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Samstag, 17. Oktober 2020

„The Untamed“: Sehnsucht und Schwarze Magie im alten China

So. Nachdem diese chinesische Serie mich in den aktuellen deprimierenden Zeiten doch echt gut bei Laune gehalten hat und ich ein wenig in der Fan-Community „versackt“ bin, finde ich es nur fair nun auch einen Post dazu zu schreiben.

Aufmerksam wurde ich auf „The Untamed“ (OT: 陈情令, Pinyin: Chén Qíng Lìng) natürlich - wie sollte es auch anders sein - durch diverse Blogs, die mit großer Begeisterung über diese Serie berichteten, nachdem sie Ende 2019 auf dem amerikanische Netflix startete. Ich habe keinerlei Ahnung von chinesischen Drama-Serien, und bin geprägt durch massenhaft amerikanische und deutsche TV-Produktionen (plus Anime, immerhin!). Daher waren die ersten paar Episoden für meine westlichen Sehgewohnheiten erst einmal gewöhnungsbedürftig. Dazu später mehr. Wenn man dran bleibt, zieht „The Untamed“ den Zuschauer aber immer mehr in seinen Bann, und ich habe teilweise furchtbar mitgelitten. 

„The Untamed“ basiert auf dem queeren Roman „Mo Dao Zu Shi“ („The Grandmaster of Demonic Cultivation“) und wurde von der unter dem Pseudonym schreibenden Autorin Mo Xiang Tong Xiu  von 2015 bis 2016 online veröffentlicht. Der große Erfolg des Romans führte u. a. zu einer sehr beliebten Zeichentrick-Adaption (Donghua), einem ebenfalls hochgelobten Audiodrama, einer Manhua-Adaption, und schließlich der Realverfilmung als Webserie auf dem Kanal Tencent Video. Die Serie ist mit 50 Folgen abgeschlossen; es gibt zwei Spin-Off-Filme.
Genau wie der Roman war auch die Serie extrem erfolgreich auf dem chinesischen Markt und gehört zu den am höchsten bewerteten chinesischen TV-Dramen. Wenig überraschend machte dieser Erfolg aus dem beiden Hauptdarstellern Xiao Zhan und Wang Yibo Megastars, wobei beide auch vorher kein unbeschriebenes Blatt waren und v. a. Wang Yibo bereits sehr erfolgreich in der Musikbranche war.

 
Wenn du mit deinem Schwarm flirten willst und der dich ignoriert

Bei „The Untamed“ handelt es sich um eine Fantasy-Serie, die dem Wuxia-Genre angehört. Vereinfacht ausgedrückt benutzen die Charaktere eine Mischung aus Meditation, Martial Arts, und Studium von gelehrten Schriften, um ihre magischen Fähigkeiten auszubilden und zu stärken. Diese Fähigkeiten nutzen sie, um die Welt von rastlosen oder bösen Geistern, Dämonen und Monstern zu befreien. Wer besonders stark und rein im Geist ist, kann es bis zur Unsterblichkeit bringen. Das Ganze spielt im (pseudo)historischen China in einer von Klassen geprägten Gesellschaft. Die Charaktere gehören öfter (Familien)Gemeinschaften und -clans an, die sich durch spezielle Magiestile auszeichnen.

Puh okay. Das zum Hintergrund. Generell sind aber selbst dem unbedarften westlichen Zuschauer ein paar asiatische Fantasy-Elemente bekannt, z. B. der ausgeklügelte Schwertkampf in der Luft, wie man ihn u. a. aus „Tiger & Dragon“ kennt.

Worum geht es nun in „The Untamed“?
Wei Wuxian (Xiao Zhan) ist als der gefürchtete Yiling Patriarch bekannt, der Dämonische Magie gegen die anderen Clans einsetzte und für den Tod vieler Menschen verantwortlich war. Sechzehn Jahre nach seinem Tod wird er in einem Opferritual wiedergeboren. Daran geknüpft ist jedoch die Bedingung, dass er die Person rächt, die sich für ihn geopfert hat. Wei Wuxian nimmt das mal so hin und trifft auf seiner Mission nicht nur seinen - nicht gut auf ihn zu sprechenden - Bruder, sondern auch seinen früheren besten Freund und Seelenverwandten Lan Wangji (Wang Yibo).

Der folgende Flashback zeigt, wie sich Wei Wuxian und Lan Wangji als Teenager kennenlernen, und trotz Lan Wangjis frostiger Unnahbarkeit Freunde werden. Im Hintergrund droht die Machtgier des Bösewichts Wen Ruohan, der alle anderen Clans unterjochen will, was schließlich zum Krieg führt. Wei Wuxian und Lan Wangji sowie ihre Freunde und Familien werden in diesen Konflikt hineingezogen und wir sehen, wie Sonnenschein Wei Wuxian durch äußere Umstände und eigene Entscheidungen auf einen Pfad gerät, der ihn schließlich zum bei allen verhassten Yiling Patriarch macht.

 
Die beste Schwester auf der ganzen Welt

„The Untamed“ macht es einem am Anfang nicht unbedingt leicht. Selbst für Leute, die viele chinesische Dramen sehen, ist die Erzählstruktur etwas seltsam. Nach zwei Episoden in der Gegenwart folgt ein 30-Episoden-langer Flashback. Und für jemanden, der chinesische Dramen nicht kennt, kommt noch der Mini-„Kulturschock“ dazu. Denn natürlich werden Szenen etwas anders inszeniert, die Charakterentwicklung läuft anders ab, manches wirkt zunächst sehr „over the top“, aber soll so. Die Serie lässt sich Zeit, und manche dramatischen Momente oder Genrekonventionen wirken erst dann so richtig, wenn man die Kultur versteht.

Hinzu kommt dann noch die Sprachbarriere - derzeit liegt die Serie nur im chinesischen O-Ton mit englischen Untertiteln vor (und diese Untertitel sind teilweise auch eher missverständlich, je nachdem welche Quelle man nutzt). Viele Charaktere haben nicht nur zwei Namen, sondern gleich noch ein oder zwei Titel, und „dank“ der ethnischen Gesichtsblindheit sehen erst einmal viele Schauspieler gleich aus.

