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Freitag, 1. August 2014

"Drachenzähmen leicht gemacht 2": Großartiges Wiedersehen mit Hicks, Ohnezahn & Co.



Dreamworks ist ein Studio, das im Bereich des CGI-Animationsfilms schon immer etwas schizophren war. Wunderbare Unterhaltung wie "Kung Fu Panda" oder "Madagascar" wechselte sich ab mit Gurken wie "Große Haie, kleine Fische" oder "Bee Movie". In 2010 ließ man dann den auf einer Kinderbuchreihe basierenden "Drachenzähmen leicht gemacht" auf das Publikum los und landete absolut berechtigt einen Überraschungshit, der weltweit fast 500 Mio. Dollar einspielte. Der Film war nicht nur witzig, sondern bot v. a. liebenswerte Charaktere und ganz viel Herz. Teil 2 startete in den USA leider hinter den Erwartungen, hat aber mittlerweile die 400 Mio Dollar-Marke überschritten und legte in Deutschland mit über 500.000 Besuchern am ersten Wochenende einen erfolgreichen Start hin. Warum "Drachenzähmen leicht gemacht 2" nicht auch in den USA so gut startete, erschließt sich mir nicht, denn der Film ist wirklich gut.  

Fünf Jahre nach den Ereignissen aus Teil 1 sind die Drachen nun fester Bestandteil des Dorflebens von Berk. So ziemlich jeder hat seinen ganz persönlichen Hausdrachen (oder zwei, oder zehn) und zur Unterhaltung werden Drachen jetzt nicht mehr bekämpft, sondern in rasanten Wettrennen eingesetzt. Der mittlerweile 20-jährige Hicks, Sohn des Anführers Haudrauf, schlägt sich unterdessen mit den Erwartungen seines Vaters herum - er soll das neue Stammesoberhaupt werden,  worauf er in seinem Freiheitsdrang keine große Lust hat. Als er zusammen mit seiner Freundin Astrid auf Eret und seine Drachenfänger trifft, die im Auftrag des niederträchtigen und ziemlich verrückten Drago handeln, will er der Sache auf den Grund gehen. Dabei trifft er schließlich auf einen mysteriösen Drachenreiter, während Astrid und ihre Freunde von Drago gefangen genommen werden. 


Regisseur Dean DeBlois sagte in Interviews, dass er sich an "Das Imperium schlägt zurück" orientierte, da der zweite Teil der ursprünglichen "Star Wars"-Trilogie seiner Meinung nach alles richtig machte: die Charaktere und ihre Welt werden ausgebaut, die Geschichte wird düsterer und emotionaler. Das war definitiv eine sehr gute Entscheidung.
"Drachenzähmen leicht gemacht 2" kann zwar den Zauber des ersten Teils nicht mehr ganz einfangen, punktet aber mit einer überzeugenden, nicht mehr ganz so geradlinigen Story mit einigen wirklich zu Herzen gehenden Momenten. Der Drama-Faktor wurde auf jeden Fall erhöht: die Einführung von Valka und ihr Zusammentreffen mit Hicks und später dann Haudrauf lassen einen schon schlucken; Bösewicht Dragos Fähigkeit die Drachen zu kontrollieren hat ernsthafte, schockierende Konsequenzen. Gerade Letzteres führt zu Szenen, die man eher selten in westlichen Animationsfilmen sieht. Die Reihe ist erwachsener, reifer geworden und scheut auch nicht vor ernsthaften und traurigen Szenen zurück.

Dies spiegelt sich auch zum Großteil in den Charakteren, die wir liebgewonnen haben und mit denen wir mitfühlen.  Sie haben alle so ihre kleinen Fehler (z. B. die Sturheit von Hicks oder Haudrauf), was sie noch sympathischer macht. Hicks macht gerade im Zusammenspiel mit seinem besten Freund Ohnezahn einfach unglaublich Spaß, und sein Charakter wird uns durch so viele liebenswürdige Details näher gebracht: sein toller Fluganzug und all die anderen Gimmicks, die er so gebastelt hat; sein Draufgängertum, das Ohnezahn meist mit einem genervten Blick quittiert; seine wunderbar realisierte Beziehung zu Astrid. Das ist übrigens auch ein Punkt, den man nicht oft genug betonen kann: Wie schön, endlich mal eine romantische Beziehung in einem Film zu sehen, die nicht gerade beginnt oder kurz vorm Ende steht. Astrid und Hicks sind ein eingespieltes Team, ihre Beziehung ist geprägt von echter Zuneigung, Respekt und Vertrauen. Einfach mal eine willkommene Abwechslung.
Hicks Freunde, die bekloppte Truppe mit Fischbein, Rotzbakke und den Zwillingen Raffnuss und Taffnuss, sind auch sehr unterhaltsam, wenn der Humor um sie herum auch etwas zu oft ins Brachiale abdriftet. Dafür ist Haudraufs bester Kumpel Grobian Gold wert und sorgt für einige der besten Lacher. Haudrauf selbst ist immer noch ein wunderbar realistischer Charakter, Valka das passend hyperaktive Gegenstück dazu, und Drachenfänger Eret  fügt sich als Muskelpaket gut ins bestehende Ensemble ein. Drago ist ein wirklich böser Bösewicht, so richtig!, was für den Film sicher nicht das Schlechteste ist, da schon genug andere emotionale Keulen ausgepackt werden, ohne dass man noch einen eigentlich nur missverstandenen, armen Bösen brauchen könnte. Die Sprecherleistungen von u. a. Daniel Axt als Hicks, Emilia Schüle als Astrid, Dominic Raacke als Haudrauf. und Martina Hill (einer der wenigen Neuzugänge im Ensemble) als Valka sind ohne Fehl und Tadel.


Auf der technischen Seite kann der neueste Ausflug nach Berg ebenfalls punkten. Visuell ist der Film ein Augenschmaus, die Flugszenen wie gewohnt wunderbar anzuschauen (wenn auch nicht mehr so einnehmend wie noch in Teil 1). John Powell fügt seiner Oscar-nominierten Filmmusik aus Teil 1 ein paar neue, unaufdringliche Themen hinzu. Generell kann man das Sounddesign loben, das häufig wirkungsvoll eingesetzt wird.

Klingt alles so furchtbar positiv, nicht wahr? Na gut, ein klein wenig zu meckern hab ich schon: Obwohl die Story an sich gut und logisch voranschreitet, schleichen sich gerade in der Mitte des Films doch ein paar Längen ein. Zwar sind die Szenen immer noch für sich schön anzusehen, aber sie bremsen die Handlung etwas aus. Und mich persönlich störte, dass Ohnezahn diese Mal mehr die Charakteristika eines Hundes als einer Katze aufwies (wie noch im 1. Teil, aber ich bin vielleicht auch zu sehr "Kateznmensch" *g*). Ohnezahn bleibt aber trotzdem einfach goldig und wunderbar. So einen möchte ich auch.

Fazit: "Drachenzähmen leicht gemacht 2" kann die Qualität seiner Vorgängers sowohl auf technischer wie auch auf handlungs- und charakterbasierender Ebene (trotz minimaler Abstriche) halten. Dabei wirkt der Film erwachsener und baut die Welt rund um Hicks und Ohnezahn auf gelungene Weise aus. Teil 3 kann gerne möglichst schnell kommen. 

Sonntag, 15. Dezember 2013

Disneys "Die Eiskönigin": Trotz Fehlern unterhaltsam


Die beiden Prinzessinnen Elsa und Anna wachsen fröhlich im Königreich Arendell auf. Elsa hat magische Kräfte und kann Schnee und Eis herbeizaubern, womit sie ihrer kleinen Schwester gerne eine Freude macht. Dabei kommt es jedoch zu einem Unfall, und Elsa lebt fortan zurückgezogen in ihrem Zimmer, um niemanden in Gefahr zu bringen, bis sie ihre Kräfte kontrollieren kann. Viele Jahre später soll Elsa als neue Königin gekrönt werden, doch bei einer Auseinandersetzung mit Anna kochen ihre Gefühle hoch und sie versetzt ganz Grundel in ewigen Winter. Panisch flüchtet sie in die Berge. Anna macht sich zusammen mit dem Eisverkäufer Kristoff, seinem Rentier Sven und dem sprechenden Schneemann Olaf auf den Weg, ihre Schwester zurückzuholen.

 Im Vorhinein war nicht viel Gutes über Disneys neuesten Animationsfilm "Die Eiskönigin" (ich ignoriere den dämlichen deutschen Untertitel hier genauso wie bei "Rapunzel") zu hören. Der erste Teasertrailer mit Sven und Olaf war alles andere als überzeugend und viele Fans waren missmutig, weil Hans-Christian Andersens Märchen so stark geändert wurde. Vor allem die Einführung der männlichen Identifikationsfigur stieß vielen sauer auf, hatte man doch auf einen "echten" Schwesternfilm gehofft (endlich mal wieder nach dem leider häufig vergessenen "Lilo & Stitch"). Was das angeht, können die Kritiker jedoch beruhigt sein: "Die Eiskönigin" dreht sich nach wie vor hauptsächlich um die Schwestern Elsa und Anna.

Zuerst das Negative: Der Film hat seine Fehler und ist auch nicht so aus einem Guss wie es "Rapunzel" war. Die ersten 20 Minuten fühlen sich gehetzt an, wichtige Ereignisse werden zu schnell abgearbeitet (Annas Unfall und die Konsequenzen, Elsas Isolation und Annas Verwirrung darüber, der Tod der Eltern).    Ab der Krönungsszene beruhigt sich das Ganze ein wenig (vielleicht fühlten sich die Macher vorher auch einfach durch Annas Hyperaktivität angetrieben) und der Film findet zu sich.  Zuviel nachdenken sollte man über die Feinheiten der Handlung jedoch nicht, sonst fallen einem doch einige Logikfragen ein (warum z. B. soll das Volk in Annas Abwesenheit auf Prinz Hans hören, der gerade einmal ein paar Stunden da ist? Wer hat denn in den Jahren zwischen dem Tod des Königspaares und Elsas Krönung die Staatsgeschäfte geleitet?).


