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Dienstag, 16. Mai 2023

Eurovision Song Contest 2023

 

Da ist Deutschland also wieder auf dem letzten Platz gelandet. Nur fühlt es sich dieses Mal deutlich unverdienter an, da Lord of the Lost’s Lied „Blood and Glitter“ eigentlich eine gute Nummer war. Dazu noch auffällige Kostüme und Pyrotechnik; das sollte doch ein gutes Ergebnis zumindest irgendwo im Mittelfeld einfahren, oder?

Nö. Nur 3 Punkte von den Jurys (erwartbar) und 15 vom Publikum (überraschend; Danke an Österreich, Finnland und die Schweiz). Was lief also schon wieder schief? 

 

Nicht so einfach zu sagen dieses Jahr. Am ehesten kann ich die Begründung nachvollziehen, dass der Auftritt eben als Konzert angelegt war – für den ESC muss man aber v. a. für die Zuschauer zu Hause vor dem TV inszenieren und nicht (nur) für das Publikum in der Halle. Das war bei Lord of the Lost leider nicht der Fall; die Kameraführung war nichts Besonderes, keine Gimmicks fürs TV-Publikum, rote Kostüme plus rotes Licht in der Totalen = die Band verschwindet geradezu im Bild. Das hätte viel besser konzipiert werden müssen. Aber Staging für den ESC kann Deutschland ja generell nicht; der Einzige, bei dem alles perfekt zusammenpasste, war Michael Schulte in 2018, und da hat Schulte wohl recht viel selbst gemacht. Dies wurde mit Platz 4 belohnt.

Ich denke schon, dass die Big 5 sich mehr anstrengend müssen, um beim Publikum genug Eindruck zu hinterlassen, dass für sie angerufen wird. Ich glaube aber nicht, dass es damit zu tun hat, dass „uns jeder hasst“, wie so gern behauptet wird. Vermutlich ist es eher der Nachteil, sich nicht in den Halbfinalen beweisen zu müssen – dort werden die schlechteren Nummern gleich ausgesiebt und so müssen die Big 5 dann im Finale gegen Lieder antreten, die bereits vom Publikum unbedingt im Finale gesehen werden wollten.

 


Ein wenig tröstlich ist, dass bei Betrachtung der kompletten Zuschauerergebnisse auffällt, dass Lord of the Lost gar nicht sooo schlecht ankamen. Bis auf wenige Ausreißer nach oben oder unten landeten sie immer im Mittelfeld – 26 Mal irgendwo zwischen Platz 11 und 18, und hauptsächlich zwischen 14 und 18. Das ist auch grob der Bereich, in dem ich sie am Samstag auch eingeordnet hätte.

Sie wurden also durchaus gemocht – nur nicht genug, um dafür auch Punkte zu bekommen. Es wird schon seit einigen Jahren von den Fans gewünscht, dass alle Plätze des Rankings Punkte bekommen sollen, um eben ein faireres Bild zu zeichnen. Im aktuellen Modus erhalten die zehn besten Beiträge Punkte, alle anderen (in diesem Jahr 16 Beiträge) gehen komplett leer aus. Ein Land, das überall auf Platz 11 liegt, bekommt also ebenso 0 Punkte wie das Land, das überall Vorletzter ist. Und Länder, die allgemein zwar überhaupt gar nicht ankommen, aber dann von dem einen Nachbarland gemocht werden (klassisches Griechenland – Zypern oder Italien – San Marino) und dort viele Punkte bekommen, landen im Endstand dann vor Ländern, die überall im guten Mittelfeld waren.

 

Das System sollte überholt werden. Und wenn man schon mal dabei ist, kann man die Gewichtung von Publikum und Jury auch gleich anpassen. Ich will es nicht ein weiteres Mal erleben müssen, dass die Jurys sich anscheinend abgesprochen haben und ein bestimmtes Land auffällig oft auf Platz 1 oder 2 setzen, sodass es für den Publikumsfavoriten eigentlich unmöglich ist, noch zu gewinnen. Es kann nicht sein, dass 222 Menschen die gleiche Stimmgewalt haben wie mehrere hundert Millionen Menschen! Irgendjemand hatte es dieses Jahr ausgerechnet, und bei dem diesjährigen Abstimmungsergebnis hätte Käärija aus Finnland aus allen Ländern beim Publikum 12 Punkte erhalten müssen, um einen schwedischen Sieg zu verhindern – und hätte dann mit einer lächerlichen Punktezahl von 10 Punkten Vorsprung oder so gewonnen.

 

Und das darf einfach nicht sein. Das Einzige, was mich nicht komplett rasend vor Wut macht, ist, dass Schweden Zweiter im Publikumsvoting war. Zwar für mich unverständlich, da Loreens „Tattoo“ nur eine schlechtere Version von „Euphoria“ war, dazu noch mit einer deutlich langweiligeren Inszenierung, aber sei’s drum. So kann man zumindest sagen, dass das Publikum das Lied ja auch sehr mochte – allerdings mit weitem Abstand hinter Finnlands Käärija mit „Cha Cha Cha“ (376 zu 243 Punkten). Loreen bekam aus keinem einzigen Land von den Zuschauern 12 Punkte – Käärija dagegen in überwältigender Anzahl.

 


Es gab schon andere Jahre, wo der Juryfavorit gewonnen hat, Duncan Laurence aus den Niederlanden zum Beispiel, oder Jamala aus der Ukraine. Allerdings gab es in diesen Jahren keinen so deutlichen Publikumsfavoriten, die letztlichen Sieger waren auch beim Publikum sehr beliebt, und so erschien das Ergebnis wie ein guter Kompromiss.

Nicht so in diesem Jahr. Das Publikum wollte „Cha Cha Cha“, mit absoluter Mehrheit. Die Jurys haben jedoch einen belanglosen Dancepop-Song durchgedrückt von ihrem Jedes-Jahr-aufs-Neue-Favoriten Schweden, ebenfalls mit solch erdrückender Mehrheit, dass es einfach nur unglaubwürdig wirkt. Wirklich? So viele Jurys fanden, dass dies die absolut beste Komposition im Wettbewerb war? Die ständige Erwähnung, dass ja im nächsten Jahr ABBAs Sieg 50-jähriges Jubiläum hat, tat sein Übriges dazu, um von den Fans ein abgekartetes Spiel zu vermuten.

 

Dieses Ergebnis wird vermutlich nur dazu führen, dass in den kommenden Jahren die Fans noch extremer für den schrägen Fan-Favoriten abstimmen werden, um zu verhindern, dass die Jury wieder langweiligen Mainstream-Pop gewinnen lässt. Dies wiederum nimmt anderen Beiträgen möglicherweise auch ein paar Punkte weg. Viele vermuten, dass z. B. Finnland einiges an Anrufen von anderen, in der Fan-Community durchaus beliebten Beiträgen wie Australien, Deutschland, oder auch Österreich, abgezogen hat.

 


Die Jurys wurden nach Russlands Sieg 2008 eingeführt, um „mehr Wert auf die Songqualität“ zu legen. Dem Western war das Votingverhalten des Ostblocks ein Dorn im Auge, die immer wieder mit lauten Spaß-Nummern weit vorne landeten (wir erinnern uns an die Brot backenden Omas oder die polnische Butterstampferin). "Punktschieberei! Unfair!", wurde vom Westen skandiert. Dass die osteuropäischen Länder sich eventuell gegenseitig Punkte geben, weil sie sich kulturell nahestehen und einen sehr ähnlichen Geschmack haben, kam den Kritikern anscheinend nicht in den Sinn. Und dass es im Westen ebenfalls diese „Nachbarschaftshilfe“ gab, wo sich z. B. die Skandinavier regelmäßig gegenseitig hoch bepunkteten und Griechenland – Zypern bereits eine Art Running Gag war, wurde geflissentlich ignoriert. Mehr noch, wenn man von den Nachbarländern mal keine 12 Punkte bekam, wurde gleich geheult, wie das denn sein kann. Heute bekommt Deutschland eigentlich nur sicher aus der DACH-Region Punkte. Die frühere „Mallorca-Connection“ besteht schon lange nicht mehr.

Nachbarschaftshilfe ist beim ESC normal und gehört auch irgendwie dazu, über irgendwas muss man sich ja aufregen. ;) Mir wäre es lieber, wenn die Jurys wieder abgeschafft würden. Ich kann eher damit leben, dass das Publikum mehrmals hintereinander eine Blödelnummer aus Osteuropa wählt, als dass die Jury den Sieg von überdeutlichen Publikumsfavoriten so offensichtlich verhindert. Und für einen Sieg beim Publikum muss ein Song sowieso flächendeckend gut ankommen, da reichen nicht nur ein paar Nachbarländer. 

 

Ein bisschen „Korrektur“ durch die Jurys kann ich jedoch dahingehend sehen, dass früh startende Länder im Finale benachteiligt sind. Die Zuschauer sitzen vielleicht noch nicht alle bequem vorm TV sondern kramen noch rum, kommen später nach Hause etc. Siehe Österreich dieses Jahr, die große Fan-Favoriten waren, aber auch nur wenige Publikumspunkte bekamen. Da spielte möglicherweise nicht nur die Inszenierung eine Rolle, sondern auch der Starplatz.

Von daher könnte ich damit leben, die Jurys zu behalten, ihnen aber weniger Macht zu geben. Vielleicht eine Verteilung von 25% Jurypunkte und 75% Publikum. So wie es aktuell ist, ist es leider eher unbefriedigend. Und das Publikum hat ja gezeigt, dass es durchaus vernünftige Entscheidungen treffen kann – die Halbfinale dieses Jahr waren reines Zuschauervoting und das hat sehr gut geklappt. Hinzu kommt, dass Zuschauer sich… deutlich schlechter bestechen lassen. ;)

 


Wie dem auch sei. Dieses Jahr bleibt leider ein schaler Beigeschmack, nicht nur, weil Deutschland dieses Mal doch unverdient ganz hinten gelandet ist, sondern auch, weil die Jurys mit ihrem auffälligen Voting den Sieg des absoluten Publikumslieblings verhindert haben. Nun also zum gefühlt hundertsten Mal Schweden… yay?

