Donnerstag, 27. Dezember 2012
"Cloud Atlas": Ein Sextett, das natürlich nicht jedermanns Geschmack trifft
Basierend auf dem Roman von David Mitchell haben sich Tom Tykwer sowie Andy und Lana Wachowski an die Verfilmung dieses schwierigen Geschichte gemacht. Schwierig deshalb, weil der Roman sechs unterschiedliche Handlungsstränge in ebenso vielen Zeitebenen miteinander verwebt und man dadurch natürlich mit einer Menge von Charakteren konfrontiert wird. Überraschend, wie gut Tykwer und die Wachowskis dieses Geflecht darstellen – bis auf einige verwirrte Minuten zu Beginn, in denen man aus jedem Teil einen Bruchteil vorgesetzt bekommt, entfalten sich die unterschiedlichen Geschichten im Anschluss logisch und jederzeit nachvollziehbar.
Wir starten im Jahr 1846 mit dem Rechtsanwalt Adam Ewing (Jim Sturgess), der nach dem Besuch einer Plantage von der Sklaverei abgestoßen ist, einem entflohenen Sklaven hilft und dabei zu dessen Freund wird. 1936 treffen wir den jungen Komponisten Robert Frobisher (Ben Wishaw), der für einen kranken, aber erfolgreichen Komponisten dessen Ideen auf Papier bringt. Gleichzeitig arbeitet er jedoch an seinem eigenen Meisterwerk, dem „Wolkenatlas-Sextett“, und berichtet darüber in Briefen seiner großen Liebe.
Von diesem Stück hört die Journalistin Louisa Rey (Halle Berry) im San Francisco der 70er, während sie versucht, einen Skandal um ein Atomkraftwerk aufzudecken. 2012 schlägt sich der gewiefte Verleger Timothy Cavendish (Jim Broadbent) so durch und landet durch eine Intrige seiner Bruders im Seniorenheim. 132 Jahre in der Zukunft schließt sich die geklonte Kellnerin Somni-451 (Doona Bae) einer Revolutionsbewegung an, um die Missstände ihrer Gesellschaft endlich ans Tageslicht zu bringen. Ihre Verkündungen sind es dann auch, die in einer noch weiter entfernt liegenden Zukunft den Menschen Kraft geben, auf der durch eine Katastrophe zerstörten Erde zu leben. Zachry (Tom Hanks) hilft dabei der einem anderen Stamm angehörenden Meronym (ebenfalls Halle Berry), den Start in eine bessere Zukunft zu schaffen.
Ziemlich lange Inhaltsangabe, aber was soll man machen bei sechs unterschiedlichen Handlungssträngen? Dabei sollte man erwähnen, dass sich die viel beworbenen Verbindungen zwischen den unterschiedlichen Geschichten teilweise auf Kleinigkeiten beschränken. Die Verbindung zwischen dem 70er Jahre-Plot und der 2012 spielenden Handlung ist z. B. so gut wie unbedeutend, während der Einfluss, den ein Detail aus dem 2012er Plot auf die Geschichte um Somni hat, sehr viel größer und wichtiger ist.
Die Themen, um die es in jeder Geschichte geht, sind jedoch universell: Unterdrückung und Machtausübung auf der einen und die Rebellion dagegen auf der anderen Seite, dargestellt auf unterschiedliche Weise. Sei es der junge Anwalt, der sich gegen die Sklaverei auflehnt, oder der alte Verleger, der es der Heimleitung zeigen will, oder die Journalistin, die es mit machtgierigen Konzernbossen aufnimm - immer geht es um die Freiheit von irgendeiner Art gesellschaftlicher Konvention. Das Ganze lässt sich, wenn man denn geneigt ist, sogar recht tiefgründig weiterspinnen, von der Sklaverei des 19. Jahrhunderts über die Abhängigkeit von Konzernen bis hin zur neuen Form der Sklaverei, den Klonen. Man kann den Film aber natürlich auch so genießen, ohne sich gleich in Diskussionen über die Verkommenheit der Gesellschaft zu verlieren.
