulenklischees wird auch so einiges aufgefahren. Lack, Leder und Peitschen? Haben wir. Der David Beckham verehrende Türke mit abgespreiztem kleinen Finger? Auch dabei. Schwuler Krankenpfleger? Aber sicher! Ein Vater, der die Homosexualität seines Sohnes nicht akzeptieren will? Häkchen hinter.
Und trotz all dieser Klischees macht „Männer wie wir“ einfach Spaß. Zum Teil liegt es sicher daran, dass die Klischees zwar bedient werden, aber niemals ins Böse abdriften oder sich über die Figuren lustig machen. Der schwule Türke hat eine ihn vollkommen unterstützende Familie, die Lack-und-Leder-Kerle sind eigentlich lustige Typen und reißen auf dem Spielfeld so einiges raus, der Krankenpfleger wird vom halben Krankenhauspersonal angehimmelt und wirkt weniger schwul als Susannes Freund, der wiederum für den guten Zweck den Schwulen mimt. Und so weiter. Alles wird mit viel Humor und einem Augenzwinkern präsentiert, sodass man gar nicht anders kann, als die Charaktere zu mögen.

Obwohl man weiß, wie das Ganze sich am Ende auflösen wird, fiebert man doch mit den Charakteren mit, eben weil man sie mag. Der Film bietet genug Ernsthaftigkeit, damit die Charaktere interessant bleiben, behält aber dennoch durchweg seine Leichtigkeit. Und nebenbei macht er auch auf das große Tabuthema Homosexualität im Fußball aufmerksam und führt die engstirnige Denkweise der fußballverrückten Dorfbewohner vor, die gleich zu Anfang pauschal verkünden, „Ein Homo kann nicht Fußball spielen“ – natürlich will man da, dass Ecki und seine Truppe es allen beweisen.

Schön ist es auch, diverse Fußballklischees ebenfalls augenzwinkernd präsentiert zu bekommen – natürlich dribbeln die Brasilianer alle schwindelig und brauche ewig, bis sie überhaupt aufs Tor schießen, natürlich wimmelt es nur so von Schwalben, um einen Elfmeter abzustauben, natürlich pfeift der Schiri komplett ungerecht.

„Männer wie wir“ ist einfach ein Feel-Good-Film, mit Liebe und Humor von allen Beteiligten gemacht. Die Charaktere wachsen einem schnell ans Herz und man drückt Ecki & Co. Die Daumen für den Sieg. Über die – teilweise sogar clever genutzten – Klischees habe ich gern hinweggesehen.

Samstag, 5. Januar 2013

"Life of Pi": Schiffbruch mit Tiger jetzt auch im Kino


Yann Martels mit diversen Preisen ausgezeichnet Roman "Schiffbruch mit Tiger" galt lange als unverfilmbar, ganz einfach weil der Großteil der Handlung auf einem kleinen Rettungsboot spielt und einen bengalischen Tiger beinhaltet. Aber wie das so mit "unverfilmbaren" Filmen ist, aufgrund der heutigen Technik ist doch deutlich mehr machbar als man zuerst für möglich gehalten hat (s. z. B. "Der Herr der Ringe").
Und so bin ich Ang Lee doch sehr dankbar, dass er sich Martels Buch angenommen hat. Nachdem diverse Regisseure über die Jahre mit der Verfilmung des Romans in Verbindung gebracht worden waren (u. a. Alfonso Cuarón und M. Night Shyamalan ), ist es nun Lee geworden, der schon oft ein Händchen für Literaturadaptionen bewiesen hat ("Sinn & Sinnlichkeit", "Brokeback Mountain") - und "Schiffbruch mit Tiger" ist in der Tat genau beim Richtigen gelandet.

Der Film hält sich sehr eng ans Buch. Der unter Schreibblockade leidende Buchautor Martel (Rafe Spall) und besucht den nach Kanada ausgewanderten Inder Pi Patel (Irrfan Khan). Dieser habe eine unglaubliche Geschichte zu erzählen, so hörte er. Patel wuchs in Pondicherry auf, wo sein Vater einen Zoo unterhielt, und trat als Jugendlicher (Suraj Sharma) sowohl dem Christentum als auch dem Islam bei, ganz einfach, weil es für ihn Sinn machte. Aufgrund der gesellschaftlichen Unruhen beschließt die Familie mitsamt der Zootiere nach Kanada auszuwandern. Auf der Überfahrt gerät das Schiff in einen Sturm und sinkt. Allein Pi kann sich auf eines der Rettungsboote retten - zusammen mit einem verletzten Zebra, einem Orange Utan, einer Hyäne und dem Tiger Richard Parker. Die Zahl der Tiere wird schnell dezimiert und was für Pi folgt sind 227 Tage auf See, in gesellschaft eines Tigers.


