Die Sommerhitze hat Deutschland fest im Griff und obwohl ich in letzter Zeit diverse Filme gesehen und durchaus gute Bücher (und auch nicht so gute) gelesen habe, fühle ich mich in meiner als Computerzimmer gertarnten Sauna einfach nicht motiviert genug dazu Rezensionen zu schreiben.
Superextrem-Kurzfassung:
"Monster Uni" - ganz unterhaltsame Ansammlung von Studentenfilm-Klischees, die zwar nicht ans Original rankommt, aber viele zündene Gags und einige sehr gelungene neue Charaktere aufweist.
"Ich - einfach unverbesserlich 2" - ebenfalls nicht so gut wie der erste Teil (die Kinder kommen doch sehr zu kurz), aber die Minions sind immer noch genial.
"Now You See Me - Die Unfassbaren" - gut besetzter Magier/Trickbetrüger-Film, der gerade in der ersten Hälfte sehr kurzweilig ist, allerdings mit einer doch etwas seltsamen Auflösung aufwartet.
Und jetzt zu den Fundstücken, damit ich sie für mich einfach mal gesammelt an einer Stelle habe. Toller Loop Station-Einsatz, Beatboxen in kreativ, und das möglicherweise beste "Cups"-Cover, das man im Internet finden kann. Viel Spaß.
Bryson Andres:
Tom Thum:
Sam Tsui, Alex G, Kina Grannis, Kurt Schneider:
Freitag, 26. Juli 2013
Dienstag, 21. Mai 2013
"Star Trek Into Darkness": Unterkühltes Action-Spektakel
Man hatte in den letzten Wochen das Gefühl, kaum mehr am neuen "Star Trek"-Film vorbeizukommen, wenn man sich auf Internetseiten bewegte, die auch nur in Ansätzen etwas mit Filmen zu tun haben. Vor allem in den obligatorischen Pressekonferenzen und -interviews überschlugen sich alle Beteiligten geradezu mit gegenseitigem Lob und Bewunderung, und wurden nicht müde zu betonen, wie genial und tiefgründig der Film doch geworden ist. Und natürlich, wie perfekt doch die Besetzung des Bösewichtes gelungen ist, über den sie leider absolutes Stillschweigen bewahren müssten.
Für mich ging dieses Marketing-Bohei ehrlich gesagt eher nach hinten los. Wer im Vorhinein solch hohe Erwartungen schürt, muss eben nach Filmpremiere auch damit leben, wenn manche Leute genau diese Erwartungen nicht erfüllt sehen. Und leider muss ich sagen, je länger ich über den Film nachdenke, desto mehr ärgern mich seine Schwächen. Dabei war ich zunächst wirklich angetan von dem knapp zweistündigen Action-Spektakel, das "LOST"-Erfinder J. J. Abrams auf die Leinwand brachte. Aber gleichzeitig bin ich nun mal kein Fan des "Star Trek"-Universums und habe bisher nur Abrams Neuauflage gesehen, jedoch nichts von der alten Serie oder den teilweise sehr verehrten Filmen mit Shatner und Co. Ich bin also einer von den Zuschauern, die sozusagen auf andere Weise überzeugt werden müssen, weil sie nicht schon mit einer Liebe für die Charaktere in den Film gehen (also genau die Zielgruppe, die Abrams ja so gerne ansprechen möchte). Gleichzeitig bin ich aber vielleicht auch nicht so kritisch bei manchen Dingen, die ein eingefleischter Fan sehr ernst nimmt.