Schade, dass auch die Lieder und deren Verteilung nicht immer überzeugen. Zur Beginn stapeln sich gefühlt 10 Lieder auf 10 Minuten, wovon man das Lied der kleinen Anna ohne Probleme hätte streichen können, da die Aussage auch ohne Lied problemlos herübergebracht werden kann (und leider kann die Sprecherin auch nicht singen...). Der darauf folgende Song „Zum ersten Mal“ erinnert an die typischen ersten Songs aus Filmen wie „Aladdin“ oder „Die Schöne & das Biest“, in denen die Hauptfigur mit locker-flockiger Melodie vorgestellt wird. Das funktioniert hier auch gut und unterstreicht Annas quirligen Charakter, kontrastiert mit Elsas antrainierter Erhabenheit. Und damit wäre es an Liedern eigentlich erst einmal gut gewesen, aber man quetscht noch ein überdreht-zuckriges Liebesduett hinein, das wohl hauptsächlich die traditionellen Liebesduette karikieren soll. Nette Idee, aber es sind einfach zu viele Lieder hintereinander. Mir als Musicalfan macht das nichts aus, aber die weniger geneigten Zuschauer werden an der Stelle schon mehrmals genervt mit den Augen gerollt haben.
Danach werden die Lieder besser verteilt, aber bis auf die dramatische Reprise von „Zum ersten Mal“ gibt es leider nur noch absolute Durchschnittsware. Da bleibt nichts im Ohr hängen, möglicherweise ist es auch dreiste Satire auf diese Art Song, denn Schneemann Olaf bekommt das „Lustiger Nebencharakter stellt sich vor“-Lied, das komplett vorhersehbar aufgebaut und dabei noch nicht einmal schmissig ist, und die Trolle bekommen eine fröhlich-bekloppte Nummer, die an der Stelle im Film absolut deplatziert wirkt und nichts beiträgt. Und am Ende, wo ich mir zum Ausklang tatsächlich eine rauschende Reprise vom Hit-Song „Lass jetzt los“ gewünscht hätte, kommt nichts mehr.

Dabei wären wir aber immerhin bei einem positiven Aspekt angekommen, den ich gern herausstelle: Die „Lass jetzt los“-Sequenz (kann man sich auf youtube anschauen) ist wunderbar, großartig inszeniert und emotional. Technisch kann man an „Die Eiskönigin“ sowieso nicht meckern, der Film sieht wunderbar aus (wenn auch nicht ganz so schön wie „Rapunzel“), grandioses 3D, alles wie erwartet top.


Die Charaktere sind eigentlich alle gut gelungen. Es ist schön, dass die Beziehung der Schwestern Elsa und Anna durchaus im Mittelpunkt steht, auch wenn die beiden gar nicht so viele Szenen zusammen haben. Gerade Elsa ist ein interessanter Charakter – eine Figur, die an sich überhaupt nicht böse ist, sondern einfach nicht mit ihrer großen Kraft umzugehen weiß und aufgrund ihres Kindheitstraumas so eine Angst vor ihren eigenen Fähigkeiten hat, dass sie diese versucht komplett zu unterdrücken und das Ganze nur zur Katastrophe führen kann. Anna ist im Grunde das genaue Gegenteil, fröhlich, verspielt, ein lebenslustiger Teenie eben. Sie liebt ihre ältere Schwester, weiß aber nicht so genau, wie sie sich in ihrer Gegenwart verhalten soll. Da sie ihr Leben bisher nur im Schloss verbracht hat, ist sie auch etwas weltfremd und denkt beim ersten Zusammentreffen mit einem netten, jungen Prinzen, dass es die große Liebe sein muss. Aber sie ist zum Glück auch forsch genug, ihre Schwester nicht der Einsamkeit zu überlassen, sondern sie sofort retten zu wollen.
Kristoff ist ein sympathischer junger Kerl, allerdings offensichtlich eher ein Einzelgänger (seine Freunde sind das Rentier und die Steintrolle). Er sorgt für ein paar schöne Lacher, genauso wie Rentier Sven )gern auch im Hintergrund). Schneemann Olaf ist zum Glück nicht so furchtbar nervig wie der Teaser-Trailer andeutete, bis auf sein Lied fand ich ihn doch recht witzig.

Die Sprecherleistungen sind alle sehr gut, und bis auf Hape Kerkeling als Olaf gab es anscheinend noch nicht einmal eine Promibesetzung. Willemijn Verkaik als Elsas Singstimme dürfte wohl nur Musicalfans ein Begriff sein, sie ist aber – wie zu erwarten war – großartig. Dramatische „Ihr könnt mich alle mal!“-Lieder kann sie eben besonders gut, das hat sie in „Wicked“ bereits lange Zeit bewiesen.

Ich habe mich in „Die Eiskönigin“ die meiste Zeit gut unterhalten gefühlt. Der Humor sitzt zum Großteil, das kleine Liebesdreieck mit Anna, Hans und Kristoff nimmt nicht so viel Platz ein wie befürchtet, dafür wird gerade Elsas Charakter gut dargestellt. Ich fragte letztens die kleine Schwester meiner Nachhilfeschülerin, ob sie den Film schon gesehen habe, und sie sagte gleich begeistert ja. „Welche Figur fandest du denn am besten?“ fragte ich. Und sie rief begeistert, „Die Eiskönigin!“ Weil sie schön und etwas zickig ist. *g* Kinder werden sicherlich eh ihren Spaß an dem Film haben, das Tempo geht flott voran, sodass keine Langeweile aufkommt.
Und auch wenn manches hier jetzt sehr negativ klingen mag, liegt das eher daran, dass mich die Probleme des Films vergleichsweise stark aufregen, da viele leicht zu lösen gewesen wären. Es ist ein schöner Film in bester Disney-Tradition, aber er hat Luft nach oben.

Fazit: „Die Eiskönigin“ ist zwar nicht ganz so ausgereift wie Disneys letztes Märchen „Rapunzel“, bietet aber neben wunderschönen Bildern eine ans Herz gehende Geschichte zweier Schwestern und unterhaltsame Nebencharaktere. Die nach den ersten Infos erwartete Katastrophe blieb zum Glück aus – Disney liefert einen neuen gelungenen Film für Jung und Alt. 


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Sonntag, 12. August 2012

Rundumschlag an Kurzkritiken, denn ich habe tatsächlich in letzter Zeit Filme gesehen

Merida - Legende der Higlands
Die Geschichte der schottischen Prinzessin Merida ist Pixars erster Versuch einer weiblichen Hauptfigur - und dazu handelt es sich auch noch um eine Prinzessin, eine Thematik, in der Disney durch langjährige Erfahrung nach wie vor den Ton angibt. Schön ist, dass Pixar seine erste Prinzessin aber ein wenig anders anlegt - hier wird am Ende nicht der holde Prinz geheiratet, da kann es vorher noch so sehr ein Turnier um Meridas Hand gegeben haben. Merida will ihre Freiheit und eckt damit bei ihrer Mutter extrem an, die es lieber sähe, wenn ihre Tochter sich damenhaft - eben wie eine wahre Prinzessin - benehmen würde. Einen Besuch bei einer leicht verwirrten Hexe später und Merida bekommt ihren Wunsch - die Veränderung ihrer Mutter. Nur leider anders, als sie es sich vorgestellt hatte...

Was gleich zu Beginn bei "Merida" auffällt, ist die wunderbare Optik. Die schottische Landschaft wird mit beeindruckenden Kamerafahrten gekonnt in Szene gesetzt und auf technischer Ebene gibt es absolut nichts auszusetzen. Auch Patrick Doyles keltisch anmutender Score passt perfekt und unterstreicht die Stimmung des Films sehr gut.
Nun geht man an einen Pixar-Film jedoch meist mit sehr hohen Erwartungen heran. Mir gefiel Merida, die lieber im Wald Bogenschießen übt als Wandteppiche zu sticken, als Charakter sehr gut und Nora Tschirner spricht sie mit der geforderten Forschheit auch sehr überzeugend. Das tragende Element des Films ist der Mutter-Tochter-Konflikt. Manchmal kam mir diese Entwicklung, v a. nach der Veränderung der Mutter, jedoch etwas gehetzt vor und zwischendurch kippt die eher ernsthafte, von gelegentlichen humorigen Elementen (z. B. Meridas Drillingsbrüder) durchbrochene Stimmung zu sehr ins slapstickhafte.
Dennoch hat mich der Film gut unterhalten wenn er auch nicht an meine Pixar-Lieblinge "Oben", "Ratatouille" und "WALL-E" herankommt.


Drive
"Drive" habe ich damals im Kino aus diversen Gründen ausgespart (schlechter Zeitpunkt, leichte Abschreckung durch die FSK-18 Bewertung) und im Nachhinein ärgert das mich nun doch ein wenig. Die stilisierte Optik des Films  kam im Kino sicherlich noch besser rüber als auf dem heimischen Fernsehbildschirm. Nicolas Winding Refns Arthouse-Film handelt von einem namenlosen Mann (Ryan Gosling), der tagsüber Stuntfahrer beim Film und Autmechaniker ist, nachts jedoch sein Können als Fluchtfahrer für Kriminelle zur Verfügung stellt. Er verliebt sich in seine zurückhaltende Nachbarin (Carey Mulligan), aber als ihr Mann aus dem Gefängnis entlassen wird und alte "Freunde" auftauchen, um Schulden einzutreiben, wird der Fahrer in eine Situation hineingezogen, die immer weiter eskaliert.