Wie auch im Buch nimmt sich der Film die Zeit, um uns den jungen Pi näher zu bringen. Manch einer mag diese Vorgeschichte zu lang finden ("Wann kommt denn endlich der Tiger?"), aber es ist notwendig um einerseits zu verstehen, warum sich Pi so verhält wie er es tut, und andererseits, damit der Zuschauer überhaupt eine Verbindung zum Hauptcharakter aufbauen kann. Ansonsten ließe einen der Schiffbruch vermutlich ziemlich kalt. Auch Pis starker Glauben wird immer wieder am Rande thematisiert, und sein Überlebenskamp auf See gerät gleichzeitig zum ultimativen Glaubenstest.

Die optische Umsetzung ist eine wahre Augenweide. Der Untergang der Tsimtsum im Pazifiksturm ist bildgewaltig inszeniert und gerade für die anschließende Zeit auf dem Meer findet Lee poetische Bilder, die die Schönheit, aber auch die unglaubliche Weite des Ozeans perfekt widerspiegeln. Fluoreszierende Fische und Wale, ein Tauchgang in die Tiefen des Mariannengrabens und eine von Erdmännchen bevölkerte Algeninsel - Lee findet die richtigen Bildern, um den Zuschauer immer wieder staunen zu lassen. Das sehr gute 3D unterstützt diesen Effekt nur.
Tiger Richard Parker ist fantastisch animiert und wirkt sehr real. Wie er und Pi sich aneinander gewöhnen und eine Art Zweckgemeinschaft eingehen, ist spannend und hin und wieder sogar recht lustig. Wie Pi selbst an einer Stelle sagt, ist der Tiger es, der ihn im Grunde dazu zwingt, seinen Verstand nicht zu verlieren und irgendwie durchzuhalten.


An den Leistungen der Schauspieler gibt es nichts zu meckern. Rafe Spall und Irrfan Khan geben ein gutes "Interviewpaar" ab; man glaubt Spall, dass sein Charakter von der Geschichte Pis fasziniert ist; und Khan bringt die passend ruhige und nachdenkliche Art mit, die den erwachsenen Pi ausmacht, der die Geschehnisse nun mit der nötigen Distanz betrachten kann. Newcomer Suraj Sharma als jugendlicher Pi hat einen Großteil des Films zu tragen und das macht er überzeugend und sympathisch. Vielleicht hätte ich mir hin und wieder noch ein wenig mehr Intensität gewünscht, allerdings hat der Roman natürlich den Vorteil, dass er sich sehr viel mehr Zeit für das Überleben auf See nehmen kann und wir auch mehr über Pis Gedanken erfahren.

Dankbar bin ich den Machern, dass sie sich bei den Geschehnisse im Rettungsboot zu Beginn ziemlich zurückhalten. Das war im Roman doch sehr viel deutlicher dargestellt worden und nichts für Zartbesaitete. Schön auch, dass die Coda am Ende (das Gespräch mit den Vertretern der Versicherungsgesellschaft) eingeschlossen wurde. Dieser Teil ist im Roman nicht jedermanns Sache, aber für mich unterstreicht er die endgültige Aussage deutlicher (denn nicht vergessen, am Anfang steht die Behauptung, dass der Leser nach dieser Geschichte an Gott glaubt). Und letztlich kann auch im Film jeder selbst entscheiden, was er glauben möchte.

Fazit: Ob man am Ende nun (mehr) an Gott glaubt oder nicht, entgehen lassen sollte man sich "Life of Pi" auf keinen Fall. Der Film und seine wunderschönen Bilder entwickeln einen richtigen Sog, der den Zuschauer eintauchen lässt in Pi Patels unglaubliche Geschichte. 