 

Nette kleine Randnotiz:

Obwohl Lord of the Lost bei den Jurys allgemein sehr schlecht ankamen, gab es doch vereinzelte Jurymitglieder, die Gefallen am deutschen Beitrag fanden. In Rumänien sah man uns einmal auf Platz 5, Norwegen hatte zwei Mitglieder, die uns auf Platz 6 setzten, und in Irland sah man uns auf 6 und 7.

Besonders erwähnen möchte ich jedoch die Jurymitglieder, die uns auf Platz 2 (!) setzen: Vielen Dank an die Juroren aus Aserbaidschan, Estland, und Tschechien. Schön zu sehen, dass unser Beitrag euch gefallen hat!

 

Sonntag, 29. Dezember 2019

"Hamilton": Das Hitmusical der letzten Jahre in London



Wenn es in den letzten Jahren eine unglaubliche Erfolgsstory in der Theaterszene gab, dann ist es definitiv die des Hip-Hop-Musicals „Hamilton“. Die Show von Drehbuchautor/Texter/Komponist Lin-Manuel Miranda hat so ziemlich alles gewonnen, was es in der Branche zu gewinnen gibt (u. a. den Grammy, den Pulitzerpreis, und elf Tony Awards). Uraufgeführt Anfang 2015 am Off-Broadway und im Sommer desselben Jahres dann an den New Yorker Broadway gezogen, erfreut das Musical sich nach wie vor ungebrochener Beliebtheit beim Publikum und spielt täglich vor ausverkauftem Haus.

Miranda konnte bereits 2008 mit dem Musical „In the Heights“ einen großen Erfolg verbuchen (die Verfilmung mit Anthony Ramos kommt 2020 in die amerikanischen Kinos). Im Urlaub las er Ron Chernows 800-seitige Biografie über Alexander Hamilton (entspannende Strandlektüre!) und hatte auf einmal die Idee, aus Hamiltons bewegtem Leben ein Musical zu machen. 
Hamilton war einer der Gründerväter der USA und ihr erster Finanzminister; er kam als Waisenjunge aus der Karibik nach New York und arbeitete sich zügig zu George Washingtons rechter Hand hoch. Für seine Intelligenz und sein loses Mundwerk bekannt, womit er immer wieder aneckte und u. a. mit Thomas Jefferson aneinander geriet, machte er schnell politisch Karriere, heiratete mit Eliza Schuyler in eine angesehene Familie, und sorgte mit einer Affäre für den ersten Sexskandal der jungen Vereinigten Staaten. Er starb 1804 im möglicherweise berühmtesten Duell der jüngeren amerikanische Geschichte durch den damaligen Vize-Präsidenten Aaron Burr.

Im Dezember 2017 feierte „Hamilton“ in London Premiere. Das Victoria Palace Theatre wurde mit dieser Produktion nach umfangreichen Bauarbeiten, die eine völlige Neugestaltung der inneren Räumlichkeiten beinhalteten, wiedereröffnet. Seitdem können sich alle Beteiligten nun auch in London über ein ständig ausverkauftes Haus freuen.


 Da London nun einmal deutlich einfacher zu erreichen ist als New York, konnte ich mir die Möglichkeit natürlich nicht entgehen lassen, und habe diesen Oktober endlich mein aktuelles Lieblingsmusical live sehen können. Die Musik ist ein wunderbar abwechslungsreicher Mix aus Hip Hop, Rap, R&B, Soul und Jazz, mit der ein oder anderen Ballade und sogar ein bisschen Britpop (passenderweise für die kommentierenden Songs König Georges III.).
Das Musical kommt ohne Ouvertüre aus; das Publikum wird gleich in die Handlung geworfen, durch die uns Aaron Burr höchstpersönlich führt. Wir beginnen mit Hamiltons Ankunft in New York, folgen ihm über Heirat, Revolution, politischen Aufstieg und Fall, bis zu seinem Tod durch Burrs Hand. Einige der Darsteller spielen in den zwei Akten unterschiedliche Rollen, z. B. im 1. Akt Verbündete von Hamilton, im 2. Akt dann seine politischen Gegner oder seinen Sohn, während wir chronologisch voranschreiten.

Die Darsteller in der besuchten Vorstellung waren alle großartig, wobei diese Qualität natürlich für das West End typisch ist. Als Alexander Hamilton sahen wir die alternierende Besetzung Karl Queensborough, der Hamilton zu Beginn mit dem passenden jugendlichen Ungestüm spielt und seinen Wandel zum ernsthafteren, älteren Mann glaubhaft macht. Großartig war Rachelle Ann Go als Hamiltons Frau Eliza, die ebenfalls eine große Bandbreite an Emotionen in ihrer Rolle zeigen konnte. Ebenfalls sehr präsent war Sifiso Mazibuko als Aaron Burr, der diesen schwierigen Charakter gut in Szene setzte und mit netten kleinen Details aufwartete (z. B. das ständige Lächeln, das Burrs Paradesatz „Talk less, smile more“ gut unterstrich). Er ließ einen die zunehmende Frustration spüren, die Burr für Hamilton fühlte.
In den weiteren wichtigen Rollen glänzten Sharon Rose als Angelica Schuyler (mit ihrem hervorragenden Solo „Satisfied“), Dom Hartley-Harris als George Washington, Stephenson Ardern-Sodje als John Laurens/Philip Hamilton, Nuno Queimado als Marquis de Lafayette/Thomas Jefferson und Tarinn Calender als Hercules Mulligan/James Madison (beide mit vielen lustigen Momenten). Abgerundet wurde das Hauptensemble durch Courtney-Mae Briggs als Peggy Schuyler/Maria Reynolds und Aaron Lee Lambert als King George (der natürlich die großen Lacher auf seiner Seite hatte und seine Auftritte gehörig auskostete).


Großartig war es, neben den Songs nun endlich einmal das Staging, die Choreographie und das Lichtdesign bewundern zu können. Es gibt nur ein großes Bühnenbild und es wird mit sehr wenigen Requisiten gearbeitet, die vom Ensemble für Szenenwechsel eingebunden in die Choreographie herein- und wieder hinausgebracht werden. Es gibt eine Drehbühne in der Mitte, die sehr effektiv eingesetzt wird (z. B. für  die Zeitraffermomente in „Satisfied“ oder am Ende beim Duell zwischen Hamilton und Burr). Auf der Bühne ist oft viel los, das Tanzensemble ist großartig und übernimmt auch immer wieder die Rollen von Nebencharakteren.
Das sehr passende Lichtdesign rundete die Show sehr gut ab; einzelne Spots wurden für dramatische Momente eingesetzt (oder für einen komödiantischen Effekt); der Sound war ebenfalls bis auf wenige Ausnahmen sehr gut (nur Burr war in einzelnen Momenten nicht ganz so gut zu verstehen).

Ich bin unglaublich froh, dass ich die Show endlich sehen konnte. Durch die neue Ausstattung ist die Beinfreiheit im Victoria Palace Theatre auch gar nicht so schlecht, und unsere Plätze im 1. Rang (Royal Circle) waren ebenfalls wirklich gut. Man konnte die komplette Bühne problemlos einsehen und durch die steile Anordnung der Stuhlreihen stören auch große Menschen in der Reihe vor einem nicht.

Wer mit der Musik etwas anfangen kann, sollte sich „Hamilton“ in London auf keinen Fall entgehen lassen! Die Show ist ihren Preis definitiv wert.


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Freitag, 26. Juli 2013

Ein paar Musikfundstücke

Die Sommerhitze hat Deutschland fest im Griff und obwohl ich in letzter Zeit diverse Filme gesehen und durchaus gute Bücher (und auch nicht so gute) gelesen habe, fühle ich mich in meiner als Computerzimmer gertarnten Sauna einfach nicht motiviert genug dazu Rezensionen zu schreiben.

Superextrem-Kurzfassung:
"Monster Uni" - ganz unterhaltsame Ansammlung von Studentenfilm-Klischees, die zwar nicht ans Original rankommt, aber viele zündene Gags und einige sehr gelungene neue Charaktere aufweist.
"Ich - einfach unverbesserlich 2" - ebenfalls nicht so gut wie der erste Teil (die Kinder kommen doch sehr zu kurz), aber die Minions sind immer noch genial.
"Now You See Me - Die Unfassbaren" - gut besetzter Magier/Trickbetrüger-Film, der gerade in der ersten Hälfte sehr kurzweilig ist, allerdings mit einer doch etwas seltsamen Auflösung aufwartet.


Und jetzt zu den Fundstücken, damit ich sie für mich einfach mal gesammelt an einer Stelle habe. Toller Loop Station-Einsatz, Beatboxen in kreativ, und das möglicherweise beste "Cups"-Cover, das man im Internet finden kann. Viel Spaß.


Bryson Andres:


 Tom Thum:


Sam Tsui, Alex G, Kina Grannis, Kurt Schneider:

Montag, 5. März 2012

Und heute aus unserer "Youtube bestimmt mein Leben"-Ecke!

Ja, es stand schon in den Zeitungen und tumblr ist kurz nach den Oscars deswegen explodiert. Dennoch möchte ich diesen Clip einfach in unsere Blog-Youtube-Sammlung aufnehmen, da er zu grandios ist, um übergangen zu werden. Matt Damon ist auch dabei!

The One and Only Jimmy Kimmel presents: "Movie: the Movie"!!!



Und weil wir ja auch intelektuell und anspruchsvoll und kulturell sind, gibt's als Ausgleich zu diesem schnöd-hohlen, wenn auch stargespickten Blockbuster da oben nun Tschaikovkys "Sugar Plum Fairy" - auf der Glasharfe.



Bitte bitte, gern geschehen. :)

Sonntag, 13. November 2011

"Sister Act: Ein himmlisches Musical"


Der Film "Sister Act" (1992) mit Whoopi Goldberg hat ja ziemlich schnell Kultstatus erlangt, v. a. aufgrund des wirklich gelungenen Soundtracks und Goldbergs einnehmendem Spiel als Deloris van Cartier, die sich als Nonne ausgeben und in ein Kloster ziehen muss, weil sie ihren Freund bei einem Mord beobachtet hat. Kein Wunder also, dass man irgendwann auf die Idee kam, aus dem Ganzen ein Musical zu machen. Dieses hatte am 24.10.2006 in Passadena, Kalifornien Uraufführung und feierte am 02.12.2010 Deutschlandpremiere im Hamburger Operettenhaus an der Reeperbahn.