So, worum geht's denn nun bei "Star Trek Into Darkness" überhaupt? Wir steigen gleich mitten in die Action ein: Die Crew der Enterprise soll ein Urvolk auf einem entlegeneren Planten untersuchen, aber wie das bei Captain Kirk (Chris Pine) nun mal so ist, läuft das alles nicht nach Plan. Und so finden er und Doctor McCoy (Karl Urban, im schönsten Mecker-Modus) sich auf der Flucht vor den Eingeborenen wieder, während Spock (Zachary Quinto) beinahe in einem Vulkan draufgeht. Im Hauptquartier der Sternenflotte ist man nicht gerade glücklich über den Verlauf der Mission und v. a. über die Tatsache, dass Kirk alle Probleme in seinem Bericht totgeschwiegen hat. Sowohl Kirk als auch Spock werden auf unterschiedliche Schiffe versetzt. Zum Ausflug unter ihren neuen Vorgesetzten kommt es jedoch nicht, denn nach einem Anschlag in London wird die daraufhin einberufene Versammlung aller Sternenflotten-Oberhäupter angegriffen - und zwar von John Harrison (Benedict Cumberbatch), der zwar zur Sternenflotte gehört, aber offensichtlich sein eigenes Ding dreht. Kirk und Spock werden zurück auf die Enterprise berufen und erhalten von Admiral Marcus (Peter Weller) den Auftrag, Harrison zu töten. Doch dieser erweist sich als cleverer und manipulativer als zunächst angenommen.
Die Story strotzt nicht gerade vor Originalität, aber damit könnte ich ganz wunderbar leben, wenn sie mich wenigstens emotional packen würde. Das schafft sie aber nicht, da den Charakteren so gut wie keine Gelegenheit gegeben wird, einmal etwas zur Ruhe zu kommen und sich zu entwickeln. Gefühlt bestand der Film, von vielleicht zwei oder drei wenige Minuten dauernden Ausnahmen abgesehen, aus großen Actionszenen. Und Action an sich ist auch nicht schlecht, nur wenn dadurch dem Zuschauer überhaupt keine Möglichkeit gelassen wird, einmal etwas durchzuatmen und sich in die Charaktere hineinzufühlen, dann vertut Abrams einfach eine große Chance. Ich wollte ja mit den Charakteren mitfühlen, aber das Leinwandgeschehen blieb für mich distanziert, die Beziehungen der Charaktere größtenteils unterkühlt. Das mag sicherlich auch daran liegen, dass Konflikte und Nebenhandlungen angerissen werden (z. B. Dr. Carol Marcus als unerwartetes neues Crewmitglied, die Beziehungskrise zwischen Spock und Uhura), aber meist genauso schnell aufgelöst werden oder nirgends wirklich hinführen. Und nein, es hilft auch nichts, ikonische „Star Trek“-Szenen mit vertauschten Rollen nachzuspielen, wenn sich die vorangegangenen zehn Minuten so anfühlen, als wären sie einzig und allein dazu da, dass diese Szene überhaupt passieren kann.
Und dann natürlich das große Mysterium rund um John Harrison. Benedict Cumberbatch spielt den Bösewicht wirklich überzeugend, sehr intensiv und einvernehmend. Und aufgebaut wird er auch gut, man will als Zuschauer wissen, woher er kommt und wieso er so schlecht auf die Sternenflotte zu sprechen ist. Nur funktionierte die Auflösung leider für mich so gar nicht. Inszeniert mit viel Drama wird dem Zuschauer die Gewichtigkeit des Moments suggeriert – nur als Nicht-Fan bleibt für mich nicht mehr als ein Schulterzucken. Auch halte ich den Grund für Harrisons Hass für nicht gerade tiefgründig, egal wie sehr mir Regisseur und Schauspieler das weismachen wollen. Harrison wird dazu auch ein Opfer der teilweisen sinnlosen Actionszenen, denn er wird vor dem Showdown für ca. zwanzig Minuten einfach vollkommen vergessen, sodass man sich im Publikum schon wunderte, was denn nun mit ihm ist. Wie gesagt, Cumberbatch ist absolut überzeugend, aber sein Charakter hatte recht wenig Screentime – ich hätte mir mehr Dialogszenen mit Harrison gewünscht, da er offensichtlich ein guter Manipulator ist und ich nun mal geistiges Messen von Charakteren interessanter finde als pure Action.