Ein wenig schade ist, dass die unterschiedlichen Stile, die Mitchell in seinem Roman verwendet, nicht so leicht auf das Medium Film übertragbar sind. So ist die geschichte um den Anwalt Ewing tatsächlich in Reisetagebuch-Form geschrieben, wie es zu der Zeit üblich war; Frobishers Geschichte spielt sich gänzlich über seine Briefe ab, und die Geschichte in der fernen Zukunft ist der eigentümlichen sprache Zachrys geschrieben, sodass sich Leser bereits über die ganzen Rechtschreib- und Grammatikfehler beschwerten. *g* Leichter umsetzbar waren da die typischen Krimielemente der 70er Jahre-Handlung, der Schelmenromanstil in Verleger Cavendishs Geschichte oder die pure Science Fiction rund um Somni.
Klugerweise entschied man sich dazu, die Struktur des Romans nicht beizubehalten, sondern zwischen den einzelnen Handlungssträngen hin und her zu schneiden - mal mit größeren, mal mit kürzeren Abständen zwischen den Schnitten, je nach Intensität der Szenen. Der Roman hat nämlich eine V-Struktur, geschrieben nach dem Muster a-b-c-d-e-f-e-d-c-b-a - er beginnt mit der geschichte um Ewing, bricht mittendrin ab, fängt die Geschichte um Frobisher an, bricht mittendrin ab usw., bis zur Geschichte um Zachry, die komplett erzählt wird, um danach die anderen Geschichten hintereinander zu beenden.
Jetzt hab ich mich ewig lange über Botschaften und Strukturen und Verbindungen usw. ausgelassen, ohne mit einem Wort die tollen Darsteller zu erwähnen. Tss. Alle übernehmen mehrere Rollen, sind teilweise unter der Maske kaum mehr zu erkennen. Dabei ist wichtig, dass es sich nicht um Reinkarnationen handelt - manche Figurenkonstellationen wiederholen sich zwar, aber dies ist längst nicht bei allen Charakteren der Fall und dient wohl eher dazu, narrative Parallelen aufzuzeigen. Die Maske dazu ist auch fast immer ausgezeichnet und funktionierte für mich nur bei Hugo Weaving als Krankenschwester irgendwie so gar nicht.
Am meisten in den Bann gezogen haben mich die Geschichten um Komponist Frobisher und Klon Somni. Ben Wishaw gibt den gequälten, moralisch durchaus fragwürdigen Künstler sehr überzeugend und das Ende seines Handlungsstrangs ist gerade auch durch das eindringliche Spiel von James D'Arcy sehr bewegend. Wie sagt man im Internet so schön: All the feels.
Somnis Geschichte fand ich gerade deshalb so interessant, weil sie uns eine Zukunft zeigt, die gar nicht so abwegig ist (Andeutungen für gewisse Aspekte, nicht nur im Bezug auf Sklaverei, gibt es in chronologisch vorher angeseidelten Handlungssträngen bereits) und damit besonders erschreckend. Und ehrlich gesagt bin ich einfach jemand, der diese Art Revolutionsgeschichten mag. Einige der besten Szenen sind die, in denen Somni verhört wird und ihre Sicht der Dinge darlegt. Sehr stark weil von Doona Bae eher zurückhaltend und nüchtern gespielt, wodurch das Ganze mehr Gewicht erhält.
Im Ton komplett von den anderen Geschichten abgesetzt ist die Geschichte um Jim Broadbents Verleger, der einfach ein gieriger Sack ist, den man aber doch irgendwie... mag. Jedenfalls im Vergleich zu seinem von Hugh Grant gespielten schleimigen Bruder und dem Personal des Altenheims. Die Ausbruchsversuche machen Spaß, und gleichzeitig gibt dieser Handlungsstrang dem Zuschauer auch immer wieder eine kleine Atempause von den anderen geschichten, die eher wenig zum Lachen bieten.
Tom Hanks' Charaktere sind fast durchweg unangenehme Typen, die manchmal einen guten Kern haben, manchmal aber auch nicht. Zachry ist da möglicherweise der Interessanteste - von einer teuflischen Halluzination verfolgt, eher feige, findet er eine gewisse innere Stärke, als er Meronym hilft.
Wie gesagt, auch all die anderen Schauspieler sind wirklich gut und ich könnte mich jetzt noch viel zu lange mit Rollenanalysen aufhalten, also lasse ich das lieber.