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Dienstag, 1. Januar 2013

Auf ein Neues: Mein Kinojahr 2012

Ein frohes Neues Jahr 2013 Euch allen! Bevor ich meine "Life of Pi"-Kritik auf die Welt loslasse, blicke ich noch einmal zurück auf das vergangene Jahr und was das Kino so alles für mich bereithielt.

Tja, ein wenig sind die Kinobesuche für mich zurückgegangen: Es zog mich 40 Mal ins Kino (2011: 43), allerdings handelt es sich dabei um 36 verschiedene Filme, wohingegen ich 2011 allein 8 Besuche auf das Konto von zwei Filmen gingen. *g* Dieses Jahr sah ich nur vier Filme zweimal im Kino und laut Quartalen verteilt es sich so: 6 Besuche / 11 Besuche / 11 Besuche / 12 Besuche.
Von diesen 40 Besuchen gehen  28 auf mein Heimatkino, die anderen verteilen sich auf zwei weitere Kinos mehr oder weniger in der Nähe.

Der beste Film
Dieses Jahr geht der Preis an den besten Sommerblockbuster, "The Avengers". Der Film hätte ein komplettes Desaster werden können, aber glücklicherweise hatte Joss Whedon das richtige Händchen und hat perfektes Popcornkino abgeliefert. Tolle Charaktere, zwischen denen die Chemie stimmt, beeindruckende Actionszenen und eine gute Portion Humor - so stell ich mir gutes Entertainment vor. Auch nach mehrmaligem Ansehen büßt "The Avengers" nichts von seinem Unterhaltungswert ein, was man auch nicht über jeden Film sagen kann.
Ebenfalls weit oben auf meiner Jahres-Hitliste finden sich "Cloud Atlas", "Life of Pi", "Der Hobbit", und "Dame König As Spion".


Der schlechteste Film
 Es gibt die offensichtlichen Vertreter in dieser Kategorie wie "Breaking Dawn 2" oder "Snow White & the Huntsman", die wirklich beide auf ihre Weise schlecht sind (schlecht inszeniert und langweilig, oder komplett unlogisch und abgekupfert). Aber wirklich richtig aufgeregt im Sinne von "Was für ein ätzend-nerviger Film, und dabei hätte der so gut sein können!" hat mich Til Schweigers "Schutzengel". Gut aussehende Action, aber so eine Unmenge an schlechten Klischees und miesen Dialogszenen, die sich gegen Ende ziehen wie ein richtig unkaputtbarere Kaugummi. Und dann natürlich ein komplett unglaubwürdiges Zuckerguss-Ende!
"Schutzengel" ist der Film, bei dem ich danach am meisten rumgemeckert habe. Die anderen beiden Filme haben mir wenigstens auf der "Wow, ist das ein Mist!"-Ebene noch Spaß gemacht, aber hier war es nur ein genervtes Augenrollen und "Mach voran!".


Der lustigste Film
Der Preis geht an "Ted", Mark Wahlbergs fluchenden Teddybären. Sicher, den Haudrauf-Humor muss man mögen, aber dann hat man eine gute Zeit. Ich weiß nicht, wie gut sich der Film bei mehrmaligem Sehen hält, aber im Kino war er für mich dieses Jahr der Film mit der höchsten Lachfrequenz und mit einigen der besten Cameos des Jahres.
Viel gelacht habe ich aber auch beim Überraschungshit "Ziemlich beste Freunde", "Ice Age 4" (dank der herrlichen Faultier-Oma, den Kampfhamstern und Scrat, nicht wegen der langweiligen Teeniedrama-Nebenhandlung) und Disneys "Ralph reicht's" (ein herrlich im wahrsten Sinne des Wortes zuckriger Film inklusive einer "hammerharten Braut" *g*).


Der emotionalste Film
Auch wenn "Life of Pi" mich am Ende doch das ein oder andere Mal schlucken ließ, fand ich "50/50 - Freunde fürs (Über)Leben" doch am emotional involvierendsten. Joseph Gordon-Levitt ist hervorragend als krebskranker Mittzwanziger, der irgendwie versucht, mit der Situation klarzukommen. Anna Kendrick liefert eine tolle Leistung als seine überforderte Psychologin, und Seth Rogen ist als beste Freund ehrlich, manchmal arschig, aber immer loyal. Da das Ganze auf einer wahren Geschichte basiert, ist der Ausgang  klar, und doch war ich einfach "drin" in diesem Film.