Aber! Durchhalten! Eventuell sogar Episoden 1 und 2 komplett überspringen. Denn die Serie hat mich irgendwie „eingesogen“. Am Anfang fand ich es alles etwas schräg, und hab mich gefragt, wie aus diesem verrückten, fröhlichen Kerl bitte schön der von allen gefürchtete und verhasste Yiling Patriarch werden soll. Bei Episode, oh sagen wir 10, war ich so dermaßen in der Serie drin und hing an all diesen Charakteren, dass Abbrechen keine Option mehr war.

Die schöne und zunächst tragische Liebesgeschichte zwischen Wei Wuxian (der das alles erst einmal gar nicht mitbekommt, aber trotzdem auf seine Art vor sich hin leidet) und Lan Wangji (der nach anfänglicher verwirrter Abneigung sehr schnell „all in“ ist und gleich mal ein Liebeslied komponiert) ist einfach großartig.
Alle romantischen Klischees werden erfüllt - lange sehnsuchtsvolle Blicke, ständige Berührungen, im Kampf zusammenhalten, sich als „Seelenverwandte“ bezeichnen, von den Umständen getrennt werden, zusammen in einer Höhle gefangen sein…
Das ganze Produktionsteam und die Schauspieler geben sich außerdem alle Mühe, trotz der chinesischen Zensur diese Liebesgeschichte deutlich zu machen. Wer Verfilmungen von Jane Austen-Romanen u. Ä. mag, wo die Protagonisten ewig umeinander kreisen und sich nacheinander sehnen, aber von äußeren Umständen zunächst an ihrer Liebe gehindert werden, der ist hier goldrichtig.

 
 Ihr versteht das nicht, die beiden starren sich wirklich die ganze Zeit so an (oder einander sehnsuchtsvoll hinterher).

Es ist aber nicht nur diese Dynamik (und die unglaublich gute Chemie der beiden Hauptdarsteller), die die Serie so gut macht. Gefundene Familien sind ein großes Thema. So wurde Wei Wuxian nach dem Tod seiner Eltern von einem Freund seines Vaters aufgenommen und liebt seine Adoptivgeschwister Jiang Cheng (Wang Zhuocheng) und Jiang Yanli (Xuan Lu) über alles. Ein Teil des Wen-Clans wird nach dem Krieg für Wei Wuxian zu einer zweiten Familie. Und in der Gegenwartshandlung bilden die vier Junior-Schüler ein lustiges Quartett und werden sozusagen von Wei Wuxian unterdie Fittiche genommen. Generell gibt es auch viele leichte und lustige Momente, es ist längst nicht durchgängig so dramatisch, wie es hier klingt.

„The Untamed“ ist einfach sehr gut darin, dem Zuschauer seine Charaktere so nahe zu bringen, dass es ihn kümmert. Ich möchte, dass Lan Wangji und Wei Wuxian glücklich werden.  Ich leide mit ihnen und mit Jiang Cheng, der richtig viel durchmachen muss. Ich bin ebenso frustriert wie die Charaktere, wenn Jiang Yanli und ihr Verlobter mal wieder eine unglaublich unangenehme Nicht-Unterhaltung führen (oh mein Gott, redet doch einfach mal miteinander!). Ich möchte Wen Ning einfach nur knuddeln und bewundere seine Schwester Wen Qing für ihre sachliche Art. Die Nie-Brüder sind so unterschiedlich und so toll, und Lan Wangjis Bruder Lan Xichen trägt so viel auf seinen Schultern… Selbst die Junior-Schüler, bei denen ich mir zunächst nicht sicher war, sind mir sehr schnell ans Herz gewachsen und jetzt liebe ich sie (hervorragendes Comic Relief!). Und mein Lieblingssoziopath Xue Yang sorgt für einige sehr dramatische Momente.

 
Links Stil-Ikone Jiang Cheng, rechts der immer elegante Lan Xichen.

Tatsächlich sind die Schauspielleistungen auch durch die Bank weg zumindest gut wenn nicht sogar großartig (nicht unbedingt immer gegeben in chinesischen Dramaserien). Allen voran Xiao Zhan spielt sich wirklich die Seele aus dem Leib und kann eine große Fülle an Emotionen zeigen; von überschäumenden Freude zu abgrundtiefer Verzweiflung ist alles dabei. Wang Yibo hat mehrmals für Lan Wangji vorgesprochen, aber man war sich unsicher, ob er die Rolle glaubhaft verkörpern könnte. Letztlich war es die richtige Entscheidung ihn zu nehmen. Es ist beeindruckend, mit welch winzigen Änderungen im Gesichtsausdruck Wang Yibo das Gefühlsleben von Lan Wangji darstellen kann, und als Zuschauer wird man irgendwann so gut wie Wei Wuxian darin, seine Stimmung anhand des minimal gehobenen Mundwinkels oder der leicht angespannten Augenbraue zu erkennen.

Aber auch viele andere bleiben sehr positiv im Gedächtnis, Xuan Lu und Wang Zhuocheng als die Jiang-Geschwister, Ji Li als der verhuschte Nie Huaisang, Liu Haikuan als Lan Wangjis stets eleganter und gütiger Bruder Lan Xichen, Meng Ziyi als kompetente Ärztin Wen Qing, Guo Cheng als vorwitziger Lan Jingyi, Yu Bin als schüchterner und doch mutiger Wen Ning, Zhu Zanjin als stets dienstwilliger Meng Yao… ach eigentlich sind sie alle erwähnenswert.

Und glücklicherweise war es auch nach wenigen Episoden kein Problem mehr, die ganze Charaktere auseinanderzuhalten. Go me!

Nicht nur die Charakterentwicklung profitiert von der von Anfang an festgelegten Episodenzahl. Es gibt einige Handlungspunkte, die erst zum Ende hin wirklich erklärt oder näher beleuchtet werden. Auf manche Dinge wird schon sehr früh hingewiesen, anderes erhält kleine Andeutungen hier und da, und wenn sich dann später alles zusammenfügt, hat sich das Warten wirklich gelohnt und man ist als Zuschauer vollauf zufrieden. Manche Twists sollte man vorher wirklich nicht wissen. Ich war leider schon für alles Wichtige gespoilert, habe mich aber trotzdem gefreut oder war schockiert. Aber manches nicht gewusst zu haben... das wäre noch besser gewesen.