Geändert hat sich an der Handlung kaum etwas. Deloris ist Sängerin im Nachtclub ihres Freundes Curtis Shank und träumt davon ein Star zu werden. Eines Abends beobachtet sie Curtis dabei, wie er einen Mord begeht, und sie kann gerade noch rechtzeitig vor ihm fliehen. Der Polizeibeamte Eddie Fritzinger quartiert sie unter falschem Namen (Mary Clarence) in einem Nonnenkloster ein, um sie bis zum Prozessbeginn vor Curtis zu schützen. Deloris findet das alles überhaupt nicht cool, lässt sich aber dazu überreden, dem Nonnenchor Unterricht zu erteilen - dieser ist nämlich grottenschlecht. Unter Deloris' Leitung ändert sich das jedoch schlagartig und auf einmal strömen die Leute in die Kirche, um den Chor singen zu hören. Sogar die Presse lässt sich blicken. Es dauert natürlich nicht allzu lange, bis Curtis hinter Deloris' Versteck kommt. Aber er hat die Rechnung ohne die Nonnen gemacht.

Die Handlung bietet also dem Filmkenner nichts Neues. Die Musik hingegen schon, denn für das Musical komponierte Alan Menken (Disneys "Die Schöne und das Biest") komplett neue Lieder und war anscheinend unglaublich inspiriert. Die Musik schwankt zwischen gutgelauntem 70er Jahre Discosound (Donna Summer, Bee Gees), Swing, Musicalballaden und Gospel und lädt sofort zum Mitklatschen und Fußwippen ein. Wäre man nicht im steifen deutschen Musicaltheater, hätte der Saal bei der letzten Nummer vermutlich mitgetanzt. *g*

Zu den richtigen Gute-Laune-Nummern gehören ganz klar die ersten zwei Lieder von Deloris, "Zeig mir den Himmel" und "Fabelhaft, Baby!" (von denen es jeweils auch eine schöne Reprise gibt), außerdem "Singt hinauf zum Himmel" (in dem Deloris den Chor auf Vordermann bringt, s. z. B. hier), "Sonntagmorgenfieber" und natürlich das große Finale "Lass die Liebe rein". Alles zwingt beinahe zum Mitklatschen. *g*
Hinzu kommen schöne Balladen wie "Sister Act" oder das von der schüchternen Mary Robert gesungene "Die Welt, die ich nie sah", lustige Ensemble-Nummern wie "Meine Offenbarung", "Der geweihte Pfad des Herrn" (Deloris & Co. mischen eine Rockerkneipe auf) und "Schütz die Show".
Selbst Lieder, die mich vom puren Hören auf CD nicht wirklich überzeugen konnten, kamen auf der Bühne, unterstützt durch die Darstellerleistungen, hevorragend rüber. So z. B. Curtis' "Ich mach sie kalt" (was aber dennoch eines der schwächsten Lieder der Show ist), das herrlich überzogene "Hey, Schwester" von Curtis' tumben Helfern (die sich für absolut unwiderstehlich halten, das Publikum anflirten und dabei eine typische, schwülstige Bee Gees-Schnulze singen *g*) oder auch "Tief in mir" vom schüchternen Eddie, der hier mal richtig aus sich rausgehen darf.

Die Darsteller in der besuchten Vorstellung waren fast alle Zweit- oder Drittbesetzung, allerdings häte ich das nie vermutet, die Qualität war durchweg sehr gut! Da hat sich seit Stella-Zeiten deutlich was getan, aber bei den doch ziemlich hohen Preisen muss die Stage Entertainment den Zuschauern auch etwas bieten. Auch gibt es mittlerweile selbst bei ausländischen Darstellern nicht mehr die Verständlichkeitsprobleme, die früher häufig auftraten. Erfreulich.

Deloris wurde von Nyassa Alberta gespielt und sie schaffte es ohne Probleme, das Publikum mitzureißen. Sehr gut gesungen, überzeugende Leistung. Die Mutter Oberin war Barbara Krabbe und sie hatte die nötige Ernsthaftigkeit für die Rolle; außerdem genug Ausstrahlung, um nicht neben Deloris unterzugehen. Detlef Leistenschneider war Curtis Shank. Ein wenig schade fand ich es schon, da ich sehr gern Cusch Jung gesehen hätte, aber Leistenschneider ist ein mehr als adäquater Ersatz und es war schön, mal einen Darsteller zu sehen, über den ich schon sehr viel gelesen habe. Seine drei Hilfsganoven wurden von Tobias Weis (Bones, normalerweise von Tetje Mierendorf gespielt), Dave Mandell (Erstbesetzung) und Claudio Goncalves gespielt, und gerade Tobias Weis hat das Glück, in der "Hey, Schwester"-Nummer besonders glänzen zu dürfen. Wie er auf dem Boden rumrobbte und die erste Reihe anflirtete, das hatte schon was. Das Publikum hat sich jedenfalls köstlich amüsiert. *g*

Als die drei "Hauptnonnen" überzeugten Anne Hoth als schüchterne Schwester Mary Robert, Yvonne Köstler als ewig gutgelaunte Schwester Mary Patrick und Sonya Martin (Erstbesetzung) als schon etwas ältere, aber immer noch voll fitte Schwester Mary Lazarus. Sonya Martin hat das Glück, als Mary Lazarus viele der besten Gags abzubekommen und hatte das Publikum ruck-zuck auf ihrer Seite. Und so schief wie Yvonne Köstler muss man erstmal singen können... herrlich, wie sie am Anfang den kompletten Chor mit ihren falschen Tönen untergräbt!
Der Polizist Eddie wurde zunächst von Erstbesetzung Mathieu Boldron gespielt, der wirklich richtig toll war und in seiner Nummer "Tief in mir" seine große Range beweisen konnte. Nach der Pause fiel er wegen Krankheit aus und wurde durch Francisco del Solar ersetzt, der ihn gut vertrat. Auch Uwe Dreves als Monsignore Howard, Kati Heidebrecht als Kay-T und Alex Avenell als LaRosa machten ihre Sache in den eher kleinen Rollen gut.

Über Musik und Darsteller kann ich nicht meckern, vielleicht dann bei den technischen Aspekten? Nein, auch nicht. Das Bühnenbild war beeindruckend; es gibt eine Drehbühne, welche schnelle Szenenwechsel erlaubt und bei der Verfolgungsjagd gegen Ende richtig gut eingesetzt wird. Das Ganze sieht sehr aufwendig aus, v. a. das Finalbühnenbild mit der Mutter Gottes-Figur im Hintergrund und den schönen bunten Fenstern.
Auch die Kostüme sind sehr gelungen, von Deloris' ziemlich, öhm, interessanten Nachtclubsängerinnen-Outfit zu Beginn (Die Stiefel! Die Jacke! Die Hose! Einfach schrecklich! *g*), ihrem wunderbaren silbernen Abendkleid im Finale und den immer aufwendiger werdenden Ordensgewändern der Nonnen (im Finale silbern und sehr glitzerig). Auch die Ausstattung ist toll, v. a. Curtis' roter Sessel. *g*

Die besuchte Vorstellung war ausverkauft, es herrschte eine wirklich gute Stimmung und am Ende kam es sehr schnell zu Standing Ovations und lang anhaltendem Jubel. Außerdem war es sehr warm, was zum ein oder anderen kleinen Gag durch Monsignore Howard führte ("Schön, dass ihr so zahlreich erschienen seid, meine Schäfchen! Hui, mein ich das nur oder ist es heute richtig warm hier?"). Wir waren jedenfalls begeistert und würden "Sister Act" jederzeit wieder besuchen.

Alles in Allem ist "Sister Act" ein wunderbares Gute-Laune-Musical mit mitreißender Musik, tollen Darstellern, sehr viel Humor und beeindruckender Ausstattung. Uneingeschränkt empfehlenswert!

Mittwoch, 15. Juni 2011

David Garrett: "Rock Symphonies" Tour 2011


Letzten Samstagabend verbrachte ich der ausverkauften Kölner Lanxess-Arena, um mir das Geigenwunderkind David Garret anzuschauen. Garrett ist gebürtiger Aachener, ein wenig hört man das Rheinische doch immer wieder durchschimmern. *g*

Ich konnte mir nicht allzu viel unter diesem Konzert vorstellen, so im Vorhinein. Ich hatte zwar einige Clips angeschaut, um zu wissen, dass mir sein Stil gefällt, aber zu sehr mit irgendwelchen Erwartungen belasten wollte ich mich nicht. Bei den "Rock Symphonies" präsentiert Garrett eine faszinierende Mischung aus Rock und Klassik - er spielt bekannte Stücke klassischer Komponisten, bei denen er von seine Rockband begleitet wird, oder er nimmt sich Rocksongs und nähert sie durch sein Geigenspiel und mit unterstützung des Frankfurter Symphonie-Orchesters der Klassik an.

Ganz einfach: Wer klassische Geigenmusik mag und dazu auf Rock steht, wird bei diesem Konzert vollkommen auf seine Kosten kommen!

Meine Freundin und ich hatten einen Platz im Unterrang, was ganz gut war - Dank der Bildschirme und Projektionen bekamen wir auch Details mit, aber gleichzeitig konnten wir die schöne Lichtshow ausgiebig bewundern - die diversen pyrotechnischen Effekte kamen so auch besser zur Geltung als wenn wir direkt davor gesessen hätten (und es war auch längst nicht so warm *g*).

Trotz der technischen Spielereien steht natürlich die Musik im Vordergrund - und davon bot Garrett eine ganze Menge. Er spielte inkl. halbstündiger Pause drei Stunden und bot einige seiner bekanntesten (und besten) Stücke, wobei er die Stücke fast immer mit einer kleinen Anekdote aus seinem Touralltag einleitete. Zur Interaktion mit dem Publikum ist er wohl nicht geboren, er kam aber zumindest ganz locker rüber und wir waren ja auch nicht gekommen, um ihm bei Reden zuzuhören. *g*

Was hat der gute Mann denn nun gespielt, fragt ihr euch? Begonnen hat er mit "Smells like teen spirit" von Nirvana, was natürlich eine sehr gute Eröffnungsnummer ist ("Here we are now, entertain us!"). Und einen auch gleich in genau die richtige Stimmung für de Abend versetzte - das wird laut und gleichzeitig virtuos, juhu!
Gleich zu Anfang kamen wir auch in den Genuss von zwei besonders schönen klassischen Stücken, die zu meinen absoluten Lieblingen gehören: Beethovens grandiose 5. Symphonie, und den 3. Satz aus dem "Sommer" aus Vivaldis "Vier Jahreszeiten".