Die größte positive Überraschung
Zwei Filme haben mich wirklich richtig überrascht: "Cabin in the Woods" und "The Amazing Spider-Man". Während ersterer einfach eine herrlich erfrischende Abwechslung im Horrorgenre ist, zeigt letzterer uns einen etwas düstereren Peter Parker, der mit Andrew Garfield perfekt besetzt wurde. Dafür, dass das Reboot der "Spider-Man"-Serie eigentlich komplett überflüssig war, ist dieser Film wirklich richtig gut gelungen.


Die größte Enttäuschung
Es schmerzt mich ein wenig, dies sagen zu müssen, aber in dieser Kategorie ist "Dark Shadows" ganz vorne. Ein Vampirfilm von Tim Burton mit Johnny Depp? Na, das muss doch fantastisch werden! Leider weit gefehlt. Ich verließ einen Burton-Film noch nie so gleichgültig wie diesen. Da hat man wohl zuviel auf einmal gewollt und sich ziemlich verzettelt. Auch Depp hat sich schon mal mehr in eine Rolle reingehängt.


Das beste Publikum
Da geht mein Lob zunächst sowohl an das Publikum bei meinem zweiten "The Avengers"-Besuch als auch an das aus "Ted". Beide Male herrschte eine wirklich gute Stimmung - alle hatten offensichtlich richtig Spaß an dem Film, ohne irgendwie dabei zu ausgelassen oder störend zu werden. Schön.
Ähnlich unterhaltsam war das Publikum in "Breaking Dawn 2" - offensichtlich zum Großteil aus Fans bestehend, die gut mitgingen und den bescheuerten Twist entsprechend kommentierten.
Aus einem anderen Grund wirklich gut war das Publikum in "The Dark Knight Rises" - sehr angespannt und voll vom Film gefangen. Keinerlei Unruhe trotz der langen Filmdauer. Beinahe so gut wie die Meute damals in "Inception". *g*
Ehrennennung für das Mädel in der Reihe vor uns in "The Artist", die am Ende nach der großen Shownummer losklatschte.


Das schlechteste Publikum
Glücklicherweise blieb mir dieses Jahr ein insgesamt mieses Publikum erspart. Dafür gab es wieder ein paar "herausragende" Individuen...
Platz 1 an die Idioten ein paar Reihen hinter uns in "Dame König As Spion", die offensichtlich keinen Plan davon hatten, welche Art Film sie da gerade gucken, und glücklicherweise nach einer halben Stunde mit einer "freundlichen" Schlussbemerkung den Saal verließen. Kein Mitleid, selbst Schuld.
Platz 2 an den Typen neben mir in "Snow White & the Huntsman", der gefühlt alle 5 Minuten die Uhrzeit checkte, sich andauernd dreist halb in meinen Sitz lehnte und möglicherweise ein Atemproblem hatte. Wenn du den Film so schrecklich findest, dann geh.
Platz 3 an das Blag neben mir in "Die Tribute von Panem", das die erste Stunde des Films (weil sooo langweilig) damit verbrachte, ständig SMS mit irgendwem auszutauschen. Danke, Apple, für das extrem helle Handy-Display.


Das erinnert mich an....
Nun ja, der komplette "Snow White"-Film erinnerte mich an andere Filme. *g* Am dreistesten waren jedoch die ganzen "Der Herr der Ringe"-Anleihen.
Auch schön: Wir lernen in "Skyfall" den neuen Quartiermeister (Ben Whishaw) kennen, und uns fiel spontan nur eins dazu ein: Sherlock Holmes hat also auch einen jüngeren Bruder! Und ich kann mir nicht helfen, aber Fix-it Felix aus "Ralph reichts" erinnert mich an Martin Freeman. Keine Ahnung warum.
Aber manchmal stehe ich auch komplett auf dem Schlauch. So wie in "The Descendants", wo ich einfach nicht drauf kommen wollte, an wen mich dieser eine komische Schauspieler erinnert - bis mir nach dem Film mitgeteilt wurde, dass das Timothy Spall war. Ich habe ihn nicht erkannt. Er sah so... normal aus.