Auf der technischen Seite gibt es meiner Meinung nach nix zu meckern. Jede Geschichte wird in passenden, teils sehr schönen Bildern präsentiert. Die detaillierte Darstellung von Somnis Zukunftswelt ist beeindruckend. Die Musik, u. a. von Tom Tykwer persönlich, ist wunderschön anzuhören und untermalt das Leinwandgeschehen sehr gut.
Ich bin noch immer ein wenig zwiespältig, was die FSK-12 Freigabe angeht. Immerhin, ich hatte auf irgendeiner Kinowebsite eine Freigabe ab 6 gelesen, was mich doch sehr schockiert hatte. Der Film beinhaltet keine übermäßige Menge an Gewaltszenen, aber weggeschnitten wird auch nicht immer. Die Brutalität passt zu den Szenen/der Gesellschaft, in der sie stattfindet, aber ich bin kein großer Freund dieser Darstellungen. Der entsprechende Schockeffekt mancher Szenen ist dadurch aber durchaus höher. Dass R-Rating in den USA dürfte aber wohl andere Gründe haben.
Tja, und warum war "Cloud Atlas" dann so wenig erfolgreich an den Kinokassen? Es mag zum einen an der langen Spieldauer (fast drei Stunden) liegen, auf die sich nun wirklich nicht jeder einlassen möchte. Für mich verging die Zeit wie im Flug, aber wie man den diversen Kritiken entnehmen kann, wird einfach nicht jeder warm mit der Erzählweise (zu verwirrend) oder der dargebotenen Thematik (zu bemüht bedeutungsvoll). Und so hatte ich vielleicht einfach nur Glück, dass der Film für mich funktionierte. Einen Blick wert ist er auf DVD allemal.
Fazit: "Cloud Atlas" bietet große Bilder und überzeugende Schauspieler in einem Film über Unterdrückung und Freiheit. Die sechs Handlungsstränge verlangen dem Zuschauer ein gewisses Maß an Konzentration ab, um ihnen zu folgen - wer sich aber dazu bereit erklärt, der erhält einen Film, über den man wahlweise gut diskutieren oder aber den man einfach nur so genießen kann. Nicht der beste Film des Jahres, aber für mich zumindest weit oben mit dabei.
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Dienstag, 25. Dezember 2012
Ein frohes Weihnachtsfest!
Tja, Weihnachten ist offensichtlich auch nicht mehr das, was es mal war. *g*
Wir hoffen, dass es bei Euch dann doch noch ein wenig traditioneller und besinnlicher zugeht. In diesem Sinne wünschen Sunshine und ich Euch ein frohes, friedvolles, gemütliches und wunderschönes Weihnachtsfest im Kreise Eurer Lieben!
Vielen Dank an alle Leser der "Ansichtssachen aus dem Wilden Westen". An die, die hier regelmäßig vorbeischauen und auch an die, die sich hier nur zufällig hin verirren. Und natürlich an die,die dann auch mal einen Kommentar hinterlassen, der immer willkommen ist. Und besonders gedacht sei auch an die, die das Weihnachtsfest vielleicht allein verbringen müssen und/oder krank sind. Euch allen ein wenig (und durchaus auch ein wenig mehr) von der Freude, dem Frieden und der Besinnung, die das Weihnachtsfest ausstrahlen soll.
Eure
Sunshine & Oellig
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x-mas
Donnerstag, 13. Dezember 2012
Fantastisch: "Der Hobbit - Eine unerwartete Reise"
Das lange Warten hat endlich ein Ende: 11 Jahre nach dem Start der „Der Herr der Ringe“-Trilogie ist nun sozusagen der erste Teil der Prequel-Reihe angelaufen – „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“. Die Produktion war durch eine Reihe von Problemen gekennzeichnet, u. a. diverse Streitigkeiten um Rechte und Guillermo del Toros Absage als Regisseur (Termingründe), weshalb Peter Jackson schließlich doch nicht nur als Produzent, sondern direkt als Regisseur zurückkehrte.
Man entschloss sich dazu, nicht nur den eigentlichen Inhalt von J. R. R. Tolkiens Kinderbuch „Der kleine Hobbit“ rund um „Meisterdieb“ Bilbo Beutlin zu verfilmen, sondern auch Hintergrundgeschichten einzubinden, die erst in „Der Herr der Ringe“ Erwähnung finden (z. B. der Nekromant oder das Treffen des Weißen Rates). Die Entscheidung, die Geschichte nicht, wie ursprünglich geplant, in zwei Teilen, sondern in drei in die Kinos zu bringen, traf jedoch nicht überall auf Gegenliebe.