Neben Cumberbatch bringen auch alle anderen Schauspieler gute Leistungen. Quinto ist in der Tat ein sehr guter Spock, mit ihm hat man einen Glücksgriff getan. Sein Zusammenspiel mit Chris Pine als Kirk ist auch unterhaltsam, hat mir im ersten Teil aber etwas besser gefallen. Die meisten anderen aus der Enterprise-Crew haben leider nicht viel zu tun. Zoe Saldana als Uhura darf immerhin auch mal Klingonisch sprechen und ein bisschen schießen, Alice Eve als Dr. Marcus erhöht die Frauenquote (und ja, die Unterwäsche-Szene aus dem Trailer ist tatsächlich absolut sinnlos). Karl Urban als Dr. McCoy hätte viel mehr Szenen verdient; die wenigen, die er hat, machen jedoch sehr viel Spaß. Simon Pegg als Scotty darf dieses Mal etwas mehr tun und bekommt einige der besten Gags.
Von der technischen Seite her gibt es nichts zu meckern. Die Actionszenen sind toll inszeniert und treiben das Adrenalin in die Höhe; die Effekte sind perfekt. Allein der Einstieg mit der Verfolgungsjagd auf dem unerforschten Planeten plus drohendem Vulkansausbruch war beeindruckend. Sehr schön auch der Flug von Harrison und Kirk durchs Weltall und der finale Kampf auf der Erde. Auch der Einsatz von 3D ist gut gelungen, wenn man den Film denn unbedingt in 3D sehen will. Abrams nutzt leider immer noch die extremen Lichtreflektionen, die mich dieses Mal teilweise sehr gestört haben, was vielleicht auch am 3D lag. Jedenfalls sieht „Star Trek Into Darkness“ sehr gut aus, da muss man dem Effekteteam gratulieren. Schade nur, dass der Film mich sonst eher kalt gelassen hat.
Fazit: „Star Trek Into Darkness“ bietet große Action und beeindruckende Effekte. Leider bleiben Charakterentwicklung und echte Emotionen dabei auf der Strecke. Daran können auch die guten Schauspieler, allen voran Benedict Cumberbatch und Zachary Quinto, nichts ändern. Wie man das mit dem Pacing richtig macht, hat der andere große Mai-Blockbuster gezeigt.
Ähnliche Kritiken:
Labels:
benedict cumberbatch,
filmkritik
Mittwoch, 1. Mai 2013
"Iron Man 3": Gelungener Start in die Super(helden)-Blockbuster-Saison
Jahaa, liebe Leute, mich gibt es noch und ich melde mich zurück mit neuem Namen und mit meiner Meinung zum ersten großen Blockbuster des Jahres: "Iron Man 3". Und man kann ihn sicherlich zu Recht so ankündigen, denn der Film bricht bereits jetzt fröhlich Rekorde und hat nach dem ersten Startwochenende (u. a. in Südamerika, Asien, Spanien, Großbritannien) über $ 198 Mio. eingespielt und damit die "Avengers" übertrumpft. Mal sehen, wie sich das so entwickelt, denn in den USA, Deutschland und anderen größeren Märkten läuft der Film gerade erst an. Ich gönne "Iron Man 3" es jedenfalls, falls er seinen Siegeszug fortsetzt, denn der Film ist einfach gut geworden.
Die Ereignisse rund um den Avengers-Einsatz in New York liegen ein wenig zurück, setzen Tony Stark (Genie, Philantrop, Milliardär, Playboy, Robert Downey Jr.) aber immer noch zu - Alpträume, Panikattacken, und seine Beziehung zu Pepper (Gwyneth Paltrow) leidet ebenfalls unter seiner ständigen Angespanntheit und Rumtüftelei an verbesserten "Iron Man"-Anzügen. Als wären das nicht schon genug Sorgen, taucht auf einmal ein neuer Terrorist namens "Der Mandarin" (Ben Kingsley) auf und setzt den US-Präsidenten mit Bombenanschlägen unter Druck. Oh, und Tonys Vergangenheit holt ihn dann auch gleich noch ein in der Form von Aldrich Killian (Guy Pearce), den Tony 1999 ziemlich forsch abspeiste und der in all den Jahren nicht so wirklich darüber hinweggekommen ist.