Einige Balladen hatte er auch zu bieten: "So close" aus Disneys "Verwünscht", "You raise me up", wobei er im wahrsten Sinne des Wortes in die Luft geht, de Bussys wunderschönes "Clair de lune" oder auch "Musica e".

Die meiste Zeit ging es aber eher richtig rockig zu. In der ersten Hälfte gab es außerdem noch so großartige Stücke wie "Live and let die", den "Sirtaki", weil das Publium ja gerne mitklatscht, und natürlich das Ende von Ravels "Bolero":






Aber auch die zweite Hälfte von Garretts Programm hielt ein paar absolute Abräumer bereit.

So gab es ein Michael Jackson Medley (Billy Jean, I'll be there, Smooth Criminal), das von mir besonders sehnsüchtig erwartete "He's a pirate" aus "Fluch der Karibik *g*, der Solo-Auftritt seiner Rockband mit AC/DCs "Whole lotta Rosie", "Rocking all over the world", "Master of puppets", "Walk this way"... natürlich das wunderbare "Vivaldi vs Vertigo":






Garretts vorletztes Stück war der "Czardas", an sich ja sowieso ein großartige Stück, um mit den charmanten Spielereien gleich doppelt so gut. Und verabschiedet hat er uns mit "Hey Jude" von den Beatles, bei dem auch alle brav mitgesungen haben (soweit wir denn den Text konnten, aber mit "nanana" und "lalala" kommt man auch gut parat *g*).

Nächstes Jahr werde ich wahrscheinlich auch wieder eins seiner Konzerte besuchen; abhängig davon, welche Tour er dann macht - die Crossover-Tour ist sicherlich auch gut.

Erwähnen muss ich noch einen goldigen Moment ganz zu Beginn - das Orchester hatte die Plätze eingenommen, das Licht war auf "Jetzt gehts los!" gestellt und ... es herrschte Stille. Und in diese Stille hörte man plötzlich von einem Mädchen ein.. hm, Quieken? Einen Freudenschrei? Es klang wirklich so, als könnte sie ihre Freude ob des jede Sekunde beginnenden Konzertes nicht länger unterdrücken. *g* Wir haben sehr gelacht - und dann ging's los.
Schön war auch zu sehen, welche Stücke besonders bekannt waren und welche nicht so sehr. Immer bereits abzulesen am Applaus bei der Titelankündigung. *g*

Wer also mit den verlinkten Clips musikalisch was anfangen kann, sollte sich die "Rock Symphonies" bei der nächsten Gelegenheit auf keinen Fall entgehen lassen!

Sonntag, 15. Mai 2011

Könnte das bitte jemand erklären?Aserbaidschan gewinnt. Warum?!

Ehrlich, ich verstehe es nicht. Der Song kam am Freitag live kaum an und auch gestern war er nicht gerade ein Wow-Moment. Ich gebe gerne zu, dass das Lied einfach nicht mein Geschmack ist - ich finde es nicht besonders einprägsam, es plätschert so for sich hin. Auch keine irgendwie herausragende Performance oder Show... haben sie gewonnen, weil es das einzige Duett war? Wollte man einen absolut profillosen Popsong gewinnen lassen, der noch nicht mal von besonders charismatischen Sängern präsentiert wird? Denn "Satellite" war auch nicht grade die Krone der Songschreibkunst, wurde aber immerhin mit Lena sehr gekonnt und charmant rübergebracht.

Nun denn, 2012 also Baku. Immerhin war es dieses Jahr ein deutlich spannenderes Voting als die letzten beiden Jahre - auch Italien, Schweden, Bosnien und die Ukraine hätten durchaus gewinnen können. Und ich hätte es jedem davon mehr gegönnt. Dass die Sängerin beim Gewinnerauftritt absolut neben dem Ton lag (und das auch konsequent durchhielt), war noch das Tüpfelchen auf dem i. *seufz*
Schön war aber beim Voting, dass viele überraschende Ergebnisse dabei waren. Sehr viel weniger Punkteschieberei, so bekam Russland eher wenig Punkte aus den Nachbarländern, die sonst immer sehr erfolgreich schleimten. Wir bekamen 10 Punkte aus Österreich, was auch eher selten der Fall ist... Das war schon nett anzuschauen.

Aber egal. Lassen wir mal meine Unzufriedenheit mit dem Gewinnerlied beiseite - insgesamt war es nämlich eine tolle Show! Grandioses Opening, die Heavy Tones und Raab in Bestform, cooler Mini-Auftritt von Lena und ihren Doubles. *g* Die Moderation war auch gelungen, technische lief alles super, wie am Schnürchen. Was man am TV so mitbekommen konnte, war die Stimmung in der Arena auch großartig.

Die Auftritte waren jetzt natürlich nicht mehr besonders überraschend - Lena lieferte wieder voll ab, hat sie super gemacht und ein 10. Platz geht vollkommen in Ordnung. Das Lied ist etwas speziell und kam im Osten überhaupt nicht an. Macht nix, den Contest auszurichten ist eh viel zu teuer. *g*
Leid tat es mir wirklich für Anna Rossinelli aus der Schweiz. Sie hatte ein sehr hübsches Lied, aber anscheinend war es nicht effektvoll genug. Auch Österreich hätte ich gern weiter vorne gesehen als auf Rang 18 - das war grandios gesungen und sehr stimmungsvoll. Aber Balladen hatten es dieses Jahr generell schwer, bis auf den ukrainischen Beitrag, der aber wohl von der Sandmalerei extrem profitierte.

Ich hätte nicht gedacht, dass Italien es auf den 2. Platz schafft, aber das ist ein sehr erfreuliches Ergebnis, nachdem das Land sich aus der Schmollphase zurückmeldete. Schweden auf Platz 3 ist keine Überraschung, Eric Saade hatte ein extrem eingängiges Lied, dass sich ins Gehirn einbrannte. Wir haben jedes Mal den Refrain mitgesungen. *g*
Schön auch, dass Bosnien es auf Platz 6 schaffte - "Love in rewind" ist ein richtig charmantes Lied mit einem guten Beat.

Großbritannien hätte ich eine bessere Platzierung zugetraut, auch Irland hatte ich höher gesehen. Aber die Wege Europas sind manchmal unergründlich...

Immerhin ist es schön zu sehen, dass die Qualität der Songs doch deutlich zugenommen hat in den letzten Jahren. Eine zeitlang war die Anzahl an extrem trashigen Songs viel höher und entsprechend anstregend war es, den ESc zu gucken. Einen Totalausfall gab es dieses Jahr nicht, eher Sachen, die mir persönlich einfach nicht gefallen haben, denen man aber keine schlechte Produktion und dergleichen vorwerfen kann.

Nun können wir uns also mit dem Finden eines Stars für Baku beschäftigen. Es wird wieder spannend.

Samstag, 14. Mai 2011

Eurovision Song Contest 2011: Das Juryfinale


Nachdem Lena im vorigen Jahr mit ihrem grandiosen Auftritt den Eurovison Song Contest das erste Mal seit Nicole wieder nach Deutschland holen konnte, musste ich einfach in Düsseldorf dabei sein! Nicht unbedingt im Finale, da die Tickets doch ziemlich teuer waren, aber wenn man schon mal die Gelegenheit hat, an solch einem Event teilzunehmen (und dann auch noch in der Nähe des Austragungsortes wohnt und nicht mal Anreisekosten hat!), muss man sie doch ergreifen!

Und so haben meine beste Freundin und ich uns entschlossen, zum Juryfinale im Stadion zu sein. Nicht viel Geld ausgeben, einfach die günstigsten Tickets für € 19,- im Oberrang der Esprit Arena kaufen und die Atmosphäre erleben. Und Leute, ich kann wirklich nur jedem für die Zukunft empfehlen: Wer nicht die teuren Finaltickets kaufen möchte, sollte unbedingt zum Juryfinale gehen! Wir haben die komplette Show, wie sie heute Abend stattfinden wird, gesehen, inklusive der großen Opening-Nummer, Pausenauftritt von Jan Delay und Punktevergabe (natürlich nicht mit den "echten" Punkten, aber mit Schaltung zu den ganzen Punkteverkündern). Es lohnt sich absolut! Sollte der Contest nächstes Jahr in einem Land sein, in das wir sowieso mal gerne reisen würden, wären wir wahrscheinlich wieder dabei. Ganz toll!

Aber der Reihe nach. Mit der überfüllten U-Bahn ging es bis zur Arena, wo wir so um 19:20 Uhr ankamen. Der Einlass mit Sicherheitskontrolle ging sehr flott und ohne Probleme über die Bühne, dann hieß es die Plätze finden... bzw. erst einmal den Block 144. *g* Wir sind ja patent und haben das schnell hinbekommen. Um 20:15 Uhr mussten die Plätze eingenommen sein - wir saßen auf dem Oberrang im ersten Block der Osttribüne (in der Kurve) - die Bühne ist vor der Nordtribüne aufgebaut. Das war schon ordentlich hoch, aber so hatte man einen schönen Überblick über die ganze Halle und konnte später die Lichtschow und die LED-Wand gut verfolgen.