 
Pretty Pretty!

Das Budget für die Serie war beschränkt und dies sieht man auch manchmal. Man hat wohl den Großteil des Budgets in die Kostüme, Perücken und Ausstattung gesteckt, was eine sehr gute Entscheidung war. Besonders die Kostüme sind wunderbar und unterstreichen die Charaktere sehr gut. Jiang Cheng ist eine Stilikone in Lila (und manchmal Türkis) und Wei Wuxian rockt den schwarz-roten Emo-Look. Die Lans sind fehlerlos elegant in weiß und blau, und Wen Qings rote Roben sind ein Hingucker.

Manche der Sets sind wunderschön, v. a. Lotus Pier und Koi Tower haben eine tolle Ästhetik. Die Kamera fängt diese Orte in schönen Kamerafahrten ein; generell ist die Kameraarbeit häufig sehr gut und passend, v. a. in den Außenaufnahmen. Die Serie ist tatsächlich einfach schön anzusehen.

Wie viele chinesische Historien-Dramen ist auch „The Untamed“ synchronisiert. Dies hat mehrere Gründe, u. a. die vielen unterschiedlichen Dialekte der Schauspieler und schwankende Tonqualität durch Außendrehs. Hin und wieder hatte ich das Gefühl, dass die Betonung etwas off war, aber die meiste Zeit war die Synchro überzeugend und passend. Ji Li als Nie Huaisang ist übrigens der einzige Darsteller, der sich selbst synchronisiert hat.

 
So ikonisch, dass jeder, der die Serie gesehen hat, diesen Screenshot sofort zuordnen kann.

Nun, wenn das Geld in Kostüme und Ausstattung geflossen ist, wo hat man dann gespart? Bei den Special Effects. Manches ist gut gelungen (z. B. die schwarzen Raucheffekte, wenn Wei Wuxian Dämonische Magie benutzt), aber vieles ist nicht gerade überzeugend. Gleich die erste Szene hat Schwerter, die offensichtlich nicht durch Hände oder in Körper stechen. Die wandelnde Statue und v. a. das Schildkröten-Schlangen-Hybrid-Monster sind aus einem mittelmäßigen bis schlechten B-Film aus den 2000ern. Und über den animatronischen Hund aus den 60ern hüllen wir lieber ganz den Mantel des Schweigens.
Aber die Schauspieler bemühen sich nach Kräften, das Ganze glaubwürdig rüberzubringen und tun was sie können. Und ehrlich gesagt sehe ich lieber schlechte CGI-Effekte als miese Kostüme - die tragen die Charaktere nämlich die ganze Zeit, während die Effekte nur hin und wieder zum Einsatz kommen. 

Es gibt für das Genre vergleichsweise wenig ausgedehnte Kampfszenen, die mal mehr, mal weniger gut choreografiert und gefilmt sind. In dieser Serie liegt der Fokus aber offensichtlich nicht auf ausgeklügelten Kampfszenen, sondern auf Charakterentwicklung und -interaktion, Drama, politischem Kommentar und Ähnlichem.

Besonderes Augenmerk wird tatsächlich auf den Einfluss der öffentlichen Meinung gelegt: Wie leicht lassen sich Menschen beeinflussen, wie schnell bringen Gerüchte jemanden zu Fall, wie schnell dreht sich die öffentliche Meinung, wenn nur die richtigen Leute etwas zu sagen haben oder wenn ein neuer Sündenbock gefunden wird?

Nein, dies ist keine Fanart, sondern ein offizieller Still aus der Serie

Sehr spannend auch zu sehen, wie unterschiedlich Charaktere mit Schuld umgehen; oder wie es sich auswirkt, wenn die Familie gewissen Erwartungen an einen stellt oder man unter sehr strikten Vorschriften aufgewachsen ist. Jeder der Hauptcharaktere hat sein Päckchen zu tragen und ist nicht ohne Trauma durch die Kindheit gekommen. Jedoch gehen alle unterschiedlich damit um und man kann sich ein wenig in Analysen verlieren, wenn man das möchte. Es gibt außerdem mehrere Parallelen zwischen den Charakteren, was ihre Ausgangslagen im Leben angeht, und welch unterschiedliche Wege sie einschlagen.

Wer sich nach diesem langen Sermon tatsächlich einmal an „The Untamed“ versuchen will, kann dies derzeit entweder auf Youtube oder Viki.com tun. Auf beiden Seiten liegt die komplette Serie mit englischen Untertiteln vor. Ich fand die Untertitel auf YouTube teilweise etwas einfacher zu lesen, Viki ist aber wohl etwas näher am Originaltext und hat keine Tonprobleme, dafür aber deutlich mehr Werbung.

Wer einen etwas fan-lastigeren Kommentar zur Serie lesen möchte, dem kann ich Aja Romanos Review empfehlen. Diverse Links in ihrem Artikel enthalten jedoch Spoiler.

Fazit: "The Untamed" bietet packende Charaktere in einer manchmal tragischen, manchmal richtig lustigen Handlung. Man sollte nicht alles auf Logik hinterfragen und auch die Special Effects Special Effect sein lassen. Genießt einfach die langsam entstehende Liebesgeschichte zwischen den Hauptcharakteren sowie die spannenden Verwicklungen zwischen den ganzen Charakteren. Ein guter Einstieg in die Welt der chinesischen TV-Dramen und dort eines von sehr hoher Qualität.

 

 
.gif by highwarlockkareena on tumblr

 

Sonntag, 15. Mai 2011

Könnte das bitte jemand erklären?Aserbaidschan gewinnt. Warum?!

Ehrlich, ich verstehe es nicht. Der Song kam am Freitag live kaum an und auch gestern war er nicht gerade ein Wow-Moment. Ich gebe gerne zu, dass das Lied einfach nicht mein Geschmack ist - ich finde es nicht besonders einprägsam, es plätschert so for sich hin. Auch keine irgendwie herausragende Performance oder Show... haben sie gewonnen, weil es das einzige Duett war? Wollte man einen absolut profillosen Popsong gewinnen lassen, der noch nicht mal von besonders charismatischen Sängern präsentiert wird? Denn "Satellite" war auch nicht grade die Krone der Songschreibkunst, wurde aber immerhin mit Lena sehr gekonnt und charmant rübergebracht.