Die Handlungszusammenhänge entfalten sich während der etwas über zwei Stunden Laufzeit in sich schlüssig und man kann als Zuschauer ebenfalls ein wenig spekulieren, wie denn nun was genau zusammenpasst. Sehr schön; ich mag es, wenn ein Film durchblicken lässt, dass die Macher den Zuschauer nicht für komplett verblödet halten. :) Auch hat mir hier die Entfaltung der Handlung besser gefallen als in Teil 2 und das Pacing, der Wechsel zwischen Action-Szenen und ruhigeren Passagen, war ebenfalls sehr gelungen.
Das größte Plus der "Iron Man"-Reihe war von Anfang an der Besetzungscoup mit Robert Downey Jr. in der Titelrolle. Die Wenigsten hatten es ihm zugetraut, ein Superhelden-Franchise zu stemmen; gerade auch zu einem Zeitpunkt, wo Superheldenfilme noch nicht so etabliert waren und die Qualität sehr schwankte. Nun, wie schon in den Vorgängerfilmen ist Downey Jr. einfach Tony Stark (so sehr, dass man bei der PR-Tour nicht wirklich weiß, ob er gerade er selbst ist oder Tony Stark) und bekommt in Teil 3 auch gut Gelegenheit, die unterschiedlichen Charakterzüge Tonys zu zeigen: Ob sprücheklopfender Superheld oder charmanter Playboy, ob von Zweifeln und Panikattacken geplagt oder im Nahkampf mit improvisierten Waffen aus dem Supermarkt - man nimmt es ihm jederzeit ab. Da macht das Warten auf den nächsten "Avengers"-Film gleich doppelt Spaß.
Aber auch die anderen Schauspieler sind entweder gewohnt gut oder eine passende Erweiterung des immer größer werdenden Marvel-Universums. Gwyneth Paltrow ist eine resignierte, gefasste Pepper Potts, die dieses Mal auf andere Weise unter Tonys Eigenarten zu leiden hat und nicht weiß wie sie ihm helfen soll. Interessant und überraschend ihre heroischeren Momente.
An Don Cheadle als Colonel "Rhodey" Rhodes hab ich mich mittlerweile auch gewöhnt und er hat ein paar gute Szenen mit Tony und als
Neu dabei sind Ben Kingsley und Guy Pearce sowie Rebecca Hall als Biologin Maya Hansen.
Kingsley hat offensichtlich großen Spaß an der Rolle des Mandarin, der ganz klar an Osama Bin Laden angelehnt ist, inklusive wacklig-körniger Videobotschaften, Rauschebart und Posieren mit Großkaliber-Waffen. Noch besser wird es jedoch, wenn er in der zweiten Filmhälfte auf Tony trifft. Sagen wir so: Das Treffen verläuft überraschend.
Pearce spielt Aldrich Killian, der 1999 versuchte Tonys Unterstützung für seine Ideenschmiede AIM zu bekommen, und von diesem wie damals üblich arrogant abgespeist wurde. Nun, 12 Jahre später, hat er sein Aussehen vom ungepflegten Nerd zum erfolgreichen Geschäftsmann geändert, und bittet Stark Industries um Unterstützung bei seinem Projekt. Und naja, wenn er sie so nicht bekommt, hat er durchaus auch andere Wege, sein Ziel zu erreichen. Pearce schafft es tatsächlich, dass man einerseits Mitleid mit Killian und seiner Vergangeheit hat, ihn andererseits aber auch gerne verabscheut. Mit einem kleinen Augenzwickern und dem richtigen Maß an Aufschneiderei ist er ein überzeugender Gegenspieler.