Worum geht es denn nun im ersten „Hobbit“-Film? Die Handlung spielt 60 Jahre vor „Der Herr der Ringe“. Bilbo (Martin Freeman) wird von Zauberer Gandalf (Sir Ian McKellan) mehr oder weniger dazu überredet, sich als Meisterdieb dem Zwergenführer Thorin Eichenschild (Richard Armitage) und seinen zwölf treuen Zwergen anzuschließen. Diese wollen ihre alte Heimat im Berg Erebor zurückerobern, aus der sie vor vielen Jahren durch das Eindringen des Drachen Smaug vertrieben wurden. Bilbo soll ihnen durch seine Diebeskünste helfen, den Drachen zu besiegen. Er gliedert sich jedoch nur schlecht in die Truppe ein und Thorin lässt ihn seine Geringschätzung spüren. Auf ihrem Weg Richtung Erebor lauern so manche Gefahren in Gestalt von Bergtrollen und Orks, und Bilbo lässt sich auf ein Rätselspiel mit der seltsamen Kreatur Gollum ein...
Wie man auf so ziemlich jeder Pressekonferenz und in jedem Interview lesen konnte, unterbrach Jackson die Filmproduktion, nur damit Martin Freeman die Rolle des Bilbo übernehmen konnte, obwohl er an die „Sherlock“-Produktion gebunden war. Und man kann es nicht anders sagen: Eine bessere Entscheidung hätte Jackson nicht treffen können. Freeman ist möglicherweise das Beste am ganzen Film. Sein Timing, gerade in komödiantischen Szenen, ist perfekt, sodass z. B. seine Reaktion auf das erste Zusammentreffen mit der Zwergentruppe wirklich lustig ausfällt, während das Rätselspiel zwischen Bilbo und Gollum gleichzeitig spannend und unterhaltsam ist. Aber auch in ernsten Szenen ist er vollkommen überzeugend und verleiht Bilbos Wandlung vom Angsthasen zum Retter in der Not die notwendige Glaubwürdigkeit.
Und überhaupt, Gollum! Er war ja schon in der Ursprungstrilogie ein Fanliebling, aber hier ist er beinahe noch besser. Andy Serkis hatte nach eigenen Angaben etwas Probleme, wieder in diese Rolle hineinzufinden, aber davon merkt man keine Spur. Gollum ist beängstigend und bemitleidenswert zugleich, Serkis’ Schauspiel wird in der Animation perfekt übernommen. Fraglich ist ja leider, ob wir in den weiteren „Hobbit“-Filme noch einmal etwas von ihm zu sehen bekommen. Zu wünschen wäre es.
Auch alle anderen Schauspieler, und sieht man sie auch nur in Cameos (wie Christopher Lee oder Elijah Wood), sind perfekt besetzt. Sir Ian McKellan bringt das nötige Augenzwinkern für seinen Gandalf der Graue mit und Richard Armitage die nötige Ernsthaftigkeit und Anführerausstrahlung für Thorin. Bei zwölf weiteren Zwergen fiel es mir schon schwer, sie alle auseinanderzuhalten, aber Aidan Turner und Dean O’Gorman (als Fili bzw. Kili) oder Graham McTavish als Dwalin stachen schon heraus.
Ein weiteres Plus ist die gesamte technische Ausführung des Films: Er sieht einfach wunderbar aus. Nicht nur die schwelgerischen Kamerafahrten über Neuseelands Gebirge und Wälder sind großartig, auch die Sets und Kostüme sind – wie nicht anders zu erwarten – mir großer Liebe zum Detail gearbeitet.
Die Computeranimationen sind ebenfalls sehr gut (besonders nach wie vor Gollum), wirkten allerdings manchmal im Rundum-Schwenk etwas künstlich. Das könnte allerdings auch am 3D gelegen haben, welches ich nicht unbedingt gebraucht hätte – aber gut gemacht ist es.
Besonders gut hat mir auch die Musik von Howard Shore gefallen, die altbekannte Themen aus „Der Herr der Ringe“ mit neuen verbindet (z. B. das wunderbare „Misty Mountains“ Thema).