Nun denn, 2012 also Baku. Immerhin war es dieses Jahr ein deutlich spannenderes Voting als die letzten beiden Jahre - auch Italien, Schweden, Bosnien und die Ukraine hätten durchaus gewinnen können. Und ich hätte es jedem davon mehr gegönnt. Dass die Sängerin beim Gewinnerauftritt absolut neben dem Ton lag (und das auch konsequent durchhielt), war noch das Tüpfelchen auf dem i. *seufz*
Schön war aber beim Voting, dass viele überraschende Ergebnisse dabei waren. Sehr viel weniger Punkteschieberei, so bekam Russland eher wenig Punkte aus den Nachbarländern, die sonst immer sehr erfolgreich schleimten. Wir bekamen 10 Punkte aus Österreich, was auch eher selten der Fall ist... Das war schon nett anzuschauen.

Aber egal. Lassen wir mal meine Unzufriedenheit mit dem Gewinnerlied beiseite - insgesamt war es nämlich eine tolle Show! Grandioses Opening, die Heavy Tones und Raab in Bestform, cooler Mini-Auftritt von Lena und ihren Doubles. *g* Die Moderation war auch gelungen, technische lief alles super, wie am Schnürchen. Was man am TV so mitbekommen konnte, war die Stimmung in der Arena auch großartig.

Die Auftritte waren jetzt natürlich nicht mehr besonders überraschend - Lena lieferte wieder voll ab, hat sie super gemacht und ein 10. Platz geht vollkommen in Ordnung. Das Lied ist etwas speziell und kam im Osten überhaupt nicht an. Macht nix, den Contest auszurichten ist eh viel zu teuer. *g*
Leid tat es mir wirklich für Anna Rossinelli aus der Schweiz. Sie hatte ein sehr hübsches Lied, aber anscheinend war es nicht effektvoll genug. Auch Österreich hätte ich gern weiter vorne gesehen als auf Rang 18 - das war grandios gesungen und sehr stimmungsvoll. Aber Balladen hatten es dieses Jahr generell schwer, bis auf den ukrainischen Beitrag, der aber wohl von der Sandmalerei extrem profitierte.

Ich hätte nicht gedacht, dass Italien es auf den 2. Platz schafft, aber das ist ein sehr erfreuliches Ergebnis, nachdem das Land sich aus der Schmollphase zurückmeldete. Schweden auf Platz 3 ist keine Überraschung, Eric Saade hatte ein extrem eingängiges Lied, dass sich ins Gehirn einbrannte. Wir haben jedes Mal den Refrain mitgesungen. *g*
Schön auch, dass Bosnien es auf Platz 6 schaffte - "Love in rewind" ist ein richtig charmantes Lied mit einem guten Beat.

Großbritannien hätte ich eine bessere Platzierung zugetraut, auch Irland hatte ich höher gesehen. Aber die Wege Europas sind manchmal unergründlich...

Immerhin ist es schön zu sehen, dass die Qualität der Songs doch deutlich zugenommen hat in den letzten Jahren. Eine zeitlang war die Anzahl an extrem trashigen Songs viel höher und entsprechend anstregend war es, den ESc zu gucken. Einen Totalausfall gab es dieses Jahr nicht, eher Sachen, die mir persönlich einfach nicht gefallen haben, denen man aber keine schlechte Produktion und dergleichen vorwerfen kann.

Nun können wir uns also mit dem Finden eines Stars für Baku beschäftigen. Es wird wieder spannend.

Samstag, 14. Mai 2011

Eurovision Song Contest 2011: Das Juryfinale


Nachdem Lena im vorigen Jahr mit ihrem grandiosen Auftritt den Eurovison Song Contest das erste Mal seit Nicole wieder nach Deutschland holen konnte, musste ich einfach in Düsseldorf dabei sein! Nicht unbedingt im Finale, da die Tickets doch ziemlich teuer waren, aber wenn man schon mal die Gelegenheit hat, an solch einem Event teilzunehmen (und dann auch noch in der Nähe des Austragungsortes wohnt und nicht mal Anreisekosten hat!), muss man sie doch ergreifen!

Und so haben meine beste Freundin und ich uns entschlossen, zum Juryfinale im Stadion zu sein. Nicht viel Geld ausgeben, einfach die günstigsten Tickets für € 19,- im Oberrang der Esprit Arena kaufen und die Atmosphäre erleben. Und Leute, ich kann wirklich nur jedem für die Zukunft empfehlen: Wer nicht die teuren Finaltickets kaufen möchte, sollte unbedingt zum Juryfinale gehen! Wir haben die komplette Show, wie sie heute Abend stattfinden wird, gesehen, inklusive der großen Opening-Nummer, Pausenauftritt von Jan Delay und Punktevergabe (natürlich nicht mit den "echten" Punkten, aber mit Schaltung zu den ganzen Punkteverkündern). Es lohnt sich absolut! Sollte der Contest nächstes Jahr in einem Land sein, in das wir sowieso mal gerne reisen würden, wären wir wahrscheinlich wieder dabei. Ganz toll!

Aber der Reihe nach. Mit der überfüllten U-Bahn ging es bis zur Arena, wo wir so um 19:20 Uhr ankamen. Der Einlass mit Sicherheitskontrolle ging sehr flott und ohne Probleme über die Bühne, dann hieß es die Plätze finden... bzw. erst einmal den Block 144. *g* Wir sind ja patent und haben das schnell hinbekommen. Um 20:15 Uhr mussten die Plätze eingenommen sein - wir saßen auf dem Oberrang im ersten Block der Osttribüne (in der Kurve) - die Bühne ist vor der Nordtribüne aufgebaut. Das war schon ordentlich hoch, aber so hatte man einen schönen Überblick über die ganze Halle und konnte später die Lichtschow und die LED-Wand gut verfolgen.