Winding Refn lässt sich sehr viel Zeit beim Aufbau seiner Charaktere und die erste halbe Stunde besteht zum Großteil aus langen Kameraeinstellungen und schweigsamen Charakteren. Beinahe unmerklich dreht er jedoch die Spannungsschraube an und das FSK-18-Label wird mit plötzlichen Gewaltausbrüchen auf jeden Fall gerechtfertigt. Dennoch sind alle, die blutiges Gemetzel sehen wollen, hier definitiv fehl am Platz, da sich diese Momente auf vielleicht vier Szenen beschränken.
Was "Drive" von ähnlichen B-Movies abhebt (denn etwas anderes ist die Handlung eigentlich nicht), ist die intensive Atmosphäre. Eine coole, gleichzeitig unterkühlte Optik, in Erinnerung bleibende Bilder (der Fahrer am Meer *schauder*), ein stylischer 80s Soundtrack, lange Kameraeinstellungen, wenig Dialog, undurchsichtige Charaktere - das alles trägt dazu bei, dass gerade die Atmosphäre des Films besonders im Gedächtnis bleibt.


The Amazing Spider-Man
Der Film, über den alle nach Ankündigung nur mit einem verwirrten Blick nach dem "Warum" frageten. Der letzte Teil von Sam Raimis "Spider-Man"-Trilogie war im Grunde kaum aus den Kinos verschwunden, da wurde auch schon ein Reboot angekündigt. Aber warum sollte man sich als geneigter Zuschauer nun schon wieder anschauen, wie Peter Parker von einer genetisch mutierten Spinne gebissen wird und plötzlich Superkräfte entwickelt? Gut, der Bösewicht ist dieses mal  der Lizard und nicht der Kobold, aber grün ist er auch. Und das hübsche Mädchen an Peters Seite ist nun nicht Mary Jane sondern Gwen Stacey, aber Eye Candy bleibt Eye Candy, oder?

Nun, teil teils. Mir persönlich gefällt dieses Spider-Man Reboot besser als Sam Raimis Version. Zum einen ist Andrew Garfield für mich einfach ein überzeugenderer und weniger weinerlicher Peter. Garfield ist ein bisschen mehr Nerd und bringt die Gefühle von Peter besser rüber, v. a. auch die Wut, die manchmal in ihm brodelt. Seine Romanze mit Gwen (Emma Stone) ist einfach schön anzusehen, auch weil Gwen eben nicht die übliche Maid in Not, sondern durchaus tough und auch mit einer guten Portion Humor ausgestattet ist. Und Rhys Ifans als Dr. Connors ist sympathisch, sodass er einem schon irgendwie leid tut, wenn er auf einmal zur bösen Echse mutiert.
Auf der technischen Ebene macht der Film auch was her, die Musik passt und ist schön heroisch, und die anderen Darsteller sind ebenfalls glaubwürdig.
Natürlich ist die Handlung jetzt nicht besonders neu und es wäre sicherlich sinnvoller gewesen, einfach nur einen kurzen Rückblick zu zeigen, in der Peters Wandlung zu Spider-Man kurz erklärt wird, anstatt sich damit die erste Hälfte des Films aufzuhalten. Und ja, es gibt auch so manche vorhersehbaren (z. B. bezüglich Gwen's Vater, der Polizist ist) oder kitschigen Momente - aber ich habe mich ganz wunderbar unterhalten gefühlt. Dieser neue "Spider-Man" hat auf jeden Fall eine Chance verdient.


Ice Age 4 - Voll verschoben
Mein Heimatkino hat diesem Film entgegen gefiebert, da jeder Teil der "Ice Age"-Reihe ganz einfach ein absolut sicheres Ding ist. Und auch Teil 4 ist es noch immer zu Recht. Dieses Mal löst unser verrückter Eichhörnchen-Ratten-Mix Scrat bei der Jagd nach seiner geliebten, doch so unerreichbare Eichel die kontinentale Verschiebung aus. Dies hat natürlich Auswirkungen auf unsere bunt gemischte Herde rund um Mammut Manni, Faultier Sid und Säbelzahntiger Diego. Sie werden von den anderen, u. a. Mannis Gefährtin Elli und seiner Teenie-Tochter Peaches, mit der er sich kurz vorher gestritten hatte, getrennt und auf einer Eisscholle aufs Meer gespült. Ihr Ziel besteht nun darin, die anderen wiederzufinden und dabei nicht von Sids Oma in den Wahnsinn getrieben zu werden. Unterwegs treffen sie auf eine Piratenbande rund um Captain Utan und einen Haufen überraschend schlagkräftiger Meerschweinchen.

Nach wie vor ist Scrat die Hauptattraktion des Films. Was er wieder für verrückte Abenteuer erlebt,  ist wie jedes Mal zum Brüllen komisch (v. a. die letzte Episode). Szenen stiehlt aber auch Sids Oma, die sich in nix reinquatschen lässt und dazu praktisch unkaputtbar ist. Außerdem hat sie ein sehr praktisches Haustier.
Die Piratenbande ist unterhaltsam skurril, aber ich hätte sehr gut ohne das "Vorstellungs-Lied" leben können...
Der Plot um Peaches und ihr Bestreben, zu den coolen Kids zu gehören, ist ziemlich vorhersehbar, aber noch ganz erträglich und birgt für die Kinder die übliche Aussage "Versuch dich nicht zu verstellen, um dazuzugehören, sondern halt dich an deine wahren Freunde". Doch auch im vierten Teil schafft die "Ice Age"-Reihe es, einfach nur gute Unterhaltung zu sein. Wir haben viel gelacht.



Beautiful Thing
Und zum Abschluss etwas eher Ausgefallenes. "Beautiful Thing" ist eine schöne Geschichte ums Erwachsenwerden, die erste Liebe und das Milieu in einer britischen Hochhaussiedlung. Die beiden Teenager Jamie (Glen Berry) und Ste (Scott Neal) sind Nachbarn. Jamie  wird in der Schule ständig von seinen Mitschülern gemobbt und schwänzt deshalb besonders oft den Sportunterricht, was seine zumeist überforderte Mutter (Linda Henry) zur Verzweiflung treibt. Stes Vater ist Alkoholiker und lässt seinen Frust immer an seinem Sohn aus, den er für eine absolute Niete hält. Als es eines Nachts besonders schlimm ist, flüchtet Ste nach nebenan zu Jamie. Die beiden werden Freunde und stellen bald fest, dass da mehr zwischen ihnen ist. Aber wie soll eine Beziehung zwischen ihnen funktionieren, wenn Stes Vater es auf gar keinen Fall erfahren darf und man vor den Mitschülern nicht als Schwuchtel dastehen will?

Die Beziehung zwischen Jamie und Ste entwicklet sich glaubhaft und wird sensibel dargestellt. Die Darsteller der beiden Jungs sind sehr gut - Berry spielt Jamie als jemanden, der sein Andersein soweit akzeptiert hat, während Neal als Ste derjenige ist, der große Probleme mit der Reaktion seiner Umgebung hat, aber seine Gefühle auch nicht komplett verleugnen will. Auch die anderen Darsteller bringen ihre Rollen gut rüber und man merkt, wie desillusioniert die Menschen in dieser Siedlung sind. Jamies Mutter fühlt sich hilflos in der Erziehung ihres Sohnes, zieht aber etwas Stärke daraus, dass Leah, die Tochter ihrer Nachbarin, offensichtlich noch viel schlimmer geraten ist. Gleichzeitig hat sie aber offensichtlich doch ein gutes Herz, da sie Ste gerne hilft und auch später, als sie von Jamies Homosexualität erfährt, versucht damit klarzukommen.
"Beautiful Thing" hat einige lustige Momente, regt zum Nachdenken an und verlangt nach mehr Toleranz, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger daherzukommen. Einen Blick wert.

Sonntag, 6. März 2011

"Rango": Vielleicht der bessere Western diesen März?

Ich weiß, eine durchaus gewagte Behauptung und ich frage erst einmal nur provokativ in die Runde, denn "True Grit" habe ich noch nicht gesehen. Wird nächste Woche erledigt. Was ich aber auf jeden Fall sagen kann: "Rango" hat verdammt gut vorgelegt!

Ein namenloses Chamaleon wird durch einen dummen Zufall aus dem Auto seiner Besitzer auf einen Highway geschleudert. Ein paar Unanehmlichkeiten später findet er sich weit abseits der Straße in dem kleinen Westernstädtchen Dreck wieder. Fremde sind dort nicht gerade gern gesehen (und überleben nicht lang, das wissen die Stadtbewohner aus Erfahrung), und so nennt er sich Rango und spielt den großen Helden, der schon wer weiß wieviele Schurken umgelegt hat. Nachdem Rango eher durch Glück als Verstand einen gefährlichen Raubvogel erledigt hat, wird er zum Sheriff gemacht. Doch in Dreck gibt es ein großes Problem: Das Wasser ist verschwunden. Rango verspricht, es wiederzufinden - aber da gibt es Leute, die ihm einen Strich durch die Rechnung machen wollen. Und der gefürchtete Klapperschlangen Jake wird ebenfalls "erwartet"...