Die Handlung schreitet in einem recht angenehmen Tempo voran, wobei für mich persönlich die ein oder andere Kürzung nicht weh getan hätte. Das war mir etwas zu viel „Zwerge beim Abendessen“ oder „Triff Radagast den Braunen“, meine Freundin hat es allerdings kein bisschen gestört, sie fand z. B. gerade Radagast sehr unterhaltsam. Ist also wohl einfach Geschmackssache.
Der Humor ist möglicherweise auch nicht immer jedermanns Sache, da er sich häufig darauf verlässt, die Zwerge irgendetwas Blödes anstellen zu lassen. Hier darf man dann seinen Unmut gen Tolkien wenden, denn anders war es in der Buchvorlage auch nicht. Und die Parallelen zu „Die Gefährten“, was den Ablauf angeht, lassen sich ebenfalls auf die Vorlage zurückführen. Dafür hat Jackson einige andere Dinge verändert (so trifft Bilbo auf die Trolle, wenn er bereits mit den Zwergen unterwegs ist), was mich allerdings nicht sonderlich gestört hat und normalerweise erzählerisch Sinn macht.
An sich war es einfach schön, wieder in die Welt von Mittelerde einzutauchen, sozusagen ein Wiedersehen mit ein paar alten Bekannten und vielen interessanten neuen Leuten. Freuen wir uns nun auf den Drachen Smaug, die Erlebnisse im Düsterwald, Beorn und Bard und vermutlich eine ziemlich große Schlacht im letzten Teil.
Fazit: Für jeden, der sich halbwegs für das Genre Fantasy interessiert, ist „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“ ein absolutes Muss. Eine perfekte Besetzung, eine sehr gute technische Umsetzung und die Liebe der Macher zu dieser von Tolkien kreierten Welt sorgen dafür, dass der Film seinem Vorgänger „Der Herr der Ringe“ gerecht wird. Und jetzt geht die elende Warterei wieder los...
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Man entschloss sich dazu, nicht nur den eigentlichen Inhalt von J. R. R. Tolkiens Kinderbuch „Der kleine Hobbit“ rund um „Meisterdieb“ Bilbo Beutlin zu verfilmen, sondern auch Hintergrundgeschichten einzubinden, die erst in „Der Herr der Ringe“ Erwähnung finden (z. B. der Nekromant oder das Treffen des Weißen Rates). Die Entscheidung, die Geschichte nicht, wie ursprünglich geplant, in zwei Teilen, sondern in drei in die Kinos zu bringen, traf jedoch nicht überall auf Gegenliebe.
Wie man auf so ziemlich jeder Pressekonferenz und in jedem Interview lesen konnte, unterbrach Jackson die Filmproduktion, nur damit Martin Freeman die Rolle des Bilbo übernehmen konnte, obwohl er an die „Sherlock“-Produktion gebunden war. Und man kann es nicht anders sagen: Eine bessere Entscheidung hätte Jackson nicht treffen können. Freeman ist möglicherweise das Beste am ganzen Film. Sein Timing, gerade in komödiantischen Szenen, ist perfekt, sodass z. B. seine Reaktion auf das erste Zusammentreffen mit der Zwergentruppe wirklich lustig ausfällt, während das Rätselspiel zwischen Bilbo und Gollum gleichzeitig spannend und unterhaltsam ist. Aber auch in ernsten Szenen ist er vollkommen überzeugend und verleiht Bilbos Wandlung vom Angsthasen zum Retter in der Not die notwendige Glaubwürdigkeit.
Und überhaupt, Gollum! Er war ja schon in der Ursprungstrilogie ein Fanliebling, aber hier ist er beinahe noch besser. Andy Serkis hatte nach eigenen Angaben etwas Probleme, wieder in diese Rolle hineinzufinden, aber davon merkt man keine Spur. Gollum ist beängstigend und bemitleidenswert zugleich, Serkis’ Schauspiel wird in der Animation perfekt übernommen. Fraglich ist ja leider, ob wir in den weiteren „Hobbit“-Filme noch einmal etwas von ihm zu sehen bekommen. Zu wünschen wäre es.