Rebecca Hall darf auch mehr sein als eine von Tonys hübschen, früheren Bettgefährtinnen, denn ihr Charakter hält die ein oder andere kleine Wendung bereit.
Hier muss man auch einfach mal den neuen Regisseur Shane Black loben, der bereits in "Kiss Kiss Bang Bang" mir Downey Jr. zusammengearbeitet hat, und bei "Iron Man 3" auch am Drehbuch mitwirkte. Wie er Ernsthaftigkeit, Action und Humor balanciert ist wirklich toll.
Und die Action, ja, da bekommt man, was man vom Marvel-Filmuniversum erwartet. Die Effekte sind spitze, die großen Actionsequenzen (z. B. recht zu Anfang der Angriff auf Tonys Villa, später ein Flugzeugabsturz und natürlich der Endkampf im Hafen) sind toll inszeniert: schnell genug geschnitten, dass sie spannend sind, aber doch so, dass man stets den Überblick behält. Das 3D ist ebenfalls sehr gelungen.
Übrigens: Wie bei jedem Marvel-Film gilt auch hier: Bleibt bis ganz zum Ende des Abspanns sitzen, sonst verpasst ihr einen wirklich netten Cameo. ;)
Fazit: "Iron Man 3" ist tolle Unterhaltung mit fantastischen Effekten, großartig aufgelegten Darstellern und genau der richtigen Dosis Humor. Reingehen!
Ähnliche Artikel:
- Filmkritik "The Avengers"
- Kurzkritik "Iron Man 2"
Labels:
filmkritik,
Marvel movie 'verse,
robert downey jr.
Montag, 11. Februar 2013
Dieses Wochenende: Ein saucooler schwarzer Kopfgeldjäger und eine schwule Fußballmannschaft
Django Unchained
Django (Jamie Foxx) ist ein Sklave im Süden Amerikas des 19. Jahrhunderts und wird gleich zu Beginn des Filmes von Dr. King Schultz (Christoph Waltz), ehemals Zahnarzt nun Kopfgeldjäger, freigekauft. Schultz verspricht sich von ihm Hilfe bei der Suche einer bestimmten Verbrechergang und von der Sklaverei hält er eh nichts. Django wird sein Partner und schließlich machen sie sich auf zur Plantage „Candyland“ des mächtigen Calvin Candie (Leonardo Di Caprio), da dieser im Besitz von Djangos Frau Broomhilda (Kerry Washington) ist. Leider läuft nicht alles wie geplant, was zu einem blutigen Showdown führt.
Das Negative vorweg: Der Film ist mit knapp drei Stunden zu lang. Ab der Ankunft auf Candyland hätte man ruhig die ein oder andere Szene kürzen können, denn es kam mir manchmal so vor, als würden wir gerade auf irgendetwas warten. Bis zu diesem Zeitpunkt ist „Django Unchained“ aber einer der unterhaltsamsten Filme, die ich in letzter Zeit gesehen habe.
Die Schauspieler sind durchweg hervorragend, wobei Christoph Waltz als eloquenter Dr. Schultz Jamie Foxx glatt die Show stiehlt. Da drück ich gern die Daumen für einen weiteren Oscar! Das soll natürlich nicht heißen, dass Foxx nicht auch was zu bieten hat – ihn in einem blauen Rüschenanzug (er durfte es sich selbst aussuchen!) durch die Gegend reiten zu sehen ist zum Brüllen komisch. Logiklöcher wie Djangos Können im Schießen und Reiten (wenn er als Sklave das bisher noch kein einziges Mal machen durfte) ignoriert man da irgendwie ganz gern. Leonardo Di Caprio spielt mit Inbrunst und offensichtlicher Freude den fiesen Candie, und man muss schon zwei Mal hinschauen, um Samuel L. Jackson als dessen schwarzen Diener Stephen zu erkennen, der in gewisser Weise ein noch größerer Dreckskerl ist als Candie selbst. Kerry Washington hat leider nicht besonders viele Szenen, aber sie bringt sich voll in die Rolle ein und schafft es, dass man als Zuschauer einfach mit ihr und Django mitfiebert und auf ein Happy End hofft.