Besondere Momente
Da gab's dieses Jahr nur eine Sache, und das war, ein komplettes Kino bei "Cabin in the Woods" für sich zu haben. Sehr cool - wie ein DVD-Abend, nur in größer. *g


Die "Ich bin so intellektuell"-Ecke
Ich habe dieses Jahr nicht nur einen Schwarzweiß-Film gesehen, sondern zwei! Yeah! Einer davon war ein Stummfilm ("The Artist", einfach ganz wunderbar) und der andere ein französischer Arthouse-Film mit Untertiteln ("Kill me please", ich bin nach wie vor nicht sicher, was ich da gesehen habe). Hinzu kommt natürlich noch "Die Entdeckung des Hugo Cabret", der ja immerhin eine Liebeserklärung an den Beginn des Kinos ist, auch wenn er sich irgendwie in diversen Nebenhandlungen verliert. Aber Scorsese ist ja trotzdem immer ganz toll oder so.

Und damit sind wir am Ende meines Jahresrückblickes angekommen.

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Donnerstag, 27. Dezember 2012

"Cloud Atlas": Ein Sextett, das natürlich nicht jedermanns Geschmack trifft


Basierend auf dem Roman von David Mitchell haben sich Tom Tykwer sowie Andy und Lana Wachowski an die Verfilmung dieses schwierigen Geschichte gemacht. Schwierig deshalb, weil der Roman sechs unterschiedliche Handlungsstränge in ebenso vielen Zeitebenen miteinander verwebt und man dadurch natürlich mit einer Menge von Charakteren konfrontiert wird. Überraschend, wie gut Tykwer und die Wachowskis dieses Geflecht darstellen – bis auf einige verwirrte Minuten zu Beginn, in denen man aus jedem Teil einen Bruchteil vorgesetzt bekommt, entfalten sich die unterschiedlichen Geschichten im Anschluss logisch und jederzeit nachvollziehbar.

Wir starten im Jahr 1846 mit dem Rechtsanwalt Adam Ewing (Jim Sturgess), der nach dem Besuch einer Plantage von der Sklaverei abgestoßen ist, einem entflohenen Sklaven hilft und dabei zu dessen Freund wird. 1936 treffen wir den jungen Komponisten Robert Frobisher (Ben Wishaw), der für einen kranken, aber erfolgreichen Komponisten dessen Ideen auf Papier bringt. Gleichzeitig arbeitet er jedoch an seinem eigenen Meisterwerk, dem „Wolkenatlas-Sextett“, und berichtet darüber in Briefen seiner großen Liebe.
Von diesem Stück hört die Journalistin Louisa Rey (Halle Berry) im San Francisco der 70er, während sie versucht, einen Skandal um ein Atomkraftwerk aufzudecken. 2012 schlägt sich der gewiefte Verleger Timothy Cavendish (Jim Broadbent) so durch und landet durch eine Intrige seiner Bruders im Seniorenheim. 132 Jahre in der Zukunft schließt sich die geklonte Kellnerin Somni-451 (Doona Bae) einer Revolutionsbewegung an, um die Missstände ihrer Gesellschaft endlich ans Tageslicht zu bringen. Ihre Verkündungen sind es dann auch, die in einer noch weiter entfernt liegenden Zukunft den Menschen Kraft geben, auf der durch eine Katastrophe zerstörten Erde zu leben. Zachry (Tom Hanks) hilft dabei der einem anderen Stamm angehörenden Meronym (ebenfalls Halle Berry), den Start in eine bessere Zukunft zu schaffen.


Ziemlich lange Inhaltsangabe, aber was soll man machen bei sechs unterschiedlichen Handlungssträngen? Dabei sollte man erwähnen, dass sich die viel beworbenen Verbindungen zwischen den unterschiedlichen Geschichten teilweise auf Kleinigkeiten beschränken. Die Verbindung zwischen dem 70er Jahre-Plot und der 2012 spielenden Handlung ist z. B. so gut wie unbedeutend, während der Einfluss, den ein Detail aus dem 2012er Plot auf die Geschichte um Somni hat, sehr viel größer und wichtiger ist.