Ein Teammitglied namens Marco hat uns dann eingewiesen, Sachen wie "Und immer so lange schön laut klatschen, bis der Künstler von der Bühne ist, die freuen sich drüber!", "Bitte bei allen schön viel jubeln, wir sind doch gute Gastgeber!", und der "I can't go!"-Schrei, den wir für die große Opening-Nummer üben mussten. Er wies extra darauf hin, dass wir genau die Show zu sehen bekommen, die auch am Samstag ausgestrahlt wird und das alles aufgezeichnet wird, sozusagen als Back-Up. Dann hieß er unsere Moderatoren willkommen, Judith Rakers, Anke Engelke und Stefan Raab, der so lieb war und die Schleppe von Ankes Kleid trug. *g*

Tja, und dann ging es Punkt 21 Uhr los. Die Eurovisions-Musik wurde eingespielt und wird haben gejubelt, was das Zeug hielt. *g* Stefan war ziemlich locker, sein Englisch ist immer noch nicht besonders toll, aber Anke hat den Großteil der Moderation übernommen. Nett willkommen geheißen, und dann hieß es: "Ja, und eigentlich müsste die Lena jetzt ihren Siegertitel vom letzten Jahr singen, aber sie nimmt ja wieder teil und muss sich konzentrieren... also singen wir den jetzt!" Und dann fing Anke an, "Satellite" zu singen, dabei schön den Text komödiantisch unterstreichend (wobei sie Stefan ihren Pferdeschwanz ins Gesicht haute *g* - ich glaube, das war nicht geplant). Ab da ging die Party richtig los! Auf einmal wurde aus dem langsamen Stück irgendwas zwischen Rockabilly und Big Band, die Heavy Tones spielten sich die Seele aus dem Leib, Stefan rockte an der Gitarre und sang, das Publikum sang lauthals mit und dann kamen Lena-Doubles auf die Bühne, um Fähnchen der Teilnehmerländer zu schwenken. Und für die letzten 30 Sekunden oder so war auch Lena persönlich auf der Bühne und hat mitgesungen. Grandioses Opening und hat gleich für super Stimmung gesorgt!

Hinter dem Tuch versteckten sich die Heavy Tones. *g*

Und danach ging es Schlag auf Schlag. Alle Teilnehmer traten mit ihrer Bühnenshow auf (falls sie eine hatten) und man muss der ganzen Technikabteilung des Düsseldorfer ESC-Teams einfach ein riesen Kompliment machen: Großartige Lichtshow und immer passende, häufig sehr stimmungsvolle Projektionen auf der LED-Wand. Alle Auftritten sahen fantastisch aus!

Als erstes musste Paradise Oskar für Finland auf die Bühne. Er bekam auch gleich ein sehr schönes, in blau gehaltenes Bühnenbild mit Sterneffekt und sich ins Bild schiebender Erde - sah wunderschön aus.


Schade nur, dass man sich am Ende des Contests kaum mehr an ihn erinnern konnte - Tom Dice hat im letzten Jahr die "Knuffiger Junge mit Gitarre singt Ballade"-Nummer deutlich charmanter verkauft.

Dino Merlin für Bosnien-Herzegovina brachte sein "Love in Rewind", für das ich ja eine Schwäche habe, gut rüber und animierte zum Mitklatschen. Die Band A Friend in London für Dänemark nutzte immerhin die komplette Bühne - der Sänger lief auch mal über den Steg durch's Publikum bis auf die kleine Bühne in der Mitte. Das taten viel zu wenige der Künstler... ich glaube bis auf ihn ging tatsächlich niemand bis dort! Er hat ein sehr eingängiges Lied, dass mich immer an eine Fußballhymne erinnert. In der U-Bahn sagten ein paar Mädels, dass sich das Lied anhöre wie "Herz an Herz" von Blümchen - eine Ähnlichkeit in der Melodie ist auf jeden Fall vorhanden. *g*

Danach kam Litauens Evelina Sasenko, aber der Funke wollte nicht überspringen - das war eher höflicher Applaus. Ganz im Gegensatz zum folgenden Auftritt von Kati Wof aus Ungarn: Da wurde gejubelt und gejohlt, das kam super an im Stadion! Genau wie die folgende Nummer, die hüpfenden Zwillinge Jedward für Irland! Um die gab es ja schließlich auch genug Buzz im Vorfeld.

Sehr hysterisches Bühnenbild, alles sehr rot, Jedward wie immer im Zuckerrausch und asynchron. *g* Es wurde aber viel für sie gejubelt und sooo schlecht stehen ihre Chancen gar nicht.
Dann kam Eric Saade für Schweden, der "Popular" werden möchte. Dieser blöde Refrain ist ein absoluter Ohrwurm, nur hatte Eric Pech, ausgerechnet nach zwei ähnlich klingenden lauten Dance-Nummern dranzukommen. Kam dennoch gut an, durch seine Startposition sehe ich ihn jedoch nicht mehr so weit vorne wie am Anfang.
Anschließend kam Getter Jaani mit ihrer Zauber-Nummer - sehr bunt, aber so viel Begeisterung wie für die Lieder davor war nicht zu spüren.

Griechenland ging irgendwie komplett unter.. es hat einer gerappt und es war irgendwie alles sehr ernst, aber das wars auch. Hier auch eher höflicher Applaus. Auch Russland kam dieses Mal nicht ganz so gut an, irgendwie fehlte da was - die Schuhe haben aber cool geleuchtet. *g*
Dafür, dass Amaury Vassili aus Frankreich so hoch gehandelt wird, war es aber vergleichsweise ruhig bei seinem Auftritt. Die Hitnoten haben ihm etwas Zwischenapplaus eingebracht, und er hatte ein leicht kitschiges, aber dennoch wunderschön-stimmungsvolles Bühnenbild...


... aber ich weiß nicht, bei einem hoch gehandelten Favoriten hätte ich mehr erwartet. So ganz hat er wohl das Publikum nicht überzeugen können.
Der folgende Auftritt von Raphael Gualazzi für Italien kam da deutlich besser an, da wurde wieder richtig gejubelt. Und auch Anna Rossinelli für die Schweiz wurde begeistert aufgenommen - sehr süßes Bühnenbild, toll gesungen, super zum Mitsummen und "lalala"-en. :)
Dann kam Großbritannien - und Blue wurden richtig gefeiert! Die Halle hat gekocht, alle gingen super mit, tolle Stimmung!