Auch alle anderen Schauspieler, und sieht man sie auch nur in Cameos (wie Christopher Lee oder Elijah Wood), sind perfekt besetzt. Sir Ian McKellan bringt das nötige Augenzwinkern für seinen Gandalf der Graue mit und Richard Armitage die nötige Ernsthaftigkeit und Anführerausstrahlung für Thorin. Bei zwölf weiteren Zwergen fiel es mir schon schwer, sie alle auseinanderzuhalten, aber Aidan Turner und Dean O’Gorman (als Fili bzw. Kili) oder Graham McTavish als Dwalin stachen schon heraus.
Ein weiteres Plus ist die gesamte technische Ausführung des Films: Er sieht einfach wunderbar aus. Nicht nur die schwelgerischen Kamerafahrten über Neuseelands Gebirge und Wälder sind großartig, auch die Sets und Kostüme sind – wie nicht anders zu erwarten – mir großer Liebe zum Detail gearbeitet.
Die Computeranimationen sind ebenfalls sehr gut (besonders nach wie vor Gollum), wirkten allerdings manchmal im Rundum-Schwenk etwas künstlich. Das könnte allerdings auch am 3D gelegen haben, welches ich nicht unbedingt gebraucht hätte – aber gut gemacht ist es.
Besonders gut hat mir auch die Musik von Howard Shore gefallen, die altbekannte Themen aus „Der Herr der Ringe“ mit neuen verbindet (z. B. das wunderbare „Misty Mountains“ Thema).
Der Humor ist möglicherweise auch nicht immer jedermanns Sache, da er sich häufig darauf verlässt, die Zwerge irgendetwas Blödes anstellen zu lassen. Hier darf man dann seinen Unmut gen Tolkien wenden, denn anders war es in der Buchvorlage auch nicht. Und die Parallelen zu „Die Gefährten“, was den Ablauf angeht, lassen sich ebenfalls auf die Vorlage zurückführen. Dafür hat Jackson einige andere Dinge verändert (so trifft Bilbo auf die Trolle, wenn er bereits mit den Zwergen unterwegs ist), was mich allerdings nicht sonderlich gestört hat und normalerweise erzählerisch Sinn macht.
An sich war es einfach schön, wieder in die Welt von Mittelerde einzutauchen, sozusagen ein Wiedersehen mit ein paar alten Bekannten und vielen interessanten neuen Leuten. Freuen wir uns nun auf den Drachen Smaug, die Erlebnisse im Düsterwald, Beorn und Bard und vermutlich eine ziemlich große Schlacht im letzten Teil.
Fazit: Für jeden, der sich halbwegs für das Genre Fantasy interessiert, ist „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“ ein absolutes Muss. Eine perfekte Besetzung, eine sehr gute technische Umsetzung und die Liebe der Macher zu dieser von Tolkien kreierten Welt sorgen dafür, dass der Film seinem Vorgänger „Der Herr der Ringe“ gerecht wird. Und jetzt geht die elende Warterei wieder los...
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Mittwoch, 28. November 2012
"Breaking Dawn 2": Keine Überraschungen am Ende der "Twilight"-Reihe
Geschafft. Mit „Breaking Dawn 2“ ist nun die Filmreihe zu Stephanie Meyers "Twilight-Saga" abgeschlossen und als bekennender Nicht-Fan muss ich sagen: Der Abschluss ist ganz passabel geworden.
Bella (Kristen Stewart) hat nun endlich bekommen, was sie wollte: Sie ist ein Vampir, hat ein süßes Baby und Edward (Robert Pattinson), den Mann ihrer Träume. Sie kommt auch überraschend gut mit dem Blutdurst klar und dass Werwolf Jacob (Taylor Lautner) sich auf ihre Tochter geprägt hat, wird nach einem kleinen Wutanfall ebenfalls akzeptiert. Und Baby Renesmee wächst verdammt schnell - nach wenigen Monaten sieht sie bereits aus wie ein 8-jähriges Kind. Davon erfahren die Volturi, die Obervampire, und durch ein Missverständnis halten sie Renesmee für ein "unsterbliches Kind" - ein Kind, dass zum Vampir gemacht wurde, was - wie wir alle aus "Interview mit einem Vampir" wissen - eine verdammt schlechte Idee und somit unter Todesstrafe verboten ist. Ein Kampf scheint unausweichlich - die Cullens und ihre Verbündeten gegen die Volturi und ihre skrupellosen Wächter.