Die Themen, um die es in jeder Geschichte geht, sind jedoch universell: Unterdrückung und Machtausübung auf der einen und die Rebellion dagegen auf der anderen Seite, dargestellt auf unterschiedliche Weise. Sei es der junge Anwalt, der sich gegen die Sklaverei auflehnt, oder der alte Verleger, der es der Heimleitung zeigen will, oder die Journalistin, die es mit machtgierigen Konzernbossen aufnimm - immer geht es um die Freiheit von irgendeiner Art gesellschaftlicher Konvention. Das Ganze lässt sich, wenn man denn geneigt ist, sogar recht tiefgründig weiterspinnen, von der Sklaverei des 19. Jahrhunderts über die Abhängigkeit von Konzernen bis hin zur neuen Form der Sklaverei, den Klonen. Man kann den Film aber natürlich auch so genießen, ohne sich gleich in Diskussionen über die Verkommenheit der Gesellschaft zu verlieren.

Ein wenig schade ist, dass die unterschiedlichen Stile, die Mitchell in seinem Roman verwendet, nicht so leicht auf das Medium Film übertragbar sind. So ist die geschichte um den Anwalt Ewing tatsächlich in Reisetagebuch-Form geschrieben, wie es zu der Zeit üblich war; Frobishers Geschichte spielt sich gänzlich über seine Briefe ab, und die Geschichte in der fernen Zukunft ist der eigentümlichen sprache Zachrys geschrieben, sodass sich Leser bereits über die ganzen Rechtschreib- und Grammatikfehler beschwerten. *g* Leichter umsetzbar waren da die typischen Krimielemente der 70er Jahre-Handlung, der Schelmenromanstil in Verleger Cavendishs Geschichte oder die pure Science Fiction rund um Somni.
Klugerweise entschied man sich dazu, die Struktur des Romans nicht beizubehalten, sondern zwischen den einzelnen Handlungssträngen hin und her zu schneiden - mal mit größeren, mal mit kürzeren Abständen zwischen den Schnitten, je nach Intensität der Szenen. Der Roman hat nämlich eine V-Struktur, geschrieben nach dem Muster a-b-c-d-e-f-e-d-c-b-a - er beginnt mit der geschichte um Ewing, bricht mittendrin ab, fängt die Geschichte um Frobisher an, bricht mittendrin ab usw., bis zur Geschichte um Zachry, die komplett erzählt wird, um danach die anderen Geschichten hintereinander zu beenden.


Jetzt hab ich mich ewig lange über Botschaften und Strukturen und Verbindungen usw. ausgelassen, ohne mit einem Wort die tollen Darsteller zu erwähnen. Tss. Alle übernehmen mehrere Rollen, sind teilweise unter der Maske kaum mehr zu erkennen. Dabei ist wichtig, dass es sich nicht um Reinkarnationen handelt - manche Figurenkonstellationen wiederholen sich zwar, aber dies ist längst nicht bei allen Charakteren der Fall und dient wohl eher dazu, narrative Parallelen aufzuzeigen. Die Maske dazu ist auch fast immer ausgezeichnet und funktionierte für mich nur bei Hugo Weaving als Krankenschwester irgendwie so gar nicht.

Am meisten in den Bann gezogen haben mich die Geschichten um Komponist Frobisher und Klon Somni. Ben Wishaw gibt den gequälten, moralisch durchaus fragwürdigen Künstler sehr überzeugend und das Ende seines Handlungsstrangs ist gerade auch durch das eindringliche Spiel von James D'Arcy sehr bewegend. Wie sagt man im Internet so schön: All the feels.
Somnis Geschichte fand ich gerade deshalb so interessant, weil sie uns eine Zukunft zeigt, die gar nicht so abwegig ist (Andeutungen für gewisse Aspekte, nicht nur im Bezug auf Sklaverei, gibt es in chronologisch vorher angeseidelten Handlungssträngen bereits) und damit besonders erschreckend. Und ehrlich gesagt bin ich einfach jemand, der diese Art Revolutionsgeschichten mag. Einige der besten Szenen sind die, in denen Somni verhört wird und ihre Sicht der Dinge darlegt. Sehr stark weil von Doona Bae eher zurückhaltend und nüchtern gespielt, wodurch das Ganze mehr Gewicht erhält.