Blue haben durchaus gute Chancen auf den Sieg, wenn sie heute Abend noch einmal so eine Stimmung zaubern können.
Dann kam die verrückte Zirkusnummer auf Speed aus Moldawien. Ich glaube, dass dieses Lied einen tieferen Sinn hat - es soll uns etwas sagen, etwas Wichtiges. Aber ich verstehe es einfach nicht. :(
Tja, und als nächstes betrat Lena die Bühne. Das gesamte Publikum hat bereits beim Einspieler gestanden und gejubelt wie bekloppt. Und als dann die Musik begann, haben wir das gesamte Lied durch den Beat mitgeklatscht und auch mitgesungen. Einfach super Auftritt von Lena, ich drücke ihr die Daumen für eine gute Platzierung!

Wer nach Lena kommt, kann nur verlieren - und das ist in diesem Fall leider Rumänien. Ich mag Hotel FM mit "Change" total gerne, ich finde, das ist ein richtig schönes eingängiges Lied, aber das Publikum war noch so mit Lenas Auftritt beschäftigt, dass dieser Auftritt irgendwie etwas unterging. Schade.
Nadine Beiler aus Österreich hatte es danach mit ihrer Powerballade einfacher. Das ließ aufhorchen, war sehr gut gesungen und wurde entsprechend bejubelt. Aserbaidschan, das danach kam, fanden wir belanglos, hatte nichts Besonderes und wurde entsprechend eher höflich als begeistert bejubelt.

Auch Maja Keuc aus Slowenien die mich von der Stimme an die Aguilera erinnerte, kam nicht ganz so gut an. Finde ich persönlich schade, denn ich mag dieses Lied sehr gerne, genau mein Geschmack.
Island mit ihrem fröhlichen Mitklatsch-Lied wurden jedoch wieder richtig gefeiert.
Spanien machte einen sympathischen Auftritt, aber der letzte Funke sprang nicht über. Vielleicht lag es an der leicht piepsigen Stimme.
Darauf folgte die Ukraine, die vermutlich nur wegen der Sandmalerei überhaupt bis ins Finale gekommen ist. Ich kann mich an das Lied nicht mehr erinnern, aber die Bilder waren wunderschön.


Schließlich hätten wir noch Serbien mit der 70er-Jahre-Nummer, die auch sehr bejubelt wurde, und Georgien, das die Reihe der Auftritte laut, aber irgendwie belanglos beendete.

Danach gab es drei Schnelldurchläufe, während sich die ersten Zuschauer bereits auf den Heimweg machten. Ein Fehler! Denn so entging ihnen Jan Delays genialer Pausenfüller! Delay tritt in der Zeit auf, in der die Stimmen ausgezählt werden. Er bringt seine beiden größten Hits "Oh Jonny!" und "Klar" und hat das Haus einfach nur gerockt! Wir haben auf den Tribünen getanzt, gehüpft, mitgesungen - ganz große Klasse! Ich hoffe, dass die Stimmung am TV auch so gut rüberkommt, denn das war wirklich fantastisch. Übrigens klingt Delay live längst nicht so nasal wie auf Studioaufnahmen und man versteht ihn überraschenderweise auch besser. *g*

Schließlich folgte noch die komplette Punktevergabe, von Anke moderiert. Die zog sich wie üblich, v. a. da sie jetzt ja nur als Test gedacht war und es um nichts ging. Aber die Liveschaltung zu den einzelnen Ländern musste ja auch getestet werden. Ruslana, die mit "Wild Dances" gewann, vergab die ukrainischen Punkte. Der slowenische Presenter war herrlich witzig und wollte Stefan als Manager (er sang sogar kurz "Wadde hadde dudde da" an!); eine blonde Dame machte ewig lange nicht voran, und das zu fortgeschrittener Stunde, bis sie dann endlich fragte, "Are you ready for our votes?" Und Anke, mit einem guten Gespür für die leicht genervten Zuschauer: "We are so ready!" Sie kündigten Mazedonien mit, "And now we go to Maze... dingens, Macedonia!" an, und freute sich, als sie eine Dame vom letzten Jahr wiedererkannte. *g*

Die Greenroom-Kameras wurden getestet und man hatte Helfer in die Kabinen gesetzt, die sich dann ständig, wenn sie auf Sendung waren, freuten, jubelten, Küsschen in die Kamera warfen usw. Das waren immer wieder lustige Momente, v. a. als Judith dann den Zwischenstandsführenden interviewte, und der stur auf Englisch mit den üblichen Phrasen antwortet. *g* Sieger wurde Italien und die beiden Helferinnen mussten tatsächlich auf die Bühne gehen, sich von den Moderatoren herzen lassen und dann warten, bis das italienische Lied als Instrumentalstück zuende war.

Und dann durften wir nach Hause gehen. *g* Wieder in die überfüllte U-Bahn gequetscht und meine Freundin war so lieb, mich nach Hause zu fahren, da mein letzter Zug natürlich schon längst weg war (es war mittlerweile halb 1 nachts). Auf dem Weg zum Auto nahmen wir dann noch eine jungen Französin mit, die nicht allein die dunklen Straßen langgehen wollte und auch beim ESC gewesen war.

Tja, alles in allem ein wirklich toller Abend! Die Show heute wird sicherlich wieder genauso gut, dieses Mal aber mit wirklich spannender Punktevergabe, denn es gibt einige viel umjubelte und wirklich gute Lieder. Ich bin gespannt und freu mich drauf!

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Möp

Dummerweise darf ich nicht über das posten, was mir grad unter den Nägeln brennt (immer noch Ansage von oben), also sage ich nur: WAAAHHH! Neeeiiin! Nicht noch eine Woche! *aufreg*brodel*wahnsinnig werd*

Danke.

Besänftigung mit folgenden Gedanken:

Vor ein paar Tagen habe ich einen Ausverkauf wegen Ladenauflösung gestürmt (eigentlich wollte ich nur Socken kaufen), und kam mit 4 CDs wieder raus. Richtige Alben.