Gore Verbinski meldet sich nach der "Fluch der Karibik"-Trilogie mit einem computeranimierten Western über ein Chamäleon mit Existenzproblemen und allerlei seltsames Wüstengetier zurück. Nach den Trailern war ich eher skeptisch. Ich konnte den Film nicht einordnen: War es eine Komödie? Oder doch ein Western? Wie passten die surrealen Szenen mit riesigen Plastikfischen zu den sehr real animierten Bewohnern von Dreck? Alles höchst seltsam. Und so ging ich dann auch eher ohne Erwartungen in den Film - was ich bisher gehört hatte, klang positiv, und da Johnny Depp als Rango mitwirkte, musste ich den Film sowieso gucken. *g*

Und ich bin richtig positiv überrascht. Mir hat "Rango" sehr gut gefallen; er ist ziemlich skurril mit einem etwas schrägen Sinn für Humor (kein Wunder, dass Depp da mitmachen wollte...), aber vor allem: ein waschechter Western. Ich kenn mich in diesem Genre jetzt nicht soooo gut aus, aber selbst mir sind diverse Zitate an den guten, alten Westernfilm aufgefallen, und ich denke, Westernkenner werden hier richtig fündig, was nette Anspielungen angeht. Ich persönlich habe mich sehr über den Wink an "Fear and Loathing in Las Vegas" und vor allem "At World's End" gefreut. *g* Der Plastikfisch wird auch erklärt. *g*

Die Charaktere sind herrlich abgedreht und bieten immer wieder tolles Potential für kleine Gags am Rande, sei es der seltsame "indianische" Hilfssheriff mit seiner "Lone Star"-Hilfsscheriffsmarke; der Vogel mit dem Pfeil durchs Auge *schüttel*, das Vieh mit dem "tu"-Sprachfehler (gesprochen von Martin Semmelrogge, hah! Ich hatte Recht!), das Eidechsenmädchen Bohne mit ihrem zu unpraktischen Zeiten einsetzenden Überlebensmechanismus... Alles herrlich verrückte Charaktere, wobei Rango natürlich besonders heraussticht. Er weiß nicht, wer er ist, wo er hingehört, hat kein Ziel vor Augen. Also spielt er den Held, wie er es in seinem Terrarium schon immer gemacht hat. Im Grunde haben wir bei ihm die klassische Heldenreise - er wächst an den ihm gestellten Aufgaben, kommt zu Fall, rappelt sich wieder auf. Das ist nicht neu, aber Verbinski verkauft es einfach gut und unterhaltsam, auch immer wieder mit ironischen Brüchen.


Im Original wartet die Synchronisation mit Stars wie eben Johnny Depp, Isla Fisher, Bill Nighy (jaja, der Verbinski versammelt wieder ein paar alte Bekannte *g*), Ray Winstone oder Alfred Molina auf. In der deutschen Fassung verzichtet man zum Glück auf "große" Namen und besetzte rollenkonform. David Nathan, Depps Stammsprecher, spricht Rango und gefällt mir das erste Mal seit einiger Zeit wieder uneingeschränkt gut. Gerade in Depps "realeren" Filmen der letzten Zeit wie "Public Enemies" und v. a. in "The Tourist" fand ich ihn nicht mehr so gut wie früher, irgendwie fehlte mir was. Vielleicht versuchte er zu sehr, sich Depps Originalstimme anzupassen oder die Einsätze als Batman steckten ihm noch zu sehr in den Knochen - er klang irgendwie anders. Hier liefert er jedoch voll ab, springt zwischen ängstlich-fiepsig und taff-heldenmäßig hin und her und gefällt mir - vielleicht - sogar etwas besser als Depp selbst. *g* Ich hab den Film natürlich noch nicht komplett im Original gesehen, aber in dem was ich gesehen habe, erinnerte mich Depp manchmal etwas zu sehr an Kermit. *g*
Auch die anderen deutschen Sprecher leisten wirklich gute Arbeit; man hat viele Charakterstimmen gewählt, so habe ich mich besonders über Wolfgang Ziffer, Tilo Schmitz und eben auch Martin Semmelrogge (als Kröte Waffles) gefreut. Überrascht war ich, dass Michael Kessler ("Switch") Klapperschlangen Jake spricht. Hab ich nicht erkannt, aber sehr gut gemacht. TheBossHoss singen die lustige mexikanische Eulen-Combo, die das Geschehen immer wieder hochdramatisch kommentieren.

Visuell ist "Rango" großartig anzuschauen. Das hat richtig Westernflair, die staubige Prärie, die welken Kakteen, wunderschöne Sonnenuntergänge, tote Büsche, die über die Straße rollen, gleißendes Sonnenlicht, die richtig dreckige Stadt... Dazu wunderbare Kleinigkeiten (das Postgebäude ist ein alter amerikanischer Briefkasten; die Bilder im Büro des Bürgermeisters) und natürlich die ganzen Referenzen an das Westerngenre wie Duelle um 12 Uhr mittags, die Atmosphäre im Saloon (Stille und das Beobachten des Fremden), der Ritt durch die Prärie, der Auftritt einer Westernikone als "Geist des Westens". Ich bin sicher, mir ist nicht einmal die Hälfte von dem aufgefallen, was die Szenerie in diesem Film hergibt. Toll auch die große Verfolgungsjagd inklusive Luftangriff zu Wagners "Ritt der Walküren"!

Ich verließ das Kino in einer richtigen Hochstimmung, was möglicherweise auch an der großartigen Musik von Hans Zimmer (noch ein alter Bekannter *g*) gelegen haben mag, die uns stilecht durch den Abspann begleitet (der übrigens auch sehr schön animiert ist). ich glaube, den Soundtrack muss ich mir holen. Die Musik ist im besten Sinne klassicher Western, mit ruhigen Parts, aber auch vielen heroischen "Ritt der Sonne entgegen"- und "Dramatisches Duell"-Momenten. Sehr schön und passend.

Möchte man unbedingt etwas Negatives suchen, könnte man sicherlich sagen, dass das letzte Drittel nicht mehr so lustig ist (schließlich kommen wir an den dramatischen Punkt der Handlung), dass die Geschichte das Rad nicht unbedingt neu erfindet und man den Bösen auf den ersten Blick erkennt. Aber ehrlich: War mir total egal! Ich hab mich super unterhalten! :)

Fazit: Gore Verbinski überrascht mit einem richtig guten, humorvollen Western voller skurriler Charaktere. Sicherlich nichts für die ganz Kleinen, aber etwas ältere Kinozuschauer dürften von "Rango" super unterhalten werden.

Sonntag, 12. Dezember 2010

Holde Maid in Not? Nicht bei Disneys "Rapunzel"

Ich habe "Rapunzel" nun bereits zwei Mal gesehen und der Film begeistert mich immer mehr. Mit dem 50. Animationsfilm kann Disney definitiv an die großen Meisterwerke der Vergangenheit anschließen und ich finde es nicht vermessen, "Rapunzel" in einem Atemzug mit z. B. "Aladdin" zu nennen. Mir macht der Film einfach unglaublich Spaß! Ich fühle mich so richtig in meine Kindheit zurückversetzt, als ich mit staunenden Augen die ersten Male im Kino war und mich habe verzaubern lassen von den Märchen auf der Leinwand. Ich glaube, dass es einem Großteil der Kinder in den von mir besuchten Vorstellungen ebenso ging, allerdings ohne die Portion schönster Nostalgie, die ich bei diesem Film empfinde.

Dabei ist "Rapunzel" allerdings nicht altmodisch, oh nein. Das Grundgerüst des Märchens blieb bei der Handlung bestehen, mit kleinen Veränderungen hier und da: Rapunzel wird als Baby von Mutter Gothel entführt, weil diese die heilende und verjüngende Kraft von Rapunzels Haar für sich haben will. Gothel zieht die Kleine als ihre eigene Tochter auf, schließt sie aber aus Egoismus in einem versteckt liegenden Turm ein und erzählt ihr Schauergeschichten über die Welt außerhalb des Turms. Als kurz vor Rapunzels 18. Geburtstag auf einmal der auf der Flucht befindliche Dieb Flynn bei ihr im Turm auftaucht, überredet sie ihn, sie mit in die Stadt zu nehmen. Rapunzels Traum ist es nämlich, einmal die immer zu ihrem Geburtstag aufsteigenden Laternen aus der Nähe zu sehen. Flynn willigt - widerwillig - ein, und so nimmt das Abenteuer seinen Lauf.

Wären wir nun in einem altmodischen Märchen, würde der Held Flynn das ganze Retten übernehmen, und Rapunzel würde sich brav retten lassen. Hier ist es jedoch ein wenig anders - Rapunzel ist zwar aufgrund ihrer Lebensumstände liebenswert-naiv, aber längst nicht auf den Kopf gefallen und mit einer guten Portion Tatendrang, Neugier und Mut ausgestattet. Eigentlich ist sogar meist sie es, die Flynn aus brenzligen Situationen rettet.

Flynn Rider ist ein charmanter Gauner, sehr von sich überzeugt und Meister darin, sich überall Feinde zu machen. Ein guter Teil seines Auftretens ist jedoch nur Fassade und eigentlich ist er ein wirklich netter Kerl. Natürlich stellen er und Rapunzel irgendwann fest, dass sie etwas füreinander empfinden. *seufz* Muss ja nicht immer ein Prinz auf einem weißen Hengst sein.
Um vielleicht noch letzte Zweifler zu beruhigen: Trotz der Überpräsenz Flynns in den Trailern ist dies wirklich Rapunzels Film, ihr Weg in die Unabhängigkeit (sozusagen). Flynn ist... auch dabei. ;) Und der Film besteht auch nicht nur aus slapstickartigem Humor.

Ach so, da gibt es ja noch die tierischen Sidekicks, ohne die ein Disneyfilm einfach kein Disneyfilm wäre. Das sind das Chamäleon Pascal, Rapunzels treuer (und einziger) Freund, und das Palastpferd Maximus, das den Job seines Reiters erledigt und Flynn verfolgt. Sie sprechen zwar nicht (hätte ich in diesem Film auch irgendwie unpassend gefunden), haben aber so eine großartige Mimik und Körpersprache, dass sie häufig die Show stehlen. Beide kamen bisher in jeder der von mir besuchten Vorstellungen besonders gut an und leben von sehr gutem Timing.