Der Humor kommt gerade zu Beginn kein Stück zu kurz – sei es Schultz’ und Djangos Besuch im texanischen Daughtrey, die bereits jetzt absolut zu Recht zu Kultstatus erhobene „Kapuzenszene“, Djangos Verhalten gegenüber Candies Aufsehern oder auch der mit viel Kunstblut um sich spritzende Showdown, man hat ständig was zu lachen. Auch Tarantinos übliche Regiespielereien wie Titeleinblendungen („MISSISSIPPI“), Zooms, der perfekte Einsatz von Musik (auch gerne mal komplett anachronistisch) finden sich in rauen Mengen. Genrefans haben dann sicherlich auch noch Freude an Cameos von z. B. Franco Nero, dem Original-„Django“.
Tja, obwohl ich also nicht besonders Tarantino-affin bin, bleibt mir nichts anderes übrig als zu sagen: Wenn ihr mit Kunstblut leben könnt und mal wieder einen total abgedrehten und lustigen Western sehen wollt, dann geht „Django Unchained“ gucken.
Männer wie wir
Und da ich gerade in der Stimmung dazu war, folgte auf „Django Unchained“ dann ein anderer Film, in dem es um knallharte Typen geht: um deutsche Fußballer nämlich. Etwas Härteres als Fußball gibt es in Deutschland ja nicht, so ein richtiger Sport für echte Männer.
Und weil das so ist, hat es Bäckersohn Ecki (Maximilian Brückner) in seinem Ruhrpott-Kaff auch ziemlich schwer: Nicht nur hat er gerade seiner Fußballmannschaft als Torwart den Aufstieg aus der Kreisliga verpatzt, nein, er wurde auch noch als schwul geoutet und aus der Mannschaft geschmissen. Wütend fordert er seine ehemaligen Mitspieler zu einem Spiel heraus – sie gegen ihn und sein schwules Fußballteam. Dumm nur, dass er bisher noch gar kein Team hat. Also macht er sich auf nach Dortmund zu seiner Schwester Susanne (Lisa Potthoff), um ein paar andere fußballbegeisterte Schwule für sein Team zu finden. Leichter gesagt als getan.
Der 2004 erschienen Film von Sherry Hormann bietet dem Zuschauer an sich absolut nichts Neues: Die Handlung ist aus unzähligen amerikanischen Sportfilme bekannt (Underdogs gegen Supermannschaft inkl. diverser Trainingsmontagen), und an Schwulenklischees wird auch so einiges aufgefahren. Lack, Leder und Peitschen? Haben wir. Der David Beckham verehrende Türke mit abgespreiztem kleinen Finger? Auch dabei. Schwuler Krankenpfleger? Aber sicher! Ein Vater, der die Homosexualität seines Sohnes nicht akzeptieren will? Häkchen hinter.
Und trotz all dieser Klischees macht „Männer wie wir“ einfach Spaß. Zum Teil liegt es sicher daran, dass die Klischees zwar bedient werden, aber niemals ins Böse abdriften oder sich über die Figuren lustig machen. Der schwule Türke hat eine ihn vollkommen unterstützende Familie, die Lack-und-Leder-Kerle sind eigentlich lustige Typen und reißen auf dem Spielfeld so einiges raus, der Krankenpfleger wird vom halben Krankenhauspersonal angehimmelt und wirkt weniger schwul als Susannes Freund, der wiederum für den guten Zweck den Schwulen mimt. Und so weiter. Alles wird mit viel Humor und einem Augenzwinkern präsentiert, sodass man gar nicht anders kann, als die Charaktere zu mögen.