Darauf aufmerksam wurde ich, weil der "Public Enemies" Soundtrack oben drauf lag.*g*

Unerklärliche Anziehungskraft ging auf einmal von diesem Grabbelkorb aus - und prompt hab ich noch drei weitere nette Sachen gefunden.

So muss das sein.


Desweiteren ist heute mein vor mehreren Wochen bestelltes Blingbling angekommen, was wirklich ganz supertoll ist!

Dann wurde mir auf der Arbeit von meiner Chefin ein Buch in die Hand gedrückt, das wir als Prüfexemplar erhalten hatten. Nicht ihr Fall, ich hatte es auf der Liste, wunderbar. :)

Uuund außerdem kam heute endlich mein "The Art of PotC" Riesenbuch an.
In einem überdimensionalen Karton, sodass ich erstmal von meiner Mutter einen bösen Blick erntete (okay, das änderte sich nicht sonderlich, als es sich als Buch! zu PotC!! herausstellte...). Egal. So schööööööön. Und es war runtergesetzt. Pah, wer braucht schon Schuhe!

Ein wenig besänftigt. Aber es bleibt ein dumpfer Schmerz zurück und v.a. das Grauen nächste Woche. *überleg* Vielleicht stell ich einfach den Ton aus.

Ich wünsche noch einen schönen Abend. Ich geh jetzt Müll gucken. ;)

Sonntag, 30. Mai 2010

Wir haben es geschafft! Der Bann ist gebrochen!

Wer hätte das gedacht?! Von den ganz Optimistischen mal abgesehen, hat wohl keiner damit gerechnet, dass Unser Star für Oslo Lena Meyer-Landrut mit ihrem Lied "Satellite" ganz Europa überzeugen könnte und damit endlich, endlich wieder den Sieg beim Eurovision Song Contest nach Deutschland holen würde. Und doch ist genau das gestern Abend passiert.

Im Vorfeld des ESC hab ich Lena definitiv unter den besten 10 gesehen, wenn alles super liefe, dann auch durchaus unter den Top 5. Aber der Sieg?! Nein, dafür ist der ESC einfach zu unberechenbar (wie war das mit den Olsen Brothers?^^) und insgesamt war es dieses Jahr auch ein starkes Teilnehmerfeld.



Aber als dann alle Sänger aufgetreten waren... jaaa, da hab ich gehofft. Denn Lenas Auftritt war großartig! Ich hab sie noch nie so super erlebt, das war locker, charmant, augenzwinkernd - und es kam an! Während ihres Auftritts gab's aus der Halle immer wieder "Szenenapplaus", da kam eine super Stimmung rüber!

Und dann die Punktevergabe... und auf einmal waren wir auf dem 1. Platz. Ewig her, dass wir das erleben durften, und Kommentator Peter Urban merkte man die Euphorie deutlich an ("Hach, macht das Spaß, endlich mal wieder solche Punkte zu verkünden!") - ein Wechselspiel aus "Juhu, wir gewinnen!" und "Neee, vorsichtig sein, hier kann noch soviel passieren!" - großartige Unterhaltung! Da verzeih ich ihm auch, dass er den 1 Punkt aus Aserbaidschan übersehen hat. ;)

Ein Küsschen an den Ansager aus Lettland, der Lena ein *Heart* schickte. Awwww. Und Hape war goldig. :)

Insgesamt gab's, wenn ich's richtig in Erinnerung hab, ganze neun Mal 12 Punkte, und das aus allen Teilen Europas! Die drei, vier Länder, die uns gar keine Punkte gegeben haben... nun gut, man kann nicht überall geliebt werden. :) Aber es ist einfach ein tolles Gefühl, allein mit der Wahl Lenas offensichtlich goldrichtig gelegen zu haben, und dann mit ihrem Lied - gestern passte einfach alles perfekt zusammen.

Besonders schön waren dann auch die Einbledungen aus dem Green Room, in denen man immer wieder eine vollkommen sprachlose Lena und einen immer fassungsloser werdenden Stefan Raab erleben konnte. So schön!

Ich hab mich dann auch, ganz ehrlich, geärgert, nicht irgendwo mit Freunden das Ganze angeschaut, oder mich irgendwo beim Rudelgucken angeschlossen zu haben... das wäre eine Atmosphäre gewesen. *seufz* Nun denn, vielleicht im nächsten Jahr. :)

Insgesamt fand ich, dass es ein sehr niveauvoller ESC war. Gut, mir hat längst nicht jedes Lied gefallen, wie das beim ESC eben ist. So war der Kitsch aus Weißrussland kaum zu ertragen; der arme Sänger aus England hat sich wirklich bemüht, hatte aber gegen dieses belanglose Lied nicht den Hauch einer Chance; die Stimme der ukrainischen Sängerin hat mir einfach überhaupt nicht gefallen und auch Russland war, öhm, nicht mein Geschmack. Aber dennoch fand ich nichts wirklich peinlich. Ein paar schräge Sachen gehören dazu, aber man konnte sich alles anhören, ohne dass die Ohren bluteten, und manche Lieder konnten mich tatsächlich überzeugen.

Zu letzteren gehört definitiv der Beitrag aus Belgien. Einfach schön und schlicht, im Vertrauen auf die Stimme und das Lied. "Me and my guitar" kann ich mir auch so jederzeit anhören. Platz 6, auch wenn ich ihn gern noch etwas höher platziert gesehen hätte.

Auch der Rocksong der türkischen Gruppe maNga gefiel mir wirklich gut, auch wenn ich die Sprechgesangeinlagen als etwas störend empfand. Der Refrain ging jedoch ins Ohr, und Platz 2 war durchaus verdient.

Auch Spanien konnte mich überzeugen. Soviel Professionalität muss einfach honoriert werden - nicht jeder wäre wohl so ruhig geblieben, wenn da plötzlich ein Fan auf die Bühne gestürmt wäre. Trotzdem fand ichs fair, dass Spanien nocheimal auftreten durfte - so konnte ich das Lied nochmal hören.*g* Leider nur Platz 15.