Ein Teammitglied namens Marco hat uns dann eingewiesen, Sachen wie "Und immer so lange schön laut klatschen, bis der Künstler von der Bühne ist, die freuen sich drüber!", "Bitte bei allen schön viel jubeln, wir sind doch gute Gastgeber!", und der "I can't go!"-Schrei, den wir für die große Opening-Nummer üben mussten. Er wies extra darauf hin, dass wir genau die Show zu sehen bekommen, die auch am Samstag ausgestrahlt wird und das alles aufgezeichnet wird, sozusagen als Back-Up. Dann hieß er unsere Moderatoren willkommen, Judith Rakers, Anke Engelke und Stefan Raab, der so lieb war und die Schleppe von Ankes Kleid trug. *g*

Tja, und dann ging es Punkt 21 Uhr los. Die Eurovisions-Musik wurde eingespielt und wird haben gejubelt, was das Zeug hielt. *g* Stefan war ziemlich locker, sein Englisch ist immer noch nicht besonders toll, aber Anke hat den Großteil der Moderation übernommen. Nett willkommen geheißen, und dann hieß es: "Ja, und eigentlich müsste die Lena jetzt ihren Siegertitel vom letzten Jahr singen, aber sie nimmt ja wieder teil und muss sich konzentrieren... also singen wir den jetzt!" Und dann fing Anke an, "Satellite" zu singen, dabei schön den Text komödiantisch unterstreichend (wobei sie Stefan ihren Pferdeschwanz ins Gesicht haute *g* - ich glaube, das war nicht geplant). Ab da ging die Party richtig los! Auf einmal wurde aus dem langsamen Stück irgendwas zwischen Rockabilly und Big Band, die Heavy Tones spielten sich die Seele aus dem Leib, Stefan rockte an der Gitarre und sang, das Publikum sang lauthals mit und dann kamen Lena-Doubles auf die Bühne, um Fähnchen der Teilnehmerländer zu schwenken. Und für die letzten 30 Sekunden oder so war auch Lena persönlich auf der Bühne und hat mitgesungen. Grandioses Opening und hat gleich für super Stimmung gesorgt!

Hinter dem Tuch versteckten sich die Heavy Tones. *g*

Und danach ging es Schlag auf Schlag. Alle Teilnehmer traten mit ihrer Bühnenshow auf (falls sie eine hatten) und man muss der ganzen Technikabteilung des Düsseldorfer ESC-Teams einfach ein riesen Kompliment machen: Großartige Lichtshow und immer passende, häufig sehr stimmungsvolle Projektionen auf der LED-Wand. Alle Auftritten sahen fantastisch aus!

Als erstes musste Paradise Oskar für Finland auf die Bühne. Er bekam auch gleich ein sehr schönes, in blau gehaltenes Bühnenbild mit Sterneffekt und sich ins Bild schiebender Erde - sah wunderschön aus.


Schade nur, dass man sich am Ende des Contests kaum mehr an ihn erinnern konnte - Tom Dice hat im letzten Jahr die "Knuffiger Junge mit Gitarre singt Ballade"-Nummer deutlich charmanter verkauft.

Dino Merlin für Bosnien-Herzegovina brachte sein "Love in Rewind", für das ich ja eine Schwäche habe, gut rüber und animierte zum Mitklatschen. Die Band A Friend in London für Dänemark nutzte immerhin die komplette Bühne - der Sänger lief auch mal über den Steg durch's Publikum bis auf die kleine Bühne in der Mitte. Das taten viel zu wenige der Künstler... ich glaube bis auf ihn ging tatsächlich niemand bis dort! Er hat ein sehr eingängiges Lied, dass mich immer an eine Fußballhymne erinnert. In der U-Bahn sagten ein paar Mädels, dass sich das Lied anhöre wie "Herz an Herz" von Blümchen - eine Ähnlichkeit in der Melodie ist auf jeden Fall vorhanden. *g*

Danach kam Litauens Evelina Sasenko, aber der Funke wollte nicht überspringen - das war eher höflicher Applaus. Ganz im Gegensatz zum folgenden Auftritt von Kati Wof aus Ungarn: Da wurde gejubelt und gejohlt, das kam super an im Stadion! Genau wie die folgende Nummer, die hüpfenden Zwillinge Jedward für Irland! Um die gab es ja schließlich auch genug Buzz im Vorfeld.

Sehr hysterisches Bühnenbild, alles sehr rot, Jedward wie immer im Zuckerrausch und asynchron. *g* Es wurde aber viel für sie gejubelt und sooo schlecht stehen ihre Chancen gar nicht.
Dann kam Eric Saade für Schweden, der "Popular" werden möchte. Dieser blöde Refrain ist ein absoluter Ohrwurm, nur hatte Eric Pech, ausgerechnet nach zwei ähnlich klingenden lauten Dance-Nummern dranzukommen. Kam dennoch gut an, durch seine Startposition sehe ich ihn jedoch nicht mehr so weit vorne wie am Anfang.
Anschließend kam Getter Jaani mit ihrer Zauber-Nummer - sehr bunt, aber so viel Begeisterung wie für die Lieder davor war nicht zu spüren.

Griechenland ging irgendwie komplett unter.. es hat einer gerappt und es war irgendwie alles sehr ernst, aber das wars auch. Hier auch eher höflicher Applaus. Auch Russland kam dieses Mal nicht ganz so gut an, irgendwie fehlte da was - die Schuhe haben aber cool geleuchtet. *g*
Dafür, dass Amaury Vassili aus Frankreich so hoch gehandelt wird, war es aber vergleichsweise ruhig bei seinem Auftritt. Die Hitnoten haben ihm etwas Zwischenapplaus eingebracht, und er hatte ein leicht kitschiges, aber dennoch wunderschön-stimmungsvolles Bühnenbild...


... aber ich weiß nicht, bei einem hoch gehandelten Favoriten hätte ich mehr erwartet. So ganz hat er wohl das Publikum nicht überzeugen können.
Der folgende Auftritt von Raphael Gualazzi für Italien kam da deutlich besser an, da wurde wieder richtig gejubelt. Und auch Anna Rossinelli für die Schweiz wurde begeistert aufgenommen - sehr süßes Bühnenbild, toll gesungen, super zum Mitsummen und "lalala"-en. :)
Dann kam Großbritannien - und Blue wurden richtig gefeiert! Die Halle hat gekocht, alle gingen super mit, tolle Stimmung!

Blue haben durchaus gute Chancen auf den Sieg, wenn sie heute Abend noch einmal so eine Stimmung zaubern können.
Dann kam die verrückte Zirkusnummer auf Speed aus Moldawien. Ich glaube, dass dieses Lied einen tieferen Sinn hat - es soll uns etwas sagen, etwas Wichtiges. Aber ich verstehe es einfach nicht. :(
Tja, und als nächstes betrat Lena die Bühne. Das gesamte Publikum hat bereits beim Einspieler gestanden und gejubelt wie bekloppt. Und als dann die Musik begann, haben wir das gesamte Lied durch den Beat mitgeklatscht und auch mitgesungen. Einfach super Auftritt von Lena, ich drücke ihr die Daumen für eine gute Platzierung!

Wer nach Lena kommt, kann nur verlieren - und das ist in diesem Fall leider Rumänien. Ich mag Hotel FM mit "Change" total gerne, ich finde, das ist ein richtig schönes eingängiges Lied, aber das Publikum war noch so mit Lenas Auftritt beschäftigt, dass dieser Auftritt irgendwie etwas unterging. Schade.
Nadine Beiler aus Österreich hatte es danach mit ihrer Powerballade einfacher. Das ließ aufhorchen, war sehr gut gesungen und wurde entsprechend bejubelt. Aserbaidschan, das danach kam, fanden wir belanglos, hatte nichts Besonderes und wurde entsprechend eher höflich als begeistert bejubelt.

Auch Maja Keuc aus Slowenien die mich von der Stimme an die Aguilera erinnerte, kam nicht ganz so gut an. Finde ich persönlich schade, denn ich mag dieses Lied sehr gerne, genau mein Geschmack.
Island mit ihrem fröhlichen Mitklatsch-Lied wurden jedoch wieder richtig gefeiert.
Spanien machte einen sympathischen Auftritt, aber der letzte Funke sprang nicht über. Vielleicht lag es an der leicht piepsigen Stimme.
Darauf folgte die Ukraine, die vermutlich nur wegen der Sandmalerei überhaupt bis ins Finale gekommen ist. Ich kann mich an das Lied nicht mehr erinnern, aber die Bilder waren wunderschön.


Schließlich hätten wir noch Serbien mit der 70er-Jahre-Nummer, die auch sehr bejubelt wurde, und Georgien, das die Reihe der Auftritte laut, aber irgendwie belanglos beendete.

Danach gab es drei Schnelldurchläufe, während sich die ersten Zuschauer bereits auf den Heimweg machten. Ein Fehler! Denn so entging ihnen Jan Delays genialer Pausenfüller! Delay tritt in der Zeit auf, in der die Stimmen ausgezählt werden. Er bringt seine beiden größten Hits "Oh Jonny!" und "Klar" und hat das Haus einfach nur gerockt! Wir haben auf den Tribünen getanzt, gehüpft, mitgesungen - ganz große Klasse! Ich hoffe, dass die Stimmung am TV auch so gut rüberkommt, denn das war wirklich fantastisch. Übrigens klingt Delay live längst nicht so nasal wie auf Studioaufnahmen und man versteht ihn überraschenderweise auch besser. *g*

Schließlich folgte noch die komplette Punktevergabe, von Anke moderiert. Die zog sich wie üblich, v. a. da sie jetzt ja nur als Test gedacht war und es um nichts ging. Aber die Liveschaltung zu den einzelnen Ländern musste ja auch getestet werden. Ruslana, die mit "Wild Dances" gewann, vergab die ukrainischen Punkte. Der slowenische Presenter war herrlich witzig und wollte Stefan als Manager (er sang sogar kurz "Wadde hadde dudde da" an!); eine blonde Dame machte ewig lange nicht voran, und das zu fortgeschrittener Stunde, bis sie dann endlich fragte, "Are you ready for our votes?" Und Anke, mit einem guten Gespür für die leicht genervten Zuschauer: "We are so ready!" Sie kündigten Mazedonien mit, "And now we go to Maze... dingens, Macedonia!" an, und freute sich, als sie eine Dame vom letzten Jahr wiedererkannte. *g*

Die Greenroom-Kameras wurden getestet und man hatte Helfer in die Kabinen gesetzt, die sich dann ständig, wenn sie auf Sendung waren, freuten, jubelten, Küsschen in die Kamera warfen usw. Das waren immer wieder lustige Momente, v. a. als Judith dann den Zwischenstandsführenden interviewte, und der stur auf Englisch mit den üblichen Phrasen antwortet. *g* Sieger wurde Italien und die beiden Helferinnen mussten tatsächlich auf die Bühne gehen, sich von den Moderatoren herzen lassen und dann warten, bis das italienische Lied als Instrumentalstück zuende war.