Im Ton komplett von den anderen Geschichten abgesetzt ist die Geschichte um Jim Broadbents Verleger, der einfach ein gieriger Sack ist, den man aber doch irgendwie... mag. Jedenfalls im Vergleich zu seinem von Hugh Grant gespielten schleimigen Bruder und dem Personal des Altenheims. Die Ausbruchsversuche machen Spaß, und gleichzeitig gibt dieser Handlungsstrang dem Zuschauer auch immer wieder eine kleine Atempause von den anderen geschichten, die eher wenig zum Lachen bieten.

Tom Hanks' Charaktere sind fast durchweg unangenehme Typen, die manchmal einen guten Kern haben, manchmal aber auch nicht. Zachry ist da möglicherweise der Interessanteste - von einer teuflischen Halluzination verfolgt, eher feige, findet er eine gewisse innere Stärke, als er Meronym hilft.
Wie gesagt, auch all die anderen Schauspieler sind wirklich gut und ich könnte mich jetzt noch viel zu lange mit Rollenanalysen aufhalten, also lasse ich das lieber.



Auf der technischen Seite gibt es meiner Meinung nach nix zu meckern. Jede Geschichte wird in passenden, teils sehr schönen Bildern präsentiert. Die detaillierte Darstellung von Somnis Zukunftswelt ist beeindruckend. Die Musik, u. a. von Tom Tykwer persönlich, ist wunderschön anzuhören und untermalt das Leinwandgeschehen sehr gut.

Ich bin noch immer ein wenig zwiespältig, was die FSK-12 Freigabe angeht. Immerhin, ich hatte auf irgendeiner Kinowebsite eine Freigabe ab 6 gelesen, was mich doch sehr schockiert hatte. Der Film beinhaltet keine übermäßige Menge an Gewaltszenen, aber weggeschnitten wird auch nicht immer. Die Brutalität passt zu den Szenen/der Gesellschaft, in der sie stattfindet, aber ich bin kein großer Freund dieser Darstellungen. Der entsprechende Schockeffekt mancher Szenen ist dadurch aber durchaus höher. Dass R-Rating in den USA dürfte aber wohl andere Gründe haben.

Tja, und warum war "Cloud Atlas" dann so wenig erfolgreich an den Kinokassen? Es mag zum einen an der langen Spieldauer (fast drei Stunden) liegen, auf die sich nun wirklich nicht jeder einlassen möchte. Für mich verging die Zeit wie im Flug, aber wie man den diversen Kritiken entnehmen kann, wird einfach nicht jeder warm mit der Erzählweise (zu verwirrend) oder der dargebotenen Thematik (zu bemüht bedeutungsvoll). Und so hatte ich vielleicht einfach nur Glück, dass der Film für mich funktionierte. Einen Blick wert ist er auf DVD allemal.

Fazit:  "Cloud Atlas" bietet große Bilder und überzeugende Schauspieler in einem Film über Unterdrückung und Freiheit. Die sechs Handlungsstränge verlangen dem Zuschauer ein gewisses Maß an Konzentration ab, um ihnen zu folgen - wer sich aber dazu bereit erklärt, der erhält einen Film, über den man wahlweise gut diskutieren oder aber den man einfach nur so genießen kann. Nicht der beste Film des Jahres, aber für mich zumindest weit oben mit dabei.


Dienstag, 25. Dezember 2012

Ein frohes Weihnachtsfest!






Tja, Weihnachten ist offensichtlich auch nicht mehr das, was es mal war. *g*

Wir hoffen, dass es bei Euch dann doch noch ein wenig traditioneller und besinnlicher zugeht. In diesem Sinne wünschen Sunshine und ich Euch ein frohes, friedvolles, gemütliches und wunderschönes Weihnachtsfest im Kreise Eurer Lieben!

Vielen Dank an  alle Leser der "Ansichtssachen aus dem Wilden Westen". An die, die hier regelmäßig vorbeischauen und auch an die, die sich hier nur zufällig hin verirren. Und natürlich an die,die dann auch mal einen Kommentar hinterlassen, der immer willkommen ist. Und besonders gedacht sei auch an die, die das Weihnachtsfest vielleicht allein verbringen müssen und/oder krank sind. Euch allen ein wenig (und durchaus auch ein wenig mehr) von der Freude, dem Frieden und der Besinnung, die das Weihnachtsfest ausstrahlen soll.

Eure
Sunshine & Oellig