Natürlich hätte man aus der Handlung des 4. „Twilight“-Romans ohne Probleme einen einzigen Film machen können, aber die Chance auf noch mehr Geld konnte man sich wohl nicht entgehen lassen (nicht, dass sich das in besseren Effekten oder dergleichen widerspiegeln würde). Und so wird auch hier der ganze Konflikt ausgewalzt, was zu einigen unnötigen Längen führte. Auch kann ich leider immer noch nichts mit den Protagonisten Bella und Edward anfangen, weshalb die bemüht innigen Szenen zwischen den beiden auch die uninteressantesten Teile des Films für mich waren.
Zugute halten muss man "Breaking Dawn 2", dass er den Humor deutlich bewusster einsetzt als in den Teilen zuvor (jede Szene mit Bellas Vater Charlie, gespielt von Billy Burke, ist Gold wert) und auch wenn einiges noch ungewollt komisch ist, so darf man mittlerweile tatsächlich mit dem Film lachen. Und wer auch immer auf die Idee kam, Michael Sheen als Volturi-Boss Aro zu besetzen, verdient einen Preis für glorreiche Einfälle. Sheen interessiert sich offensichtlich nicht die Bohne für den ernsthaften Ton, den seine Szenen wohl versprühen sollen, und spielt, als wäre er in einer Parodie. Ihn sollte man auch dann nicht aus den Augen lassen, wenn mal der Fokus nicht auf seiner Figur liegt, es ist jedes Mal umwerfend komisch. Die anderen Schauspieler bemühen sich nach wie vor, etwas aus ihren Rollen zu machen, und Kristen Stewart ist als Vampir auf jeden Fall unterhaltsamer als als lebensmüde menschliche Bella.
Logiklöcher gibt es in der Handlung leider immer noch mehr als genug - so sieht Alice mal wieder den "Besuch" der Volturi voraus, aber wie das bei ihr so ist, sieht sie immer nur genau die Schnipsel aus der Zukunft, die einen Konflikt erst noch verstärken. Ein Vampir kann die Elemente kontrollieren, also auch Feuer – wie geht das, wenn Feuer Vampire doch töten kann? Auch wird extra betont, dass die Volturi kämpfen und nicht reden wollen, nur um dann Aro erstmal eine lange Diskussion anfangen zu lassen, wenn er den Cullens letztlich gegenüber steht. Gekämpft wird dann allerdings doch noch, und die Szene ist so vollkommen verrückt und over the top, dass wir uns prächtig amüsiert haben. Man merkte auch ganz genau, wer im Publikum entweder die Bücher nicht kannte oder es geschafft hatte, Spoiler im Internet zu vermeiden. *g*
Wie schon angemerkt, sind die Effekte leider immer noch nicht besonders gut – angefangen bei dem beunruhigend niedlichen CGI-Baby über die immer noch nicht vernünftig angepassten Wölfe hin zu offensichtlich auf Sound Stages gedrehten Szenen, bei denen man dann einfach die winterliche Szenerie eingefügt hat (aber es anscheinend für unwichtig erachtete, auch nur den Ansatz eines lauen Lüftchens in den Haaren der Charaktere anzudeuten). Ich bin mir sicher, das ginge besser, wenn man sich nur ein kleines bisschen mehr bemüht hätte. Außerdem nervte mich der Effekt für die Vampirgeschwindigkeit nach einiger Zeit enorm.
Dieses Mal fand ich auch den Einsatz von Liedern sehr anstrengend, da es sich fast ausnahmslos um deprimierend-bedeutungsschwangere Stücke handelte. Selbst, wenn gerade überhaupt nichts Dramatisches und/oder Trauriges passierte, das dieses Lied vielleicht noch irgendwie gerechtfertigt hätte.
Warum ich den Film trotzdem ganz passabel fand? Die Kampfszene war einfach zu bescheuert um sie nicht gut zu finden, und die Nebencharaktere machen es schon irgendwie sehenswert. Ob sie einen blöden Spruch bringen wie der „große Bruder“ Emmett, wunderbar darin sind, trocken auf jede noch so verwirrende Situation zu reagieren wie Bellas Vater, oder absolut durchgeknallt sind wie die Volturi – irgendwie machen diese Momente Spaß. Man muss sich eben dafür durch langweilige, ach so romantische Edward/Bella-Momente kämpfen. Ich frage mich aber auch, wie Lee Pace („Pushing Daisies“, „The Fall“), der hier einen der Cullen-Verbündeten spielt, sich in den Film verirrt hat. Da er aber sehr unterhaltsam war, nehm ich es einfach dankend an.