Und dann durften wir nach Hause gehen. *g* Wieder in die überfüllte U-Bahn gequetscht und meine Freundin war so lieb, mich nach Hause zu fahren, da mein letzter Zug natürlich schon längst weg war (es war mittlerweile halb 1 nachts). Auf dem Weg zum Auto nahmen wir dann noch eine jungen Französin mit, die nicht allein die dunklen Straßen langgehen wollte und auch beim ESC gewesen war.

Tja, alles in allem ein wirklich toller Abend! Die Show heute wird sicherlich wieder genauso gut, dieses Mal aber mit wirklich spannender Punktevergabe, denn es gibt einige viel umjubelte und wirklich gute Lieder. Ich bin gespannt und freu mich drauf!

Donnerstag, 3. März 2011

Die böse Sesamstraße: "Avenue Q"


Zugegeben, ein dreiviertel Jahr Verspätung ist ganz schön viel und jaaa, ich schäme mich sehr. Aber nun, anlässlich der vorige Woche stattfindenden deutschsprachigen Erstaufführung in St. Gallen, habe ich mich zu einer Kritik von "Avenue Q" hinreißen lassen.

Zwei Freundinnen und ich haben dieses Musical letztes Jahr während unseres Urlaubs in London besucht, nicht ahnend, dass die Show nach fünf Jahren Laufzeit im Oktober geschlossen werden würde. Sehr schade, ich wäre beim nächsten Urlaub gerne wieder reingegangen.

Kurz zur Handlung: Princeton hat seinen Collegeabschluss in der Tasche und sucht händeringend nach einer bezahlbaren Unterkunft. Dabei landet er irgendwann in der Avenue Q - sieht alles etwas schäbig aus, aber die Leute scheinen ganz nett zu sein, allerdings haben sie genauso wenig eine Ahnung, was sie mit ihrem Leben anfangen wollen wie er. Passt also perfekt. Da gibt es den etwas trotteligen Vermieter Brian und dessen resolute chinesische Freundin Christmas Eve, den ehemaligen Kinderstar Gary Coleman, Rod und Nicky, die sich eine Wohnung teilen, und... Kate Monster, in die sich Princeton sofort verliebt. Zu den diversen folgenden Verwicklungen tragen zwei "Bad Idea Bears" und die mondäne Lucy T. Slut bei. Chaos, bescheuerte Träume, eine Hochzeit, Sex, fahrlässige Körperverletzung, Scientology - in der Avenue Q findet man das alles. Und manchmal auch gute Freunde.

Dieses Musical verlangt den Darstellern wirklich viel ab. Es gibt nur drei menschliche Rollen: Brian, Christmas Eve und Gary Coleman, alle anderen Darsteller spielen mindestens zwei Puppen. Und das ist richtige Arbeit - wie da manchmal in Sekundenschnelle von der einen zur anderen Puppe gewechselt wird, wie die Darsteller ihre Stimmen entsprechend sofort anpassen müssen und man es als Zuschauer als absolut glaubwürdig erachtet, das ist beeindruckend! Hinzu kommt, dass sie nicht nur die Puppen lebendig werden lassen, sondern sich die Emotionen in ihrer Mimik und Körperhaltung widerspiegeln. Unterhaltung pur.

Besonders krass ist z. B. der Unterschied zwischen Kate Monster (niedlich, schüchtern, mit sanfter Stimme) und Lucy T. Slut (erotisch hauchende Stimme, anzügliche Sprüche), die beide von derselben Darstellerin gespielt werden (bei unserem Besuch von der Zweitbesetzung Rachel Jerram, großartig).
Ganz große Klasse war auch Paul Spicer als Princeton bzw. Rod - man wusste aufgrund seiner Art zu sprechen sofort, welche Figur er gerade darstellte; Rod hatte immer einen leicht verklemmten Touch in der Stimme, aber er ist ja auch derjenige, der definitiv, absolut hundertprozentig, vollkommen überhaupt nicht schwul ist.
Super waren auch Jacqueline Tate und Siôn Lloyd als Christmas Eve und Brian; absolut liebenswert und verdammt lustig. Der Publikumsliebling der menschlichen Charaktere war jedoch ganz klar Gary Coleman, gespielt von Delroy Atkinson. Er war ganz einfach supersympathisch, hat einige der besten Srpüche und dazu noch eins der erinnerungswürdigsten Lieder ("You can be as loud as the hell you want [when you're making love]" inkl. Puppen, die wilden Sex haben... man muss es einfach selbst gesehen haben, es war zum Schreien komisch).

Bei den Puppencharakteren räumte Tom Parsons als Nicky / Trekkie Monster (Kates Bruder) am meisten ab. Seine Mimik allein war urkomisch, aber dann hat er mit Trekkie auch noch die verrückteste / kultigste Figur abbekommen. Trekkie ist eine riesige Puppe, und es musste immer ein zweiter Darsteller mitmachen, um sie zu bewegen. Er besteht nur aus Fell und verlässt sein Zimmer so gut wie gar nicht, sondern hockt den ganzen Tag vor dem Computer. Und er erteilt seiner Schwester (und dem Publikum, oh ja!) eine Lektion: "The internet is for porn!". Wie er das rübergebracht hat, später vorne am Bühnenrand stehend mit einem Blick ins Publikum, der ganz klar sagte: "Ich weiß, was ihr alles für versaute Kerls seid!" *g* Der Applaus wollte gar nicht mehr aufhören...


Sowieso, die ganzen Charaktere sind wunderbar. Hinzu kommen noch die Bad Idea Bears, die Princeton ständig dazu drängen, sich zu besaufen oder Kate flachzulegen... und dabei aussehen wie die Glücksbärchis. *g* Dann lebt die Show auch noch von wirklich hübschen Einfällen (eine überdimensionale Kate in einem Albtraum; Bildschirme, die hin und wieder bestimmte Stellen visuell unterstützen; Lucy T. Sluts Nahtoderfahrung, der Lauf ins Publikum, um Geld für Kates Schule zu erbetteln...), hat ein sehr funktionales, aber liebevoll gestaltetes Bühnenbild... und ist einfach richtig schön böse. *g* Die Charaktere sind teilweise klar an die Sesamstraße angelegt, z. B. erinnert Trekkie an das Krümelmonster, aber ganz besonders deutlich wird es bei Nicky und Rod, die eigentlich Ernie und Bert in anderen Farben sind.

Und dann die Lieder! Das wirklich Gemeine an ihnen ist: Sie sind verdammte Ohrwürmer! Nur kann man sie nicht laut singen, weil sie so schöne Titel haben wie "The internet is for porn", "Everyone's a little bit racist", "It sucks to be me" oder "If you were gay" (sooooo grandios-lustig!). Dann noch das für den Charakter oberpeinliche "My grildfriend who lives in Canada", und einer der für uns unterhaltsamsten Songs: "Schadenfreude". Ja, in englisch gibt es kein Wort für Schadenfreude, und es wird dann auch entsprechend erklärt: "Schadenfreude is German and means taking pleasure in the misery of others". - "Yes, that's very German." *g* Ja, wir haben laut mitgelacht - schließlich wurden Chinesen, Afro-Amerikaner, Juden und ich weiß nicht wer noch alles genauso politisch unkorrekt durch den Kakao gezogen. Neben uns saßen zwei amerikanische Mädels, die wohl erstens überrascht waren, dass wir das lustig fanden (vor Beginn der Show hatten wir uns ja auf Deutsch unterhalten), und die es generell toll fanden, wie die Darsteller ständig "Fuck" und "Shit" sagten. *g* Jaja, das freigeistige Europa... ;)

Der Saal war ausverkauft und die Stimmung war großartig, wie bei einer Party. So muss ein toller Musicalbesuch sein.

Ich hoffe, dass die deutsche Version ebenso großartig ist und dass die Übersetzung gelungen ist; das dürfte nicht bei allen Liedern so leicht gewesen sein. Aber St. Gallen ist ja durchaus für Qualität bekannt, von daher mach ich mir da keine großen Sorgen.

Alles in Allem eine großartige, unterhaltsame Show - wer mit den Songtiteln etwas anfangen kann und nicht bei leicht unkorrektem Humor sofort auf die Palme geht, der wird "Avenue Q" lieben!
Ich hoffe, dass wir auch hier Deutschland bald in den Genuss dieses Musicals kommen werden.


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Freitag, 18. Februar 2011

Welch Überraschung! Wer hätte das gedacht?!


Da ist es doch tatsächlich "Taken by a stranger" geworden, das sich im Finale unseres diesjährigen ESC-Vorentscheids (oder der besten Marketingcampagne für Lenas neues Album) durchgesetzt hat. Deutlich geschlagen wurde "Push forward", das gerade einmal 21 % der Stimmen im 2. Votingdurchlauf erhielt.

Öhm ja. Der Ausgang des heutigen Fianles war ja schon seit dem ersten Halbfinale klar; "Taken by a stranger" lag in den einschlägigen ESC-Foren immer vorne, das Publikum bejubelte den Song ausgiebig, während die anderen mit höflichem bis ordentlichem Applaus abgespeist wurden.

Wie finde ich das Lied? Also, es hat einen gewissen Sog, da liegt Raab schon richtig, wenn er es als einen "Krimi" (oder das "heutige Peter und der Wolf") beschreibt. Mir plätschert es allerdings zu höhepunktlos dahin. Daran kann man ja noch arbeiten; leichte Varianten in der Betonung können da schon Abhilfe schaffen, und es wird wohl auch druckvoller rüberkommen, wenn beim ESC dann das Playback läuft (war bei "Satellite" ja auch so).

Wo ich Raab auf jeden Fall zustimme, ist, dass dieses Lied in Erinnerung bleibt. Und das ist extrem wichtig beim ESC. Ich glaube zwar nicht, dass Lena auch dieses jahr gewinnt, aber eine gute Platzierung ist ihr zu wünschen, und dadurch, dass "Taken by a stranger" nun einmal aus der Masse der üblichen ESC-Songs heraussticht, hat sie dafür gute Chancen.

Nette Show. Aber es gab einen Moment, der mich zum Schreien gebracht hat. Wo ich richtig laut lachen musste. Ich habe ungläubig auf den TV gestarrt. Und ich habe den Act gefunden, dem ich nun beim ESC entgegenfiebere. Die einzig wahren, unvergleichlichen, faszinierend-trashigen JEDWARD für Irland!