Der Bösewicht des Films, Mutter Gothel (die übrigens kein einziges Mal mit ihrem Namen genannt wird), ist auch sehr gut gelungen. Wie man liest, wurden Disney-Mitarbeiter befragt, welche Eigenschaften sie an Müttern besonders schrecklich finden, und dies floss alles in Gothel mit ein. Vom ständigen Wangekneifen, über gemeine Bemerkungen bis hin zu knallharten, für die andere Person nicht wirklich nachvollziehbaren Verboten ist alles dabei. Die Beziehung zwischen ihr und Rapunzel ist kompliziert; ich hab mich noch immer nicht entschieden, ob sie Rapunzel wirklich nur wegen der magischen Haaren mag, oder ob sie das Mädchen nicht auch so zumindest ein wenig liebt. Mit fortschreitender Handlung wird sie jedoch immer hinterhältiger und gemeiner und braucht sich vor den klassischen Disney-Bösewichten keineswegs zu verstecken.

Die deutsche Synchronisation ist meiner Meinung nach sehr gut gelungen. Ich kann natürlich nur die Lieder wirklich vergleichen, aber da gefallen mir eigentlich sowohl die deutschen als auch die englischen Versionen ziemlich gleich gut, nur das Kneipenlied "Ich hab 'nen Traum" finde ich auf Deutsch deutlich überzeugender.
Alexandra Neldel ist absolut gelungen besetzt und vermittelt Rapunzels Emotionen sehr glaubwürdig. Die Rolle passt, man nimmt sie ihr ab. Rapunzels Singstimme, Pia Allgaier, hat mir ebenfalls sehr gut gefallen, und sie klingt im Grunde so wie die Neldel. Wirklich gut ausgewählt.
Moritz Bleibtreu wurde ja im Vorfeld ganz besonders kritisch beäugt (wozu gerade Disneyfans sehr stark neigen - jeder Promi ist aus Prinzip erstmal schlecht, außer er ist Comedian *g*). Ich finde, er hat seine Sache gut gemacht. Seine Stimme passt auf jeden Fall zu Flynn, und auch wenn er das leicht Schnoddrige in seiner Stimme nicht immer komplett ablegt, ging es mir nie auf die Nerven oder kam mir unpassend vor. Gute Leistung, es können sich bitte alle wieder abregen. Gesungen wird er von Manuel Straube (bekannt als Stewie aus "Family Guy", aber er sang 1994 bereits den jungen Simba in "Der König der Löwen" und sprach Emile in "Ratatouille"), dessen Stimme gut zu Bleibtreus passt und in den kurzen Gesangspassagen abliefert.

Mutter Gothel wird von Monika Bielenstein gesprochen, einem alten Hasen im Synchrongeschäft (u. a. Emma Thompson, Cybill Shepherd, aber auch schon für Disney als Bianca in "Bernard und Bianca im Känguruhland" und Rita in "Oliver & Co."). Sie ist absolut glaubwürdig und zieht alle Register von "liebe Mutti" bis "böses Miststück". Gesungen wird Gothel von Christine Leyser, ebenfalls passend gewählt. Sie ist im ersten Einsatz des Liedes "Mutter weiß mehr" freundlicher als ihr englisches Pendant Donna Murphy, was ich nicht unbedingt als störend empfinde. So ist der Kontrast zu der späteren Reprise des Liedes stärker. Der Text fließt allerdings im Original etwas besser.
René Marik, wohl am ehesten durch seine "Rapante Rapante"-Videos auf Youtube bekannt, spricht die Stabbington-Brüder, welche von Flynn hintergegangen wurden und auf Rache sinnen. Ich weiß nicht, warum Marik für die Rolle gewählt wurde - da gibt es doch genug Sprecher, die von Natur aus eine dunkle Stimme haben. Er muss sich offensichtlich bemühen, diese knurrige Tonlage zu erreichen, es bewegt sich aber noch im Rahmen.
Alle anderen Sprecher sind gut gewählt und ich hab mich gefreut, als Maximus' Reiter ausgerechnet Jörg Hengstler herauszuhören (u. a. Quentin Tarantino, Kogoro Mori in "Detektiv Conan"). Juhu!

Was ein richtiges Disney-Märchen ist, braucht natürlich auch Lieder. Diese wurden vom altbewährten Alan Menken komponiert, dem wir schon die Klassiker aus "Arielle" und "Die Schöne und das Biest" zu verdanken haben. Er hat diesmal keine großen Broadway-Shownummern komponiert, für die eigens eine Szene geschrieben wurde, sondern Lieder, die sich logisch aus der Szene entwickeln, wandelt also eher auf der Pfaden früherer Disney-Märchen wie "Dornröschen". Sie treiben die Handlung voran oder erzählen etwas über die Charaktere, wodurch der Zuschauer die einzelnen Motivationen besser nachvollziehen kann.
Rapunzel hat mit "Wann fängt mein Leben an" einen hübschen Opener bekommen, der allerdings zuerst ein wenig Disney-untypisch klingt, in der späteren Reprise aber zulegt. Gothels "Mutter weiß mehr" ist v. a. aufgrund des Textes sehr interessant, in dem sie Rapunzel vor all den Gefahren der Außenwelt warnt und ihr gleichzeitig einbläut, dass sie allein draußen niemals zurechtkommen würde. Die Reprise ist großartig und auch sehr gut inszeniert. Ein bisschen lasch ist die Kneipennummer "Ich hab 'nen Traum" - sie ist nett gemacht und auch zum Mitschunkeln geeignet, hätte aber nicht unbedingt sein müssen.
Das Herzstück der Lieder ist jedoch "Endlich seh ich das Licht", die große Ballade von Rapunzel und Flynn. Das Lied an sich ist eine wirklich hübsche Ballade, kein Lied für großen Beltgesang, sondern zarter, ans Herz gehend. Und das Lied hat das große Glück, in einem der schönsten Momente der Disney-Animationsgeschichte vorzukommen: Der Laternenszene. Wenn Flynn und Rapunzel in ihrem Boot sitzen, auf das Schloss schauen und von tausenden Laternen umgeben werden, ist das atemberaubend schön und einfach ... magisch. Für diese Szene allein lohnt sich der Film. Und für die schöne Stadt-Montage zu irisch angehauchter Tanzmusik.

Noch kurz etwas zum technischen Aspekt von "Rapunzel". An der Computeranimation gibt es absolut nichts zu bemängeln; man hat es tatsächlich geschafft, die Zeichentrickoptik der Figuren glaubwürdig zu übertragen. Die Hintergründe sind ein Traum, und hier wurde auch oft die vorher so angepriesene Ölgemäldeoptik angewendet. Ich hatte zwar davon gehört, habe jetzt aber nicht auf die große Revolution der CGI-Animation gehofft, von daher war ich kein bisschen enttäuscht, sondern einfach nur begeistert von der wunderschönen Animation. Besonders der Einsatz von Licht ist beeindruckend!

Der 3D-Effekt wird hauptsächlich zur Vertiefung des Bildes eingesetzt, nur bei der Laternen-Szene wird stark mit aus der Leinwand heraustretenden Bildern gearbeitet. Und das kommt bei den Kindern immer besonders gut an - jedes Mal gab es erstaunte Ohs und Ahs.

Das einzig Negative, was mir einfällt, ist, dass die Handlung nicht gerade den Originalitätspreis gewinnt. Hatte ich jedoch auch nicht erwartet, und man hat das Märchen doch ganz ordentlich aufgepeppt, ohne sich darüber in irgendeiner Weise lustig zu machen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Disneys "Rapunzel" ist ein wunderbarer Film für die ganze Familie, gleichzeitig Hommage an die glorreiche Disney-Märchentradition und Weiterentwicklung für unsere heutige Zeit. Der Film ist witzig, dramatisch, romantisch, mit einer guten Portion Action drin und sieht auch noch großartig aus. Also, perfekt für die Weihnachtszeit! Reingehen!

Samstag, 11. September 2010

Wir unterbrechen unser reguläres Programm für eine Sondersendung...

Zwei Kleinigkeiten, die ich einfach mal kurz dazwischenschieben muss, sonst fühl ich mich schlecht.



1. Verdammt Leute, geht "Toy Story 3" gucken!
Der Film ist einfach grandios und mit das Beste, was ihr dieses Jahr bisher im Kino erleben konntet. Und dabei mein ich nicht mal das 3D, hab den Film nämlich ohne gesehen, sondern einfach bezogen auf Figurenzeichnung, Handlung, Unterhaltungswert.

Es ist wirklich eine Schande, dass der Film weltweit sehr gut angenommen wird und bei uns nicht mal die 2 Mio. Besuchergrenze knackt. Dabei ist der Film tatsächlich etwas für die ganze Familie, im absolut besten Sinn. Ja, er bietet für Jugendliche und Erwachsene sogar noch viel mehr Unterhaltung als für die Kleinen und Kleinsten, obwohl diese genug vom Film beschäftigt werden, um die ganze Zeit über ruhig zu bleiben (selbst erlebt; ich saß in einer Kindervorstellung).

Desweiteren ist dieser 3. Teil auch wieder ein Beweis dafür, dass Fortsetzungen (und gerade dritte Teile, die ja gern besonders verschrieen sind) ihre Vorgängerfilme sogar deutlich überragen können. Ich mag "Toy Story 1 + 2" wirklich sehr gerne, aber sie sind nicht meine Lieblingspixarfilme. Dieser Teil jedoch könnte sich ganz oben in meiner Präferenzliste niederlassen (ist nach einmal Gucken noch nicht so sicher zu beurteilen, aber dass ich ihn am liebsten sofort noch einmal geschaut hätte, sagt schon viel). Und auch ein Beweis, dass Pixar zurzeit konkurrenzlos ist. Was die da in Reihe abliefern, ist nicht mehr zu glauben.

Wirklich, wirklich schön mit unglaublich gutem Humor, Gefühl, Spannung (oh ja! Ich saß auf der Kante des Sitzes gegen Ende und am Schluss hab ich geheult. *g*). Reingehen!