Obwohl man weiß, wie das Ganze sich am Ende auflösen wird, fiebert man doch mit den Charakteren mit, eben weil man sie mag. Der Film bietet genug Ernsthaftigkeit, damit die Charaktere interessant bleiben, behält aber dennoch durchweg seine Leichtigkeit. Und nebenbei macht er auch auf das große Tabuthema Homosexualität im Fußball aufmerksam und führt die engstirnige Denkweise der fußballverrückten Dorfbewohner vor, die gleich zu Anfang pauschal verkünden, „Ein Homo kann nicht Fußball spielen“ – natürlich will man da, dass Ecki und seine Truppe es allen beweisen.
Schön ist es auch, diverse Fußballklischees ebenfalls augenzwinkernd präsentiert zu bekommen – natürlich dribbeln die Brasilianer alle schwindelig und brauche ewig, bis sie überhaupt aufs Tor schießen, natürlich wimmelt es nur so von Schwalben, um einen Elfmeter abzustauben, natürlich pfeift der Schiri komplett ungerecht.
„Männer wie wir“ ist einfach ein Feel-Good-Film, mit Liebe und Humor von allen Beteiligten gemacht. Die Charaktere wachsen einem schnell ans Herz und man drückt Ecki & Co. Die Daumen für den Sieg. Über die – teilweise sogar clever genutzten – Klischees habe ich gern hinweggesehen.
Labels:
deutscher film,
filmkritik
Samstag, 5. Januar 2013
"Life of Pi": Schiffbruch mit Tiger jetzt auch im Kino
Yann Martels mit diversen Preisen ausgezeichnet Roman "Schiffbruch mit Tiger" galt lange als unverfilmbar, ganz einfach weil der Großteil der Handlung auf einem kleinen Rettungsboot spielt und einen bengalischen Tiger beinhaltet. Aber wie das so mit "unverfilmbaren" Filmen ist, aufgrund der heutigen Technik ist doch deutlich mehr machbar als man zuerst für möglich gehalten hat (s. z. B. "Der Herr der Ringe").
Und so bin ich Ang Lee doch sehr dankbar, dass er sich Martels Buch angenommen hat. Nachdem diverse Regisseure über die Jahre mit der Verfilmung des Romans in Verbindung gebracht worden waren (u. a. Alfonso Cuarón und M. Night Shyamalan ), ist es nun Lee geworden, der schon oft ein Händchen für Literaturadaptionen bewiesen hat ("Sinn & Sinnlichkeit", "Brokeback Mountain") - und "Schiffbruch mit Tiger" ist in der Tat genau beim Richtigen gelandet.
Der Film hält sich sehr eng ans Buch. Der unter Schreibblockade leidende Buchautor Martel (Rafe Spall) und besucht den nach Kanada ausgewanderten Inder Pi Patel (Irrfan Khan). Dieser habe eine unglaubliche Geschichte zu erzählen, so hörte er. Patel wuchs in Pondicherry auf, wo sein Vater einen Zoo unterhielt, und trat als Jugendlicher (Suraj Sharma) sowohl dem Christentum als auch dem Islam bei, ganz einfach, weil es für ihn Sinn machte. Aufgrund der gesellschaftlichen Unruhen beschließt die Familie mitsamt der Zootiere nach Kanada auszuwandern. Auf der Überfahrt gerät das Schiff in einen Sturm und sinkt. Allein Pi kann sich auf eines der Rettungsboote retten - zusammen mit einem verletzten Zebra, einem Orange Utan, einer Hyäne und dem Tiger Richard Parker. Die Zahl der Tiere wird schnell dezimiert und was für Pi folgt sind 227 Tage auf See, in gesellschaft eines Tigers.