Wie, die kennt ihr nicht?! Niemand, der sich auch nur in Ansätzen für Castingshows interessiert, kann John und Edward übersehen haben! Sie haben sich Runde um Runde bei X-Factor UK weitergeschlichen, mit unvergesslichen Auftritten! (Klicken auf eigene Gefahr)
Beim zweiten Auftritt könnt ihr nun auch erahnen, woher die roten Anzüge kommen. Sie scheinen daran zu hängen. Das Schlimmste an der Sache: Sie werden live singen. *schauder*

Bleibt nur eine Frage: Irland, WARUM?!

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Möp

Dummerweise darf ich nicht über das posten, was mir grad unter den Nägeln brennt (immer noch Ansage von oben), also sage ich nur: WAAAHHH! Neeeiiin! Nicht noch eine Woche! *aufreg*brodel*wahnsinnig werd*

Danke.

Besänftigung mit folgenden Gedanken:

Vor ein paar Tagen habe ich einen Ausverkauf wegen Ladenauflösung gestürmt (eigentlich wollte ich nur Socken kaufen), und kam mit 4 CDs wieder raus. Richtige Alben.

Darauf aufmerksam wurde ich, weil der "Public Enemies" Soundtrack oben drauf lag.*g*

Unerklärliche Anziehungskraft ging auf einmal von diesem Grabbelkorb aus - und prompt hab ich noch drei weitere nette Sachen gefunden.

So muss das sein.


Desweiteren ist heute mein vor mehreren Wochen bestelltes Blingbling angekommen, was wirklich ganz supertoll ist!

Dann wurde mir auf der Arbeit von meiner Chefin ein Buch in die Hand gedrückt, das wir als Prüfexemplar erhalten hatten. Nicht ihr Fall, ich hatte es auf der Liste, wunderbar. :)

Uuund außerdem kam heute endlich mein "The Art of PotC" Riesenbuch an.
In einem überdimensionalen Karton, sodass ich erstmal von meiner Mutter einen bösen Blick erntete (okay, das änderte sich nicht sonderlich, als es sich als Buch! zu PotC!! herausstellte...). Egal. So schööööööön. Und es war runtergesetzt. Pah, wer braucht schon Schuhe!

Ein wenig besänftigt. Aber es bleibt ein dumpfer Schmerz zurück und v.a. das Grauen nächste Woche. *überleg* Vielleicht stell ich einfach den Ton aus.

Ich wünsche noch einen schönen Abend. Ich geh jetzt Müll gucken. ;)

Samstag, 11. September 2010

Wir unterbrechen unser reguläres Programm für eine Sondersendung...

Zwei Kleinigkeiten, die ich einfach mal kurz dazwischenschieben muss, sonst fühl ich mich schlecht.



1. Verdammt Leute, geht "Toy Story 3" gucken!
Der Film ist einfach grandios und mit das Beste, was ihr dieses Jahr bisher im Kino erleben konntet. Und dabei mein ich nicht mal das 3D, hab den Film nämlich ohne gesehen, sondern einfach bezogen auf Figurenzeichnung, Handlung, Unterhaltungswert.

Es ist wirklich eine Schande, dass der Film weltweit sehr gut angenommen wird und bei uns nicht mal die 2 Mio. Besuchergrenze knackt. Dabei ist der Film tatsächlich etwas für die ganze Familie, im absolut besten Sinn. Ja, er bietet für Jugendliche und Erwachsene sogar noch viel mehr Unterhaltung als für die Kleinen und Kleinsten, obwohl diese genug vom Film beschäftigt werden, um die ganze Zeit über ruhig zu bleiben (selbst erlebt; ich saß in einer Kindervorstellung).

Desweiteren ist dieser 3. Teil auch wieder ein Beweis dafür, dass Fortsetzungen (und gerade dritte Teile, die ja gern besonders verschrieen sind) ihre Vorgängerfilme sogar deutlich überragen können. Ich mag "Toy Story 1 + 2" wirklich sehr gerne, aber sie sind nicht meine Lieblingspixarfilme. Dieser Teil jedoch könnte sich ganz oben in meiner Präferenzliste niederlassen (ist nach einmal Gucken noch nicht so sicher zu beurteilen, aber dass ich ihn am liebsten sofort noch einmal geschaut hätte, sagt schon viel). Und auch ein Beweis, dass Pixar zurzeit konkurrenzlos ist. Was die da in Reihe abliefern, ist nicht mehr zu glauben.

Wirklich, wirklich schön mit unglaublich gutem Humor, Gefühl, Spannung (oh ja! Ich saß auf der Kante des Sitzes gegen Ende und am Schluss hab ich geheult. *g*). Reingehen!



2. Wenn ihr die Möglichkeit habt, ein Tony Mono-Konzert zu besuchen - tut es!
Wenn ihr nur halbwegs etwas mit seinem "Wettervorhersong" auf 1live anfangen könnt, dann lasst euch eine Gelengenheit, ihn live zu sehen, auf gar keinen Fall entgehen!

Meine Freundin und ich haben von Anfang bis Ende nur gelacht und auch der Rest des Publikums (alle Altersschichten waren vertreten) hat sich köstlich amüsiert. Viele Ideen sind einfach so kreativ und gleichzeitig bescheuert, dass man sie gutfinden muss, und Tonys Moderation zwischen den Liedern ist ebenfalls wunderbar! Sehr spontaner und sympathischer Typ (ganz am Ende war er dann kurz mal er selbst bevor er wieder in den Tony-Modus geschaltet hat *g*) und seine Partnerin "Annemarie" (falls sie denn wirklich so heißt *g*) war ebenfalls toll. Außerdem bietet sie dem männlichen Publikum ordentlich was zu gucken. Wäre ja sonst auch unfair, wo wir Frauen doch den ganzen Abend über den gottgleichen Tony ansabbern können. ;)

3 Zugaben, Standing Ovations mit Riesenapplaus, über 2 Stunden super Unterhaltung und das für grade mal 20 €. Wenn er nächstes Jahr wieder halbwegs bei mir in der Nähe auftritt, bin ich definitiv wieder dabei!

Ebenfalls: Angucken, Leute!

Mittwoch, 7. Juli 2010

30T FM: Tag 9

Tag 9: Der beste Film-Score/Soundtrack


Eigentlich sind das zwei unterschiedliche Dinge, zumindest für mich. Bester Score ist ganz klar die Musik aus Fluch der Karibik. Ich habe repräsentativ Teil 3 gewählt, weil dieser Teil nicht nur die großartigen Themen aus den Vorgängern enthält, sondern Hans Zimmer sich noch ein paar neue Themen einfallen ließ, die sich nahtlos einfügen - je nach Bedarf heroisch oder romantisch. Ich werde nicht müde, mir diese Musik anzuhören. Ist schon jetzt ein absoluter Klassiker.


Bester Soundtrack find ich sehr viel schwieriger. Ich höre sowieso lieber instrumentale Filmmusik - für Lieder von irgendwelchen Sängern brauche ich mir keinen Filmsoundtrack holen. Kick Ass ist mir allerdings spontan eingefallen. Nicht nur, dass mir die Lieder an sich ziemlich gut gefielen, sie passten auch perfekt auf die Szenen, in denen sie verwendet wurden. Aber wie gesagt, diese Wahl ist nicht unbedingt aussagekräftig. *g*

Sonntag, 30. Mai 2010

Wir haben es geschafft! Der Bann ist gebrochen!

Wer hätte das gedacht?! Von den ganz Optimistischen mal abgesehen, hat wohl keiner damit gerechnet, dass Unser Star für Oslo Lena Meyer-Landrut mit ihrem Lied "Satellite" ganz Europa überzeugen könnte und damit endlich, endlich wieder den Sieg beim Eurovision Song Contest nach Deutschland holen würde. Und doch ist genau das gestern Abend passiert.

Im Vorfeld des ESC hab ich Lena definitiv unter den besten 10 gesehen, wenn alles super liefe, dann auch durchaus unter den Top 5. Aber der Sieg?! Nein, dafür ist der ESC einfach zu unberechenbar (wie war das mit den Olsen Brothers?^^) und insgesamt war es dieses Jahr auch ein starkes Teilnehmerfeld.



Aber als dann alle Sänger aufgetreten waren... jaaa, da hab ich gehofft. Denn Lenas Auftritt war großartig! Ich hab sie noch nie so super erlebt, das war locker, charmant, augenzwinkernd - und es kam an! Während ihres Auftritts gab's aus der Halle immer wieder "Szenenapplaus", da kam eine super Stimmung rüber!

Und dann die Punktevergabe... und auf einmal waren wir auf dem 1. Platz. Ewig her, dass wir das erleben durften, und Kommentator Peter Urban merkte man die Euphorie deutlich an ("Hach, macht das Spaß, endlich mal wieder solche Punkte zu verkünden!") - ein Wechselspiel aus "Juhu, wir gewinnen!" und "Neee, vorsichtig sein, hier kann noch soviel passieren!" - großartige Unterhaltung! Da verzeih ich ihm auch, dass er den 1 Punkt aus Aserbaidschan übersehen hat. ;)

Ein Küsschen an den Ansager aus Lettland, der Lena ein *Heart* schickte. Awwww. Und Hape war goldig. :)

Insgesamt gab's, wenn ich's richtig in Erinnerung hab, ganze neun Mal 12 Punkte, und das aus allen Teilen Europas! Die drei, vier Länder, die uns gar keine Punkte gegeben haben... nun gut, man kann nicht überall geliebt werden. :) Aber es ist einfach ein tolles Gefühl, allein mit der Wahl Lenas offensichtlich goldrichtig gelegen zu haben, und dann mit ihrem Lied - gestern passte einfach alles perfekt zusammen.

Besonders schön waren dann auch die Einbledungen aus dem Green Room, in denen man immer wieder eine vollkommen sprachlose Lena und einen immer fassungsloser werdenden Stefan Raab erleben konnte. So schön!