2. Wenn ihr die Möglichkeit habt, ein Tony Mono-Konzert zu besuchen - tut es!
Wenn ihr nur halbwegs etwas mit seinem "Wettervorhersong" auf 1live anfangen könnt, dann lasst euch eine Gelengenheit, ihn live zu sehen, auf gar keinen Fall entgehen!

Meine Freundin und ich haben von Anfang bis Ende nur gelacht und auch der Rest des Publikums (alle Altersschichten waren vertreten) hat sich köstlich amüsiert. Viele Ideen sind einfach so kreativ und gleichzeitig bescheuert, dass man sie gutfinden muss, und Tonys Moderation zwischen den Liedern ist ebenfalls wunderbar! Sehr spontaner und sympathischer Typ (ganz am Ende war er dann kurz mal er selbst bevor er wieder in den Tony-Modus geschaltet hat *g*) und seine Partnerin "Annemarie" (falls sie denn wirklich so heißt *g*) war ebenfalls toll. Außerdem bietet sie dem männlichen Publikum ordentlich was zu gucken. Wäre ja sonst auch unfair, wo wir Frauen doch den ganzen Abend über den gottgleichen Tony ansabbern können. ;)

3 Zugaben, Standing Ovations mit Riesenapplaus, über 2 Stunden super Unterhaltung und das für grade mal 20 €. Wenn er nächstes Jahr wieder halbwegs bei mir in der Nähe auftritt, bin ich definitiv wieder dabei!

Ebenfalls: Angucken, Leute!

Sonntag, 18. Juli 2010

30T FM: Tag 20

Tag 20: Eine emotionale Szene


Dies war mal wieder eine leichte Entscheidung. Bei der Montage zu Beginn von Oben habe ich geweint. Im Kino. Das ist das letzte Mal... noch nie passiert. Klar, die Augen waren manchmal ein bisschen feucht, aber jedes Mal hat irgendwas die Stimmung zerstört (weinende Sitznachbarn, Popcornrascheln...).

Mit einer Freundin habe ich die Preview besucht, die sehr leer war (WARUM? Ihr Ignoranten!) und ich hatte zumindest vorher gelesen, dass der Anfang doch ziemlich zu Herzen geht. Aber gut, ich dachte natürlich, dass es bei mir nicht anders läuft als sonst auch. Und meine Güte, was hab ich geheult! So ergreifend, so schön, so traurig! Meiner Freundin liefen auch die Tränen so das Gesicht runter, denn sie war absolut unwissend in den Film gegangen (ihr Wissen war: "Ein Opa bindet Luftballons an sein Haus und fliegt damit rum"). Und direkt nach der Montage kommt eine lustige Szene und wir mussten lachen, obwohl wir ja eigentlich noch weinten.

Hach, großartig!

Sonntag, 6. Dezember 2009

"Küss den Frosch"


Gerade gesehen und für gut befunden.

Ich weiß nicht, ob ich den Film vielleicht durch eine nostalgisch verklärte Brille sehe, aber mir hat er richtig gut gefallen! Es war eigentlich alles drin, was ich von einem leicht kitschigen Disney-Film zu Weihnachten erwarte: Liebenswerte Charaktere im geliebten und bewährten Stil, leicht schräge Tierfiguren (sprechend natürlich^^), viel (gute!) Musik, Romantik, ein cooler Bösewicht (und yepp, das war er!) und ein Happy End. Und nein, das ist kein Spoiler, wer erwartet denn bitte schön in einem Disney-Zeichentrickfilm, dass das Ganze hochdramatisch-traurig endet? ;)

Die Handlung:
Tiana arbeitet als Kellnerin in New Orleans in gleich zwei Restaurants und spart jedes kleine bisschen Geld für ihren großen Traum: Ein eigenes Restaurant zu eröffnen, so wie es sich ihr Vater immer gewünscht hat. Ihr ist nie etwas in den Schoß gefallen und da sie aus armen Verhältnissen kommt, musste sie imemr hart für ihre Träume schuften. Nicht so Prinz Naveen, der gerade zu Besuch in der Stadt ist und das Leben immer locker-leicht genommen hat. Schließlich haben seine Eltern Geld, was soll er sich also Sorgen machen?! Naveen trifft auf den hinterhältigen Voodoo-Zauberer Dr. Facilier, der ihn zu einem Deal überredet. Dumm nur, dass ein Deal mit Dr. Facilier immer auch ein oder zwei Haken hat. So endet Naveen als Frosch, während sein Diener nun als Prinz Naveen auftritt. Der echte Prinz trifft auf einem Kostümball auf Tiana und überredet sie – mit Hinweis auf die Geschichte „Der Froschkönig“ – dazu, ihn zu küssen. Blöd nur, dass sich Naveens Fluch prompt auf Tiana überträgt und sie selbst ebenfalls zum Frosch wird. Die beiden müssen nun wohl oder übel zusammenarbeiten und sich durch die Sumpfgebiete New Orleans’ kämpfen, um Mama Odie zu finden, die ebenfalls eine ziemlich Koryphäe im Voodoo ist. Unterwegs treffen sie natürlich auf so manche interessante Gestalt und Dr. Facilier ist ihnen ebenfalls dicht auf den Fersen...

Naja, der Ausgang der Handlung dürfte nicht allzu schwer zu erraten sein, aber wer das hier erwartet hat, hat selbst Schuld. Die Handlung ging aber in einem guten Tempo voran, es gab viele witzige Momente, aber auch ein paar ruhige – sowohl traurig als auch romantisch.

Die Musik gliedert sich gut in den Handlungsfluss ein; ich hatte nicht das Gefühl, dass alles stillsteht für den „Hey, jetzt kommt ein Lied!“-Moment. Außerdem sind die Lieder ziemlich mitreißend, es jazzt und swingt und man muss einfach ein bisschen mit dem Fuß wippen. Eine Liedszene Tianas erscheint sogar im wunderbaren Retro-Look, was mich überrascht hat, aber einfach super aussah. Und auch passte, da sie sich in dieser Szene vorstellt, wie es in ihrem eigenen Restaurant aussehen wird. Überrascht hat mich auch ein wenig, dass es so viele Lieder sind. Okay okay, ich hätte mich natürlich auf youtube stürzen und nachschauen können, aber ich wollte mir die Lieder zuerst im Film anschauen, im Kontext. Mich hat es nicht gestört, dass es viele waren (ist ja auch immer relativ), da sie sich, wie gesagt, gut in die Handlung einfügen und einfach Spaß machen.

Die Synchro hat vorher ja für einigen Schrecken gesorgt... Cassandra Steen und Roger Cicero als Tiana und Naveen?! Und ich muss sagen, ich fand sie wirklich gut. Ich hab jetzt nicht das Original als Vergleich, aber ich finde es auch müßig, darüber zu meckern, dass in Deutschland der eine Satz nicht so betont wird wie im Original etc. Mich haben sie in ihren Rollen überzeugt, gerade von Cicero war ich wirklich positiv überrascht. Das einzige Problem, was sicherlich einige haben werden, ist, dass man ihm beim Singen deutlich erkennt. Wenn man ihn mag, ist das natürlich gut, aber wenn nicht... nun ja. Da Naveen noch nicht mal viel zu singen hat, hätte man hier auch ohne Weiteres auf jemand anders zurückgreifen können, aber für die Promotion wollte man vermutlich einfach möglichst viele bekannte Namen.

Marianne Rosenberg hat mir als Mama Odie auch sehr gut gefallen. Ehrlich gesagt, hatte ich ganz vergessen, dass sie dabei ist und hab erst am Ende wieder dran gedacht. Dementsprechend fällt sie also nicht negativ auf. *g*
Bill Ramsey als Krokodil Louis fand ich auch richtig gut und Robert Missler als Glühwürmchen Ray war auch okay. Im Deutschen funktioniert das mit dem Cajun-Akzent natürlich nicht so, aber immerhin haben sie sich dazu entschlossen, ihm einen französischen Akzent zu geben statt einen ... hessischen oder so.

Und der „Böse“, Dr. Facilier? Fand ich klasse! Der hätte gern noch viel mehr Szenen haben können... Der Wechsel zwischen Sprechstimme (Thomas Nero Wolff) und Gesangsstimme (Tommy Amper) war auffällig, was nicht hätte sein müssen .Egal, jedenfalls fand ich ihn klasse. :)

In meiner Vorstellung war es nicht besonders voll, noch nicht mal ein Viertel gefüllt würde ich sagen. Eigentlich sehr schade, aber wenn man bedenkt, was so ein Kinobesuch für eine komplette Familie kostet... da überlegt man sich das schon zweimal, ob man die lieben Kleinen nicht doch mit einer DVD vorm Fernseher parkt. Meine Freundin und ich hatten schon etwas Angst, dass die Kinder stören könnten, aber sie haben sich alle sehr gut benommen, will heißen: Sie haben nicht genörgelt, gequengelt oder rumgeschrieen.
Neben mir saß eine Frau mit einem ca. 8 Jahre alten Jungen und einem etwas älteren (vielleicht 11). Sie hatte schon unglaublich Spaß bei den Trailern, genauso wie der Ältere, während der Jüngere anscheinend beschlossen hatte, diesen Kinobesuch stoisch über sich ergehen zu lassen. Das erste, was er zu seiner kichernden Mutter sagte: „Boah, Mama, du bist voll peinlich!“ *g* In den ruhigeren Szenen war er auch nicht so wirklich bei der Sache, aber beim Finale mit Dr. Facilier rutschte ihm dann doch ein „Yeah!“ raus. Jaja, die Jugend von heute.

Zwei Trailer gab’s: Einmal „Rock it!“, was wohl das deutsche „High School Musical“ ist. Wirklich, mit Massentanzszenen, Love Story etc. Ich ringe mit mir, ob ich mir den anschaue oder nicht... Und dann noch den „Toy Story 3“-Trailer, der sehr gut ankam.