Wie auch im Buch nimmt sich der Film die Zeit, um uns den jungen Pi näher zu bringen. Manch einer mag diese Vorgeschichte zu lang finden ("Wann kommt denn endlich der Tiger?"), aber es ist notwendig um einerseits zu verstehen, warum sich Pi so verhält wie er es tut, und andererseits, damit der Zuschauer überhaupt eine Verbindung zum Hauptcharakter aufbauen kann. Ansonsten ließe einen der Schiffbruch vermutlich ziemlich kalt. Auch Pis starker Glauben wird immer wieder am Rande thematisiert, und sein Überlebenskamp auf See gerät gleichzeitig zum ultimativen Glaubenstest.
Die optische Umsetzung ist eine wahre Augenweide. Der Untergang der Tsimtsum im Pazifiksturm ist bildgewaltig inszeniert und gerade für die anschließende Zeit auf dem Meer findet Lee poetische Bilder, die die Schönheit, aber auch die unglaubliche Weite des Ozeans perfekt widerspiegeln. Fluoreszierende Fische und Wale, ein Tauchgang in die Tiefen des Mariannengrabens und eine von Erdmännchen bevölkerte Algeninsel - Lee findet die richtigen Bildern, um den Zuschauer immer wieder staunen zu lassen. Das sehr gute 3D unterstützt diesen Effekt nur.
Tiger Richard Parker ist fantastisch animiert und wirkt sehr real. Wie er und Pi sich aneinander gewöhnen und eine Art Zweckgemeinschaft eingehen, ist spannend und hin und wieder sogar recht lustig. Wie Pi selbst an einer Stelle sagt, ist der Tiger es, der ihn im Grunde dazu zwingt, seinen Verstand nicht zu verlieren und irgendwie durchzuhalten.
An den Leistungen der Schauspieler gibt es nichts zu meckern. Rafe Spall und Irrfan Khan geben ein gutes "Interviewpaar" ab; man glaubt Spall, dass sein Charakter von der Geschichte Pis fasziniert ist; und Khan bringt die passend ruhige und nachdenkliche Art mit, die den erwachsenen Pi ausmacht, der die Geschehnisse nun mit der nötigen Distanz betrachten kann. Newcomer Suraj Sharma als jugendlicher Pi hat einen Großteil des Films zu tragen und das macht er überzeugend und sympathisch. Vielleicht hätte ich mir hin und wieder noch ein wenig mehr Intensität gewünscht, allerdings hat der Roman natürlich den Vorteil, dass er sich sehr viel mehr Zeit für das Überleben auf See nehmen kann und wir auch mehr über Pis Gedanken erfahren.
Dankbar bin ich den Machern, dass sie sich bei den Geschehnisse im Rettungsboot zu Beginn ziemlich zurückhalten. Das war im Roman doch sehr viel deutlicher dargestellt worden und nichts für Zartbesaitete. Schön auch, dass die Coda am Ende (das Gespräch mit den Vertretern der Versicherungsgesellschaft) eingeschlossen wurde. Dieser Teil ist im Roman nicht jedermanns Sache, aber für mich unterstreicht er die endgültige Aussage deutlicher (denn nicht vergessen, am Anfang steht die Behauptung, dass der Leser nach dieser Geschichte an Gott glaubt). Und letztlich kann auch im Film jeder selbst entscheiden, was er glauben möchte.
Fazit: Ob man am Ende nun (mehr) an Gott glaubt oder nicht, entgehen lassen sollte man sich "Life of Pi" auf keinen Fall. Der Film und seine wunderschönen Bilder entwickeln einen richtigen Sog, der den Zuschauer eintauchen lässt in Pi Patels unglaubliche Geschichte.
Ähnliche Artikel:
- Rezension: Yann Martels "Schiffbruch mit Tiger"
- Kritik "Cloud Atlas"
Labels:
filmkritik
Abonnieren
Posts (Atom)