Ich hab mich dann auch, ganz ehrlich, geärgert, nicht irgendwo mit Freunden das Ganze angeschaut, oder mich irgendwo beim Rudelgucken angeschlossen zu haben... das wäre eine Atmosphäre gewesen. *seufz* Nun denn, vielleicht im nächsten Jahr. :)

Insgesamt fand ich, dass es ein sehr niveauvoller ESC war. Gut, mir hat längst nicht jedes Lied gefallen, wie das beim ESC eben ist. So war der Kitsch aus Weißrussland kaum zu ertragen; der arme Sänger aus England hat sich wirklich bemüht, hatte aber gegen dieses belanglose Lied nicht den Hauch einer Chance; die Stimme der ukrainischen Sängerin hat mir einfach überhaupt nicht gefallen und auch Russland war, öhm, nicht mein Geschmack. Aber dennoch fand ich nichts wirklich peinlich. Ein paar schräge Sachen gehören dazu, aber man konnte sich alles anhören, ohne dass die Ohren bluteten, und manche Lieder konnten mich tatsächlich überzeugen.

Zu letzteren gehört definitiv der Beitrag aus Belgien. Einfach schön und schlicht, im Vertrauen auf die Stimme und das Lied. "Me and my guitar" kann ich mir auch so jederzeit anhören. Platz 6, auch wenn ich ihn gern noch etwas höher platziert gesehen hätte.

Auch der Rocksong der türkischen Gruppe maNga gefiel mir wirklich gut, auch wenn ich die Sprechgesangeinlagen als etwas störend empfand. Der Refrain ging jedoch ins Ohr, und Platz 2 war durchaus verdient.

Auch Spanien konnte mich überzeugen. Soviel Professionalität muss einfach honoriert werden - nicht jeder wäre wohl so ruhig geblieben, wenn da plötzlich ein Fan auf die Bühne gestürmt wäre. Trotzdem fand ichs fair, dass Spanien nocheimal auftreten durfte - so konnte ich das Lied nochmal hören.*g* Leider nur Platz 15.

Und ebenfalls im Gedächtnis blieb mir Rumänien (Platz 3). Ein flottes Lied, ein Refrain mit Ohrwurmcharakter und souverän rübergebracht.

Tja, und warum haben ausgerechnet wir gewonnen? Wie immer recht schwierig zu sagen, außer dass wir anscheinend europaweit den Nerv getroffen habe. *g* Aber einer der Gründe ist sicherlich, dass das Lied als Komposition herausstach. Es gab sehr viele dramatische Balladen mit Powerstimmen, vom Aufbau alle sehr ähnlich, manchmal aufgrund des Lospechs sogar direkt hintereinander. Da verschwimmen die einzelnen Beiträge sehr schnell zu einer großen Masse. Hinzu kamen recht viele stereotype Dance-Nummern, die für sich gesehen nett bis gut waren, aber eben auch in der Masse untergingen. Tja, und wie gesagt, bei Lenas Auftritt stimmte einfach alles. Auffälliges und gutes Lied (dank etwas anderer Musikrichtung), Lenas natürlich-charmante Ausstrahlung, die offensichtlich nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa verzaubert, und gute Promotion im Vorfeld - so macht man das!

Also, lieber Stefan Raab, dann such nächstes Jahr bitte wieder Unseren Star für Wo-immer-das-in-Deutschland-stattfindet! Vielen vielen Dank für eine tolle Castingshow und einen wunderbaren ESC-Triumph!

Montag, 24. Mai 2010

Wicked - Die Hexen von Oz

Was lange währt, wird endlich gut, so sagt man ja. Seitdem „Wicked“ in Deutschland Premiere hatte (15.11.2007 in Stuttgart), wollte ich dieses Musical sehen, dass zur Zeit das erfolgreichste Musical am Broadway ist. Der lange Anfahrtsweg und die damit verbundenen Kosten haben mich jedoch immer abgehalten. Seit März diesen Jahres ist „Wicked“ nun im Metronom Theater in Oberhausen zu sehen, und die Gelegenheit konnte ich mir dann doch nicht entgehen lassen. Und Mensch, hat sich das gelohnt!

Das Pfingstwochenende bot sich geradezu für einen Besuch an, und so haben zwei Freundinnen und ich uns auf den Weg gemacht. Ganz besonders hatte ich darauf gehofft, Willemijn Verkaik in der Hauptrolle der Elphaba zu sehen, die sie bereits in Stuttgart gespielt hatte, da die Rezensionen gerade was sie angingen immer außerordentlich positiv waren. Und ja, sie hat gespielt! Aber dazu später. ;)

Wir hatten sehr gute Plätze im Parkett (Preisklasse 2, aber da der Saal nicht übermäßig groß ist, ist selbst PK 4 noch gut), sehr nah an der Bühne, sodass wir viele Details der Kostüme oder des Bühnenbilds gut erkennen konnten. Die Vorstellung war fast ausverkauft und alle Altersklassen waren vertreten. Auch interessant war zu sehen, wie manche Leute sich richtig herausgeputzt hatten (Anzug + Krawatte und das bei 25 °C) während andere, nun ja, anscheinend gerade vom Einkaufen kamen... 

„Wicked“ basiert auf Gregory Maguires gleichnamigen Roman, der die Geschichte „Der Zauberer von Oz“ (besonders bekannt durch die Verfilmung mit Judy Garland) aus der Sicht der „bösen Hexe des Westens“ Elphaba erzählt. Denn so böse war sie eigentlich gar nicht – und mit der „Guten Hexe“ Glinda verstand sie sich eigentlich recht gut...
Am wichtigsten bei einem Musical ist natürlich die Musik, und Stephen Schwartz hat wunderbare Melodien geschrieben. Schwartz ist ein alter Hase, seine Musicals „Godspell“ und „Pippin“ sind große Erfolge, er schrieb u.a. die Liedtexte für die Disney-Filme „Der Glöckner von Notre Dame“ und „Pocahontas“, sowie die Musik für „Der Prinz von Ägypten“ und wurde mit mehreren Grammys und Oscars ausgezeichnet.
Für „Wicked“ schrieb er große dramatische Stücke wie die Hitsingle „Frei und schwerelos“ („Defying gravity“) oder „Gutes tun“ („No good deed“), lustig-lockere Charakterstücke wie „Was fühl ich in mir?“ („What is this feeling“) oder Glindas „Heißgeliebt“ („Popular“) sowie schöne große Ensemble-Nummern wie das Eröffnungsstück „Keiner weint um Hexen“ („No one mourns the wicked“) oder „Nur ein Tag“ („One short day“) für Elphabas und Glindas Besuch in der Smaragdstadt. Zwei, drei Nummern zünden nicht ganz so sehr (v.a. die beiden Lieder des Zauberers sind ziemlich belanglos), aber das fällt aufgrund der hohen Dichte guten Materials nicht ins Gewicht.
Sowohl die Castaufnahme vom Broadway als auch die Stuttgarter Aufnahme beinhalten alle Lieder und warten beide mit sehr guten Besetzungen auf. Während mir auf der Braodway-Aufnahme v. a. Kristin Chenoweth als Glinda besonders gut gefällt, ist das Highlight der Stuttgarter Aufnahme ohne Zweifel Willemijn Verkaik als Elphaba.

Und somit wären wir bei der Besetzung. Verkaik als Elphaba ist tatsächlich so grandios wie man überall hört. Sie hat eine unglaubliche Bühnenpräsenz, singt selbst die schwierigsten Titel mit Leichtigkeit und hat dazu auch noch ein gutes Gefühl für Timing, was in den eher lustigen Szenen für große Lacher sorgte. Man kauft ihr die Rolle absolut ab, und es ist kein Wunder, dass sie als eine der derzeit besten Darstellerinnen gehandelt wird.
Andere Rollen können da Gefahr laufen, zu verblassen, v.a. da Elphaba die Rolle mit den einprägsamsten und beeindruckendsten Liedern ist (z. B. „Frei und schwerelos“ oder „Gutes tun“). Joana Fee Würz als Glinda schlug sich da aber sehr gut und wird von uns sicherlich nicht vergessen! Als unglaublich verzogenes Töchterchen aus hohem Hause ist sie zu Beginn richtig schön zuckrig-tussig-nervig und sorgt für viele Lacher. Die Wandlung Glindas im Laufe des Stückes zu einer eigenständigen Person mit Gewissen nimmt man Würz absolut ab, und sie macht ihr Solostück „Heißgeliebt“ zu einem komödiantischen Meisterstück. Im pinken Tutu. 

Auch die anderen Darsteller überzeugen. In der männlichen Hauptrolle Fiyero (dem Love Interest für Glinda und Elphaba) hatten wir die Zweitbesetzung, Bero Antunovic, der in der Rolle aber sehr überzeugend war. Er ist eben der dümmliche Schönling, dem irgendwann sein Fehlverhalten bewusst wird. Gut gespielt und gut gesungen.
Auch Barbara Raunegger als Madame Akaber, Carlo Lauber als Zauberer, Janine Tippl als Elphabas Schwester Nessarose, Thomas Wissmann als Dr. Dillamond und Ben Darmanin als Moq waren überzeugend in ihren Rollen. Ein Lob auch an das Ensemble, dass in den Tanz- und Chorszenen ebenfalls sehr gute Arbeit leistete.

Bei „Wicked“ gibt’s für das Geld auch einiges fürs Auge. Die Kostüme sind ein Traum, besonders Glindas immer glitzriger werdenden Prinzessinnenkleider oder die phantasievollen Roben für die Einwohner der Smaragdstadt sind einfach wunderschön.
Das Bühnenbild ist liebevoll gestaltet und bietet viele schöne Details, ohne überladen zu sein. Die Szenenwechsel gingen absolut reibungslos über die Bühne, da arbeitet die Bühnentechnik wirklich sehr gut!
Das Lichtdesign war stimmungsvoll und mit Kunstnebel wurde nicht gegeizt.

Die überaus gelungene Vorstellung haben wir natürlich alle mit Standing Ovations honoriert. :) Es wurde gejubelt, was das Zeug hielt und gerade die beiden Hauptdarstellerinnen wurden zu Recht gefeiert.

Auch meine beiden Freundinnen waren hellauf begeistert. Eine hatte außer den 30-Sekunden-Werbespots bisher noch nichts von „Wicked“ gesehen und wusste nicht, was sie erwartet.

Ich kann „Wicked“ uneingeschränkt weiterempfehlen! Ein sehr gutes Ensemble in Oberhausen, dann die wunderbare Musik und Ausstattung – für sein Geld bekommt man richtig was geboten. Definitiv eine - oder zwei oder drei – Reisen wert.