So, ein schönes Kinoerlebnis vor Weihnachten. Was hab ich die guten, alten Zeichentrickfilme um diese Jahreszeit vermisst. :)

Sonntag, 11. Oktober 2009

Eine wunderbare Reise

Eigentlich hatte ich ja gar nicht vor, mir das neueste Pixar-Werk im Kino anzuschauen. Nicht, dass ich Pixar-Filme nicht mag. Ganz im Gegenteil. Ich mag sie sehr. Sowohl ihre Kreativität, ihren Ideenreichtum als auch ihre Liebe zu und für Details.

Und ich erinnere mich gern daran zurück, wie ich in jungen Jahren und mit staunenden Augen den ersten vollständig am Computer erstellten Kinofilm der Pixar-Animation-Studios fasziniert im Kino verfolgt habe (die Rede ist natürlich von Toy Story). Dennoch habe ich nicht das Bedürfnis, mir jeden neuen Film von Pixar nun im Kino ansehen zu müssen. Bei manchen reicht es mir eben auch, mir dann irgendwann einfach die DVD zu holen. Meine Sympathie bzw. meine Begeisterung müssen sie sich nun auch mal mit anderen Filmvorlieben bzw. Vorlieben für andere Filmgenres teilen.

Auch bei Oben, welchen ich vorgestern mit meiner Schwester im Kino angeschaut habe, wollte ich mit "dem ersten Mal" warten, bis er dann auf DVD erscheint. Ursprünglich. Nun habe ich mich doch dagegen entschieden. Erstens, weil ich bisher nur durchweg gute Kritiken gelesen habe und mir auch vom Hörensagen bzw. den Erzählungen derjenigen, die den Film bereits gesehen haben, ein recht genaues Bild machen konnte. Zweitens, weil mir die Trailer und Filmausschnitte, die ich im Netz gefunden und gesehen habe wirklich sehr gefielen. Und zu guter Letzt, weil meine Schwester von irgendwann Mal noch zwei Kino-Freikarten hatte, die sie gedachte nun zum Einsatz kommen zu lassen und mit denen sie vor meiner Nase hin- und herwedelte. Das war natürlich ein schlagendes Argument, dem man sich nur schwer entziehen konnte und dem ich auch nichts mehr entgegen zu setzen hatte *g*.

Nun, dies ist ganz sicher keine Rezension über den Film Oben im üblichen Sinne, denn diese Arbeit hat Sunny bereits hier wunderbar erledigt, so dass ich mir das Erzählen der Handlung und Ausführungen zu derselben an dieser Stelle ersparen werde. Dennoch ist mir danach, einfach noch ein paar Worte zum Kinobesuch selber sowie einige wenige Gedanken zum Film zu hinterlassen.

Wir wählten die Abendvorstellung um 20:00 Uhr in einem der größten Kinokomplexe in unserer Heimatstadt. Oben wurde in einem der mittleren Kinos gezeigt mit ca. 260 Plätzen. Der Saal war zu etwa zwei Dritteln gefüllt, was mich dann doch überrascht hat (ich hätte mit weniger gerechnet). Sicher spielte eine Rolle, dass es sich um eine Vorstellung am Freitagabend handelte und die warmen Sommerabende vorbei sind, in denen sich die Leute lieber zum Grillen im Garten treffen, als ins Kino zu gehen. Aber der Film läuft bereits in der 4. Woche und der Kinokomplex enthält 14 Kinos. Das Angebot an Konkurrenzfilmen ist da natürlich nicht gerade klein, allen voran zurzeit immer noch Wickie und die starken Männer, vor dessen Kinokasse sich auch in der 5. Woche, nachdem der Film in den Kinos angelaufen ist, immer noch eine sehr lange Schlange reihte, wie wir beobachten konnten. Aber vielleicht hat sich ja durch Mund-  propaganda mittlerweile doch herumgesprochen, dass Oben ein wirklich sehenswerter und weiterer gelungener Film von Pixar ist, der einen Kinobesuch allemal lohnt. Zumindest bei mir hat das ja funktioniert^^. Ich würde es dem Film auf jeden Fall sehr wünschen.

An Werbung für kommende Filme wurden Trailer zu Planet 51, Küss den Frosch, Niko-ein Rentier hebt ab und Alvin und die Chipmunks 2 gezeigt.

Und dann begann auch schon der obligatorische Pixar-Kurzfilm, der ja immer vor dem eigentlichen Hauptfilm folgt. Ja, in diesem Kino wurde er gezeigt! Ich habe öfters gelesen, dass dies wohl nicht immer und überall der Fall gewesen ist, was an sich schon ein Schande ist und eigentlich an Unverschämtheit grenzt, denn sie gehören bei Pixar-Filmen nicht nur einfach dazu (und sind schließlich im Kinopreis mit inbegriffen^^), sondern stimmen in der Regel auch gut auf das dem Kurzfilm folgende eineinhalb bis zwei Stunden dauernde Kinoerlebnis ein.



Teilweise wolkig war mir zwar schon durch Youtube bekannt, allerdings in  wirklich grottenschlechter Qualität, so dass ich froh war, ihn jetzt sozusagen in voller Schönheit genießen zu können.

Was soll ich sagen? Wunderschöner Vorfilm! Allein das Thema des Kurzfilms (die kleinen Babys kommen aus den Wolken und ja, es stimmt....der Storch bringt sie!) ist schon eine unglaublich entzückende Idee an sich und wurde einfach hinreißend und sehr liebevoll umgesetzt in wirklich sehr schönen Bildern.  Ich liebe diese Pixar-Kurzfilme einfach und bin immer wieder überrascht über den Ideenreichtum dafür. In der Rangliste meiner Lieblings-Pixar-Kurzfilme nimmt dieser in jedem Fall eine der vorderen Ränge, wenn nicht sogar momentan den ersten Platz ein. 

Die Zuschauer sind schon beim Vorfilm wunderbar mitgegangen. Als die einzelne, einsame, traurige, dunkle Wolke unterhalb des hellen, rosa durchfluteten Wolkenfeldes auftauchte gab es schon ein allgemeines mitfühlendes "Oooooh", was durch wirklich den gesamten Kinosaal raunte.....und es sollte nicht das letzte bleiben *g*. Der Vorfilm vermittelt eine herrliche Stimmung und entlässt einen mit einem zufriedenen Lächeln und in freudiger Erwartung auf den Hauptfilm.

Wie sich schon im Vorfilm andeutete, hatten wir mit dem Publikum dieses Mal viel Glück. Hauptsächlich erwachsenes Publikum, aber tatsächlich auch noch ein paar jüngere Kinder darunter (was bitte machen die um diese Uhrzeit noch im Kino? Tsss...). Sie fielen jedoch überhaupt nicht unangenehm auf, was natürlich ganz sicher auch daran lag, dass sie in Begleitung ihrer Eltern waren und dass es sich überwiegend um ein Erwachsenen-Publikum handelte im Gegensatz zu den Nachmittagsvorstellungen voller Kinder aller Altersklassen, gerade bei solcher Art von Filmen (das letzte Mal erlebt bei der Nachmittagsvorstellung von Ice Age 3...uff!). Aber sie waren unüberhörbar, vor allem bei den eher slapsticklastigen Szenen.

Wie gesagt, das Publikum war prima, ist sehr gut mitgegangen, war an den richtigen Stellen still und gerührt oder eben amüsiert, erheitert und hat folgerichtig deshalb auch an genau den richtigen Stellen mitgelacht. Es war spürbar, wie das gesamte Publikum den Film regelrecht "mitgelebt" hat. Das war schön und ist mir so -in dieser Form- auch bis jetzt nur ein einziges Mal passiert und zwar damals in der zweiten Vorstellung von PotC 2, die ich seinerzeit besucht habe. Auch da ein tolles Publikum, was den Film für mich zu einem doppelten Genuss hat werden lassen. Dieses Glück hat man ja leider nicht immer^^.

Direkt hinter uns und schräg in der Reihe direkt vor uns, saßen zwei Typen, die sich an manchen Stellen im Film gar nicht mehr einkriegen wollten und so lauthals und herzhaft gelacht haben, dass sie die restlichen Zuschauer dann noch mal umso mehr mitgerissen haben *g*. Schön auch, wie das Publikum auch gerade auf die etwas feineren Nuancen und mehr versteckten humoresken Szenen reagierte und diese durch ein leises Lachen oder unterdrücktes freudiges Gekichere honoriert hat.

Das einzige, was mich anfangs ein wenig nervte, war der Typ direkt neben mir, der ein Portion Nachos verspeiste und dessen ständiges Knurpseln und Krachen mich zu Beginn ein paar Mal aus meiner Konzentration auf den Film riss. Irgendwann dachte ich: "Du meine Güte, wann hat er sie denn endlich aufgegessen....die Portion war doch gar nicht so groß, menno!". Aber ungefähr nach einem Drittel des Films verstummte er dann endlich und erstarb. Beziehungsweise "es". Also das Knurpseln, nicht der Typ *g*. Und nachdem dessen Nacho-Hunger bis zum Ende des Films wohl offensichtlich gestillt war, tat sich auch –Gott sei Dank- keine weitere Störquelle mehr für mich auf, so dass ich den Film ohne weiteres durchgängig bis zum Ende genießen konnte (inklusive des Abspanns, der ebenso wie der ganze Film sehr liebevoll gemacht und gestaltet ist).