Und ebenfalls im Gedächtnis blieb mir Rumänien (Platz 3). Ein flottes Lied, ein Refrain mit Ohrwurmcharakter und souverän rübergebracht.

Tja, und warum haben ausgerechnet wir gewonnen? Wie immer recht schwierig zu sagen, außer dass wir anscheinend europaweit den Nerv getroffen habe. *g* Aber einer der Gründe ist sicherlich, dass das Lied als Komposition herausstach. Es gab sehr viele dramatische Balladen mit Powerstimmen, vom Aufbau alle sehr ähnlich, manchmal aufgrund des Lospechs sogar direkt hintereinander. Da verschwimmen die einzelnen Beiträge sehr schnell zu einer großen Masse. Hinzu kamen recht viele stereotype Dance-Nummern, die für sich gesehen nett bis gut waren, aber eben auch in der Masse untergingen. Tja, und wie gesagt, bei Lenas Auftritt stimmte einfach alles. Auffälliges und gutes Lied (dank etwas anderer Musikrichtung), Lenas natürlich-charmante Ausstrahlung, die offensichtlich nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa verzaubert, und gute Promotion im Vorfeld - so macht man das!

Also, lieber Stefan Raab, dann such nächstes Jahr bitte wieder Unseren Star für Wo-immer-das-in-Deutschland-stattfindet! Vielen vielen Dank für eine tolle Castingshow und einen wunderbaren ESC-Triumph!

Dienstag, 20. Oktober 2009

Ich bin schockiert und verzweifelt, so'n bisschen zumindest

Urlaub zu haben ist was Feines. Man kann ausschlafen (wenn man denn dazu in der Lage ist und einem die innere Uhr nicht einen Strich durch die Rechnung macht...), rumgammeln, sich des schönen Wetters erfreuen usw.

Da meine innere Uhr dummerweise ziemlich gut funktioniert, und mich der pünktlich einsetzende Muskelkater vom gestrigen Sand- und Dreckschippen sowieso nicht richtig schlafen ließ, habe ich mich heute morgen mit Begeisterung auf Scrubs gestürzt. Ich habe die Serie bisher noch nie bewusst gesehen (wenn sie abends einmal lief und ich zufällig den Fernseher laufen hatte, war meine Aufmerksamkeit meistens entweder von unglaublich spannenden Hausaufgaben, oder von sehr wichtigen Telefonaten beansprucht, sodass ich also mindestens die Hälfte der Folge verpasste) und mich wunderbar amüsiert! Naja, bis dann eben die Werbung kam. Okay, wäre es Werbung gewesen, hätte ich ja nix gesagt. Aber haha, reingefallen: Es war eine "Quizbreak"! Bitte was?! Könnte ich hier Icons wechseln, wäre dies der Moment für das WTF-Icon. Da wird man also aus der Serie gerissen um sich nicht mehr oder weniger gute Werbespots anzuschauen, sondern von diesen typischen Telefonquiz- "Sendungen" hysterisch dazu aufgefordert zu werden, doch jetzt SOFORT anzurufen, "denn, meine Damen und Herren, hier geht es um ein voll cooles Notebook mit WLAN und hey hey hey, man kann damit sogar skypen! Und ganz viele andere tolle Funktionen hat es auch! Glauben Sie mir einfach! Rufen Sie jetzt an und Sie bekommen nicht 150, NEIN, sondern 250 € dazu!!!!"

WAAAHHHH! Ist man vor dieser Scheiße wirklich nirgends sicher?! Und ich habe immer das Problem, dass ich einfach hinschauen muss. Blinkende Lichter, ein verzweifelter ähm, "Moderator", diese nervige drängelnde Soundkulisse, die einem, natürlich gaaanz unauffällig, suggeriert, dass ein Anruf jetzt sofort erfolgen muss, denn sonst könnte ja ein anderer das tolle Notebook gewinnen... Da lob ich mir bis heute diesen einen jungen Herrn, der den ganzen ach-so-klugen Typen hinter den Kulissen dieser Shows so dermaßen einen reingewürgt hat, als er bei "Tiere mit S" den Stirnlappenbasilisken nannte. Und richtig lag. Nehmt das, ihr Mistkerle! HA-HA!

Dennoch, Scrubs war sehr cool. Zach Braff ist einfach ne sympathische Type und ich hab mich sehr gut unterhalten gefühlt. Für die bescheuerte "Quizbreak" kann die Serie ja nix.

Ein bisschen Verzweiflung macht sich bei mir dann aber doch breit: Ich würde unglaublich gern Away we go im Kino sehen, aber - Surprise, surprise! - der läuft ja nirgends. Okay, "nirgends" ist natürlich das falsche Wort, aber er läuft nicht in meiner Nähe, und damit meine ich "in einem Kino, dass ich in 30 min Fahrt mit Auto oder Zug erreichen kann, ohne ewig nach einem Parkplatz suchen zu müssen".

Noch nicht mal der UFA in Düsseldorf zeigt den! Hallo? Die Kritiken machen einem den Mund wässerig, und dann sowas. Schön und gut, dass er im Metropolis in Köln läuft (OmU versteht sich) und das ist auch ein echt hübsches Kino und Sweeney Todd dort zu sehen, war wunderbar, aber diesen Film würde ich gern genießen, ohne mich mit Untertiteln beschäftigen zu müssen. Und eine knappe Stunde Anfahrt zu benötigen. Naja und gegen die Innenstadt von Aachen hatte ich irgendwie schon immer eine leichte Abneigung. Immerhin kann man sich nicht so richtig verfahren, schließlich besteht Aachen fast nur aus Straßen, die im Ring verlaufen. Man kommt nur immer so schwer wieder raus, wenn man einmal drin ist (ich glaub, Aachen will ganz einfach nicht, dass man jemals wieder raus kommt).

Okay okay, der Film läuft im Bambi in Düsseldorf. Aber mich allein durch D'dorf und das Straßenbahnsystem zu kämpfen spricht mich nicht wirklich an. Vielleicht bin ich einfach kein Großstadtkind. Genug rumgeheult. Das hat man eben davon, wenn man in der Provinz lebt. ;)