Jetzt können wir dieses Kapitel der modernen Popkultur auch endlich ad acta legen. Die entsprechende Klientel hat ja bereits ein neues Fressen gefunden: „50 Shades of Grey“, bezeichnenderweise eine ehemalige „Twilight“-Fanfiction (und leider keine gute, denn gegen Fanfiction an sich habe ich bekanntlich nichts).
Fazit: Der letzte Teil der „Twilight“-Reihe dürfte alle Fans zufrieden stellen und bietet für alle anderen immerhin noch genug unterhaltsame Momente (Dank der innerlich vor sich hin grinsenden Nebendarsteller). An der uninspirierten und v. a. unlogischen Story sowie der teilweise sehr schlechten technischen Umsetzung ändert dies aber leider auch nichts.
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Sonntag, 18. November 2012
Guy Adams: "Sherlock:The Casebook"
"Don't buy this book.
The author has transformed what should have been
a series of lectures into a gross and tasteless entertainment."
- Sherlock Holmes, "The Casebook"
Aber auch der Inhalt weiß zu gefallen. Mir kam es beim Lesen die meiste Zeit so vor, als hielte ich ein mit sehr viel Liebe und Herzblut gemachtes Fanbook in der Hand, denn so liest es sich. Locker und mit einem Augenzwinkern geschrieben, erfährt man selbst als sehr gut informierter Fan noch die ein oder andere Neuigkeit zur TV-Serie. Was meiner Meinung nach dieses Buch jedoch von ähnlichen seiner Sorte abhebt ist v. a. der geniale Einfall, die Fälle der Serie im Stile eines Sammelalbums zu präsentieren.
Alle sechs Folgen sind hier vertreten und werden genau beleuchtet – und zwar von Dr. John Watson höchstpersönlich. Er erklärt die Fälle anhand von Fotos, Notizen, Lageplänen, und (vermutlich gestohlenen) Polizeiberichten, und führt nebenher wunderbar verrückte Unterhaltungen mit Sherlock (und anderen) durch Post Its. Gerade Sherlocks häufig sarkastisch-giftigen Kommentare und Johns trockene Reaktionen darauf machen einfach richtig Spaß und bleiben der Serie jederzeit treu.
Die Abschnitte zwischen den Fällen sind unterhaltsam und informativ. Guy Adams beleuchtet die Anfänge der Serie - wie kamen Steven Moffat und Mark Gatiss überhaupt dazu, eine moderne Fassung von Arthur Conan Dolles beliebten Romanen zu realisieren? Und wie gingen sie später mit dem unerwarteten Erfolg um?
Außerdem erfahren wir mehr über die Konzeption der Charaktere Sherlock Holmes, John Watson und Jim Moriarty, wobei auch jedes Mal die Meinungen der jeweiligen Schauspieler eingebunden werden. Ein weiterer interessanter Abschnitt beschäftigt sich mit den verschiedenen "Sherlock Holmes"-Inkarnationen aus Film und Fernsehen mit besonderem Augenmerk auf die Rathbone- und Brett-Versionen, da diese die Macher deutlich beeinflussten. Fans der aktuellen Filme mit Robert Downey Jr. werden hier nicht fündig.
Nach jedem Fall wird außerdem auf kleine Anspielungen aus den Doyle-Romanen eingegangen; welche Dinge direkt übernommen wurden, was ein wenig verändert wurde, und welche weiteren Kleinigkeiten, die mit diesem Fall direkt nichts zu tun haben, eingefügt wurden.
Schließlich gibt es auch noch eine Bericht über Arthur Conan Doyle persönlich - über sein Leben mit besonderem Augenmerk auf sein Schaffen als Autor und wie er es nie schaffte, Sherlock Holmes loszuwerden, obwohl er doch nichts lieber getan hätte.
Fazit: "Sherlock: The Casebook" ist für Fans der Serie ein absolutes Muss. Aber auch alle anderen, die sich für Sherlock Holmes interessieren, liegen mit diesem unterhaltsamen Buch sicher richtig.
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