Zum Film selber:

   

Schön fand ich, dass Pixar diesmal zwei Spezies zu Hauptcharakteren gemacht hat, die auch in unserer realen Welt nun eher zu den ich will nicht sagen "Randgruppen" gehören, aber doch zu den kaum bis gar nicht beachteten oder auch durchaus oftmals ausgegrenzten Gruppen, die sicher weniger als mehr im Zentrum unserer Gesellschaft stehen und eben oft hintenan fallen. Alleinstehende, verbitterte, gesundheitlich bereits eingeschränkte, vereinsamte, alte Menschen und kleine, dicke, ständig essende, emotional wohl eher vernachlässigte und gleichsam nach Anerkennung wie Schokolade hungernde (jedenfalls in diesem Fall *g*)  Kinder. Mutig finde ich das. Es sind ja damit nicht unbedingt die klassischen Helden, die wohl eher das Publikum (vor allem wohl das jüngere) ins Kino ziehen dürften. Und doch sind sie Helden. Auf ihre sehr eigene Art und Weise.

Im Übrigen habe ich mich verliebt. Und zwar bereits, als ich den Trailer zum ersten Mal  gesehen habe. Sofort und auf der Stelle! In Russell *g*. 

Dieser kleine, übergewichtige, übereifrige Junge ist einfach nur supermegaknuffig. Aber eben auch der schrullig-liebenswerte Carl ist auf seine Art einfach herzig. Und kämpft mit seinen "Waffen", ganz seinem Alter entsprechend *g*. Hunde- und Vogelliebhaber kommen in diesem Film übrigens auch voll auf ihre Kosten.

Die deutsche Synchro fand ich durchweg gelungen. Besonders auch bei Carl und Russell. Die Stimmen passten für mich perfekt zu den Charakteren.

Tränen vergossen habe ich übrigens nicht. Das mag aber sicher auch daran liegen, dass ich bereits zuviel von dem Film gelesen und gehört hatte, so dass ich wusste, was mich erwartete. Die einzige Stelle, die diesbezüglich für mich ein wenig grenzwertig war, war die, als Carl noch einmal in dem Abenteuerbuch blätterte und entdeckte, dass Elli ihm dort noch etwas hinterlassen hatte. Da, in diesem Moment, als Carl diese Entdeckung machte und welche Botschaft Ellie ihm damit nach ihrem Ableben noch vermittelte, und als sich dann auch noch seine Augen mit Tränen zu füllen begannen, da bekam ich fast selber Pipi in den Augen und musste dementsprechend einen Moment lang tatsächlich schwer schlucken.

Meine Schwester hat übrigens geweint. Und nicht nur einmal ;).

Oben ist ein Film zum Lachen und zum Weinen. Ein Film für Jung und Alt, für Groß und Klein, für Dicke und Dünne, für Schokoladenliebhaber und auch für die, die schokoladen-technisch eher zu den Unbestechlichen gehören *g*. Ein Film für Jedermann...und auch für jede Frau ;). Kurz gesagt, ein Film für die ganze Familie. Mit wunderschönen Landschaftsbildern. Mit unglaublich liebevoll ausgearbeiteten Charakteren. Ein Film, der einen mit auf die Reise nimmt. Nicht nur auf eine Reise nach Südamerika und hinein in das gemeinsam zu bestehende Abenteuer der Protagonisten, sondern auch auf die emotionale Reise in deren eigene(n) Geschichte(n).

Mich persönlich hat der Film einfach nur begeistert, gerade auch in seinen stillen, melancholischen Momenten sowie in seinen Details und ich finde ihn in seiner ganzen Mischung aus heiter, komisch, traurig, ruhig und abenteuerlich absolut rund und überaus gelungen.

Im Nachhinein bin ich wirklich froh, dass ich ihn mir -entgegen meiner ursprünglichen Intention- nun doch im Kino angeschaut habe, denn gerade auch bei den Landschafts- und Luftbildern entfaltet sich deren Wirkung noch einmal ganz anders und um so mehr, wenn man sie auf einer großen Kinoleinwand sehen kann (und das gilt für den Hauptfilm ebenso wie für den Vorfilm Teilweise wolkig!).

Deshalb bleibt wohl am Ende nur zu sagen: Danke für diese wunderbare Reise, Pixar!

Fazit:
Wer sich auf die Reise von und mit Carl und Russell einlässt, wird garantiert nicht enttäuscht werden. Ein wunderschöner, herzerwärmender, sehr liebevoll gemachter und gestalteter Film, der einen mit einem guten Gefühl wieder nach Hause entlässt. Absolut sehens- und ebenso empfehlenswert!




Weitere Filmkritik zu "Oben": 

Sonntag, 27. September 2009

Oben



Pixar spielt in einer ganz eigenen Liga. Ihr neues Meisterwerk Oben macht dies wieder einmal mehr als deutlich. Dieser Film hat mich restlos begeistert, mich zum Lachen, Weinen und Staunen gebracht. Meistens abwechselnd, manchmal gleichzeitig. Allein die Tatsache, dass der Film mich zum Weinen gebracht hat, zeugt davon, wie wunderbar sich Pixar darauf versteht, die Charaktere den Zuschauern nahe zu bringen. In Pixar-Filmen geht es in erster Linie um die Geschichte und die Charaktere. Pixar-Filme sind gemacht für jung und alt, sind witzig, herzerwärmend, spannend, traurig, wunderschön und entlassen einen immer mit einem erhebenden Gefühl.

Ich habe Oben mittlerweile zweimal gesehen: Einmal in der Vorpremiere mit gerade mal acht Leuten im Saal (meine Freundin und mich eingeschlossen), und nach offiziellem Kinostart in der nächstgrößeren Stadt in einem sehr gut gefüllten Saal und mit Leuten aus allen Alterstufen. Der Film hat alle Zuschauer absolut gepackt; es war schön, ein Publikum so mitgehen zu sehen. Sie waren gefesselt, an den „richtigen“ Stellen war es mucksmäuschenstill und wenn es witzig wurde, wurde lauthals gelacht. Das ist es doch, warum man ins Kino geht: Um dieses wunderbare Gemeinschaftsgefühl zu erleben, wenn man mit Leuten zusammensitzt, die den Film genauso toll finden wie man selbst!

Oben beginnt mit einer wunderschönen Montage über des Leben des Protagonisten Carl Fredericksen. Sie zeigt uns, wie er die Liebe seines Lebens, Ellie, trifft, wie sie heiraten, das Haus renovieren, zur Arbeit gehen, davon träumen, irgendwann einmal nach Südamerika zu fliegen und gemeinsam alt werden. Am Ende dieser Montage ist Carl Witwer und der Zuschauer ein emotionales Wrack. :) Nicht umsonst wurde diese Szene vom englischen Kinomagazin TOTAL FILM zur besten Animationsfilm-Szene überhaupt gewählt. Wenn hartgesottene Filmkritiker bei der Premiere in Cannes alle unisono anfangen, sich verstohlen die Tränen aus den Augen zu wischen, dann hat man einen Hit gelandet.

Nach diesem Paukenschlag zum Anfang setzt die eigentliche Handlung ein. Carl soll sein Haus verkaufen, um Platz für neue Hochhäuser zu machen, was für ihn natürlich nicht in Frage kommt. Er fasst den Entschluss, dann eben mitsamt seinem Haus nach Südamerika zu fliegen, und sich somit seinen und Ellies Traum zu erfüllen. Als sein Haus, an tausende von Luftballons gebunden, losfliegt, muss er feststellen, dass er einen Pfadfinderjungen namens Russell unfreiwillig mit an Bord genommen hat. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als ihn mit nach Südamerika zu nehmen. Dort erwartet ihn ein Abenetuer, mit dem er niemals gerechnet hätte, mit sprechenden Hunden, einem Riesenvogel und so mancher Überraschung.

Es ist im Grunde am besten, wenn man gar nicht mehr über die Handlung weiß. Denn die entfaltet sich ganz wunderbar und mir war nicht eine Sekunde während des Films langweilig. Es gibt bittersüße Szenen, in denen ich weinen musste, auf die häufig unglaublich lustige Szenen folgen... ein herrliches Wechselbad der Gefühle!

Die Charaktere sind sehr liebenswert, vom grantigen Senioren Carl über den knuddeligen Russel bis zum liebenswerten Hund Dug (der mich sehr an unseren Hund erinnert hat...). Die deutsche Synchronisation ist sehr gut gelungen. Ich kann jetzt natürlich nicht mit dem Original vergleichen, aber die Stimmen sind alle sehr passend ausgewählt (wie man es von Pixar-Filmen erwartet) und die Gags funktionieren. Die einzige Übersetzungsänderung, die mir bekannt ist, ist der Ausruf der Hunde. Im Original sagen sie „Squirrel“, also Eichhörnchen. Das lässt sich im Deutschen natürlich nicht so schön rufen, und außerdem jagen bei uns Hunde sowieso eher Katzen nach, also sagen sie in unserer Fassung auch „Katze“. Wenn es weiter nichts ist...

Manche mögen vielleicht sagen, dass mit der Erinnerung an Ellie etwas zu sehr auf die Tränendrüse gedrückt wird. Das ist sicherlich Geschmackssache; ich fand es jedenfalls einfach schön, wie sehr Carl seine Ellie geliebt hat – und sie ihn.

Oben ist ein wunderschöner Film, wieder ein richtiger „Feel good“-Film, der den Zuschauer mit einem großen Grinsen aus dem Kinosaal entlässt. Unbedingt anschauen gehen! Ich hoffe, dass Oben durch die positive Mund-zu-Mund-Propaganda noch ordentlich an Zuschauern zulegt.

Ach so, noch etwas: Wie immer gibt es auch bei Oben den obligatorischen Vorfilm. Die Kinos, die diesen wunderschönen Vorfilm Teilweise wolkig nicht zeigen, sollten einen Teil des Eintrittspreises erstatten. Ich hatte Glück und durfte ihn beide Male bewundern. Diesmal ist der Vorfilm nicht so lustig hysterisch wie Presto!, aber dafür stimmt er ganz wunderbar auf den Hauptfilm ein. Die Stimmung, die in Teilweise wolkig vermittelt wird, ist perfekt für Oben. So muss das sein.



Weitere Filmkritik zu "Oben":